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Dreiste Unwahrheiten in den Stellenausschreibungen - ist das heutzutage normal?

Hallöchen! 🙂

Ich bin gerade in der Bewerbungsphase, weil ich bei meiner momentanen Firma leider nur noch bis zum 01. Januar arbeiten kann (betriebsdingte Kündigung). Hier mache ich momentan die Telefonzentrale, Empfang, Abrechnung und sonstige administrative Tätigkeiten, die im Büro so anfallen und bin damit als gelernte Kauffrau für Bürokommunikation auch sehr zufrieden.

Bei den Bewerbungsgesprächen dagegen erlebe ich leider einen Reinfall nach dem anderen. Ich bewerbe mich natürlich explizit
auf Stellen im Büro / Sekretariat.

Letzte Woche hatte ich ein Gespräch bei einer Firma, die Dichtungen für Zylinderköpfe herstellt und die laut Stellenausschreibung eine kaufmännische Fachkraft für den Vertriebsinnendienst suchte. Im Gespräch wurde dann, als die Frage nach der genauen Tätigkeit meinerseits aufkam, erst herumgedruckst und dann hieß es plötzlich, dass man hier "überall mitanpacken" müsse und es könne durchaus sein, dass ich mich auch "mehrmals die Woche" ans Fließband stellen oder im Lager mithelfen müsse.

Damit war diese Stelle für mich natürlich erledigt und ich suchte weiter. Ein bekannter Catering-Service suchte eine Bürokraft für die Rechnungsprüfung. Also wieder eine Bewerbung hingeschickt, ich bekam eine Einladung und wurde anschließend im Unternehmen herumgeführt.

Der Teamleiter zeigte mir dann das "Büro" (ein kleines verqualmtes Kabuff) direkt neben der Großküche. Auch hier stellte sich heraus, dass ich eigentlich hauptsächlich für Küchenarbeit, Essensausgabe und "Getränkekisten sortieren" angedacht war. Man fragte mich auch gleich nach meiner Schuh- und Klamottengröße zwecks Arbeitsklamotten für die Küche.. Auf meine Frage, warum das in der Stellenanzeige nicht erwähnt wurde, hieß es nur "Die Stellenausschreibung hab nicht ich gemacht, da müssen Sie jemand anderen fragen!"

Somit hatte sich auch dies erledigt.

Die nächste stelle, die sich interessant anhörte, war ein Empfangsjob in einer Versicherungsagentur, laut Beschreibung "Teilzeit, sozialversicherungspflichtig". Im Vorstellungsgespräch fragte ich dann nach der genauen Stundenanzahl und plötzlich hieß es "Ach wissen Sie, eigentlich suche ich ja nur jemanden für zweimal wöchentlich 3 Stunden auf Minijob-Basis.."

Ganz ehrlich, ich kann nicht nachvollziehen, warum ich ständig nur an Unternehmen gerate, die derart verlogene Stellenausschreibungen ins Internet stellen?! Vor allem frage ich mich, was bringt den Leuten das? Jeder halbwegs normal denkende Mensch wird doch beim Vorstellungsgespräch den Braten riechen und erkennen, dass er hier nur für billige Hilfsarbeiten herangezogen werden soll, statt tatsächlich das arbeiten zu können, was in der Stellenanzeige steht?

Zudem sind ja sicher auch die Wenigsten, die sich auf eine Teilzeitstelle bewerben, bereit, lediglich auf Minijob-Basis zu arbeiten. Es geht ja hauptsächlich darum, dass man eine sozialversicherungspflichtige Arbeit hat, so wie es ja auch in der Stellenausschreibung steht..

Kann mich da mal jemand aufklären, ist sowas heutzutage "normal"?!
 
Ich glaube, dass das mittlerweile normal ist. Es ist mMn. eine Unart, Bewerber mit falschen Versprechungen zu locken. Man freut sich über ein Vorstellungsgespräch, verfährt Benzin oder kauft ein Bahnticket, was nicht erstattet wird, nur um am Ende herauszubekommen, dass es um was ganz anderes geht.

Es tröstet dich wahrscheinlich nicht aber ich bin auch schon auf sowas reingefallen. Ich habe mir angewöhnt, vor dem Abschicken der Bewerbung die zuständige Person anzurufen und nachzuhaken, vielleicht kannst du das in Zukunft auch in den Bewerbungsprozess einbauen.

Aber hey, sieh es ein wenig positiv, es gab zumindest Antworten, das heißt, du kannst die Firma getrost ins Nirvana schicken und dich um etwas anderes kümmern, statt ständig auf eine Antwort zu warten. Ich habe noch so viele offene Bewerbungen, zu denen es weder Zu- noch Absage gab. Das ist offenbar auch neue Mode...
 
Es ist leider mittlerweile etwas in Mode gekommen, dass eine Stellenausschreibung sehr ausgeschmückt ist.

Wie der Poster vor mir schon sagte: Es ist ärgerlich, wenn man dann für so eine Stelle extra noch die Sprit- oder Bahnkosten verfährt. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass viele Betriebe dies auch als eine Art "Filter" ansehen. Kommt dir einer vorbei und nimmt die Stelle trotz solch gravierenden Unterschieden an, dann ist er wahrscheinlich wirklich verzweifelt. Also läuft der neue Mitarbeiter dir nicht so schnell wieder weg.

Ich kenne das so ein wenig aus der Fähigkeiteninflation im Informatikbereich. Als ich vor zwei Wochen auf (erfolgreicher) Jobsuche in England war, da hatte ich solche Spitzenkandidaten auch.

Ein privates Mädcheninternat (boarding school), dass einen zweiten IT-Techniker zur Wartung der Serverräume und Infrastruktur, Management der Firewall und Sicherheitssysteme und Verwaltung des Netzwerkes gesucht hat. Am Ende stellte sich heraus, dass es sich nur um eine Hilfskraft geht, die einige E-Mails schreibt und Anrufe für den anderen Techniker entgegennimmt.

Dann einen "IT-Dienstleister", der einen "IT Engineer" für Wartungstätigkeiten, Kundenprojekte, Ressourcenplanung und Netzwerkaufbau suchte. Es stellte sich während dem Gespräch dann heraus, dass man nur nach einer Aushilfskraft mit IT Erfahrung suchte, die hin und wieder mal ein oder zwei Rechner zusammenbaut, einen Router anschließt oder mal Windows für den Kunden neu installiert.

Das ganze ist dann am Ende 4 mal passiert. Jedesmal habe ich dankend abgelehnt.

Es ist also in einer gewissen Art "normal", dass man etwas übertreibt. Könnte aber auch daran liegen, dass viele Leute vorgedruckte Stellenausschreibungen benutzen. Copy & Paste halt. Dann hat einer keinen Bock zu arbeiten und etwas zu schreiben. Dann wird halt einfach eine ähnliche aus dem Internet kopiert. Es wird dann einfach "erwartet", dass der Mitarbeiter in allen Bereichen mitarbeitet. Schließlich bezahlt man ihn ja auch, hm?

Man darf sich davon nicht entmutigen lassen. Wenn sich herausstellt, dass die Stellenausschreibung Käse war: höfflich ablehnen und mit einem Lächeln gehen. "Don't burn bridges", wie der Engländer sagen würde.
 
Die Steigerung bei mir war, daß das Bewerbungsgespräch gut gelaufen ist.
Man Interesse an mir meiner Qualifikation hatte.
Ich sollte dann auch gleich den Arbeitsvertrag bekommen...
und da stand eine völlig andere Stelle inkl. anderem Lohn.
"Das wäre so gänge Praxis und die Verträge würden nach der Probezeit umgeschrieben werden."
Als ich dann darum gebeten hab das man es dann unter Nebenabreden mit in den Vertrag setzt, weil es ja gängige Praxis sei, wurde das Gegenüber etwas wortkarg und fing an rumzudrucksen.
Das "dürfte" man nicht so reinschreiben... wäre gegen das Tarifrecht... und einfach haltloser Müll.
Danke fürs zeitverbrennen... und raus.
 
Aber hey, sieh es ein wenig positiv, es gab zumindest Antworten, das heißt, du kannst die Firma getrost ins Nirvana schicken und dich um etwas anderes kümmern, statt ständig auf eine Antwort zu warten. Ich habe noch so viele offene Bewerbungen, zu denen es weder Zu- noch Absage gab. Das ist offenbar auch neue Mode...

Die hab ich allerdings auch. Der Großteil blieb bisher unbeantwortet, ich habe absolut das Gefühl, dass sich nur die Firmen relativ schnell zurückmelden, die verzweifelt sind, weil keiner die Stelle haben will (warum wohl..). Sehr demotivierend. :mad:
 
Ich hab die gleiche Erfahrung wie du (ihr) gemacht.
Ich bin Sozialpädagogin, hab etliche Jahre studiert und in manchen Stellenausschreibungen stehen Anforderungen, die kaum ein normaler Mensch erfüllen kann oder die in der Realisierung vollkommen an der Realität vorbeigehen. Da sind Sachen dabei, da fasse ich mir echt an den Kopf.
Ganz schlimm war es damals, als ich meine erste Stelle nach der Uni hatte.

Ich führe mal einige Sachen auf, die mir schwer bekommen:


  • Voraussetzung bei vielen Jobs: 3 Jahre Berufserfahrung (und wie soll ich die haben, wenn ich direkt von der Uni komme? 😕)
  • sozialversicherungspflichtig, 20 Stunden (wie geht das?)
  • Überstunden sind im Vertrag abgegolten
  • 35 Stunden + x
  • Führerschein Klasse B und Privat PKW Nutzung wünschenswert (ja klar, ich kutschiere mit meinem Privatfahrzeug meine Klienten herum und lasse mir gern die Sitze vollbrechen)
  • Führungserfahrung, Verwaltung von Budgets, Zusatzqualifikationen, Deeskalationsstrategien (hätte ich zur Polizei gewollt, hätte ich das getan) und zur großen Frechheit all das zu einem Lohn, der bei jedem Mitarbeiter in einer Bäckerei höher wäre! :mad:
  • befristetes Jobangebot in Teilzeit
  • wir behalten uns vor die Stundenanzahl zu reduzieren
  • Die Einstellung erfolgt zunächst für ein Jahr, eine Weiterbeschäftigung ist vorgesehen (what? Warum erfolgt die Einstellung dann nur für ein Jahr?)

Ich kann unendlich weiter machen.
Ich habe vor 2 Monaten mal ein Jobangebot gelesen, da dachte ich, ich falle vom Glauben ab. Um das alles zu erfüllen hätte man mit Sicherheit Professor sein müssen und das alles für einen lächerlichen Mindestlohn.


Meine Erfahrung: Es gibt auch bei den Jobanzeigen viel Betrug. Ich hab mal eine Jobanzeige gelesen, da suchte eine wohlhabende Familie angeblich ein Kindermädchen. Zwischen den Zeilen las es sich dann eher so, als wäre eine Hostess gesucht.

Oder auch ganz schlimm: Diese Headliner in den Anzeigen: Lust Geld zu verdienen? 4500 Euro brutto! Und wir reden hier von öffentlichen Anzeigen bei Ämtern. Nicht geheuer sind mir auch einige GmbHs, die ich hier nicht nennen möchte und die teilweise Stellen in ganz Deutschland an speziellen Sammelpunkten vergeben. Ich meine damit nicht größere Fillialen, sondern soziale Träger.

Warum filtern die Ämter die Stellenanzeigen nicht besser? Warum kann es sein, dass da jeder hinz und kuntz eine Anzeige inserieren darf, ohne dass vorher mal gecheckt wurde wer das ist?
 
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