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Brauche dringend eine Entscheidungshilfe bezüglich meiner Mutter

Noma

Mitglied
Hallo,
ich befinde mich seit gestern in einem großen Zwiespalt und mein Gewissen plagt mich, denn ich weiss nicht, was ich tun soll.
Zum Hintergrund müsste ich erst mal einen Roman schreiben, aber ich fasse mich kurz und komme auf den Punkt:
Ich bin 39 Jahre alt und bei meiner Oma aufgewachsen bis zu ihrem Tode. Von meiner Oma bekam ich sehr viel Liebe, ich kann mich sogar noch an einzelne Situationen erinnern, obwohl es so lange her ist. Leider starb sie, als ich knapp 6 Jahre alt war. Darum kam ich dann zu meiner Mutter. Meine Mutter hatte mich übrigens als Baby an meine Oma gegeben und dann einfach eine neue Familie ohne mich gegründet. So kam ich dann zu meiner Mutter und Stiefvater mit 2 jüngeren Stiefgeschwistern. Mein Stiefvater hat mich als Kind nicht akzeptiert und Mutter und Stiefvater haben immer die beiden gemeinsamen Kinder bevorzugt. Ich bin aufgewachsen mit Schlägen von beiden, lieblos und hatte immer das Gefühl, ich sei in der Familie nur geduldet. Wenn ich frech war, daran erinnere ich mich, hat mir mein Stiefvater sogar oft gesagt, ich bin bei ihnen nur geduldet und habe mich an ihre Regeln zu halten.
Meine Stiefvater hat mich sexuell missbraucht, meine Mutter wusste davon. Ich habe es ihr damals immer wieder gesagt und sie hat mir dann einfach Schläge gegeben. Ich habe zu beiden keine richtige Beziehung und sage auch zu ihnen nur die Vornamen und nicht Mama und Papa. Meine Mutter hat mich im Leben noch nicht in den Arm genommen und mir gesagt, dass sie mich lieb hat.
Mit 17 Jahren bin ich aus dem Haushalt ausgezogen und habe bis heute immer nur wenig Kontakt zu ihnen gehabt. Habe aber von mir aus immer den Kontakt zu ihnen gesucht und sie besucht. Die Besuche liefen immer kalt ab, sie hatten nie richtiges Interesse an meinem Leben. Sie sassen einfach nur am Stubentisch, ich habe von mir erzählt und als Antwort kam eigentlich nie was. Ich weiss nicht, warum ich immer den Kontakt gesucht habe, ich denke mal, es war in mir drin immer der Wunsch, meine Mutter nimmt mich mal in den Arm.
Seit Mai 2010 hatte ich jetzt null Kontakt zu ihnen. Ich hatte nämlich meine Mutter gefragt, warum sie mich nie akzeptiert hat und warum sie mir keine Liebe gegeben hat. Da sagte sie wortwörtlich, sie wollte mich einfach nicht haben und wollte mich damals abtreiben, aber leider war es für eine Abtreibung zu spät, da sie erst bei der Geburt erfahren hatte, dass sie mit mir schwanger war. Informationen über meinen leiblichen Vater gibt sie mir auch nicht, sie sagte immer, es geht mich nichts an. In der Hinsicht vermute ich, sie weiss gar nicht, wer mein Vater ist und darum konnte sie mich nicht lieben als Kind. Der Abtreibungswunsch meiner Mutter hat mich so stark getroffen, dass ich den Kontakt dann für immer beendet habe und mich seitdem nicht mehr gemeldet habe. Meine Mutter hat sich bis heute auch nicht mehr bei mir gemeldet, was sie allerdings von sich aus nie getan hat, denn die Initiative ging immer nur von mir aus.
Nun kommt mein eigentliches Problem:
Gestern rief mich überraschend mein Stiefvater an und teilte mir mit, ich soll meine Mutter im Krankenhaus besuchen. Sie wurde gestern eingeliefert mit Thrombose, schwere Lungenentzündung, Wasser in der Lunge und ganz hohem Blutdruck. Er sagte, es geht ihr richtig schlecht.
Ich nahm allen Mut zusammen und sagte zu ihm, es ist zwar meine Mutter, aber nur meine biologische Mutter und ich habe mit ihr abgeschlossen. Ich sagte zu ihm weiter, ich habe niemals die nötige Zuwendung und Liebe erhalten. Komischerweise war mein Stiefvater am Telefon sehr ruhig und hörte mir zu. Er sagte, es ist meine Entscheidung. Dann fragte er, ob ich auch mit ihm keinen Kontakt mehr will und auch da sagte ich, ich wünsche auch mit ihm keinen Kontakt mehr, da er mir meine Kindheit geraubt hat und ich von ihm und meiner Mutter nur Abneigung spüren musste seit der Kindheit. Und er antwortete dann, es tut ihm alles leid, aber er vermisst mich trotzdem und wüscht mir alles Gute für die Zukunft. Mit dieser Antwort hat er mich total überrascht. Dann sagte er aber noch zum Schluss, ich muss auch mal verzeihen können. Ich sagte dann, ich kann ihm niemals verzeihen, denn was er mir angetan hat, begleitet mich mein Leben lang. Er sagte dann ca. 30 sekunden lang gar nichts mehr und sagte nur: Ok, ist Deine Entscheidung und dann legten wir auf.
Ich bin aber sehr glücklich, dass ich ihm das gesagt habe, dass er mich damals sozusagen kaputt gemacht hat mit dem, was er mir angetan hat (der Missbrauch). Diese Sache hat mich mein Leben lang nur belastet und jetzt ist es endlich raus.
Nun habe ich eine Nacht darüber geschlafen und jetzt frage ich mich, ob ich sie nicht doch besuchen sollte?! Auf der einen Seite ist sie nun mal meine biologische Mutter und ich fühle mich dazu verpflichtet, sie zu besuchen. Auf der anderen Seite aber war sie mir niemals die Mutter, die sie sein sollte und sie hat mich eh nie gewollt und mir das auch jeden Tag gezeigt. Eigentlich spricht alles dagegen, aber mein Gewissen plagt mich jetzt so. Denn was ist, wenn sie stirbt?
Mein Mann sagt, ich muss das ganz alleine für mich entscheiden. Wenn ich zu ihr gehe, dann soll ich ihr einfach in etwa so sagen:
" Du warst zwar immer eine ganz schlechte Mutter, aber ich bin keine schlechte Tochter. Du hast mich niemals geliebt, aber zum Glück habe ich jetzt meine eigene Familie und ich weiss, dass mein Mann und meine Kinder mich sehr lieben. Dieses wunderschöne Gefühl kennst Du gar nicht usw. "
Ich weiss einfach nicht, was für mich das richtige ist. Ich brauche ganz dringend eine Entscheidungshilfe von aussenstehenden. Soll ich zu ihr gehen oder soll ich ein für allemal einen Schlussstrich ziehen?
BITTE gebt mir einen Rat!
 
Ich weiß nicht, ans Krankenbett zu gehen, um die Bessere zu sein und ihr noch einmal alles vorzuhalten?

Ich würds nicht machen, wozu soll das gut sein?
 
Hallo weidebirke,
ach, ich weiss es nicht. Ich weiss ja eigentlich gar nicht, was ich tun soll. Darum suche ich ja hier irgendwie eine Entscheidungshilfe.
 
Liebe Noma,

ich bin in einer ähnlichen Situation wie Du aufgewachsen...geduldeter Gast und solche Sprüche kenne ich sehr gut.
Bei mir besteht schon seit ewigen Zeiten kein Kontakt mehr zu dieser Frau, die weiter nichts gemacht hat, als mich in die Welt zu setzen.
Das wollte ich Dir nur dazu sagen. Ich kann also Deine Gefühle sehrsehr gut nachvollziehen.
Ich habe mich sogleich gefragt, was ICH wohl in dieser Situation tun würde. Mir könnte es auch so ähnlich ergehen wie Dir.
Ich würde hingehen, Noma.
Es wird auf jedem Fall schwer und auf jedem Fall wirst Du die Hilfe Deines Mannes dabei brauchen. Aber die hast Du ja gottseidank. Das was Dein Mann gesagt hat-finde ich sehr klug.
Du kannst mit solchen ähnlichen Worten hoffentlich ein bischen Frieden schliessen.
Und es könnte Dich stärker machen für Deine Zukunft.
Schau mal-diese harte Frau liegt so hilflos vor Dir. Vielleicht kannst Du es als *ihre Strafe* für ihr Verhalten sehen..So würde ICH es machen.
Wir müssen mit unserer Vergangenheit leben. Wir können sie nicht ändern und wir können auch keine anderen Menschen ändern.
Ich habe es anders gemacht als meine "Mu.." und DU hast es anders gemacht.
Du kannst ihr noch sagen, daß Du DEINE Kinder um nichts in der Welt so behandeln würdest.
Ob sie das erkennt oder nicht-das ist eine andere Sache. Aber DU bist das "los geworden"
Wir können stolz auf uns sein, Noma-dass wir nicht SO geworden sind.

Liebe Grüsse und ganz viel Kraft für Dich!
 
Vom Herzen kommen kann das auch nicht. Aber diese ganze eigene Verzweiflung, dass man keine Mu...gehabt hat und wie sie sich verhalten hat, das verfolgt einen bis ans Lebensende. Das hört nie auf.
Deshalb versuche ich, die gewesenen Dinge als geschehen hinzunehmen.
Ich würde es auch nicht für meine Mu..tun-sondern nur für mich.
Es kann ein Stück dazu beitragen, Frieden zu schließen mit der Vergangenheit.

Natürlich ist das jedem selbst überlassen. Aber, wenn ich schon darüber nachdenke, es zu tun-dann ist auf jedem Fall sowas wie ein Wunsch da.
Es sind die Wurzeln-so oder so..
 
Hallo marionpe,
Du sprichst mit sozusagen aus der Seele. Das meinte mein Mann ja auch. Er sagt, wenn ich ihr das sage, dann zeige ich Stärke und kann ihr mal vor Augen halten, was sie verloren bzw. verpasst hat. Mit meinem Stiefvater habe ich ja sozusagen gestern am Telefon meinen "Frieden" geschlossen, indem ich ihm sachlich mitgeteilt habe, dass und warum ich keinen Kontakt mehr zu ihm will. Damit habe ich wirklich für mich das von mir abgeworfen, was mich begleiten musste.
Und ich sage mir, meine Mutter liegt sozusagen hilflos vor mir und kann sich nicht wehren und ich habe endlich meine Gelegenheit, ihr das mal zu sagen, was gesagt werden muss. Und sie muss mir dann einfach zuhören und kann nicht mehr ausweichen. Genau diese Gedanken gehen mir durch den Kopf. Das wäre mein Abschied von ihr. Aber auf der anderen Seite scheine ich wohl doch Gefühle für sie zu haben, weil sie eben meine biologische Mutter ist, obwohl ich sie eigentlich hassen müsste. Wäre sie mir egal, dann würde mir das doch alles am Hinterteil vorbeigehen, dass sie jetzt so krank ist. Aber ich war ihr doch auch immer egal. Denn eine Mutter, die u.a. zulässt, dass der Stiefvater das eigene Kind missbraucht, darf sich eigentlich gar nicht Mutter nennen.
Aber ehrlich gesagt traue ich mich auch nicht wirklich ins Krankenhaus. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und vieles geht mir sehr zu Herzen. Wenn ich sie dann krank im Bett liegen sehe, kriege ich bestimmt Mitleid und sage doch nicht das, was ich sagen wollte. Wenn ich hingehe und ihr wirklich das sage, was ich auch will, dann würde mich das bestimmt befreien. Dann zeige ich endlich mal Stärke und kann ihr zeigen, dass ich zum Glück nicht so geworden bin wie sie.
Ich habe mir aber auch nicht wirklich was mit ihr zu erzählen, weil wir eben absolut keine Mutter-Kind-Beziehung zueinander haben. Ich weiss auch nicht, wie ich das Gespräch dann anfangen soll.
 
ja, Bandit. Das ist es ja auch, was ich mich frage. Wenn sie nun stirbt, dann würde ich mir bestimmt Vorwürfe machen, dass ich ihr nicht das gesagt habe, was mich verletzt hat usw. Dann hätte ich offene Fragen, die mich wohl immer begleiten würden. Ich würde sie besuchen nur für mich selbst, weil sie ist doch meine Liebe gar nicht wert. Mit dem Besuch würde ich mir helfen können, dann weiss ich ja.
Dass ich meinem Stiefvater gestern endlich die Wahrheit sagen konnte, war noch nicht mal geplant, es kam irgendwie aus der Situation heraus. Ich war selbst hinterher über mich erstaunt, dass ich das angesprochen habe.
 
Du hast das mit dem Telefonat geschafft-
und FÜR DICH solltest Du den Besuch auch schaffen.

Nimm jemanden mit-Deinen Mann z.B.,der Dir danach Halt gibt.

Außerdem- Du würdest es DIR nie verzeihen,wenn Du Dich auf ähnliche Weise verhältst,sie ablehnst.

Und-- schon deshalb würde ich zu ihr gehen -- vielleicht erzählt sie Dir JETZT, wie Du entstanden bist, warum sie diesen inneren Abstand zu Dir so aufrecht hielt.
Es gäbe ja mögliche Erklärungen - die sie Dir vielleicht nicht sagen konnte,weil zu viel schlimme Erinnerungen bestanden? Sie wird ihre Wut über den,der sie schwängerte, auf Dich übertragen haben.
Das ist sehr unfair,würde aber einiges erklären?
Hat Deine Oma mit Dir nie darüber gesprochen ,warst Du zu klein dafür,gab es NIEMANDEN ,der Andeutungen machte?

Wünsche Dir viel Stärke und eine immer herzliche Familie an Deiner Seite!

Micky
 
Micky, meine Oma hat nie mit mir darüber gesprochen, weil ich wohl noch zu klein war. Selbst die Familie meiner Mutter hat mir das niemals erzählt. Meine Mutter hat 6 Geschwister, die alle wie wir in einem Umkreis wohnten. Niemals wurde über meine Herkunft gesprochen. Irgenwann mal im Erwachsenalter habe ich meine Tante mal angesprochen, ob sie irgendwas weiss. Sie sagte, niemand weiss etwas über meinen Erzeuger. Meine Mutter hatte zum Zeitpunkt meiner Geburt nämlich ca. 2 Jahre schon in der Schweiz in einem Haushalt als Haushaltshilfe gearbeitet und kam dann mit mir als Säugling zurück nach Deutschland und hat mich an die Oma abgegeben. Mehr weiss ich nicht. Meine Tante sagt, es weiss keiner etwas über meinen Vater, weil meine Mutter sich zu niemandem ihrer Familie gegenüber darüber geäußert hat und bei Fragen immer gesagt hat, der Vater ist egal.
Darum vermute ich, sie weiss gar nicht, wer mein Vater ist. Da kann man ja vieles vermuten. Entweder hat sie meinen Vater sehr geliebt und er hat sie verlassen, als sie schwanger wurde. Oder ich bin aus einem One-Night-Stand entstanden. Oder... Oder... Oder... Ich denke mal eher, ich stamme aus einem One-Night-Stand, wenn ich jetzt so nachdenke. Denn sie behauptet ja, sie habe erst am Tag meiner Geburt erfahren, sie sei mit mir schwanger. Das kann ich nicht richtig nachvollziehen, denn ich muss doch im Bauch gestrampelt haben und sie muss doch dicker geworden sein. Aber ok, ich will ihr das mal glauben, denn man hört ja immer wieder von Frauen, die mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus gingen und dann ein Baby hatten. Ich schliesse daraus, dass meine Mutter im inneren wusste, sie ist schwanger, aber sie hat es verdrängt.
 

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