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Die Leere und die Angst nach draußen zu gehen

G

Gast98

Gast
Hallo,
ich bin ein 16-jähriger Gymnasiast aus Nordrhein-Westfalen. Seit einigen Jahren, etwa seit der Pubertät, habe ich mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da wäre einerseits diese Lust- und Motivationslosigkeit, die immer weiter zunimmt, anstatt weniger zu werden. In der Schule kann ich mich kaum noch konzentrieren, geschweige denn kann ich mir Dinge ordentlich merken. Deswegen sind meine Schulnoten nicht so das, was man gerne hätte. Sie sind nicht schlecht, aber selbst wenn man mir sagt, dass ich mehr könnte, schaffe ich nicht mehr. Die Lehrer sagen ständig zu mir, ich solle doch mehr den Mund aufmachen, aber je mehr man mir sowas sagt, umso weniger gehe ich dem nach. Ich hab einerseits das Gefühl vollkommener Überforderung, andererseits fühl ich mich leer, gelangweilt und taub, fast paradox. Ich bin nicht faul, ich bin vielmehr überrumpelt oder eingeschüchtert, vielleicht.
Es gibt Tage, da geht es. Und dann kommen Tage, da sitze ich auf einem Schreibtischstuhl, dreh mich im Kreis und seufze vor mich hin. Dabei weiß ich, wie viel ich noch zu erledigen habe, aber ich sehe vor mir immer, dass ich am Abend mit Angst vor dem nächsten Morgen ins Bett gehe. Ich hab Schlafstörungen, nicht immer, aber immer öfter. Ich schaff nicht einmal mehr, was ich mir selbst vornehme, und noch weniger das, was Eltern, Schule und der ganze Rest von mir verlangen. Obwohl ich es nicht gerne zugebe, weine ich in letzter Zeit immer häufiger, teilweise sogar ohne wirklichen Grund.
Das Schlimmste ist jedoch, dass ich mich kaum noch traue aus dem Haus zu gehen. Ich zwinge mich nur zu Schule und Musikschule, und eventuelle Arztbesuche. Sonst will ich das Haus nicht verlassen. Es ist nicht so, dass ich die Natur nicht mag, ich bin beispielsweise gerne im Wald oder am Meer, aber ich hab regelrechte Angst nach draußen zu gehen. Grund sind andere Menschen. Ich hab ziemliche Angst vor meinen Mitmenschen, egal ob Gleichaltrige, Jüngere oder Ältere. Jedes Mal, wenn ich an einer Person vorbeigehe, bekomme ich Panik und schaue in eine andere Richtung. Noch schlimmer ist es aber, wenn jemand stehen bleibt und mit mir spricht. Dann kriege ich Herzrasen, zittere und stottere, aber ich kann es nicht beeinflussen. Ich komm mir dann ziemlich blöd vor, wenn das passiert.

Deshalb habe ich mich auch ziemlich zurück gezogen, rede kaum mit Leuten, außer meinen Eltern und ein, zwei Freunden. Jede Begegnung mit Fremden ist für mich sehr anstrengend. Aber nicht einmal das muss sein. Ich fühle mich schon schlecht und mir wird unwohl, wenn ich nur auf dem Bürgersteig oder durch die Stadt gehe. Wenn ich könnte, würde ich mich einschließen. Ich will das aber gar nicht. Ich möchte Kontakt zu anderen haben, ich möchte Freunde und auch einen Partner, aber ich habe so eine Panik vor anderen Leuten. Das ist wie ein Teufelskreis …
Vor einer Woche habe ich einen Selbstmordversuch unternommen. Und jeden Tag, alle paar Stunden kommt dieser Gedanke wieder, dass ich es nochmal versuchen könnte. Mal bin ich stabil in meinen Gefühlen, und mal will ich nur noch aufhören.
Ich weiß nicht weiter …
 
Hallo,
das hört sich nicht schön an und ich kenne das.
Was ganz wichtig ist: Du weißt was du möchtest,
du möchtest Kontakt zu anderen und jetzt muss aus dem möchten noch ein "ich will" und dann ein "ich werde" werden.
So wie du deine Situation beschreibst klingt das für mich sehr nach einer Depression, unter der ich auch schon seit Jahren leide
und ich sage dir gleich eins: Vom rumsitzen und Däumchen drehen geht das nicht weg.
Das merke ich vorallem in letzter Zeit, kann nun meine Ausbildung deswegen auch abbrechen, was einen noch mehr runter zieht.
Ich weiß, dass es schwer ist den ersten Schritt zu machen aber es ist genau JETZT wichtig.
Suche dir Hilfe, es gibt Beratungsstellen für Jugendliche, da kannst du ganz Anonym hingehen,
dort sind Psychologen, die dir weiterhelfen werden.
Ich habe meinen Termin dort per E-mail gemacht, weil ich genau wie du zurzeit Angst vor Kontakt mit Menschen habe,
aber es ging auch so, die haben dort dafür Verständnis. Wichtig ist, dass du es sobald wie möglich machst,
denn es kann dauern bis man dort einen Termin bekommt. Das wo ich mich nun angemeldet habe, kostet nichts,
ich musste nichmal meinen Vornamen sagen und habe einen Termin bekommen. Meine Eltern werden erst davon
etwas mitbekommen, wenn ich ihnen etwas davon sagen werde.

Ich weiß, dass es wirklich schwer sein kann den ersten Schritt zu machen, ich weiß, dass andere eventuell sagen werden:
"Wenn du wirklich Hilfe willst, dann geht das auch." Aber es ist nicht so einfach. Es erfordert viel Mut und glaub mir,
den kannst du aufbringen! Wenn ich dir irgendwie weiterhelfen kann, oder du noch fragen hast, dann schreib sie einfach hier als Kommentar wieder, ich werde hier wieder reinschauen.

Du bist ein noch so junger Mensch und du kannst und wirst das schaffen wenn du dir Hilfe holst. 🙂
Und die Hilfe brauchst du und diese Hilfe steht dir auch zu.
 
Junger Mann,

ich lese:

"Vor einer Woche habe ich einen Selbstmordversuch unternommen. Und jeden Tag, alle paar Stunden kommt dieser Gedanke wieder, dass ich es nochmal versuchen könnte. Mal bin ich stabil in meinen Gefühlen, und mal will ich nur noch aufhören."

Ohne auf deinen kompletten Beitrag einzugehen, sagen mir diese Zeilen, dass Du dringend Hilfe brauchst und Du wahrscheinlich und schon gar nicht alleine aus dem Loch herausfindest, in dem Du gerade steckst.

Ich möchte dir deshalb dringend raten, mit deinen Eltern zu reden, sie zu bitten, mit dir zu einem Facharzt, einer Fachärztin zu fahren.

Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen. Und wenn Du bereits einen Suizid-Versuch unternommen hast, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du es nochmals versuchen wirst.

In dem Zusammenhang würde mich die Frage interessieren, warum Du nach dem Versuch überhaupt noch zu Hause bist und ob deine Familie weiß, dass Du versucht hast, dich selbst zu töten?

Burbacher
 
Ich bin noch zuhause, weil meine Eltern nicht vollkommen wissen, was passiert ist. Und um ehrlich zu sein, möchte ich ihnen das auch nicht zumuten. Sie glauben, es wäre ein psychosomatisches Problem, dabei waren es die Nebenwirkungen von (zu vielen) Schmerztabletten. Es ist zwar nicht mehr passiert, aber jetzt bin ich gedanklich genau da, wo ich vor einer Woche war (also vor dem Versuch). Ich war zwar bei einem (normalen) Arzt, der meinte er müsse mich einweisen, falls ich sowas noch einmal vorhätte, aber mehr ist da auch nicht bei rumgekommen.
Und wenn ich meinen Eltern erkläre, was wirklich passiert ist, machen sie sich Selbstvorwürfe oder werden wütend auf mich. Das wär für mich unerträglich ...
 
So wie du deine Situation beschreibst klingt das für mich sehr nach einer Depression, unter der ich auch schon seit Jahren leide
und ich sage dir gleich eins: Vom rumsitzen und Däumchen drehen geht das nicht weg.

Ich hab auch nie gesagt, dass ich Däumchen drehen würde. Ich hab es immer wieder versucht, aber die Leute finden mich irgendwann uninteressant und lassen mich fallen. Oder ich misstraue ihnen irgendwann. Mir fällt es sehr schwer mit anderen Menschen normal zu kommunizieren ...
 
Du schreibst:

"Und wenn ich meinen Eltern erkläre, was wirklich passiert ist, machen sie sich Selbstvorwürfe oder werden wütend auf mich. Das wär für mich unerträglich ... "

Ich kann mir schon vorstellen, dass deine Eltern ernsthaft besorgt wären, wüssten sie, was wirklich Sache ist.
Aber glaubst Du nicht, dass sie sich noch sehr viel mehr grämen würden, wenn Du dich selbst aus dem Leben verabschiedet hättest?

Das nämlich könnte sie lebenslang in Zweifel stürzen. Mir sind Eltern begegnet, deren Kinder sich selbst getötet haben.
Deren Schmerz und deren Gram waren fast körperlich spürbar.

Nein, ich appelliere nicht an dein Gewissen und ich will dir schon gar keine Schuldkomplexe einflößen. Dein Leid hat ernste Ursachen, sonst würden deine Überlegungen nicht so weit gehen.

Ich halte es daher für alle, vor allem aber für dich, für weitaus besser und hilfreicher, wenn Du dich öffnest.
Es ist ja nicht nötig, dass Du ihnen deine Gedanken in allen Details erläuterst, sondern ihnen einfach zeigst, dass Du Hilfe brauchst und sie um Unterstützung bittest.

Deine Situation ist doch jetzt schon fast unerträglich für dich. Das ist ein Zustand, den ich übrigens sehr gut kenne durch meinen Zustand und mein Empfinden vor meinem Klinikaufenthalt, der damals auch nicht freiwillig erfolgte.
Aber hätte es damals nicht entschiedene und zupackende Menschen gegeben, ich könnte dir das heute nicht mehr schreiben.

Schon Stunden nach meiner Einlieferung hatte ich dieses im Grunde befreiende Gefühl, in sicheren Händen, auf sicherem Boden zu sein.

Nicht nur meine Umgebung war erleichtert, auch ich selbst wusste bald, dass dies zwar kein Spaziergang würde, aber dass ich jetzt selbst an mir und meinen Problemen arbeiten und sie mit Hilfe der Fachleute lösen könnte.

Ich sags nochmal: Seit fast vier Jahren bin ich medikamentenfrei, ich habe auch keinen Therapeuten mehr. Mein Leben ist wieder lebenswert. Und das fühlt sich gut an, sehr gut.

Tu`s für dich. Such dir Hilfe, lass dir helfen.

Du bist zu jung, um zu kapitulieren.
Ich wünsche dir eine mutige Entscheidung für dich und dein junges Leben!

Burbacher
 

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