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Das schlimmste (Schul)jahr meines Lebens (Teil 1)

LostScout23

Mitglied
Ich schildere hier meine Missbrauchserfahrungen mit Autoritätspersonen um mein Schweigen nach 18 Jahren zu beenden um ihnen zu schildern wie sich Machtmissbrauch in Schulen/Internaten ausübt.
Es War das Schuljahr 2007-2008. Ich war damals 14 Jahre alt.

Ichwar sensibel, harmoniebedürftig, konfliktscheu. Kein rebellischerJugendlicher, kein Problemkind. Ich wollte niemandem schaden, wolltedazugehören, wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden, wenn meinInneres zu laut wurde.


DiesesJahr war das schrecklichste meiner Schulzeit – nicht wegen derSchule selbst, sondern wegen des Ortes, an dem ich leben musste:einem Internat, das für mich kein Zuhause war, sondern ein Ortpermanenter Grenzverletzung.


Ichselbst befand mich zu diesem Zeitpunkt in einer ohnehin vulnerablenLebensphase. Die Pubertät hatte gerade begonnen, mein inneresGleichgewicht war fragil, und ich hatte ein starkes Bedürfnis nachRuhe, Rückzug und Verlässlichkeit. Lesen, Alleinsein und festeRituale halfen mir, mit Überforderung umzugehen. Ich war kein lauterJugendlicher, kein Rebell, kein Grenzgänger. Ich war eher still,sensibel und darauf bedacht, Konflikte zu vermeiden.


Inden ersten Wochen im Internat war FrauA,die später eine zentrale Rolle spielen sollte, noch nicht anwesend.Die Betreuung übernahmen zunächst FrauB sowieein stellvertretender Erzieher. Diese Anfangszeit war zwar fremd,aber noch nicht offen belastend. Ich fühlte mich unsicher, ja –aber nicht bedroht. Hier kommen jetzt einige belastende Erinnerungendie hoffentlich milder werden, wenn ich sie mit euch allen teilenkann:


1)Ich saß in meinem Zimmer und war in ein Buch vertieft. Lesen war fürmich kein Zeitvertreib, sondern ein Schutzraum. Es half mir, zur Ruhezu kommen, Gedanken zu ordnen und mich emotional zu regulieren. Ineiner Umgebung, die mir fremd war, bedeutete Lesen Sicherheit.


Plötzlichwurde die Zimmertür ohne Anklopfen aufgerissen. Ein Junge nennen wirihn Kevin, platze in den Raum, ohne anklopfen, Vorwarnung oderirgendein Zeichen von guter Erziehung und brüllte durch den Raumdass Frau A nach mir rufen würde. Ich ging zu den Erzieherinnen.Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich nun Zeit Kevin verbringen solle –konkret, dass ich mit ihm spielen sollte: Tischtennis, Brettspieleoder ähnliche Aktivitäten.


Ichmachte ruhig und klar deutlich, dass ich das nicht wollte.
Ichsagte, dass ich lieber alleine sein und lesen würde.


DieseGrenze wurde ignoriert.


MeinWunsch nach Rückzug wurde nicht hinterfragt, nicht respektiert,nicht einmal zur Kenntnis genommen. Stattdessen wurde implizitvermittelt, dass mein Bedürfnis falsch sei – dass Alleinsein etwassei, das korrigiert werden müsse.


Icherinnere mich an das Gefühl, nichternst genommen zuwerden.
Nicht als Kind mit eigenen Bedürfnissen, sondern alsObjekt, das gelenkt werden sollte. Mein „Nein“ hatte keinGewicht.


Rückblickendwar dies eine der ersten Situationen, in denen mir signalisiertwurde:


Damalskonnte ich das noch nicht benennen. Ich spürte nur Unruhe, innerenWiderstand und ein leises, aber wachsendes Gefühl von Ohnmacht. Eswar kein einzelner großer Übergriff – sondern ein kleiner,alltäglicher Eingriff, der mir zeigte, dass meine Autonomie indiesem Umfeld wenig zählte.


2)Mit der Zeit begann ich, Situationen bewusst zu meiden. Nicht ausUngehorsam, sondern aus Selbstschutz. Nach kurzen Erledigungenaußerhalb des Internats versuchte ich oft, direkt wieder zu gehen,weil ich wusste: Wenn ich blieb, würde erneut verlangt werden, dassich Zeit mit einem Mitbewohner („Kevin“) verbringen sollte.


Kaumwar ich zurück, wurde ich angewiesen, ihn zu holen. Währenddessenzog ich mir bereits wieder die Schuhe an – mein Körper wollte weg,bevor wieder über mich entschieden wurde. Auf die Frage, wohin ichgehe, antwortete ich knapp: nach draußen. Eine Begründung schiennicht zu reichen. Mein Wunsch nach Rückzug wurde infrage gestellt.


AlsKevin dazukam, folgte ohne Nachfrage die Anweisung, gemeinsamTischtennis zu spielen. Weder er noch ich hatten Lust. UnsereAblehnung war sichtbar, wurde aber ignoriert. Stattdessen wurde mitKommentaren gearbeitet, die uns ein Bedürfnis unterstellten („dirtut Bewegung gut“, „du langweilst dich doch“). Ich stimmte zu –nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst, zu widersprechen .Wirspielten lustlos. Selbst dabei wurden wir kontrolliert undkritisiert. Es fühlte sich nicht nach Betreuung an, sondern nachBevormundung.


3)Es gab keinen körperlichen Missbrauch in dieser Szene. Und dochzeigt sie für mich rückblickend sehr klar den Charakter und dasMachtverständnis von FrauA.


NachHausordnung mussten wir unsere Handys beim Betreten des Internatsabgeben. Sie wurden weggeschlossen, der Zugang lag vollständig beiden Erzieherinnen. Nach einer Mittagspause machte FrauA darausein „Spiel“: Wer vor ihr auf die Knie gehe, bekomme sein Handyzurück.


Fastalle machten mit. Ich nicht. Mir war diese Situation zutiefstunangenehm. Mein Handy wurde mir daraufhin vorenthalten. Erst als ich– unter innerem Widerstand – doch auf ein Knie ging, bekam ich eszurück.


Damalserschien mir das wie ein schlechter Scherz. Heute erkenne ich darinetwas anderes: eine Machtdemonstration. Die bewusste Inszenierung vonUnterwerfung, gekoppelt an ein persönliches Eigentum, auf das wirangewiesen waren. Es ging nicht um Regeln, sondern um Kontrolle.


4)Nach dem gemeinsamen Mittagessen gingen wir als Gruppe vom Speisesaalzurück ins Internat. Dieser kurze Weg war für mich wichtig: Er waroft der einzige Moment am Tag, in dem ich meine Familie anrufenkonnte. Meist zuerst meine Mutter, danach meine Oma, die alleine inihrem großen Haus lebte.


Währendeines dieser Telefonate fragte meine Oma – ganz selbstverständlich–, was meine Eltern gerade machten. Ich antwortete ruhig undehrlich: dass sie noch beim Essen seien.


Plötzlichunterbrach FrauB dasGespräch von außen mit scharfem Ton. Eine unnötige, bevormundendeBemerkung, die klar machte: Sie hörte zu. Und sie mischte sich ein.


Indiesem Moment wusste ich bereits, dass mir Privatsphäre zustand. Undich spürte zugleich, wie sie mir genommen wurde. Ohne Respekt, ohneAnlass, ohne jede Sensibilität. Mein persönliches Gespräch wurdeöffentlich gemacht, mein Raum missachtet.
 
Hier kommt nun Teil 2 meiner belastenden Erinnerungen in jenem Internat. Ich musste den Bericht in 2 Teile aufteilen um das Limit von 1000 Zeichen nicht zu überschreiten.
Ich stand hier, schon mit 14, unter dauerhaften Stress in jenem Internat zog mich von zuhause und Freunden immer weiter zurück.

5)Donnerstags durften einige von uns abends ins Schwimmbad gehen. Ichwollte das nicht. Nach einem anstrengenden Tag brauchte ich Ruhe,nicht noch mehr Reize.


Einmalging ich nachmittags in eine Apotheke, um mir etwas zurSchlafunterstützung zu holen. Als ich das offen ansprach, wurden mirdie Tabletten kommentarlos abgenommen. Die Begründung war knapp undendgültig: Ich sei „zu jung für Medikamente“. Kein Gespräch,kein Nachfragen, kein Einbeziehen meiner Eltern.


Amnächsten Abend saß ich in meinem Zimmer und las. Wieder wurde ichlautstark aus dem Zimmer gerufen. Unten angekommen stand FrauA amFuß der Treppe und winkte mich mit dem Finger heran – eine Geste,die mich sofort innerlich zusammenziehen ließ. Ich folgte ihr in ihrBüro.


Ohneein Wort reichte sie mir einen Zettel. Darauf stand ein angeblichesEinverständnis meiner Eltern, dass ich donnerstags schwimmen gehendürfe – formuliert in ihrem Namen. Sie schrieb einen Zettel, imNamen meiner Eltern, um mich psychisch unter druck zusetzen um(ausdrücklich!) gegen meinen Willen schwimmen zu müssen. So wurdeauch dieser freie Abend zunichtegemacht.


6)Nach jedem Mittagessen nutzte ich die wenigen Minuten auf dem Wegzurück ins Internat, um meine Familie anzurufen. Diese kleinenMomente waren für mich ein Stück Normalität, ein Raum, in dem ichselbst entscheiden konnte. Doch FrauA riefmich plötzlich: „Mit dir will ich sprechen!“ Auf dem Weg hinterihr musste ich langsamer gehen, damit die anderen nichts mitbekamen.Sie begann sofort, mich zu kritisieren: Mein Körper sei „zu dick“,sie habe Fotos von mir gesehen und auch mit dem Küchenpersonalgesprochen. Sie kommentierte mein Gewicht, meine Brust und meinte,ich dürfe künftig nicht mehr so viele Snacks essen, weil ich jetztauch schwimmen gehe.


7)Mit 14 hatte ich bereits begonnen, mich wie ein Erwachsener zuverhalten – doch FrauA nahmdas zum Anlass für Spott. Sie kritisierte mein Verhalten und wandtesich sofort meinem Körper zu: Gewicht, Pickel, alles wurdekommentiert. Sie erzählte sogar, dass sie selbst früher „eindickes Kind“ gewesen sei, um meine Beschwerden kleinzureden.


BeimMittagessen kontrollierte sie meine Portionen und mischte sich in dieInhalte meines Tellers ein. Vor versammelter Gruppe fragte sieprovokativ: „Ist dein Bauch denn nicht dick genug?“ Ich wargenervt und antwortete kurz: „Nein.“ Trotzdem setzte sie ihreBelehrung fort: „Das sind so viele… warte, nein?! Na dann issweiter.“


EinMitbewohner mischte sich noch ein und machte gehässig Kommentareüber mein Gewicht. Ich spürte die Mischung aus Scham, Wut undGleichgültigkeit – Wut auf die Ungerechtigkeit, Gleichgültigkeit,weil ich wusste, dass ihre Worte meine innere Stärke nicht brechenkonnten.


8)Donnerstags durften wir ins Schwimmbad. Ich hatte damals Gefühle fürzwei Mitbewohner, die ein Jahr jünger waren, lange bevor ich meineeigene Sexualität bewusst verstand. In diesem Umfeld fiel es mirschwer, die Grenzen anderer zu erkennen – wahrscheinlich, weilmeine eigenen wiederholt überschritten wurden.


AmEnde eines Abends kam es bei einem gemeinsamen Abendessen zuHandgriffen, die missverstanden wurden. Ich musste mich vor beidenErzieherinnen rechtfertigen und Verantwortung übernehmen – obwohlkeine von ihnen beim Schwimmen anwesend war und die Situation nur ausErzählungen kannte.


9)Nach den Vorfällen im Schwimmbad wurde mir das Schwimmen verboten –was mir damals egal war. Am Ende des Jahres fand ein Elternabendstatt. Meine Mutter war anwesend, doch immer wieder wurde ichvon FrauB zurückgeschickt,um scheinbar kleine Aufgaben zu erledigen, etwa Kissen zu holen.


Ichbeobachtete durch ein Fenster, wie meine Mutter mit FrauA sprach– offenbar über meine Handlungen und die Missverständnisse. Ichfühlte mich ertappt, bloßgestellt und missverstanden. Besondersbelastend war, dass die wahren Hintergründe meiner Entscheidungenund meines Verhaltens niemand kannte.


Später,in den langersehnten Sommerferien, erhielt ich die Aufforderung, michan eine Einrichtung zu wenden (SDIP – Service de Détection etd’Intervention Précoce), wegen meiner Handlungen im Internat undeiniger Aktivitäten im Internet, die fälschlicherweiseinterpretiert worden waren.


Das war es. das schlimmste Jahr meiner Schulzeit. Ich erkenne rückblickend das auch meine Reaktionen (die Berührungen)unangebracht, grenzüberschreitend und gewalttätig waren. Ichübernehme die Verantwortung für mein handeln. Ich möchte nur betonen das es eine Reaktion auf die psychische Gewalt und den Druck von Frau A waren. Ich möchte mit diesem Schreiben mein Schweigen beenden und ihnen (geehrter Leser) mein erlebtes Leid anvertrauen.


Danke für ihre Aufmerksamkeit
 
Bitte schreibe bei mehreren Teilen dieTeile jeweils in einem Thread und nicht in zwei separaten Threads - ich habe die Threads zusammengeschoben.
 
Missbrauch? Weil du mit einem Mitschüler Ping-Pong spielen solltest und deine Bücher nicht in Ruhe lesen konntest? Oder weil deine Essensportionen aufgrund von Übergewicht reduziert wurden? Das ist alles sicher unangehm, aber wo siehst du da Missbrauch?
Warum kamst du in ein Internat?
Hast du deinen Eltern mitgeteilt, wie unwohl du dich dort gefühlt hast?
Der SDIP – Service de Détection etd’Intervention Précoce kümmert sich um Kinder und Jugendliche im Rahmen der Früherkennung von Schäden. Kam da diagnostisch etwas raus?
Ich kann nachvollziehen, dass der Aufenthalt dort stressig war und du dich alleingelassen gefühlt hast. Aber was hat das mit Missbrauch zu tun?
Und warum dieser Hass auf Frau A nach 18 (!) Jahren?
 
Ich erkenne ehrlich gesagt auch keinen Missbrauch. Sicherlich hat dir vieles nicht gefallen, aber deshalb ist es kein Missbrauch.
Sich als Jugendlicher irgendwelche Medikamente zu besorgen ist auch etwas was ich unterbunden hätte.
Die Aktivitäten mit anderen waren sicherlich dazu gedacht das du aus deiner Isolation rauskommst und sozialen Umgang pflegst.
Und wenn du andere unangemessen berührst, dann muss darüber auch gesprochen werden und Regeln festgelegt werden, um so etwas für die Zukunft zu unterbinden.
 
Du führst die sexuelle Belästigung deiner Mitschüler auf das eigentümliche Verhalten der Frau A zurück? Warum? Natürlich klingt das alles sehr mühsam. Das Handyritual ist völlig bekloppt. Aber ich kann nicht erkennen, wieso das dazu führen soll, dass man seine Mitschüler beim Schwimmen betatscht. Kann es sein, dass du dich immer noch schämst?
 

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