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Die kleinen Dinge die so sehr schmerzen...

Kannja

Aktives Mitglied
Hallo!

Kennt Ihr das? Gerade dachte ich nun vielleicht ein wenig besser mit der Trauer umgehen zu können, dass allmählich doch die Normalität in mein Leben zurückkehren könnte... und dann, von einer Sekunde zur anderen haut es mich doch wieder um und ich stehe plötzlich mit tränenüberlaufenem Gesicht da.

Eben grade hatte ich wieder solch ein Erlebnis. Beim Aufräumen fiel mir eine noch gar nicht so alte, liebevoll von meinem Dad für mich selbst-gestaltete Geburtstagskarte in die Hände. Er sprach mich immer nur mit einem besonderen, sehr lieben Kosenamen an, den nur er so lange ich denken kann für mich verwendete und den ich nun nie wieder hören werde... Auch in dieser Karte, die er dann auch noch handschriftlich mit "von Deinem Dad" unterschrieben hatte. Dazu ein süßes Kinderbild von mir... Das ganze ist so liebevoll und besonders - fast jedes Jahr hat er das für mich gemacht... Und nun ist er fort und all diese kleinen, tollen Dinge an ihm sind mit ihm gegangen. Manchmal haut es mich einfach um wenn mir eine dieser Kleinigkeiten wieder in den Sinn kommt und mich daran erinnert wer genau mein Dad war und was ihn alles ausmachte. Er war einfach ein so besonderer, toller Mensch und gleichzeitig mein aller bester Freund. Wenn ich diese kleinen Erinnerungen zulasse, dann erscheint die Lücke die er hinterlässt so unfüllbar groß. Im Moment kann ich mein Weinen gar nicht mehr beruhigen... nur wegen dieser einen, kleinen Erinnerung die mir per Zufall in die Hände fiel. Ist das albern?

Kennt Ihr das? Habt Ihr auch solche Momente?

Ich weiß nicht ob ich vielleicht einfach nicht normal bin und nun nach den immerhin schon neun Monaten die er fort ist inzwischen mehr über seinen Verlust hinweg sein sollte? Mein Umfeld erwartet eindeutig, dass das Ganze für mich längst vergessen, die Trauer vorbei und ich wieder unbeschwert sein sollte... Doch es ist für mich momentan eher so als würde nun das Begreifen, dass mein Dad und all das tolle, liebenswürdige an ihm wirklich für immer und unwiederbringlich fort sind, erst so richtig einsetzen.... Und er fehlt mir in all diesen Kleinigkeiten fast jeden Tag ein Stückchen mehr. Es zieht mich auch jetzt erst richtig zu seinem Grab - anfangs konnte ich da gar nicht hingehen, bzw. kein Gefühl mit dem Friedhof verbinden und jetzt auf einmal möchte ich spätestens alle paar Tage hingehen. Ich weiß auch nicht... Jemanden so zu vermissen ist einfach so ein tiefsitzender Schmerz - es gelingt mir nichtmal das richtig in Worte zu fassen. Entschuldigt bitte, dass mein Beitrag so konfus ist! Könnt Ihr mir vielleicht sagen ob es Euch manchmal ähnlich geht mit dem Verlust oder einfach von Euren Erfahrungen damit berichten?
 
Ja, und wie ich das kenne.

Gestern fielen mir alte Notizen in die Hände. Alle Erinnerung war sofort wieder da: ihr Lächeln, ihre Worte, alles. - Auch meine Tränen.

Braucht Zeit.

GLG
Landkaffee
 
Kennt Ihr das? Habt Ihr auch solche Momente?


Nein. Nie gehabt.

Liebe Kannja, es mag vielleicht jetzt platt oder befremdlich klingen, wenn ich sage: Ich beneide dich darum. Und doch ist es so.

Man sagt, die Zeit heile alle Wunden. Das ist nicht wahr. Wunden heilen erst, wenn sie durchlitten wurden. Ich konnte nie wirklich trauern und du weißt ja, daß mich der Tod meiner Mutter nach über 40 Jahren noch immer begleitet - wie so ein Geschwür, das abgekapselt irgendwo in mir wartet, daß es irgendwann aufbricht.

Du trauerst, du denkst an deinen Vater, du hast diese liebevollen Worte von ihm in dir und die Erinnerung, was er dir bedeutet hat. Das ist sehr wertvoll, ganz egal, was andere dir dazu vermitteln. Reaktionen von außen sind meistens hilflos, wie soll man auch reagieren, wenn man einen Menschen in Trauer sieht und weiß, daß man seine Tränen nicht trocknen kann?

Deine Trauer ist gut und wertvoll. Sie zeigt, wie sehr du deinen Vater geliebt hast. Ich wünsche dir sehr, daß du dich irgendwann, wenn der Kummer nachläßt, lächelnd an ihn erinnern wirst, weil ein Teil von ihm in dir weiter lebt. Das wünsche ich dir sehr.
 
oh, kannja... wie gut ich dies kenne... immer, wenn ich in mein verwaistes elternhaus fahre, öffne ich die haustüre und erwarte, dass die tiefe, sonore stimme meines vaters meinen namen ruft...aber das haus bleibt stumm-stumm!!ich gehe durch alle diese seelenlosen zimmer, in welchem es kein leben mehr gibt. am samstag habe ich mich für viele traurige stunden in den wilden garten zurückgezogen, an mein vaterle gedacht, und den garten so gemacht, wie er es getan hat, wie er es mich gelehrt hat...ich hab die große sichel und sein handwerkszeug genommen, aber die sichel war so stumpf, und ich wußte nicht, wo er den schleifstein versteckt (hingelegt) hatte. so habe ich alles von hand raußgerissen, viele stunden lang...mist, und jetzt heule ich schon wieder...... tschuldigung! ich werde hier noch "tränenarm" zitieren...
die zeit heilt keine wunden, man gewöhnt sich nur an den schmerz
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Kannja 🙂,

Trauernde brauchen ihre Zeit. Wer es anders sieht, soll sich hinten anstellen und warten, bis er in der Situation ist.

Mir passiert es auch und ich lass mir da nicht drein reden. Ich könnte mir vorstellen, dass es mir auch in 10 Jahren noch passiert. Nur dann nicht mehr mit der Lücke sondern eher mit Wehmut, eben eine ganze Spur friedlicher und weiter.
 
weißt du, jun, jeder tauert anders, auf seine weise... ich für mich persönlich denke, wenn mein elternhaus verkauft ist, wird es leichter, obgleich... dann habe ich keine heimat mehr...
 
Euch allen viel Dank für Eure Worte und Erfahrungen! Es tu gut zu wissen, dass es Menschen gibt die dieses Wirrwarr von Gefühlen verstehen können.

@Frauenrausch:
Oh, das ist ja sehr ähnlich wie bei mir! Wir sind auch noch dabei das Haus meines Vaters zu verkaufen... dort gibt es ebenfalls einen riesigen Garten, den mein Vater so geliebt hat. Ich fühle mich schrecklich dabei nicht öfter dort sein und daran arbeiten zu können... er selbst hat so viel am Haus und Garten geackert, damit alles schön ist, jeden Tag.

Ich verstehe Deine Empfindungen zu gut... Wenn ich nun zu meinem so vertrauten Elternhaus fahre, wo in jedem kleinsten Detail mein Vater so tief drin steckt, dann erwarte ich auch immer noch dort seine Stimme zur Begrüßung zu hören - oder dass mein Vater mit mir schimpfen könnte wenn ich im Haus etwas verändere oder etwas von seinen Sachen aussortiere. Das kommt mir noch immer so falsch vor und wie ein Eindringen in seine Privatsphäre. Andererseits erscheint mir das Haus, obwohl es so lange mein Zuhause war nun auch so kühl und verlassen... so leer und traurig. Bei uns ist es auch so, dass dieses Haus eigentlich eine finanzielle Bürde bedeutet und viel Verantwortung für mich... Ja, es wäre auch eine Erleichterung in dieser Hinsicht wenn der Verkauf bald gelänge. Und doch versetzt es mich regelrecht in Panik wenn ich daran denke es weggeben zu müssen... Als wenn ich mich damit an meinem Vater, der so lange und hart am Haus gearbeitet hat versündige. Und eben auch, weil es unvorstellbar ist in das Haus, welches von klein auf zu uns gehörte, nie mehr zurückkehren zu können und es fremden Leuten zu überlassen... Man verliert mit dem Tod eines geliebten Menschen eben weit mehr als nur ihn allein, erstrecht wenn es um ein Elternteil geht... oder? Ich habe dazu ein sehr passendes Zitat gefunden welches mich wirklich berührt:



“In any man who dies there dies with him his first snow and kiss and fight... Not people die but worlds die in them.”

Yevgeny Yevtushenko


 

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