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Diese Sehnsucht nach Intensität

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Gast

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Ich spüre in mir eine permanente, starke Sehnsucht nach Tiefe und Intensität.
An dieser sind auch einige bisherige Freundschaften und Partnerschaften zerbrochen (bzw. gar nicht erst entstanden), weil es mir nie "nah genug" war.

Kennt ihr das?

Ich habe einen großen Freundeskreis, darunter auch Freundinnen, mit denen ich über alles reden kann bzw könnte, auf die man sich verlassen kann. Dennoch habe ich manchmal das Gefühl, keine echten Freunde zu haben. Obwohl ich genau weiß, dass das keineswegs der Realität entspricht; bloß fühlt es sich oft nach nicht genug an. Natürlich lasse ich sie das nie spüren.

Und mir ist auch klar, dass es niemanden gibt, der je an das herankommen könnte, was ich mir innerlich wünsche.
Mir ist es bewusst, dass ich in mir selbst irgendwie das finden muss, das ich suche, dass nie der perfekte Seelenpartner kommt.

Jetzt meine Frage:
Hat jemand Erfahrungen damit? Wie lernt man, mit diesem Gefühl umzugehen? Dieser ständigen, unbefriedigbaren Sehnsucht? Kann man die irgendwie stillen? Und wenn ja, wie?

Liegt der Grund dafür in einem zu niedrigen Selbstbewusstsein? (was bei mir schon manchmal der Fall sein könnte.)
Oder ist das allgemein eine Charaktereigenschaft? - So habe ich zum Beispiel schon mein Leben lang einen sehr hohen Standpunkt für Familie und Freundschaften; sie sind für mich das Wertvollste im Leben, beinahe etwas Heiliges. Und damit entsprechend auch relativ hohe Erwartungen.

Vielleicht hat ja jemand Erfahrung damit...
Würde mich über Antworten freuen! 🙂

(Zu mir: Ich bin weiblich, 22 Jahre alt, Studentin).
 
Hallo!
Ja, diese Sehnsucht kenne ich. Innige Freundschaften sind aber wirklich sehr schwer zu finden. Ich habe schon zwei sehr vertraute Freunde, allerdings leben die so sehr ihr eingenes Leben, dass man sich nicht so oft sieht, eine wohnt auch ziemlich weit weg. Und neue zu finden-uff! Ich glaube unsere Gesellschaft ist einfach nicht so angelegt, wir sind zu individualistisch.
Aber ich glaube im Grunde ist diese Sehnsucht etwas menschliches. Ich glaube auch dass viele Menschen sie teilen aber nicht ausleben können. Der Mensch ist doch ein Herdentier, ein Clantier. Alleine ist er gar nicht überlebensfähig. Nicht umsonst ist Isolationshaft eine harte Strafe. Mir kommen gerade die Bilder von den Abgüssen der Menschen in Pompeii, wo welche in der Umarmung begraben wurden. Wahrscheinlich gibt es eine Diskrepanz zwischen dem natürlichen Nähebedürfnis und der normalen Nähe im modernen Leben. In der Steinzeit musste man Seite an Seite um das Überleben kämpfen. Heutzutage bekommst Du gar nicht mehr mit, wer alles für Dich arbeitet. Man fühlt sich doch wie ein Einzelkämpfer. Und viele Leute sparen sich da engere Verbindungen ganz.
Wenn man eine Familie hat, wird diese Sehnsucht wohl noch am ehesten gestillt. Ansonsten ist es schwer. Für mich ist es eine Träumerei und eine kleine Hoffnung dass ich mal etwas Passendes finde. Da ich zeitweise an Einsamkeit fast zerbrochen wäre, kann ich Dir eine richtige Lösung auch nicht sagen. Mein Teddy ist schon ziemlich mitgenommen.

Helenchen
 
Hallo!
Diese unbändige Sehnsucht kenne ich ebenfalls nur zu gut. Bei mir äußert sie sich in chronischem Fernweh. egal wo ich bin, meine Welt ist mir zu klein. Es gibt so viele schöne Orte auf der Welt, die sich sehen möchte und mir das auch definitiv vorgenommen habe. Mit Urlaub hat das nichts zu tun. Ich will dort keinen Urlaub machen, sondern entdecken, neugierig sein, und die Orte mit all meinen Sinnen wahrnehmen. Dadurch bin ich schon relativ weit rumgekommen, und bin grade mal so alt wie du.

Du scheinst diese Sehnsucht auf Familie und Freunde zu konzentrieren. Das ist schön, aber ich würde aufpassen. Denn das könnte zum zwanghaften Bedürfnis führen, die "perfekte" (später eigene) Familie haben zu wollen. Dass sowas nicht geht, weil für die perfekte Familie, wo du alleine die Kontrolle hast, die anderen Mitglieder zu unterschiedlich sind, ist wohl klar. Und stell dir dann mal vor, die Ehe zerbricht. Für jemanden wie dich wäre das sicher der perfekte Horror und dein Ende.

Auch interessant finde ich deine Aussage vom großen Freundeskreis, und dass du trotzdem keine echten Freunde hast. Das ist das Problem bei unserer "Generation Facebook". Zig "Freunde" von denen wir vielleicht gerademal die Hälfte wirklich kennen, und von denen dann widerum vielleicht grad mal 10% uns wirklich nahe stehen. Weil wir so beschäftigt sind, diese unzähligen "Mini-Beziehungen" zu unterhalten, verlernen wir langsam die Fähigkeit, mit weniger wirklichen Freunden zufrieden zu sein.

Außerdem würde ich mich an deiner Stelle mal fragen, ob sich diese Sehnsucht wirklich nur auf Familie und Freunde fokussiert. Vielleicht gibt es ja etwas ganz anderes was du dir unlaublich wünschst - und mit dem deine Sippe überhaupt nichts zu schaffen hat/betroffen ist. Wenn du das rausfindest, kannst du diese Bedürfnisse auch befriedigen und dann geht es dir bestimmt besser.

Ich zum Beispiel weiß noch nicht wo es mich als nächstes hinführt, aber ich weiß, dass der nächste Auslandsaufenthalt kommt. Ganz sicher. Und das hilft mir sehr.

LG, Raem
 
Hallo,

ja, ich kenne das auch. Ich habe eigentlich auch einige echt gute Freundschaften, und kann mich glücklich schätzen, sie zu haben. Und trotzdem kommt dann oft das Gefühl, keine echten Freunde zu haben. Ich habe auch sehr oft das Gefühl, diese Freunde mehr zu mögen, als sie mich, mehr für sie zu tun, als sie für mich. Auch wenn ich weiß, dass das objektiv gesehen nicht stimmt und das es auch keine Bedeutung haben sollte. Auch mir sind Familie und Freunde heilig - nur habe ich das Gefühl, nirgends Halt zu haben, leider erst Recht nicht in meiner Familie. Wenn ich in einer Beziehung bin, dann ist diese Person mein Lebensmittelpunkt, mein Geliebter und bester Freund zugleich, für den ich alles tun würde. Das ist extrem ungesund, für beide Beteiligten und auch bei mir ist schon mehr als eine Beziehung daran zerbrochen. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Kontakten, ständig auf der Suche nach jemandem, nach etwas... Und dabei permanent unzufrieden und oft unglücklich und einsam.
Ich weiß nicht, in wie vielem davon du dich wiedererkennen kannst. Bei mir ist es so, dass ich für mich mittlerweile erkannt habe, dass es vielleicht zusätzlich auch Teil meines Charakters ist, aber definitiv insbesondere am Selbstwertgefühl liegt. Hier muss ich kurz dazu sagen: für mich sind Selbstbewusstein und Selbstwertgefühl zwei verschiedene Dinge. Selbstbewusstsein ist das aus Eigen- und Fremdbild konstruierte Bild über sich selbst, über Charaktereigenschaften, Aussehen, etc. - "sich seiner Selbst bewusst sein" also. Selbstwertgefühl ist für mich das, wie sehr man sich selbst eben wertschätzt, wie sehr man sich selbst also annimmt/akkzeptiert und mag. Nach meiner Def. kann man also ein gutes Selbstbewusstsein haben (z.B. wissen, dass man dieses und jenes gut kann, hübsch ist, etc.), dennoch aber ein geringes Selbstwertgefühl (diese Eigenschaften, Komeptenzen etc. also als nicht wichtig, nicht lobenswert befinden, "sich wertlos fühlen"). Ich weiß nicht genau, ob das außerhalb meines Kopfes nachvollziehbar oder tatsächlich meine eigene Logik ist😉....
Jedenfalls liegt dieser Wunsch nach Intensität also meiner Meinung nach vor Allem an zu geringem Selbstwertgefühl: Ich scheine jemanden zu brauchen, um für mich "Wert" zu haben, den ich nicht durch mich selbst bekomme, sondern erst durch eine andere Person. Ich weiß, das ist krass formuliert und in der Realität vielleicht nicht ganz so extrem, aber ich brauche die Deutlichkeit dieser Worte, um mir das wirklich bewusst zu machen. Daraus lässt sich dann aber auch erklären, warum Freundschaften und Familie bei mir (wie bei dir ja auch) einen so hohen Stellenwert haben, auch das ist also meiner Meinung nach nur zum Teil charakterlich bedingt. Auch die Suche nach einem "perfekten Seelenpartner" erkläre ich mir daher - ich suche Wort wörtlich sozusagen einen Retter, der mich durch seine bloße Anwesenheit (klar, er gibt mir ja Wert und damit ein gutes Gefühl) aus meiner Einsamkeit/Depression befreit. Dass dann nur wieder der Kreislauf von Neuem beginnt (anfängliche Intensität wird immer stärker durch Alltag abgeschwächt, Gefühl mehr zu geben/mehr zu empfinden als die andere Person setzt ein, wieder beginnende Unzufriedenheit, etc.), ist vollkommen logisch. Ich habe mittlerweile u. A. aus diesen Gründen jetzt auch eine Therapie begonnen, weil dieser Wunsch nach Intensität, Nähe etc. in meinem Fall glaube ich nicht gesund ist, weder für mich noch für meine Beziehungen (egal, welcher Art).
 
Hallo!

Ich glaube, dass dieser Wunsch nach Intensitaet bei vielen Menschen besteht, die sich viele Gedanken um alles machen und vielleicht schon einmal die Vergaenglichkeit der Freundschaften, Familie und Welt ganz nah zu spueren bekommen haben und daher alles mitnehmen wollen, wahrnehmen, fuehlen. Ich selbst bin in einer Kernfamilie aufgewachsen, die mir hohe Erwartungen eingeschaerft hat und sehr herzlich und offen nicht nur mir gegenueber sondern auch anderen war. Meine Kernfamilie ist inzwischen tot und das trifft mich natuerlich nicht nur wegen dieser zwei Menschen an sich, sondern wegen der vertrauten Rituale, die nur familienintern ausgelebt wurden und einzigartig sind, wegen meiner Wahrnehmung, dass es auch viel distanziertere Verhaeltnisse zwischen Eltern und Kindern und auch Freunden gibt. Kaum ist eine andere Familie meiner Familie aehnlich, fuehle ich mich spontan wohl und mein Wunsch nach Naehe wird befriedigt. Diese Menschen muessen dabei nicht besonders auf mich eingehen, aber diese Rituale sind eben aehnlich, die Vorstellungen sind aehnlich und schon ist meine Einsamkeit weg, weil ich das Gefuehl habe von den wahren Werten oder eben den richtigen Ansichten umgeben zu sein. Ich kenne ja diese als die natuerlichsten und logischsten.

Ich denke, dass du vielleicht einen kleinen Denkfehler mit deinen nahen Freunden machst. Es gibt schon so einige Menschen, mit denen du ueber alles reden kannst. Meist sind das sogar gar nicht wenige, wenn du das, was du zu sagen hast, richtig verpackst, man wirklich spueren kann, du bist bei deinen Gefuehlen und das ist alles echt. Dann wird es nachempfindbar, plastisch. Es kann auch einige sensible Menschen geben, die koennen zumindest fuer den Augenblick auch dir Antworten und Austausch sowie Mitgefuehl geben. Das alles ist aber nicht unbedingt mit Naehe gleichzusetzen, denn einige Menschen verfuegen ueber diese Faehigkeiten, wenn sie sich nur anstrengen. Naehe ist etwas, das automatisch kommt, etwas, dem sich zwei Menschen nicht entziehen koennen, das sie vielleicht schon spueren, wenn nichts gesagt wurde, weil einfach irgendetwas an ihnen dich so anspricht, genau deiner Biographie entspricht. Es ist wahrscheinlich ein wenig wie in der Liebe mit der Anziehung, wenn es um Naehe bei Freundschaften geht. Diese unausgesprochene Gewissheit, dass jemand einfach versteht, auf einem Level ist.
 

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