Ich bin Victoria, gerade 30 geworden, und ich schreibe das hier anonym, weil ich mich gleichzeitig schäme und trotzdem ehrlich sein will. Bei mir ist in den letzten Monaten finanziell einfach zu viel auf einmal passiert. Nicht weil ich zu viel geshoppt haben (auch wenn ich nicht die beste darin bin mit Geld umzugehen), sondern echte, blöde Kosten, die man nicht ignorieren kann: In meiner Familie gab’s plötzlich gesundheitliche Probleme (meine Mutter), und ich helfe seitdem mehr, als ich je gedacht hätte organisatorisch, emotional und ja, manchmal auch finanziell, weil bei ihr gerade kaum Luft ist. Und als wäre das nicht genug, kam bei mir noch so einiges obendrauf: das Auto geht kaputt, die Waschmaschine spinnt, als hätten sich alle Geräte abgesprochen. Und dann noch Nebenkosten Nachzahlung, die man nicht mal eben aus dem Ärmel schüttelt. Seitdem ist es bei mir so ein schleichendes Abrutschen. Ich rechne dauernd im Kopf. Ich bin angespannt, sogar wenn ich eigentlich entspannen sollte. Und ich merke, wie ich innerlich auf Alarm steht: „Was, wenn’s nächsten Monat wieder nicht reicht? Was, wenn noch was kommt?“ Alle sagen dann: „Hol dir halt einen zweiten Job.“ Und ich verstehe das, es klingt logisch. Aber bei mir ist das gerade nicht realistisch. Ich arbeite voll (und in meinem Job verdient man nicht übermäßig viel) und nach der Arbeit ist nicht „freier Abend“, sondern Familie, Termine, mentale Dauerbelastung. Und ich hab seit Jahren Angst-/Panikthemen, die sofort schlimmer werden, wenn ich dauerhaft über meine Grenzen gehe. Ich hab dieses „abends noch was dranhängen“ schon probiert in Form von Überstunden aber das Ergebnis ist nur: Schlaf ist kaputt, Herzrasen, ich werde dünnhäutig, und am Ende ist es eher gefährlich, weil ich dann in allem schlechter werde. Ich kann nicht noch mehr Stunden in ein System pressen, das eh schon knirscht. Und trotzdem ist etwas zurückgekommen, das ich seit Jahren irgendwie als „Notausgang“ im Hinterkopf habe. Ich weiß sogar genau, woher das kommt. Als Jugendliche hat ein schmieriger ältererTyp mal zu mir gesagt „Zur Not kannst du mit deinem Hintern Geld verdienen.“ Ich hab damals so getan, als wär’s mir egal, vielleicht sogar gelacht. So dieses: „Haha, ja klar.“ Aber im Nachhinein: Das war nicht nett. Das war nicht „du bist schön“. Das war eher „du bist verwertbar“. Und irgendwas in mir hat sich das gemerkt. Seitdem gibt’s in meinem Kopf diesen Gedanken wie eine Hintertür: „Wenn alles schiefgeht, gibt esda noch eine Möglichkeit“. Ich empfinde mich zwar nicht als Mega hübsch und habe auch meine Komplexe aber schon immer viel Aufmerksamkeit von Männern bekommen. Es ist absurd, aber manchmal hat mich allein die Existenz dieses Gedankens beruhigt und ich habe den lange in mir gehabt. Und jetzt, ich hab mich tatsächlich schon dabei erwischt wie ich mich zu Escort und diesen Themen im Internet informiere. Nicht super tief, aber so, dass ich mich selbst dabei ertappt habe. Und das ist der Teil, bei dem ich selbst merke irgendwas stimmt doch nicht mit mir. Oder? Und jetzt, wo das Geld knapp wird, wird aus dieser Hintertür plötzlich etwas, das real aussieht. Ist es normal, dass man in finanzieller Enge mit sowas „spielt“ im Kopf? ich will verstehen, ob er etwas über meine Lage sagt oder über mich. Ich will hier keine moralische Debatte lostreten und ich will niemanden verurteilen. Wirklich nicht. Ich versuche gerade nur herauszufinden, was in mir passiert.