Vor der Wahl wollte die FDP das Entwicklungsministerium auflösen, jetzt amtiert der Liberale Dirk Niebel als Entwicklungsminister.
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Und dann kam auch noch Dirk Niebel angefahren, der neue Minister, der bislang kein Hehl daraus gemacht hatte, dass er dieses Ministerium für überflüssig hält. Nun wird er dessen Chef - ein besonders krasser Fall von Postengeschacher.
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Wie viele Schnellredner nimmt es Niebel mit dem Wahrheitsgehalt seiner Sätze nicht allzu genau. So hat er es in den vergangenen viereinhalb Jahren als Generalsekretär praktiziert. In der Großen Koalition, sagte Niebel einmal, habe es gemufft "wie einst bei der Nationalen Front der DDR".
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Parteichef Guido Westerwelle behandelt seinen großmäuligen Sekretär nicht immer freundlich. "Halt endlich die Klappe", schnauzte er seinen Sprücheklopfer einmal für alle hörbar an.
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Trotzdem ist Niebel stets bis in die Zehenspitzen loyal geblieben. Die "Welt" verspottete ihn als "Westerwelles Schoßhund".
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"Ich bin Anfänger", verkündete Niebel vorige Woche
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Als wuchtige Hypothek dürfte sich erweisen, was Guido Westerwelle voriges Jahr gefordert hat: Ländern, in denen Frauen und Homosexuelle schwer diskriminiert werden, sei die Entwicklungshilfe zu verweigern. Das aber gibt es in den meisten der 58 Länder, die Deutschland unterstützt.
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Und Niebel versorgt nicht nur sich selbst. Kaum einer bringt so viele Parteifunktionäre mit ins neue Ministerium.
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Für den FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz suchte die Partei seit Jahren einen anderen, hochdotierten Job. Nun ist er Niebels Staatssekretär.
Kanzlerin Merkel steht bei der internationalen Staatengemeinschaft im Wort, Verpflichtungen im Kampf gegen Hunger, Armut, Krankheit und Klimawandel zu erfüllen. Entwicklungszusammenarbeit ist globale Strukturpolitik. Keiner Partei ist diese Veränderung so nachhaltig entgangen wie der FDP.