s0nnenkind
Mitglied
Hallo zusammen,
ich muss mir das mal eben von der Seele schreiben, weil ich mich mal wieder hilflos fühle und genervt bin von der Sturköpfigkeit meiner Eltern. Mein Vater ist über 80, meine Mutter über 70. Beide zeichnen sich durch extremen Altersstarrsinn aus und hinzu kommt, dass meine Mutter in ihrem Leben (v. a. seit den Geburten ihrer drei Kinder) mehrere Psychosen, mittlerweile fast ein Dutzend, hatte. Mein Vater fühlt sich ihr zu 100% verpflichtet und hat in seinem Leben noch nie gerne fremde Hilfe angenommen, sondern sich stets für sämtliche Familienmitglieder verantwortlich gefühlt. Daher wurde ich z. B. auch sehr unselbständig und überbehütet erzogen.
Zum Thema: Meine Mutter war 2021 mehrere Monate lang in der Psychiatrie aufgrund einer akuten Psychose, so lange wie noch fast nie. Ihre Behandlung verlief holprig, es gab ständig Arztwechsel und es wurden wild Medikamente ausprobiert. Im September konnte sie endlich wieder nach Hause. Man muss dazu sagen, dass ihre Psychosen immer nach demselben Muster beginnen: Sie rutscht in eine manische Phase, ist übermäßig aktiv, positiv und überdreht. Sie schläft immer weniger, erzählt extrem viel von den Stationen ihres Lebens und nimmt zu allen möglichen Leuten von früher wieder Kontakt auf. Es fühlt sich dann an wie der Film "Und täglich grüßt das Murmeltier": immer dieselben Themen, oft die exakt selben Wortlaute, ein sich verändernder Gesichtsausdruck, durch den meine eigene Mutter mir fremd wird und ich mich frage: Kenne ich diese Frau überhaupt? Scheinbar hat sie in ihrem Leben viel Traumatisches erlebt und auch einige Entscheidungen getroffen, die sie im Nachhinein bereut hat, bzw. unter so einigen Menschen gelitten (z. B. auch meinem Opa väterlicherseits, der wohl sehr herrisch war und einmal eine Scheidung verhindert hat).
Jedenfalls steckt meine Mutter jetzt, nur kurz nach ihrem langen Psychiatrieaufenthalt, wieder in dieser Phase. Seit ihrer Entlassung ist sie bei einer neuen Psychiaterin, die allerdings mehr auf Psychotherapie zu spezialisiert sein scheint und sie direkt mit den Worten begrüßte: "Sie nehmen aber viele Medikamente!" Leider sind Medikamente aber das Einzige, was meine Mutter vor diesem absolut unerträglichen Zustand einer akuten Psychose bewahrt, in dem ihr zusammenhangloses Gerede kaum auszuhalten ist und sie selbst kein normales Leben führen kann, sondern ausgelaugt zwischen tiefer Trauer und Überschwänglichkeit hin- und herschwingt. "Schauen wir mal, dass wir das im Lauf der Zeit ein bisschen reduzieren können." Kurz und gut: Die Medikation wurde in ihrer Zeit zuhause angepasst, da sie unter starker Müdigkeit, Kopfschmerzen etc. leidet. Anfängliche Gespräche mit meinem Vater über einen gerontopsychiatrischen Hilfsdienst bzw. eine Pflege-/Hilfskraft waren im Herbst schnell wieder vergessen. Hier greift der Altersstarrsinn meiner Eltern: "Ist doch alles gut jetzt!", "Mama geht's wieder normal!", "Ich bin doch da, um Mama zu unterstützen". Mein Vater sieht nicht ein, dass er alt wird (ist!), und fühlt sich SOFORT angegriffen, wenn man andere Hilfe als ihn für meine Mutter vorschlägt. Das ist aber nicht nur eine Sache seines Alters, sondern ein in meinen Augen krankhaftes Verantwortungsgefühl und vielleicht auch ein übersteigertes Bedürfnis nach Kontrolle. (Je älter ich werde, desto toxischer erscheint mir die Beziehung/Ehe meiner Eltern. Andererseits fühlt es sich so an, als würden sie sich mit ihren Störungen gegenseitig brauchen...). Mein Vater verdrängt auch absolut, dass der Zustand meiner Mutter jetzt wieder alarmierend ist. Ein absolut realitätsfernes Bedürfnis nach Harmonie.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin müde. Manchmal würde ich am liebsten den Kontakt zu meinen Eltern abbrechen. Man hat es mit gutem Zureden versucht, man hatte Wutausbrüche, Heulkrämpfe, dann wieder ruhige Momente... Es ist, als würde man bei ihnen gegen eine Wand reden. Sie wollen sich absolut nicht helfen lassen, meine Mutter hat jetzt bereits keine Krankheitseinsicht mehr und manchmal denke ich mir: Gut, dann helfe ich auch nicht. Andererseits tut es weh, meine Eltern verwahrlosen zu sehen (wobei ihre Wohnung z. B. schon in meiner Kindheit oft verwahrlost und unsauber war...), und ich möchte helfen.
Nächste Woche will ich die Psychiaterin meiner Mutter telefonisch kontaktieren und ihr den Ernst der Lage schildern. Ich weiß nämlich nicht, ob er ihr bewusst ist oder meine Mutter bei den Gesprächen mit ihr einfach nur gut spielt. Danach will ich mit meinen Eltern Tacheles reden. Der Psychiatrie-Aufenthalt 2021 war die Hölle, die Psychose schwer zu ertragen und genauso schlimm die Angst, dass mein Vater unter der Belastung zusammenbricht (er fuhr TÄGLICH in die Klinik, das ließ er sich einfach nicht nehmen). Ich mache das so nicht nochmal mit. Ich würde gerne einfach ein normales Leben führen können, ohne mir ständig Sorgen um meine Eltern machen zu müssen und meinen Partner zusätzlich damit zu belasten.
Ich musste das jetzt einfach mal runterschreiben. Danke, falls das wer liest. Und wenn jemand Gedanken dazu teilen möchte, freue ich mich natürlich.
ich muss mir das mal eben von der Seele schreiben, weil ich mich mal wieder hilflos fühle und genervt bin von der Sturköpfigkeit meiner Eltern. Mein Vater ist über 80, meine Mutter über 70. Beide zeichnen sich durch extremen Altersstarrsinn aus und hinzu kommt, dass meine Mutter in ihrem Leben (v. a. seit den Geburten ihrer drei Kinder) mehrere Psychosen, mittlerweile fast ein Dutzend, hatte. Mein Vater fühlt sich ihr zu 100% verpflichtet und hat in seinem Leben noch nie gerne fremde Hilfe angenommen, sondern sich stets für sämtliche Familienmitglieder verantwortlich gefühlt. Daher wurde ich z. B. auch sehr unselbständig und überbehütet erzogen.
Zum Thema: Meine Mutter war 2021 mehrere Monate lang in der Psychiatrie aufgrund einer akuten Psychose, so lange wie noch fast nie. Ihre Behandlung verlief holprig, es gab ständig Arztwechsel und es wurden wild Medikamente ausprobiert. Im September konnte sie endlich wieder nach Hause. Man muss dazu sagen, dass ihre Psychosen immer nach demselben Muster beginnen: Sie rutscht in eine manische Phase, ist übermäßig aktiv, positiv und überdreht. Sie schläft immer weniger, erzählt extrem viel von den Stationen ihres Lebens und nimmt zu allen möglichen Leuten von früher wieder Kontakt auf. Es fühlt sich dann an wie der Film "Und täglich grüßt das Murmeltier": immer dieselben Themen, oft die exakt selben Wortlaute, ein sich verändernder Gesichtsausdruck, durch den meine eigene Mutter mir fremd wird und ich mich frage: Kenne ich diese Frau überhaupt? Scheinbar hat sie in ihrem Leben viel Traumatisches erlebt und auch einige Entscheidungen getroffen, die sie im Nachhinein bereut hat, bzw. unter so einigen Menschen gelitten (z. B. auch meinem Opa väterlicherseits, der wohl sehr herrisch war und einmal eine Scheidung verhindert hat).
Jedenfalls steckt meine Mutter jetzt, nur kurz nach ihrem langen Psychiatrieaufenthalt, wieder in dieser Phase. Seit ihrer Entlassung ist sie bei einer neuen Psychiaterin, die allerdings mehr auf Psychotherapie zu spezialisiert sein scheint und sie direkt mit den Worten begrüßte: "Sie nehmen aber viele Medikamente!" Leider sind Medikamente aber das Einzige, was meine Mutter vor diesem absolut unerträglichen Zustand einer akuten Psychose bewahrt, in dem ihr zusammenhangloses Gerede kaum auszuhalten ist und sie selbst kein normales Leben führen kann, sondern ausgelaugt zwischen tiefer Trauer und Überschwänglichkeit hin- und herschwingt. "Schauen wir mal, dass wir das im Lauf der Zeit ein bisschen reduzieren können." Kurz und gut: Die Medikation wurde in ihrer Zeit zuhause angepasst, da sie unter starker Müdigkeit, Kopfschmerzen etc. leidet. Anfängliche Gespräche mit meinem Vater über einen gerontopsychiatrischen Hilfsdienst bzw. eine Pflege-/Hilfskraft waren im Herbst schnell wieder vergessen. Hier greift der Altersstarrsinn meiner Eltern: "Ist doch alles gut jetzt!", "Mama geht's wieder normal!", "Ich bin doch da, um Mama zu unterstützen". Mein Vater sieht nicht ein, dass er alt wird (ist!), und fühlt sich SOFORT angegriffen, wenn man andere Hilfe als ihn für meine Mutter vorschlägt. Das ist aber nicht nur eine Sache seines Alters, sondern ein in meinen Augen krankhaftes Verantwortungsgefühl und vielleicht auch ein übersteigertes Bedürfnis nach Kontrolle. (Je älter ich werde, desto toxischer erscheint mir die Beziehung/Ehe meiner Eltern. Andererseits fühlt es sich so an, als würden sie sich mit ihren Störungen gegenseitig brauchen...). Mein Vater verdrängt auch absolut, dass der Zustand meiner Mutter jetzt wieder alarmierend ist. Ein absolut realitätsfernes Bedürfnis nach Harmonie.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin müde. Manchmal würde ich am liebsten den Kontakt zu meinen Eltern abbrechen. Man hat es mit gutem Zureden versucht, man hatte Wutausbrüche, Heulkrämpfe, dann wieder ruhige Momente... Es ist, als würde man bei ihnen gegen eine Wand reden. Sie wollen sich absolut nicht helfen lassen, meine Mutter hat jetzt bereits keine Krankheitseinsicht mehr und manchmal denke ich mir: Gut, dann helfe ich auch nicht. Andererseits tut es weh, meine Eltern verwahrlosen zu sehen (wobei ihre Wohnung z. B. schon in meiner Kindheit oft verwahrlost und unsauber war...), und ich möchte helfen.
Nächste Woche will ich die Psychiaterin meiner Mutter telefonisch kontaktieren und ihr den Ernst der Lage schildern. Ich weiß nämlich nicht, ob er ihr bewusst ist oder meine Mutter bei den Gesprächen mit ihr einfach nur gut spielt. Danach will ich mit meinen Eltern Tacheles reden. Der Psychiatrie-Aufenthalt 2021 war die Hölle, die Psychose schwer zu ertragen und genauso schlimm die Angst, dass mein Vater unter der Belastung zusammenbricht (er fuhr TÄGLICH in die Klinik, das ließ er sich einfach nicht nehmen). Ich mache das so nicht nochmal mit. Ich würde gerne einfach ein normales Leben führen können, ohne mir ständig Sorgen um meine Eltern machen zu müssen und meinen Partner zusätzlich damit zu belasten.
Ich musste das jetzt einfach mal runterschreiben. Danke, falls das wer liest. Und wenn jemand Gedanken dazu teilen möchte, freue ich mich natürlich.