Hallo Petra,
hm, gute Frage...
Also ich denke, das liegt daran, dass man einerseits wahnsinnig viele Möglichkeiten hat, andererseits ist man aber sehr auf sich allein gestellt.
Man kann seine Zeit mit so vielen Dingen tot schlagen aber immer ist diese Stimme im Hinterkopf, die nie so richtig zufrieden ist und mir einredet, dass etwas anderes zu tun noch mehr Spaß machen würde.
Das andere, die (relative) Unabhängigkeit, ist denk ich auch etwas, womit viele nicht richtig klar kommen. Das erkennt man immer an der Frage: "Was soll ich tun". Soll - das ist der Wunsch, jemand anderes würde mir meinen Willen vorgeben. Wo Lebensläufe sich früher oft wie ein Ei dem anderen glichen, finden sie sich heute in den unterschiedlichsten Variationen. Dadurch gibt es kaum noch zuverlässige, mehrfach erprobte Vorbilder mehr, nur noch Einzelfälle.
Der Verlust der Zwänge wird auch noch durch die technischen Neuerungen unterstützt. Früher traf man sich real in der Stammdisko um sich zu unterhalten, heute schaltet man das Internet ein und klickt sich virtuell durch diverse Foren. Der Unterschied: Man sucht heute viel gezielter und erfolgreicher nach Gesprächspartnern mit den gleichen Interessen. Das führt aber zunehmend zu einem Tunnelblick, wo man Dinge die außerhalb der aktuellen Interessen liegen, gar nicht mehr mitbekommt. Die Folge ist eine "Nichts macht mir Spaß"-Sichtweise. Unbekanntes ist leichter zugänglich, wenn es an mich heran getragen wird, als wenn ich es selbst finden will.
Eine weitere Ursache für den Sinnverlust ist diese hoch gelobte ständige Erreichbarkeit per Hänndie. Da hat man sich früher für den Abend etwas vorgenommen und wenn bis dahin etwas anderes hätte dazwischen kommen können, dann wurde das eben verschoben, denn man hatte ja schon was vor. Heute ist bei geplanten Vorhaben praktisch bis zur letzten Minute eine kurzfristige Absage möglich. Im Grunde wird heute gar nichts mehr fest vereinbart, sondern "mal sehen, was sich ergibt". Nicht selten ergibt sich dann erst Recht nichts mehr.
So, das sind erst mal meine Gedanken dazu, mir schwirrt noch einiges im Kopf herum, wie Versinglelung der Gesellschaft, Verlust von Werten, Reizüberflutung... na, ich bin mal gespannt, was hier noch alles für Gründe genannt werden.
Viele Grüße,
Jens