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Chronische Faulheit, Langzeitstudium, verbaue mir mein Praxissemester

  • Starter*in Starter*in EwigerStudent
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E

EwigerStudent

Gast
Hallo,

ich bin der wohl kaputteste Typ, den ich kenne. Aber auch ein Blender und so kann ich nahestehenden Leuten vormachen, dass alles noch gut ausgehen wird. Aber wird es das? Ich weiß nicht wie...

Schon immer war ich introvertiert, konnte mich wenig freuen, vielleicht chronisch depressiv und antriebslos. In der Schule musste ich mich nicht anstrengen, hatte ja sowieso keinen Antrieb, aber die Noten haben irgendwie gepasst. Dann habe ich 10 Semester oder 5 Jahre meines Lebens an der Uni damit zugebracht, nicht zu studieren. In dieser Zeit habe ich zwei Therapien gemacht und saß auch des Öfteren bei der psychotherapeutischen Beratungsstelle der Uni. Ich wollte ein anderer Mensch werden, endlich Freude im Leben verspüren, fleißig werden, oder einfach nur depressive Phasen und Versagensängste durch Gespräche überstehen. Ich habe einfach nicht verstanden, warum ich so bin, wie ich bin. Chronisch faul. Chronisch depressiv. Von Minderwertigkeitskomplexen gequält, die mir wohl durch meinen Vater in die Wiege gelegt wurden...

Nach nicht einmal fünf bestandenen Klausuren in 10 Semestern habe ich abgebrochen und bin an eine FH gewechselt. Da sollte es leichter sein und durch die eher verschulte Art meine Ziele schneller erreichbar.
Nun gut, jetzt bin ich im 10. Fachsemester (Regelstudienzeit 6 Semester) und komme einfach nicht zum Ende. Mir fehlen "nur" noch zwei Prüfungen (mit meinen Noten bin ich sogar zufrieden, nur mit der benötigten Zeit nicht) - und natürlich die Bachelorarbeit mit vorangegangener Praxisphase.

Durch einen lieben Kommilitonen habe ich eine wundervolle Praxisstelle bekommen. Dort habe ich alle Freiheiten und könnte mich nur um mein Thema kümmern (in ein bereits laufendes Projekt wurde ich nicht einbezogen, ich soll mein eigenes Ding machen). Die Kollegen sind super nett, wären sicher auch hilfsbereit, wenn ich denn auf sie zugehen würde. Mein betreuender Professor lässt mir auch sehr viele Freiheiten, d.h. eine Deadline habe ich z.B. nicht für die Praxisphase. Für die Bachelorarbeit dann natürlich schon.

Die Praktikumsstelle ist unbezahlt (ich lebe von einem Nebenjob und einem Privatkredit von meinen Eltern) und weil ich dort (für mein eigenes Ding) auch nicht wirklich gebraucht werde, gehe ich nicht regelmäßig hin. Ich rede mir ein, dort ist immer eine wilde Betriebsamkeit, da kannste dich eh nicht konzentrieren und deinen Praxisbericht schreiben. Aber zu Hause mache ich natürlich auch nichts. Die alten Gewohnheiten kommen durch. Ich versuche, mich irgendwie abzulenken. Sei es, mich durch Filme oder Serien berieseln zu lassen, um mich nicht mit mir selbst auseinandersetzen zu müssen, oder... ja mehr mache ich eigentlich gar nicht mehr. Früher war das anders, mittlerweile bin ich nur noch niedergeschlagen und ertrag die Situation durch Berieselung. Ich werde immer ruhiger, habe nichts mehr zu erzählen ach und stark übergewichtig. Freunde? Nicht wirklich. Vielleicht schrecke ich die ab, vielleicht ertrage ich es auch nicht, dass alle anderen Erfolg haben, nur ich nicht.

Seit einem halben Jahr läuft das nun so. In der Zeit bewältigen andere die Praxisphase und die Bachelorarbeit. Aber ich? - Mache einfach nichts. Wenn ich dort bin, surfe ich im Internet. Bei meinem Betreuer habe ich's mir wohl auch versaut. Er hat sich bei einem Hersteller darum bemüht, uns Produkte zum Testen zur Verfügung zu stellen. Da das den Hersteller auch einen Haufen Geld kostet, wollte er zumindest wissen, was ich damit mache. Darauf hatte ich keine Antwort. Und jetzt? Praktikum nach einem halben Jahr des Nichtstuns verbockt? Ich kann nur hoffen, dass mich mein Betreuer nicht fallen lässt. Aber wie soll ich ihm das vermitteln? Und wie schaffe ich es endlich, anzufangen und strukturiert aufs Ziel hinzuarbeiten? Ich kann echt nicht glauben, dass der April fast schon wieder vorbei ist. Eigentlich wollte ich da meine Abschlussarbeit schon angefangen haben. Ich werde bald 30 und da wollte ich eigentlich fertig sein...

In drei Wochen habe ich einen Termin bei der psychotherapeutischen Beratungsstelle bekommen. Ich weiß aber nicht, wie die mir helfen sollen. Ich habe ja keine Prüfungsangst, sondern bin eher ein hoffnungsloser Fall...
Momentan kann ich auch nur noch einschlafen, wenn ich völlig erschöpft bin und ich dazu von einer Serie berieselt werde. In nächtlicher Stille treiben mich meine Zukunftsängste und Selbstvorwürfe sonst in den Wahnsinn.

Danke für's Lesen.
 
Dir wird hier niemand helfen können.
Hör auf in Selbstmitleid zu baden und mach was, sonst passiert nix. Auch wenn du keine Schuld trägst, musst du es von dir aus wieder ins Lot bekommen.
 
Hallo Ewiger Student,

zunächst einmal finde ich, dass solche Sprüche wie "Hör auf dich in Selbstmitleid zu baden und krieg deinen A**** hoch" (sinngemäß) nicht wirklich weiterhelfen, vor allem in der Situation, in der du nun bist.

Zunächst einmal denke ich, dass du vielleicht offen mit deinem Betreuer, deinen Kollegen oder dem Professer reden solltest. Du hast doch schon geschrieben, dass sie alle sehr freundlich sind und dich sogar unterstützen würden. Du musst es eben ausprobieren. Wenn du das schon vermutest, dann versuche positiv an die Sache heranzugehen. Du musst ja nicht gleich mit der ganzen Geschichte rausrücken. Fang einfach mal an und erzähle Ihnen, dass du dich momentan sehr unwohl fühlst und du mit deiner Bachelorarbeit nicht wirklich voran kommst. Vielleicht können sie dir irgendwie helfen oder zumindest zeigen sie Verständnis für dich, das würde dir sicher sehr gut tun, da bin ich mir sicher.

Ansonsten glaube ich, dass du wirklich weiter therapeutisch arbeiten solltest, auch wenn du das Gefühl hast, dass es alles nichts mehr bringst und du ja schon zwei Therapien gemacht hast. Nur das Problem ist, die Alternative, gar nichts zu tun, wird dir nicht weiterhelfen. Deswegen überlege dir, wie schlecht es dir momentan geht, ob dir der Termin bei der Beratungsstelle genug Sicherheit und Perspektive bietet, oder ob du dich um einen richtigen Therapieplatz bemühen möchtest. Das musst du jetzt für dich entscheiden und dann angehen, denn von alleine wirst du das Problem nicht lösen können. Vielleicht denkst du auch mal über eine stationäre Therapie nach, da mir deine Schilderungen den Anschein machen, als würden die Probleme tiefer wurzeln. Hinzu kommt, dass ein solcher Aufenthalt die Möglichkeit bietet, an sich grundlegend etwas zu verändern, vielleicht wäre das eine Chance, auch am Übergewicht zu arbeiten (so war es zumindest bei mir, habe damals mehr als 40 Kg verloren).

Du bist jetzt im jeden Fall gefragt. Schätze ein, wie akut die Situation momentan ist und was dringlicher ist. Wenn du das Gefühl hast, du kommst mit ein paar Terminen bei der Beratungsstelle über die Runden, dann gehe diesen Weg und überlege dir, wie du deine Praxisphase bzw. die Bachelorarbeit zu einem guten Ende bringen kannst. Du hast jetzt schon so viel Zeit, Mühe, Arbeit und Anstrengung investiert, dann wirst du dieses letzte Stück auch noch bewältigen, da bin ich mir sicher. Ich denke, dass ein Gespräch mit Kollegen bzw. Betreuer wirklich Wunder wirken kann, evtl. findet ihr gemeinsam eine Lösung für eine bessere Strukturierung deiner Arbeit.

Ich wünsche dir in jedem Fall alles Gute und hoffe, dass dir meine Worte etwas geholfen haben.

Jobert
 
Danke für Eure Antworten!

@GoingCrazy: Du hast mit deiner Aussage schon irgendwie Recht und ich sage mir das auch jeden Tag. Bringt nur leider nichts, weil ich es scheinbar nicht von selbst schaffe...

@jobert_wörgon: Danke für deine ausführliche Antwort! Ja, die Probleme wurzeln sicherlich tiefer bzw. waren von Anfang an da. Eine stationäre Therapie klingt interessant. Ich stelle mir gerade einen geregelten Tagesablauf vor, der durch die Therapie unterstüzt wird. Probleme überwinden, fleißig werden, einen geregelten Tagesablauf bekommen und Gewicht verlieren - klingt super. Allerdings ist das ein großer Schritt. Damit würde sich mein Studium noch weiter verzögern (in der Annahme, dass ich es so überhaupt schaffe)...
 
Nur um das nochmal deutlich zu machen. Das war nicht so gemeint, dass du selbst Schuld daran bist, dass es dir jetzt so geht, sondern das nur du der jenige bist, der es ändern kann.
Ich verstehe dich schon, aber die bittere Wahrheit ist nunmal, dass nur DU es ändern kannst. Du musst dir klar machen, dass du dich ändern willst und musst, sonst bleibst du in dem Zustand gefangen!

Alles Gute!
 
Lieber Ewiger Student,

auch wenn der Blog schon ein wenig her ist, möchte ich noch etwas dazu sagen.

Du bist nicht der/die einzige!
Es gibt viele Studenten, die sich fühlen, als wären sie der "Alien" unter den Superstudenten oder würden als einzige
schlecht sein, in allem was sie tun.
Viele Universitäten und/oder Studentenwerke bieten Einzel- oder Gruppencoachings (vorwiegend für Langzeitstudenten) an.
Du sagtest ja schon, dass du einen Termin bei der Beratung hast und vielleicht (das hoffe ich sehr) hat es dich auch schon weitergebracht und dir wurde ein solches Coaching angeboten. Wenn nicht, frag nach. Ich habe viele scheinbar hoffnungslose Fälle erlebt, die es geschafft haben so ihr Studium zu beenden.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
 

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