Guten Abend Gast,
du schreibst überwiegend davon, wie sehr du von den Jugendlichen angehimmelt wirst und wie sehr sie dich bewundern.
Für mich ist sowas keine Freundschaft. Freundschaft passiert für mich auf Augenhöhe. Natürlich gibt es immer wieder Erfolge und Eigenschaften, für die man seine Freunde bewundert. Aber der Kontakt geschieht überwiegend auf Augenhöhe. Dies schwingt meiner Meinung nach bei dir wenig bis gar nicht mit. Du hast sogar selbst von dir als "Vaterersatz" geschrieben.
Das komplizierte ist einfach der Altersunterschied. Der ist jetzt nicht wirklich extrem ausgeprägt. Aber er ist da. Und als Jugendlicher ist man kein Erwachsener. Man ist noch ein halbes Kind. Du bist aber mit Mitte 20 ein Erwachsener und stehst ganz woanders. Alleine dieser Unterschied bei Erfahrungswerten und Reife kann dafür sorgen, dass es keine Freundschaft auf Augenhöhe ist, wenn es schief läuft, oder es sehr schwierig wird, eine Freundschaft unter diesen Gegebenheiten aufzubauen. Was anderes finde ich wäre es, wenn du z. B. 40 wärst und die anderen Anfang 30.
Wenn du ihnen hilfst und sie unterstützt, weil du es gut mit ihnen meinst und etwas für sie tun möchtest, dann ehrt dich das. Hilfst und unterstützt du sie, um noch mehr Anerkennung und Bewunderung zu bekommen, um überspitzt gesagt als der "Good Guy" dazustehen, dann finde ich das weniger ehrenhaft. Ist aber nur meine persönliche Meinung dazu.
Komisch fände ich einen freundschaftlichen Kontakt zu Jugendlichen nicht. Aber wenn ein erwachsener Mann von Mitte 20 alles mögliche tut, um Anerkennung von Jugendlichen zu bekommen, fände ich das etwas schwierig. Wie sieht es denn diesbezüglich bei dir aus? Brauchst du das Anhimmeln und die Bewunderung von ihnen, oder wärst du auch mit ihnen gerne zusammen, wenn das nicht so wäre? Wenn du einen Haufen Freunde Mitte und Ende 20 hättest, würdest du trotzdem mit diesen Jugendlichen befreundet sein und das auch wollen?
Es ist auch nichts schlechtes dabei, anderen helfen zu wollen. Aber dabei sollte man nie sein eigenes Fortkommen vergessen oder ob wirklich jede Unterstützung so gut für den anderen ist. Man kann mal Aufgaben heimlich mitmachen, wenn einer im Unterricht einpennt. Passiert das immer wieder, ist halt die Frage, ob das so gut ist, wenn der andere sich vielleicht unter Umständen auf einen so sehr verlässt, dass man gewisse Verpflichtungen auf ihn ablädt. Oder sieht, egal wie oft er einpennt, das Ding wird schon irgendwie geschaukelt und er erfährt keine Konsequenzen. Oder bequem wird, weil "der andere regelt das schon" oder "der andere springt ja ein, wenn es nicht gut läuft". Wer zu hilfsbereit ist, kann auch leicht ausgenutzt oder benutzt werden. Ich will das auf keinen Fall schlecht reden oder die Jugendlichen so hinstellen, als würden sie dich ausnutzen. Ich will aber darauf hinaus, dass die Gefahr immer besteht, wenn man sich sehr, vielleicht zu sehr für andere einsetzt und ihnen hilft.
Oder wenn du als reifere oder erwachsene Person zusiehst, wie die Kids sich volldröhnen mit Drogen. Oder sogar welche für sie besorgst. Ist auch nicht gut. Eine wirkliche Hilfe wäre es, ihnen zu sagen, dass sie sich und ihr Leben unter Umständen wirklich versauen können. Und ihnen keine Drogen zu besorgen. Auch wenn du dann ein "Spielverderber" und nicht mehr so sehr der Good Guy wärst.
Aber dazusitzen und zu sagen "Die ziehen sich verpanschtes giftiges Zeug rein" und sonst nichts zu machen, aber dann davon zu reden, wie man angeschwärmt wird von ihnen und wie ernst sie doch einen als älteren Mitschüler nehmen und wie sehr man darum bemüht ist, ihnen zu helfen, ist für mich eine gewisse Schieflage.
Unabhängig davon solltest du dein eigenes Leben jetzt auf die Reihe bekommen und dich auch um deine Zukunft positiv kümmern. Und wenn dir Freundschaften fehlen, weil gleichaltrige Leute in deinem Umfeld nur mit Drogen zu tun haben oder kaputt sind, dann würde ich allgemein dafür sorgen, mir ein anderes Umfeld aufzubauen und allgemein neue Kontakte zu knüpfen und dies nicht nur auf Jugendliche in meiner Ausbildung beschränken.
Mal nebenbei die Frage: es wirkt fast so, als ob gefühlt mindestens 50% mit Drogenhintergrund oder Drogenvergangenheit diese Ausbildung machen?