everlasting
Mitglied
Hallo Zusammen,
im Vorraus schon einmal Entschuldigung für den langen Text.....und deshalb ein doppelt so dickes dankeschön fürs lesen 🙂
Ich schlage mich mit wahnsinnigen Schuldgefühlen wegen meines Hundes rum, den ich Anfang des Jahres einschläfern lassen musste. Als er 1 Jahr lang „bettlägerig“ war habe ich mich kaum um ihn gekümmert, da ich sein Elend nicht ertragen konnte. Das klingt herzlos, aber in dieser Situation bin ich das erste Mal richtig suizidal geworden und lag nur noch im Bett. Mir wurde damals klar das er nicht mehr gesund wird und diese Ganzkörperlähmung immer mehr fort schreiten würde. Er war mein ein und alles. Er war die Liebe meines Lebens, mein Seelenverwandter und einfach mein stetiger Wegbegleiter. 10 Jahre lang habe ich Freude und Leid mit ihm geteilt und er hat mich bedingungslos geliebt. Ich kann nicht beschreiben wie meine Gefühlswelt in diesem Jahr war. Als ich merkte ich kann nicht bei ihm sein, weil irgendetwas mich blockierte. Die Zeit in der er mich am meisten gebraucht hätte war ich nicht da. Aber mein Lebensgefährte war da und die beiden liebten sich gegenseitig abgöttisch. Er stellte die Versorgung und die Liebe sicher, die mein Kind brauchte und ich konnte mich ins Bett oder meine virtuelle Welt zurückziehen und im Stillen leiden.
Die Entscheidung ihn endlich zu erlösen traf ich während eines heftigen Kritikgesprächs mit meinem Vater. Meine Familie und Bekannten hatten mir alle geraten ihn „gehen zu lassen“. Ich war einfach nicht bereit. Aber Ende des letzten Jahres stellte ich meinen Egoismus dann zurück und beschloss in purer Liebe zu meinem Kind, ihn zu erlösen. Ich gab mir 3 Wochen Zeit um mich anständig von ihm verabschieden zu können und noch viel Zeit bei und mit ihm zu verbringen. Ich nutzte die Zeit so gut es ging, und war gegen Ablauf der "Frist" viel bei ihm. Wir alle drei ( mein Partner, mein Hundekind und ich) waren die Nacht „vorher“ wach. Selbst mein Hundekind fand einfach keine Ruhe zum Schlafen, was er sonst sehr viel und sehr gerne tat. Auch er war wach und wartete mit uns auf unser aller Schicksal.
Es war der 28.01.2010 kurz nach 8 Uhr morgens als die Tierärztin klingelte. Als sie 30 Minuten später wieder ging hatte das Herz meines Hundekindes aufgehört zu schlagen, so wie es besprochen war.
Als die Tierärztin uns verliess, hatte ich plötzlich das Gefühl ersticken zu müssen. Ich ging an die Balkontür, öffnete sie und atmete mit geschlossenen Augen tief ein.
Mein Freund saß bei unserem leblosen Idefix und streichelte ihn als er plötzlich lachend sagte „Sieh nur, die Sonne kommt raus!“. Unfassbar! An diesem wolkenverhangenen Himmel kam plötzlich die Sonne raus und warf ihre Strahlen ins Wohnzimmer und auf die Couch auf der Idi noch immer lag. Mein Partner lächelte unter Tränen und versuchte mir klar zu machen das dies ein Zeichen für uns sei. Ich sah das er glaubte was er sagte und es nicht nur zur eigenen oder der meinen Beruhigung war.
Die Sonne schien lange. Gegen 11 Uhr fuhren wir zum Tierfriedhof um Idi „abzugeben“.
Es war zu kalt und die Erde zu gefroren um ihn zu beerdigen also wurde er vorübergehend eingefroren (die Beerdigung war schlussendlich im März….grausam).
Wir brachten ihn also dorthin und als wir uns verabschiedet hatten und wir wieder fort fuhren, hielt ich nach ein paar hundert Metern am Strassenrand um mich zu beruhigen und durchzuatmen (ich hatte immer noch das Gefühl ersticken zu müssen).
Wirklich urplötzlich wurde es dunkel um uns herum. Mein Freund sah mich an und wieder ertranken wir beide in unseren Tränen. „Siehst Du, Schatz?“ fragte er mich. Und ich sah wirklich. Ich bin kein gläubiger Mensch. Die Kirche und Religion an sich sind mir fern, aber in diesem Moment sah ich nicht nur, sondern ich spürte auch. Wir hatten "unser Hundekind" dort zurück gelassen und die Sonne verschwand just in diesem Moment hinter dicken Wolken. Er war bei uns gewesen, auch nachdem er aufgehört hatte zu atmen. Auch nachdem sein Herz aufgehört hatte zu schlagen. Seine Seele, aber vor allem auch seine Liebe zu uns ist unsterblich und hatte uns zu keinem Moment verlassen. Immer wenn ich einen ruhigen Moment habe und die Sonne scheint ist er mir unsagbar nah. Ich weiss nicht wann genau, aber kurz nach seinem Tod habe ich etwas geschrieben:
Am 28.01.2010 gingst Du auf Deine Reise, und nahmst meine Liebe mit Dir.
Eines Tages werden wir uns wieder sehen....
Ich weiß wenn meine Zeit gekommen ist wirst Du auf mich warten und da sein um mich mit Dir zu nehmen.
Und an diesem Tag wird die Sonne scheinen.
Mittlerweile haben wir August und der Schmerz ist immer noch so groß das ich die ganze Zeit weine während ich schreibe. Er fehlt mir von Tag zu Tag mehr. Ich denke momentan darüber nach ob ich einem anderen Hundekind einen Platz in meinem Herzen bieten kann. Ein neues Zuhause geben kann. Das Leben ist so schrecklich sinnlos ohne einen vierbeinigen Weggefährten. Und dann wiederum habe ich Angst meine eigene Leere durch ein anderes Lebewesen ersetzen zu wollen und das wäre keinem gegenüber fair, und vor allem gegenüber dem neuen Familienmitglied nicht.
Es tut einfach immernoch so wahnsinnig weh und ich frage mich ob ich mir selbst je vergeben kann was ich in diesem Jahr zuvor meinem "Vaterchen" angetan habe.
Verheulte Grüße
everlasting
im Vorraus schon einmal Entschuldigung für den langen Text.....und deshalb ein doppelt so dickes dankeschön fürs lesen 🙂
Ich schlage mich mit wahnsinnigen Schuldgefühlen wegen meines Hundes rum, den ich Anfang des Jahres einschläfern lassen musste. Als er 1 Jahr lang „bettlägerig“ war habe ich mich kaum um ihn gekümmert, da ich sein Elend nicht ertragen konnte. Das klingt herzlos, aber in dieser Situation bin ich das erste Mal richtig suizidal geworden und lag nur noch im Bett. Mir wurde damals klar das er nicht mehr gesund wird und diese Ganzkörperlähmung immer mehr fort schreiten würde. Er war mein ein und alles. Er war die Liebe meines Lebens, mein Seelenverwandter und einfach mein stetiger Wegbegleiter. 10 Jahre lang habe ich Freude und Leid mit ihm geteilt und er hat mich bedingungslos geliebt. Ich kann nicht beschreiben wie meine Gefühlswelt in diesem Jahr war. Als ich merkte ich kann nicht bei ihm sein, weil irgendetwas mich blockierte. Die Zeit in der er mich am meisten gebraucht hätte war ich nicht da. Aber mein Lebensgefährte war da und die beiden liebten sich gegenseitig abgöttisch. Er stellte die Versorgung und die Liebe sicher, die mein Kind brauchte und ich konnte mich ins Bett oder meine virtuelle Welt zurückziehen und im Stillen leiden.
Die Entscheidung ihn endlich zu erlösen traf ich während eines heftigen Kritikgesprächs mit meinem Vater. Meine Familie und Bekannten hatten mir alle geraten ihn „gehen zu lassen“. Ich war einfach nicht bereit. Aber Ende des letzten Jahres stellte ich meinen Egoismus dann zurück und beschloss in purer Liebe zu meinem Kind, ihn zu erlösen. Ich gab mir 3 Wochen Zeit um mich anständig von ihm verabschieden zu können und noch viel Zeit bei und mit ihm zu verbringen. Ich nutzte die Zeit so gut es ging, und war gegen Ablauf der "Frist" viel bei ihm. Wir alle drei ( mein Partner, mein Hundekind und ich) waren die Nacht „vorher“ wach. Selbst mein Hundekind fand einfach keine Ruhe zum Schlafen, was er sonst sehr viel und sehr gerne tat. Auch er war wach und wartete mit uns auf unser aller Schicksal.
Es war der 28.01.2010 kurz nach 8 Uhr morgens als die Tierärztin klingelte. Als sie 30 Minuten später wieder ging hatte das Herz meines Hundekindes aufgehört zu schlagen, so wie es besprochen war.
Als die Tierärztin uns verliess, hatte ich plötzlich das Gefühl ersticken zu müssen. Ich ging an die Balkontür, öffnete sie und atmete mit geschlossenen Augen tief ein.
Mein Freund saß bei unserem leblosen Idefix und streichelte ihn als er plötzlich lachend sagte „Sieh nur, die Sonne kommt raus!“. Unfassbar! An diesem wolkenverhangenen Himmel kam plötzlich die Sonne raus und warf ihre Strahlen ins Wohnzimmer und auf die Couch auf der Idi noch immer lag. Mein Partner lächelte unter Tränen und versuchte mir klar zu machen das dies ein Zeichen für uns sei. Ich sah das er glaubte was er sagte und es nicht nur zur eigenen oder der meinen Beruhigung war.
Die Sonne schien lange. Gegen 11 Uhr fuhren wir zum Tierfriedhof um Idi „abzugeben“.
Es war zu kalt und die Erde zu gefroren um ihn zu beerdigen also wurde er vorübergehend eingefroren (die Beerdigung war schlussendlich im März….grausam).
Wir brachten ihn also dorthin und als wir uns verabschiedet hatten und wir wieder fort fuhren, hielt ich nach ein paar hundert Metern am Strassenrand um mich zu beruhigen und durchzuatmen (ich hatte immer noch das Gefühl ersticken zu müssen).
Wirklich urplötzlich wurde es dunkel um uns herum. Mein Freund sah mich an und wieder ertranken wir beide in unseren Tränen. „Siehst Du, Schatz?“ fragte er mich. Und ich sah wirklich. Ich bin kein gläubiger Mensch. Die Kirche und Religion an sich sind mir fern, aber in diesem Moment sah ich nicht nur, sondern ich spürte auch. Wir hatten "unser Hundekind" dort zurück gelassen und die Sonne verschwand just in diesem Moment hinter dicken Wolken. Er war bei uns gewesen, auch nachdem er aufgehört hatte zu atmen. Auch nachdem sein Herz aufgehört hatte zu schlagen. Seine Seele, aber vor allem auch seine Liebe zu uns ist unsterblich und hatte uns zu keinem Moment verlassen. Immer wenn ich einen ruhigen Moment habe und die Sonne scheint ist er mir unsagbar nah. Ich weiss nicht wann genau, aber kurz nach seinem Tod habe ich etwas geschrieben:
Am 28.01.2010 gingst Du auf Deine Reise, und nahmst meine Liebe mit Dir.
Eines Tages werden wir uns wieder sehen....
Ich weiß wenn meine Zeit gekommen ist wirst Du auf mich warten und da sein um mich mit Dir zu nehmen.
Und an diesem Tag wird die Sonne scheinen.
Mittlerweile haben wir August und der Schmerz ist immer noch so groß das ich die ganze Zeit weine während ich schreibe. Er fehlt mir von Tag zu Tag mehr. Ich denke momentan darüber nach ob ich einem anderen Hundekind einen Platz in meinem Herzen bieten kann. Ein neues Zuhause geben kann. Das Leben ist so schrecklich sinnlos ohne einen vierbeinigen Weggefährten. Und dann wiederum habe ich Angst meine eigene Leere durch ein anderes Lebewesen ersetzen zu wollen und das wäre keinem gegenüber fair, und vor allem gegenüber dem neuen Familienmitglied nicht.
Es tut einfach immernoch so wahnsinnig weh und ich frage mich ob ich mir selbst je vergeben kann was ich in diesem Jahr zuvor meinem "Vaterchen" angetan habe.
Verheulte Grüße
everlasting