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caroe diem

F

fleur

Gast
Als ich zwanzig war, ist mein 19jähriger Bruder gestorben bei einem Verkehrsunfall, an einen Baum gefahren. Es gab keine Erklärung, suizidgefährdet war er eigentlich überhaupt nicht, er ist wohl einfach morgens auf dem Weg zur Arbeit eingeschlafen.

Mit 25 habe ich Zwillinge geboren. Eines der Mädchen hab ich morgens tot in seinem Bett gefunden, sie war drei Monate alt. Plötzlicher Kindstod.

Mit 35 ist der 11jährige Sohn meines besten Freundes (der Vater meiner Tochter) an einem Hirntumor erkrankt. Wir haben ihn ein Jahr lang durch Chemo usw. begleitet. durch Auf und Abs. Am Ende ist gestorben.

So ist das Leben oder? Ich schreib das nicht, weil ich auf Therapie-empfehlungen aus bin ( hab mal eine gemacht, die damit aber wenig zu tun hatte).

Ich frage mich nur, ob das gut ist, wenn ich immer und überall daran denke, wie vergänglich das Leben, wenn ich immer denke, dass morgen meinem Gegenüber/meinem Kind wem auch immer in den nächsten Minuten was passieren könnte.

Dann denke ich einerseits, ich lebe halt sehr bewußt, nach dem Motto "Carpe diem", aber oft habe ich auch das Gefühl, dass es mich einfach nur runterzieht. Da steht ja auch eine unendliche Trauer und Angst dahinter.

Wie geht das anderen Trauernden? Mich hat Trauer und Verlust schon auch bereichert - irgendwie schon sehr . Aber oft wünschte ich mir, ich hätte das alles einfach nie erlebt und würde fröhlich und unbeschwert durch Leben hüpfen. Nicht nur naiv, sondern positiver, mit mehr Lebensfreude.

Es ist schon irgend wie traurig - und auch sehr depressiv / sehr krank - sich ständig zu vergegenwärtigen, dass das Glück dieses augenblicks bestimmt nicht lange anhält, weil der nächste Verlust schon wieder ansteht.

Dabei lebt man am Ende doch nicht den Tag - ala carpe diem.
 
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Hallo fleur,

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Hallo fleur,

das kling aber doch widersprüchlich.
Genieße den Tag und dann deine verständliche Unzufriedenheit und Angst.

Das Leben, oder sollte ich sagen das Schicksal, schlägt für den einen milde und für die andere hart zu.
Wir können durch unsere Handlungen zwar Einfluss nehmen, doch auf gewisse Sachen nicht. Es ereilt uns einfach.

Jetzt denke ich mal, dass du die Verluste nicht ganz verarbeitet hast. Warum auch immer. Doch dabei solltest du dir helfen lassen, was du ja verneinst.
Eine gescheiterte Therapie ist kein ernsthafter Grund. Es bestägtigt nur die These, dass man eher einen sechser im Lotto hat, als einen guten Therapeuten, der auf die Person, die Hilfe sucht, eingeht.

Dann komme ich eben zu deiner Aussage:

Es ist schon irgend wie traurig - und auch sehr depressiv / sehr krank - sich ständig zu vergegenwärtigen, dass das Glück dieses augenblicks bestimmt nicht lange anhält, weil der nächste Verlust schon wieder ansteht.
Ja in der Tat, dies ist ein Blues.

Doch jetzt denke ich, warum du so denkst, dass der nächste Verlust anstehen könnte.

Der Tod gehört zum Leben und nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung sieht es bei dir gut aus. Obwohl, das sagen die Leute vom Atomkraftwerk auch immer...

Also wie kommst du auf die Aussage, dass das Glück nicht lange anhält?
Nun ist auch Glück ein Synonym für viele Dinge. Liebe, Lottogewinn, langes Leben aber auch das, was ich selbst beeinflussen kann, Zufriedenheit!
Sind wir alles Hasardeure, die wir am Straßenverkehr teilnehmen, obwohl darin etwa 5000 Tote jährlich zu beklagen sind?

Nein, sicher nicht. Wir wissen um das Risiko, doch es gehört zu modernen Leben dazu. Wir verdrängen es weitgehend.
Wir verdrängen weitgehend Sorgen, Krankheit und Tod, damit wir nicht durch Verzweifelung umkommen.
Dieses handeln lässt leben, die ständige Sorge um Dinge, die nahezu unausweichlich sind, nicht.

Ich wünsche dir, dass du für dich entscheidest, nicht mit der Erinnerung, jedoch mit der Trauer abzuschließen.
 
Hallo fleur!

Ich frage mich nur, ob das gut ist, wenn ich immer und überall daran denke, wie vergänglich das Leben, wenn ich immer denke, dass morgen meinem Gegenüber/meinem Kind wem auch immer in den nächsten Minuten was passieren könnte.

Dann denke ich einerseits, ich lebe halt sehr bewußt, nach dem Motto "Carpe diem", aber oft habe ich auch das Gefühl, dass es mich einfach nur runterzieht. Da steht ja auch eine unendliche Trauer und Angst dahinter.

Wie geht das anderen Trauernden? Mich hat Trauer und Verlust schon auch bereichert - irgendwie schon sehr . Aber oft wünschte ich mir, ich hätte das alles einfach nie erlebt und würde fröhlich und unbeschwert durch Leben hüpfen. Nicht nur naiv, sondern positiver, mit mehr Lebensfreude.

Es ist schon irgend wie traurig - und auch sehr depressiv / sehr krank - sich ständig zu vergegenwärtigen, dass das Glück dieses augenblicks bestimmt nicht lange anhält, weil der nächste Verlust schon wieder ansteht.

Dabei lebt man am Ende doch nicht den Tag - ala carpe diem.

Beim quer lesen im Forum fiel mir grad Dein Beitrag auf...es tut mir sehr leid, dass das Schicksal Dir bereits so viel Schreckliches auferlegte!!

Ist es möglich, in Anbetracht der vielen schlimmen Schicksalsschläge ein unbekümmertes und unbeschwertes Leben zu führen?

Auch ich stelle mir die Frage oft...

Vielleicht ist dieses von Mensch zu Mensch unterschiedlich...rationale Menschen mögen
es schaffen, sich von der Vergangenheit freizumachen....oder bleibt auch der extreme "Realist" dann auf der Strecke - und verliert seine gesamte "Coolnis" ??
Gelingt es einem sensiblem Menschen, das, was Du schon erleben musstest, zu verarbeiten??

Ich weiß es nicht.

Ich denke aber, dass es nicht ohne Hilfe von Außen gelingen kann, eine wirkliche Balance (wieder-) zu finden...

Aus der Arbeit mit unheilbar kranken Menschen weiß ich, dass es nicht unmöglich ist, in Anbetracht des Todes glücklich zu leben. JEDER kann Morgen schon tot sein...

Unfall, Krankheit, Verbrechen....das Schicksal schläft nicht, sagt man!

Nur weiß der unheilbar Erkrankte, dass er vermutlich nicht an Altersschwäche streben wird.
Aber trotzdem kann sein Nachbar/Partner/Freund auch durchaus vor ihm sterben!(Infarkt, Unfall...das Schicksal schläft nicht)

DAS ist wohl das Geheimnis....genau diese Denkweise wirklich zu erlernen und damit dann die Ängste - und das "nicht-mehr-lachen-können" abbauen zu können.

Ich wünsche es Dir von ganzem Herzen!!

Carpe diem....🙂

Aloha
 
Hallo Rhenus, hallo Aloha,

Ihr habt mir beide sehr sehr tiefgründige Dinge geschrieben, über die ich erst mal nachdenken muss.. Ich finde sie richtig gut.

Ich komme darauf zurück, danke, erstmal, ich muss mir erstmal darüber Gednaken machen, dafür ist das Thema zu schwer.

aber echt danke, ich bin beeindruckt, ihr habt mich erreicht, mit dem was Ihr geschrieben habt. Beide - jeder woanders - aber jeder richtig 🙂 Ihr habt das schon verstanden, wo mein Problem liegt.
 
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