Chihiro
Mitglied

11 Jahre, 3 Monate, 30 Tage, 7 Stunden und etwa 15 Minuten war er der beste Freund, den ich je hatte.
Mein Hund, mein Samson, meine Schiefnase, mein Schlumpf, mein dicker, haariger eben bester Freund aller Zeiten.
Als ich ihn kennenlernte, war er frisch geboren und passte gerade mal in meine Hand, die mit 15 auch noch nicht so groß war. Ein winzligen so klein und verletzlich.
Ich war bei der Geburt dabei, der Tierarzt gab meinem Schatz keinen Tag, weil er so schwach war. Wie soll sich ein so schwacher Zwerg gegen seine 5 Geschwister durchsetzen?
Er hat es geschafft, je länger das Fell wurde umso stärker wurde der Hund. Daher auch sein Name: Samson
Er kam mit Glück in meine Familie. Es war nur Zufall aber der schönste den ich je erleben durfte, hatte ich mir doch so gewünscht den Welpen behalten zu können.
Mein damaliger Freund war das Herrchen der Hundemama... und eigentlich waren alle Hunde schon vermittelt, aber das auszuführen ginge hier zu weit.
11 Jahre waren wir unzertrennlich, auch wenn ich ausgezogen bin und meine Eltern meinen Plüschbär behalten haben. 1 Zimmerwohnung und Berner Sennenhund funktioniert nunmal nicht.
Trotzallem waren wir immer ein Herz und eine Seele. Wenn er mich besuchte oder ich ihn galt es Kindheitstage wieder aufleben zu lassen. Wir haben getobt, gespielt, geschmust und auch mal gerangelt. Er durfte immer in meinem Bett schlafen... war ich doch jetzt sowas wie die Oma, die ihren Enkel verziehen darf.
Meinen Freund hat er geliebt. Der hat ihn ja auch gleich mit einem GROßEN Kauknochen bestochen. Er wusste, dass er keine Chance bei mir hat, wenn mein Hund ihn nicht mag.
Und als ich dieses Jahr geheiratet habe war Samson mit dabei. Mit im Standesamt und wenn er einen Ausweis gehabt hätte, ich schwöre er wäre mein Trauzeuge geworden.
Zu dieser Zeit war er schon lange Krank.
Nächte lang habe ich bei ihm auf dem Boden geschlafen, weil er die Nähe suchte aber zu schwach war ins Bett zu kommen.
Wieviel er "gekotzt" hat 🙁 wie viel schlechter es ihm jeden Tag ging.
Und immer wenn wir innerlich damit abschließen wollten und an Einschläferung dachten war er wieder fit und tobte wie ein Welpe, naja wie ein sehr alter Welpe.
Bis gestern... ich habe meinen Dad angerufen, weil ich ein mieses Gefühl im Bauch hatte.
Er sagte mir, das mein Dicker heute mittag geht.
Er hat seid Tagen weder Wasser noch Futter bei sich behalten und fällt die ganze Zeit hin, weil er so schwach ist.
Wir hatten Angst er müsste verdursten.
Wir sind zur Tierärztin gefahren. Sie untersuchte mein Baby ein letztes Mal und bestätigte unsere Entscheidung.
Sie kannte ihn auch schon sein ganzes Leben lang. Wusste was für ein Kämpfer es ist und sagte es wäre das beste ihn nicht leiden zu lassen.
Mein Dad wollte raus, er wollte nicht dabei sein.
Ich konnte ihn nicht alleine lassen. Nicht an seinem Ende.
Bis zu seinem letzten Atemzug habe ich ihn gehlaten, gestreichelt und ihm vorgesungen.
YOU ARE MY SUNSHINE...
... wie immer wenn er Krank war und sich auf meinem Schoß zusammengerollte hat (mein 40 kg Hund, der Schoßhund)
wie immer wenn ich ihm sagen wollte, dass alles gut wird.
Er hat gemerkt was los ist, er hat sich nicht gewehrt, obwohl er sich sonst immer gegen die Spritzen gewehrt hatte, wenn er operiert wurde.
Er hat mich angesehen bis zum Schluss.
Und zufrieden geseufzt.
Ich weiß es war gut so, und es war richtig.
Aber er fehlt mir so sehr.
Manch einer würde sagen, er war doch nur ein Hund, aber das war er nie.
Nicht für mich.
Er war mein bester Freund.
Er hat jeden Liebeskummer mit mir durchgestanden.
Und ich habe immer wenn es ihm schlecht ging nachts an seiner Seite gewacht. Ihn beschützt.
Es tut so unendlich weh.
Die Zeit heilt alle Wunden. Aber jetzt gerade ... ... kann mich die Zeit mal am Allerwertesten lecken.
Ich will einfach nur meinen Freund wiederhaben!