Liebe Maya, lieber Parzi,
in manchen Situationen, die ähnlich hier im Froum schon beschrieben wurden, würde ich Dir, lieber Parzi, völlig recht geben.
Aber, an Deiner Stelle, Maya, würde ich schon ein Gespräch mit ihm einem rigorosen Handeln vorziehen. (Parzi, ich weiß, dass auch Du das für selbstverständlich hälts, hat Du ja geschrieben).
@Maya,bei Deinem Freund - weiß leider nicht, wie alt ihr seid - drängt sich mir der Gedanke auf, dass er, gerade weil er so wenig Zeit hat, jobmäßig, in der Berziehung mit Dir auch seine Freunde nicht vernachlässigen möchte.
Ein kleines Beispiel aus einer Erfahrung, die ich gerade kürzlich machen musste, und die immer noch schmerzt:
Ich selbst bin eine Mensch, der das, was er anfasst auch möglichst perfekt machen möchte.
Als ich anfing, für die Deutsche Vermögensberatung zu arbeiten, habe ich mich voller Elan reingekniet, wohl wissend, dass ich bis Jahresende, so viel verdienen muss, dass ich von Hartz IV nicht mehr betroffen bin.
Da aber diese Arbeit nicht sofort Geld mit sich bringt, denn ich muss ja erst lernen, habe ich mir nebenher im letzten Jahr Job um Job gesucht. Alle paar Wochen etwas anderes. So war ich durch Lernen, Job, Arztbesuche so völlig ausgebucht, dass ich aber auch nicht die geringste Lust hatte, auch noch Zeit mit meinem Freund zu verbringen, obwohl ich weiß, dass das die einzige Abwechslung in seinem Leben ist. Aus schlechtem Gewissen und weil er mir wirklich leid tut, habe ich mich wenigstens 1-2x in der Woche kurz mit ihm verabredet, aber in Gedanken war ich nicht bei ihm, sondern bei der Zeit, die mir dadurch verloren geht. Aber irgendwie fühlte ich mich dauernd schlecht dabei, sodass ihm ihm gegenüber ungeduldiger und unfreundlicher war, als ich es eigentlich wollte und als er verdiente.
Nun hatte ich seit 9 Jahren eine sehr, sehr gute Freundin, die seit bald 20 Jahren hier auf dem Campingplatz lebt. Wir haben uns immer, ohne viel Worte, verstanden, denn wir liegen beide auf einem Level. Sie war all die Jahre, der einzige Mensch, mit dem ich Philosophieren konnte und die genau wusste, wovon ich sprach, denn sie war mir noch ein stückchen voraus.
Ich war überzeugt davon, dass unsere Freundschaft, egal ob wir uns 1x/Monat oder 1x/Jahr trafen, voll erhaben war über so kleinliche Gedanken, wie: "Jetzt war ich so oft bei Dir, und Du nicht bei mir, das finde ich nicht gut. da komm ich mir von Dir vera....vor."
Wie sehr man sich irren kann. Eines Tages, nach dem 2 Termine, wo ich mich mit ihr treffen wollte, geplatzt waren, aus gesundheitlichen Gründen, rief sie mich an, nur um mir zu sagen, dass sie die Freundschaft beenden möchte, dass sie mich aus ihrem Leben streiche, denn mir läge ja nichts mehr an unserer Freundschaft, seit ich wieder in die Welt des Materialismus eingetaucht sei.
Ich war dermaßen vor den Kopf geschlagen, dass ich immer wieder nur stammeln konnte: Mensch Chriss, was solln den so kleinkarierte Gedanken in unserer Freundschaft. Ich dachte immer, wir würden da locker drüberstehen.
Na gut langer Rede, kurzer Sinn, Chris war so dolle beleidigt über mein Verhalten, dass sie sich auch jeden Anruf in der Zukunft von mir verbat.
Ich wusste nicht, was mich mehr entsetzte, dass sie sich von mir so vernachlässigt fühlte und ich sie ungewollt so verletzt habe, oder dass sie mich genauso behandelte, wie ihre Zwillingssschwester, die seit Kindheit an ihr wunder Punkt war, von dem sie sich befreien musste, wenn sie nicht sich und ihre Schwester zerstören wollte. Aber wie ein trotziges kleines Mädchen, mir auf diese Weise die Freundschaft aufzukündigen, dass hat mich schon arg getroffen. Aber dann kam mein Stolz durch, und ich sagte mir, okay, wenn Du das wirlich erst meinst, bitteschön. Muss ich hier wenigstens kein schlechtes Gewissen haben, weil mir die Zeit fehlt. Aber ich vermisse sie sehr,und trotzdem könnte ich es heute nicht anders machen. Sie lebt von ihrer Rente, ich muss sehn, wo ich das Geld verdiene. Leider bin ich noch auf die materielle Welt angewiesen und muss mich wieder in den Sog von Fressen und Gefressenwerden begeben.
Wenn mir zusammen waren, sind immer 5-6 Stunden so schnell vorübergewesen, wie 1 Stunde mit anderen Menschen. Also hatte es auch nie Sinn, sich gegenseitig zu besuchen, wenn wir nicht auch diese Zeit füreinander hatten. Daher trafen wir uns auch höchst selten.
Über diese Seelenverwandschaft könnte ich noch stundenlang erzählen, bin aber völlig vom Thema abgekommen.
Ich wollte Dir, liebe Maya, nur ein bisschen Verständnis für Deinen Freund aufzeigen.
Vielleicht befindet er sich in einer ähnlichen Zwickmühle wie ich.
Also musst Du versuchen,dass herauszufinden. Aber nicht indem Du Dich beklagst oder ihm Vorwürfe machst, sondern ihm ganz ruhig erzählst, dass es Dich traurig macht, dass er so gar keine Zeit für Dich erübrigen kann, weil er soviel zu tun hat. Und das Du auch verstehst, dass er von der knapp bemessenen Zeit etwas für seine Freunde braucht. Und dann mach ihm den Vorschlag, ob er Dich denn nicht ab und zu mitnehmen könnte, wenn er mit seinen Freunden etwas unternimmt. Oder mache ihm den Vorschlag, er soll doch seine Freunde mal mit nachhause bringen, du würdest gerne die Rolle der Gastgeberin übernehmen.
Erwarte nicht gleich Wunder, sondern beobachte wie er darauf reagiert, wenn Du ganz selbstsicher, über dieses Thema sprichst.
Ich wünsche Dir von Herzen viel Glück dabei.
Wenn er das aber alles als Nonens abtut, und Dich nicht ernst nimmt, dann erkläre ihm genauso ruhig, dann täte es Dir leid, aber das wäre nicht in Deinem Sinne, und Du würdest dann lieber gleich die Sache beenden, bevor sie Dich frustet.
Entweder, so eine ruhige, unerwartet sachliche Art von Dir haut ihn aus den Pantinen, und er zieht die Konsquenz daraus und ändert sich, oder Du musst in den sauren Apfel beissen und dann konsequent Deinen weg gehen, ohne traurig zurückzublicken.
Maya, egal wie Du Dich entscheidest, Du kannst nichts falsch machen. Denn so, wie es jetzt ist, bist Du unglücklich, und das solltest Du als erstes ändern.
Liebe Grüße Luiserl