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Durch meine Schwester zerbricht meine Familie

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Hallo, das ist mein erster Post hier. Ich bedanke mich bei jedem, der sich die Zeit nimmt das durchzulesen. Meine Eltern haben zwei Töchter. Mich (22 Jahre) und meine Schwester (seit ein paar Tagen 18). Bis vor ca 5 Monaten war meine Schwester ein sehr lieber Mensch und hatte sehr gute Noten in der Schule (sie geht in die 12. Klasse). Sie gab anderen Leuten Nachhilfeunterricht und führte hobbymäßig einen Do It Yourself Blog für den sie immer wieder an neuen Projekten arbeitete. Allerdings hatte sie keine richtigen Freunde und ging nie mit jemandem feiern oder etwas unternehmen. Nun kam letztes Jahr ab Juli ein ziemlich einschneidendes Ereignis, dass unsere Familie sehr belastet hat. Ich hatte einen geplatzten Blinddarm mit sehr vielen Komplikationen und wäre nach der zweiten Not OP fast gestorben. Die Aufmerksamkeit galt in dieser Zeit nur mir. Meine Eltern berichten, dass meine Schwester rückblickend viel zu kurz kam. Ich brauchte sehr viel Zeit um mich wieder zu erholen. Vor fünf Monaten änderte meine Schwester (für uns alle komplett unvorhergesehen und plötzlich) ihr Verhalten. Sie aß nicht mehr mit uns zusammen, begann Techno zu hören und begann uns zu ignorieren. Sie antwortete nicht mehr auf Fragen und verließ das Haus ohne ein Wort zu sagen, wohin sie geht. Jetzt ist sie seit ein paar Tagen 18 und es ist alles auf dem absoluten Tiefpunkt. Sie sitzt immer nur auf ihrem Bett und starrt auf ihr Handy wenn man in ihr Zimmer kommt. Sie ignoriert alles komplett. Reagiert gar nicht mehr. Schließt sich teilweise 3 Stunden im Bad ein und gibt auch da kein Lebenszeichen von sich, geht nicht mehr in die Schule oder nur noch in einige Fächer, gibt keine Nachhilfe mehr, ihre Noten sind im Keller, ihren DIY Blog hat sie gelöscht. Sie geht auch unter der Woche spät Abends weg ohne ein Wort. Sir machen uns sehr große Sorgen. Es gibt keinen Weg an sie ranzukommen. Sir haben es mit allem versucht. Meine Mama redet mit ihr, aber dann geht sie nur ins Bad und schließt sich wieder stundenlang ein. Mein Papa ist am Anfang immer sehr wütend gewesen und hat geschrien aber auch das ging an ihr vorbei. Ich habe ihr Briefe in der Ich Botschaft geschrieben... keine Reaktion. Sie bekam Hausarrest aber sie kletterte aus dem Fenster. Meine Eltern ließen sie nachts nicht mehr im Haus also übernachtete sie bei ihrer Freundin. Meine Eltern wollten ihr eine Wohnung zahlen, wenn sie sich eine sucht. Keine Reaktion. Zu ihrem 18 Geburtstag ist sie nicht ans Handy gegangen als ich sie angerufen habe. Sie lächelt auch garnicht mehr. Sie scheint immer traurig und aggressiv zu sein, wenn sie doch mal etwas von sich gibt. Früher ist sie morgens mit meinem Papa zur Schule gefahren. Vor ein paar Wochen hat sie geweint, als er ihr sagte er verlangt, dass sie wieder mit ihm fährt. Das war die einzige andere Emotion die sie zeigte. Wir haben in 2 Wochen eine Familientherapiesitzung. Aber da wird meine Schwester auch nicht mitgehen. Ich bin total am Ende. Ich wohne nicht mehr zu Hause aber wenn ich hier bin macht es mich total kaputt. Das einzige Thema ist meine Schwester. Mein Vater redet von Verboten und Handy sperren und in die Psychiatrie einweisen.. er hat sogar Herzprobleme seit ein paar Wochen von dem Stress. Meiner Mutter geht es auch nicht gut damit. Mein Vater gibt auch meiner Mutter viel Schuld und dadurch sird auch ihre Beziehung belastet. Sie leidet auch gesundheitlich sehr. Hat jemand eine Idee was wir tun könnten? Helfen Verbote in der Situation wirklich? Ich habe Angst dass sie in der Techno Szene in der sie sich gerade bewegt mit Drogen und den falschen Leuten in Berührung kommt. Aber was soll ich tun? Vielen Dank für jede Hilfe.
 
Hallo, lieber Gast,

aus Deinen Zeilen sprechen Verzweiflung aber auch Liebe für Deine Schwester und für Deine Familie. Diese Gefühle kann ich gut nachempfinden. Wenn es jahrelang immer eine harmonische Beziehung gab, dann entsteht durch eine plötzliche Verhaltensänderung Ratlosigkeit. Nach meinem Verständnis versuche ich Eure Situation zu beschreiben, damit diese Beschreibung Dir als Anhaltspunkt dient, um den einzelnen Kriterien nachzugehen. Das Beleuchten muß vor Ort geschehen, dazu ist die Ferne nicht ausreichend genug.

Jeder Mensch hat sein eigenes Wertesystem. Nach diesem Wertesystem kommt es zu Nähe und zu Distanz zu sich selbst oder zu anderen Menschen. Wenn Du Dich z.B. als nicht gepflegt empfindest, gehst Du innerlich kritisch auf Distanz zu Dir und gibst Dir innerlich eine angemessen erscheinende Aufgabe. Beispielsweise sagst Du zu Dir selbst: "Jetzt kämm' Dir erstmal die Haare, so ungekämmt gehst Du nicht unter die Leute". Wenn Du einen Freund hast, der unrasiert erscheint und Du willst mit ihm ausgehen, dann sagst Du zu ihm: "Jetzt rasier' Dich erstmal, sonst geh' ich nicht mit Dir weg."

Menschen benötigen soziale Kontakte. Der Rückzug von bisherigen sozial wichtigen Bezugspersonen oder sogar im Extremfall der Abbruch deutet nach meiner Meinung auf eine Bestrafungsaktion hin. Der Mensch, der sich zurückzieht, will i.d.R. entweder sich oder Bezugspersonen bestrafen. Die zeitliche Nähe von Blinddarmoperation und der Reaktion Deiner Schwester können miteinander zu tun haben, was aber nicht zwingend sein muß.

Annahme 1: Deine Schwester will die Familie bestrafen, dass sie in der Zeit vernachlässigt wurde. Dagegen spricht das Alter Deiner Schwester. Sie kann die Notwendigkeit erkennen.

Annahme 2: Deine Schwester will sich selbst bestrafen. Folgende Vermutung könnte zutreffend sein: In der Kindheit Deiner Schwester hat Deine Schwester wenigstens eine Phase erlebt, in der ihr zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Damit konnte sie nicht umgehen. Sie hat als Kleinkind nach einer Erklärung gesucht. Diese Erklärung, die sie sich selbst gegeben hat, könnte lauten: Ich bin schuld und muß bestraft werden.
Diese Lösungsantwort kann sie sich auch gegeben haben, wenn sie zwar genügend Aufmerksamkeit erhielt, jedoch ein Ereignis sie erschüttert hatte (Tod der lieben Oma, Umzug mit Verlust der vertrauten Umgebung, Verlust einer Freundin, Verlust von Geborgenheit durch Wechsel ...neue Betreuerin durch eine Tante oder durch eine fremde Person etc.).

Wenn Annahme 2 zutreffend ist, dann ist diese Handlungsanweisung "bestrafe Dich .B. durch ... Rückzug" immer noch in ihrem Gehirn gespeichert. Es fehlt ihr die Möglichkeit, aus dieser Bestrafungsphase rauszukommen. Die jahrelang fehlenden Freundschaften sowie das Geben von Hilfestellung bei Nachhilfe etc. können Hinweis sein, dass Deine Schwester unbewusst eine Leistung erbringen will. Sie will diese Leistung erbringen, um eine Schuld abzutragen, derer sie sich ggf. nicht bewusst ist. Solange diese Schuld nicht abgetragen ist, bleibt das Verbot "keine Freundin" bestehen.

Und dann kam Deine Blinddarmoperation. Dadurch wurde ihr unbewusst klar, dass sie mit ihrer Leistung nicht ausreichte. Ihre Annahme, bisher als ausreichend ihre Schulden abzutragen, war zerstört. Das "innere Kind" Deiner Schwester teilte ihr mit, dass die Schuld größer wurde, dass alle Leistungen vergeblich waren.

Möglicherweise versteht Deine Schwester nicht, warum ihr "inneres Kind" ihr Vorwürfe macht. Sie zieht sich zurück, um Klarheit über sich selbst zu bekommen. Aber mit sich selbst kann sie nicht alleine bleiben. Die "inneren Vorwürfe" sind für sie selbst unverständlich. Würde sie jemand darauf gezielt ansprechen, könnte sie möglicherweise keine Antwort finden. Sie ist ratlos - hält es aber mit sich selbst, den unbewussten ständigen Vorwürfen nicht aus. Sie geht weg... bricht aus.... flieht vor ihren eigenen Vorwürfen, die sie nicht mit anhören kann.

Wenn Deine Mutter Dir ständig Vorwürfe machen würde, dann würdest Du die Nähe Deiner Mutter auch nicht suchen.
Es ist mir nicht klar, ob Deine Schwester Euch oder sich selbst bestrafen will, wenn sie sich von Euch zurückzieht. Ich halte es für naheliegend, dass der Rückzug eine Folge der Bestrafungsaktion sich selbst gegenüber ist und darüber hinaus sie einerseits nach Ruhe sucht, sich im klaren zu werden, was mit ihr los ist. Andererseits sie aber sich eben nicht im klaren wird, was los ist - und sie deshalb es mit sich selbst auch nicht aushält.

Wenn Du die meckernde Stimme Deiner Mutter nicht hören willst, nicht mehr hören kannst, dann drehst Du ggf. die Musik so laut, dass Du nichts mehr mitkriegst. So, denke ich, macht es Deine Schwester mit ihrem eigenen "inneren Kind", dessen Stimme sie nicht mehr hören kann und will.

Was Deine Schwester braucht, ist professionelle Hilfe. Dies ist eine Person, die den Ursachen auf den Grund geht und Deiner Schwester hilft, mit einer neuen Handlungsanweisung ihr Problem (=Problem des inneren Kindes) zu lösen. Dem inneren Kind muß eine neue Handlungsanweisung angeboten werden, so dass jede Bestrafungsaktion unnötig wird.

Es gibt also ein altes Erklärungsmuster mit einer alten Handlungsanweisung. Diese taugen offensichtlich nichts. BEIDES - altes Erklärungsmuster und alte Handlungsanweisung - sind offenzulegen und durch neue zu überschreiben. Da sich beide in jahrelanger Übung befinden, wird es auch Zeit brauchen, neue Erklärungsmuster und neue Handlungsanweisungen einzuüben, um damit die alten zu überschreiben.

Vielleicht im Moment das Wichtigste: Ein an sich selbst kranker Mensch benötigt Einsicht in sein ungesundes Verhalten und dazu die Einsicht, dass er sich selbst nicht helfen kann. Sich immer selbst helfen zu müssen ist auch so eine alte Handlungsanweisung.... Aber ohne Einsicht, dass sie Hilfe benötigt, wird sie nicht bereit sein, Hilfe von außen anzunehmen.

Ich überlege, wie Du Deiner Schwester helfen könntest, diese Einsicht zu gewinnen. Evt. durch liebevolle aber klares Daraufaufmerksammachen: Wie lange willst Du es noch selbst und alleine versuchen? Was wäre so falsch daran, wenn ein aussenstehender Fachmann/Fachfrau helfen würde?

Ich hoffe, dass ich mit meinen Gedanken halbwegs richtig liege und dass Dir meine Gedanken helfen.


Alles Gute,
Nordrheiner
 
Hi, Ich finde es schön dass du dich um deine Schwester sorgst. Im ersten Moment erschien es mir fast wie normale Pubertät, im Bad einschließen, kein Bock auf Schule. Aber es scheint wohl aus den Fugen zu geraten. Verbote denk ich helfen nicht weiter, sie hält sich eh nicht dran und kommt sich nur noch missverstandener vor. Vielleicht hat sie auch Liebeskummer? Ihr müsst Ihr immer wieder Verständnis entgegenbringen, zeigen dass Ihr sie liebt und dass ihr für sie da seit. Ich weiß es ist schwer und sie blockt ab, aber irgendwann kapiert sie es. Im Moment seit Ihr wahrscheinlich für sie alle blöd und nervt total. Aber Kopf hoch, es wird schon werden. Frag sie doch mal ob du mit Ihr zusammen in die Disco gehen kannst. Die Familientherapie find ich ein guter Ansatz, auch wenn sie nicht mitkommt, wird es euch helfen. Ich wünsch euch alles gute.
 
Hallo Du,

ich glaube nicht, dass das Verhalten Deiner Schwester nur auf Deine Erkrankung zurückzuführen ist. Da muss schon 17 Jahre vorher gewaltig etwas schief gelaufen sein, wenn das jetzt der einzige Auslöser ist. Komisch ist ja auch, dass das Problem erst seit 5 Monaten besteht und nicht schon direkt als Du krank wurdest...

Wie war Dein Verhältnis zu Deiner Schwester vorher? Innig oder auch distanziert? Besteht die Möglichkeit, dass sie Angst hatte, Dich zu verlieren? Hat sie vielleicht zum ersten Mal erkannt, dass man vielleicht schneller sterben kann als gedacht und wird damit nicht fertig?

Wenn sich ein Mensch so schlagartig ändert, ist irgendwas vorgefallen, was sie in ihrem Leben bedroht....Eventuell ist ihr auch etwas passiert, als Deine Eltern gerade keine Zeit für Sie hatten und sie frißt es seitdem in sich hinein....

Du hast geschrieben, dass sie euch ignoriert. Habt ihr mittlerweile aufgegeben oder versucht ihr immer wieder, dass sie mit euch redet? Habt ihr euch mal mit ihr zusammengesetzt und besprochen, was sie so sehr bedrückt, was sie so fertig macht, dass sie sich so stark verändert hat und ihr in Sorge um sie seid, weil ihr das bemerkt?

Ich denke, dass die Familientherapie eine gute Idee ist, aber besser wäre natürlich, wenn ihr Deine Schwester dahin mitnehmt.

Ich denke, wenn eine junge Frau anfängt zu weinen, weil ihr Vater von ihr verlangt, mit ihr zur Schule zu fahren, dann muss es ihr schon sehr schlecht gehen....


LG, Ulli
 
lasst sie von einem Privatdetektiv beschatten ..... vielleicht steckt sie in einer sehr üblen Situation aus der sie ohne Hilfe nicht heraus kommt - jedenfalls lebt sie derzeit ein Leben, das sie Euch gegenüber aus irgendwelchen Gründen nicht offenbaren will oder kann.
 
Hallo Gast,

ich lese aus deinem Text raus, dass deine kleinere Schwester bis vor fünf Monaten sehr überangepasst war und jetzt in genau das andere Extrem gekippt ist.
Nun, wen wundert`s? Ein Kind braucht Zuwendung und Liebe, ohne bestimmte Leistungen erbringen zu müssen.

Ich kann dir als Pädagogin nur sagen, dass Eltern immer die Verantwortung für familiere Probleme tragen, nicht die Kinder. Das Verhalten deines Vaters finde ich unter aller Sau. Er ist cholerisch, macht deiner Schwester Vorschriften (sie muss sich nicht von ihm irgendwohin fahren lassen!!!) und deiner Mutter Vorwürfe. Erinnert mich ganz stark an meinen eingenen. Auch einige Verhaltensweisen deiner Schwester sind mir aus meiner Kind- und Jugendzeit nicht unbekannt. Heute habe ich aus guten Gründen keinen Kontakt zu meiner Familie. Mein Vater ist ein sexbesessenes A******* und pädophil. Meine Mutter hat ihn über 30 Jahre gedeckt. Nach Außen hin super Familie gespielt, obwohl es innerfamilier richtig broddelte.

Ich kann dir nicht sagen, was deine Eltern in eurer Kindheit verbockt und selbstverständlich unter den Teppich gekehrt haben, aber ich kann dir sagen, dass es höchstwahrscheinlich ein Paar Jährchen braucht, bis es ans Tageslicht kommt.

Ich kann dir von der Thematik her, "Das Drama des begabten Kindes" von Alice Schwarzer ans Herz legen. Es liest sich nicht ganz einfach, aber ein passenderes Werk fällt mir im Moment nicht ein. Eine Familientherapie würde ich wahrscheinlich nicht mitmachen, aber eine eigene Psychoanalyse oder eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie schon.

Deine Schwester würde ich in Ruhe lassen, ihr jedoch anbieten, jederzeit sich zu melden, wenn sie das will. Stehe hinter ihr. Ihr seid nur zu zweit. Haltet zusammmen.

Ganz liebe Grüße und alles Liebe!
 

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