Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Dinge liegen lassen können - ohne psychische Belastung?

G

Gast

Gast
Manchmal wird die Arbeit zu viel. Und dann lasse ich Dinge schon mal liegen. Auch bewusst. Ich kann einfach nur endlich viel arbeiten. Irgendwann reichts.

Wenn die Dinge dann länger liegen bleiben, werden sie schon mal unangenehmer. Und es belastet mich seelisch. Und ich drücke mich evtl. noch mehr davor.

Irgendwie sammelt sich auch dauernd mehr Zeugs an, was noch zu erledigen wäre. Was den psychischen Druck noch erhöht.


Habt ihr Vorschläge, wie man mit sowas umgeht? Das schlechte Gewissen einfach ausblenden kann? Bzw. diesen psychischen Druck vermeiden kann?


Konkreter: Vor ein paar Wochen wars mal ganz schlimm, ich am Rande der Erschöpfung bzw. drüber hinaus. Ein unglückliches Ereignis hatte mit etliche Extra-Arbeit beschert. Ich hab sie inzwischen erledigt, aber just in der Zeit wollte mein letzter Kunde aus meiner unseeligen früheren Selbständigkeit was von mir. Konnte ich in der Zeit gar nicht brauchen. Hab mich nicht um ihn gekümmert. Wollte ich dann vor meinem Urlaub, kam aber was dazwischen. Den Urlaub hab ich aber nicht abgesagt, den brauchte ich. Nun hab ich anderen Stress, Arbeit ohne Ende - nein, der Kunde bleibt liegen. Trau mich schon kaum nach Hause, weil seine Anrufe, an die ich schon gar nicht mehr rangehe, mich nur fertig machen.

Ich wär froh, wenn ich ihn los wäre, aber ich weiß dummerweise, dass er von mir abhängig ist. Hab mich auch all die Jahre immer wieder um ihn gekümmert, wenn er ein Problem hatte. Das hat er nicht oft, vielleicht einmal im Jahr, aber er hat das natürlich immer genau dann, wenn ichs gar nicht brauchen kann... hab eh immer genug andere Arbeit.

Wär ich Egoist, würd ich ihn einfach hängen lassen (also ganz und nicht nur jetzt temporär für ein paar Wochen), aber das bring ich nicht. Blödes schlechtes Gewissen.


Aber hier bleiben auch andere Dinge liegen. Müsste mich um mehrere Reparaturen und ähnliches kümmern, die teils seit über einem Jahr liegen geblieben sind, müsste eigentlich einen Rechtsstreit mit einer Versicherung anfangen (Hab ich aber keinen Bock drauf. Ist nur Geld. Macht mich nur unglücklich und ich kann das Geld verschmerzen).


Mich macht das alles psychisch fertig.

Ich halse mir wohl auch einfach zuviel Arbeit auf.

Unter anderem mach ich derzeit 2 Stunden die Woche rein ehrenamtlich und aus reinem Idealismus. Warum mach ich das? Naja, ok, ich hab nicht geahnt, dass diese Zeit jetzt so schlimm werden würde.

Müsste irgendwie mein Leben mal aufräumen. So geht das nicht weiter. (Immerhin, soviel Streß grad, dass es mir nicht schwer fällt, abzunehmen. Und das ist nötig und hatte ich auch vor 🙂 )


Habt ihr gute Ratschläge für mich?
 
Hallo Gast,

Du schreibst leider nicht viel Konkretes. Je konkreter Du Deine Arbeit und Arbeitsprobleme erläutern würdest, je konkreter würden auch Antworten u. Hilfestellungen ausfallen. So aber muss ich allgemein bleiben:


  1. Prioritätenliste aufstellen
  2. Zeitfresser abstellen (z.B. unwichtige Telefonate vermeiden)
  3. Was Du erledigen kannst, erledige. Der Rest bleibt liegen – es ist eben nicht möglich.
  4. Gegenüber Kunden, die Du nicht bedienen kannst, ehrlich bleiben
  5. Evt. Unternehmensberater einschalten, der die Orga verbessern könnte oder andere Lösungen findet, die sich nur finden lassen, wenn man „mitten drin“ sitzt. U-Beratungen werden öffentlich gefördert.

    LG, Nordrheiner
 
"Wär ich Egoist, würd ich ihn einfach hängen lassen (also ganz und nicht nur jetzt temporär für ein paar Wochen), aber das bring ich nicht. Blödes schlechtes Gewissen."

Nein. Das ist kein "blödes schlechtes Gewissen".
Es wäre unprofessionell und dumm, einen zahlenden Kunden "einfach hängenzulassen".
Da du überfordert zu sein scheinst, teile ihm dies mit. Er kann sich dann woanders umsehen. Du scheinst generell Dinge, die dich überfordern, gerne "liegen zu lassen". Das bringt nichts sondern steigert den Stress.
Warum suchst du dir nicht einen anspruchsvolleren Job, dem du gerecht werden kannst? Ohne "Dinge liegen zu lassen". denn das geht im berufsleben nun mal gar nicht.
Was sagt dein Chef eigentlich dazu? ich möchte keine Mirarbeiter, die "Dinge mal liegen lassen" und nicht an DIESEM problem, sondern lediglich an ihrem Gewissen drehen möchten...
 
So, wie ich es lese, ist der/die TE nicht mehr selbstständig.

Zitat:
wollte mein letzter Kunde aus meiner unseeligen früheren Selbständigkeit was von mir.

Also wird da kein Geld verdient, sondern es geht um einen Liebesdienst? Oder doch nebenher noch was dazu?

Ansonsten wie Nordrheiner schon schrieb, zu dünne Fakten.
 
Hallo Gast,

geht es darum, daß Du Dich lieber wegduckst als Dich klar zu positionieren?

Lieber die Augen schließt und ausblendest als jemandem klar zu sagen, daß es jetzt nicht geht?

Dich lieber mit kaputten Dingen arrangierst als die Mühe der Reparatur auf Dich zu nehmen?
(sind die Dinge übrigens in Deinem Privat- oder Berufsleben kaputt?) Kann es sein, daß Du beruflich noch funktionierst, aber aufgrund des Gefühls der Überforderung für Dich privat nichts mehr in Ordnung bringst?

Redest Du Dir lieber ein, es geht ja nur um Geld bei der Versicherungssache, anstatt daß Du für Deine Rechte kämpfst?

Arbeitest Du lieber weiter ehrenamtlich, anstatt zu deinem eigenen Wohl einen klaren Schlußstrich zu ziehen oder zu sagen, Du möchtest nur in dem Zeitrahmen und zu den Bedingungen ehrenamtlich arbeiten, um niemanden zu verärgern?

Hat all das vielleicht nicht nur mit Überforderung und Erschöpfung zu tun, sondern vor allem mit Deinem Selbstwertgefühl?
Bist Du es Dir wert, für Dich Freiräume zu schaffen? Bist Du es Dir wert für Deine Rechte einzutreten? Bist Du es Dir wert in einer Überforderungssituation Bedingungen zu setzen? Jemanden abzuweisen? Arbeit abzulehnen, um Dich auch um Deine Bedürfnisse kümmern zu können? Einen Konflikt einzugehen, um Deine Interessen durchzusetzen?

Verschanzt Du Dich evtl. sogar in der Rolle des hilflos Überforderten, um nicht Dich und Deine Bedürfnisse in Deinen Mittelpunkt stellen zu müssen?
 
"Wär ich Egoist, würd ich ihn einfach hängen lassen (also ganz und nicht nur jetzt temporär für ein paar Wochen), aber das bring ich nicht. Blödes schlechtes Gewissen."

Nein. Das ist kein "blödes schlechtes Gewissen".
Es wäre unprofessionell und dumm, einen zahlenden Kunden "einfach hängenzulassen".
Da du überfordert zu sein scheinst, teile ihm dies mit. Er kann sich dann woanders umsehen. Du scheinst generell Dinge, die dich überfordern, gerne "liegen zu lassen". Das bringt nichts sondern steigert den Stress.
Warum suchst du dir nicht einen anspruchsvolleren Job, dem du gerecht werden kannst? Ohne "Dinge liegen zu lassen". denn das geht im berufsleben nun mal gar nicht.
Was sagt dein Chef eigentlich dazu? ich möchte keine Mirarbeiter, die "Dinge mal liegen lassen" und nicht an DIESEM problem, sondern lediglich an ihrem Gewissen drehen möchten...

Mein Chef hat kein Problem mit mir. Arbeiten aus meinem eigentlichen Hauptjob, der mich ernährt, erledige ich schnell. Da liegt einfach Priorität drauf und das muss auch so sein.

Der erwähnte Kunde entstamt, wie Weidebirke richtig sagte, meiner früheren Selbständigkeit. Professionell im Sinne von heute üblich wäre, den Kunden mit Beendigung der unrentablen alten Selbständigkeit einfach im Stich zu lassen. Aber ich war bislang, auch 10 Jahre später, noch für ihn da,
 
geht es darum, daß Du Dich lieber wegduckst als Dich klar zu positionieren?

Lieber die Augen schließt und ausblendest als jemandem klar zu sagen, daß es jetzt nicht geht?
Als alles zusammenkam, hab ich mich mal weggeduckt, ja. Ich hab gehofft, zwei Wochen später wuerde es wohl besser. Blöderweise häufen sich grad die großen und kleinen Katastrophen.

Dich lieber mit kaputten Dingen arrangierst als die Mühe der Reparatur auf Dich zu nehmen?
Wenn ich total überlestet bin, ja, dann bleiben halt Dinge liegen.

(sind die Dinge übrigens in Deinem Privat- oder Berufsleben kaputt?)
Was meinen heutigen Hauptjob angeht, ist nichts kaputt. (Bis auf ein Teil, aber das liegt erst 7 Tage und es steht ein vollwertiger Ersatz zur Verfügung)

Die anderen Dinge sind es, die liegen bleiben.

Kann es sein, daß Du beruflich noch funktionierst, aber aufgrund des Gefühls der Überforderung für Dich privat nichts mehr in Ordnung bringst?
Das kannst du so sehen, ja. Was nicht in der Prioritätenliste ganz weit oben steht, bleibt einfach liegen.

Redest Du Dir lieber ein, es geht ja nur um Geld bei der Versicherungssache, anstatt daß Du für Deine Rechte kämpfst?
Normal würde ich kämpfen. Derzeit eher nicht. Läuft nicht weg, ist rechtlich kompliziert, verspricht mehr Ärger als das Geld wert ist.

Arbeitest Du lieber weiter ehrenamtlich, anstatt zu deinem eigenen Wohl einen klaren Schlußstrich zu ziehen oder zu sagen, Du möchtest nur in dem Zeitrahmen und zu den Bedingungen ehrenamtlich arbeiten, um niemanden zu verärgern?
Ich hab gesagt ich mache das, also mache ich das grad weiter. Es ist auch nicht ganz uneigennützig. Ich erhoffe mir eine Verbesserung meiner Arbeitsbedingungen in meinem Hauptjob. Aber es ist ein Experiment. Ich will einmal ein Jahr lang die Erfahrung damit sammeln und dann entscheiden, wie das weitergeht. Vielleicht nur noch bezahlt, vielleicht nur noch 6 Wochen im Jahr jeweils eine Stunde - ich kann nicht in die Zukunft sehen, was das Experiment bringt.

Vielleicht bringt diese Tätigkeit in ein oder zwei Monaten auch Spaß und wird zum Hobby für den Rest der einjährigen Laufzeit.

Ein ganz kleines Bisschen steckt auch die Idee einer neuen Tätigkeit dahinter, von der Bekannte von mir leben. Aber die leben nicht in Deutschland und es ist eher ziemlich unrealistisch anzunehmen, dass das hier in Deutschland auch gehen könnte. Zumindest existiert die typische zahlende Kundschaft meiner Bekannten hier in Deutschland einfach nicht.

Aber der eigentliche Grund dafür, das zu machen, ist die erhoffte Verbesserung meiner Arbeitsbedingungen. Nach dem einen Jahr werde ich wissen, ob das was gebracht hat und inwieweit es sinnvoll ist, das ganze zu reduzieren und/oder nur noch gegen Bezahlung zu machen.

Hat all das vielleicht nicht nur mit Überforderung und Erschöpfung zu tun, sondern vor allem mit Deinem Selbstwertgefühl?
Es sind ein bisschen arg viele Dinge zusammengekommen, insbesondere in den letzten paar Monaten. Das ist schon einfach Erschöpfung - irgendwann ist es einfach genug. Mit meinem Selbstwertgefühl hat die erwähnte ehrenamtliche Tätigkeit zu tun, die trägt hoffentlich zu meiner Arbeitszufriedenheit in meinem Hauptjob bei.

Bist Du es Dir wert, für Dich Freiräume zu schaffen? Bist Du es Dir wert für Deine Rechte einzutreten? Bist Du es Dir wert in einer Überforderungssituation Bedingungen zu setzen?
Durch zwei Jahre lange Krankheit eines Familienmitglieds sind meine Freiräume irgendwann über die Wupper gegangen. Die Krankeit ist seit zwei Jahren beendet (das Familienmitglied ist wieder gesund) und ich versuche, meine Freiräume wiederzugewinnen, was nicht einfach ist, wenn damals so viel liegen geblieben ist und halt dummerweise in der letzten Zeit mehrere kleinere und größere Katastrophen dazugekommen sind.

Meine Kinder stehen auch immer noch in meiner Prioritätenliste über mir selber.

Jemanden abzuweisen? Arbeit abzulehnen, um Dich auch um Deine Bedürfnisse kümmern zu können? Einen Konflikt einzugehen, um Deine Interessen durchzusetzen?
Ich fürchte, da muss ich noch mehr dran arbeiten.
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
D Über mir wohnt eine Familie mit Kindern-Muss ich mir alles gefallen lassen? Ich 57
B Alkohol, ich kann es nicht lassen Ich 169

Ähnliche Themen

Thema gelesen (Total: 0) Details

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben