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Bitte helft mir! Falscher Job + Depressionen

Trauriglein

Neues Mitglied
Hallo ihr lieben da draußen,

ich bin so verzweifelt und kraftlos und auch durcheinander, deswegen schreibe ich euch…in der Hoffnung dass mich jemand versteht und einen guten Rat weiß.
Ich bin fast 23 Jahre alt und ca. 5 Jahre im Berufsleben. Ich bin ausgebildete Fremdsprachenassistentin und mittlerweile, nach einer Weiterbildung, Immobilienfachwirtin.
Mein erster Job war ein großer Reinfall bei einem Rechtsanwalt – es war schrecklich langweilig und ich war chronisch unterfordert. Habe mir das ein halbes Jahr angetan und habe dann einen Job in der Immobilienbranche gefunden. Doch auch dort fand ich es furchtbar langweilig, hatte durch die Assistenzfunktion keine richtigen und eigenen Aufgabengebiete. Deshalb habe ich die Weiterbildung gemacht. Ich wurde leider nicht befördert, habe aus Frust dann den Job gewechselt. Leider auch nur eine Assistenz-Stelle, bei der ich aber wesentlich mehr verdient habe. Dort wurde jedoch gemobbt und es war (wieder mal) viel zu wenig zu tun und Unterforderung an der Tagesordnung! Mittlerweile habe ich vor zwei Monaten einen Job als Fachkraft angenommen, als Asset Managerin. Mein ehemaliger Chef hat mich gefragt, ob ich mit ihm zu zweit ein Projekt machen möchte. Nun ist er ein ziemlich schwieriger Charakter, arbeitet nicht gerne, hat überhaupt kein Taktgefühl Kunden gegenüber und ist einfach eine schlechte Führungskraft. Auch nach mehreren Gesprächen mit ihm, weiß ich eigentlich gar nicht so richtig, was ich dort machen soll. Noch dazu sitze ich ihm direkt ohne Trennwand gegenüber, habe kein bisschen Privatsphäre und morgens und abends will er mich umarmen. Er braucht einfach ständig Aufmerksamkeit und redet permanent (meistens privates Zeug) auf mich ein. Da ich vom Alter her seine Tochter sein könnte, habe ich das Gefühl, als eine solche behandelt er mich auch!! 🙁
Nun habe ich eigentlich einen steilen Karriereweg gemacht und jeder „erwartet“ eigentlich regelrecht von mir, dass ich sehr glücklich bin, aber ich bin das Gegenteil. Auf der Arbeit halte ich es kaum aus vor lauter Nervosität und Unkonzentriertheit und diesem unwohlen Gefühl. Es ist jeden Tag erneut ein Horror für mich.
Nun wurden bei mir Depressionen diagnostiziert und ich mache eine Therapie und nehme seit gestern Medikamente. Ich weiß nun gar nichts mehr: Kommen die Depressionen von der Arbeit, die mir noch nie Spaß gemacht hat oder kommt das schlechte Gefühl auf der Arbeit von den Depressionen?
Ich habe ich schon an einer Fachoberschule um einen Platz beworben. Innerhalb von einem Jahr könnte ich das Fachabitur nachholen und Sozialpädagogik studieren, das wäre mein größter Wunsch. Aber ich habe sooo Angst, dass ich eine Absage geschickt bekomme und mein Traum platzt! Die Angst, weiter in der aktuellen Situation verharren zu müssen, macht mich wahnsinnig.
Da ich durch die Angst kaum noch arbeiten konnte, bin ich diese Woche krankgeschrieben. Ach, ich weiß einfach nicht wie es weiter gehen kann die nächste Zeit. Am liebsten würde ich der Quälerei ein Ende setzen…
Hat jemand vielleicht schon ähnliches erlebt und gute Ratschläge für mich? Ich freue mich über jede Antwort.

Danke und LG, Trauriglein
 
Hallo Trauringlein!

Von mir hast du ja schon gelesen. Hm, also ganz ehrlich, ich würde dort kündigen. Hast du irgendeine Rückfallebene (Eltern, Verwandte) bei denen du unterkommen könntest, bis du was Neues hast? Ich langweile mich lediglich bei der Arbeit, aber das was du beschrieben hast, ist was ganz anderes. Die permanente Unterforderung kenne ich. Geht mir genauso und mein Chef weiß im Grunde davon und hat mir geraten entweder zu studieren oder was ganz anderes zu machen. Ist aber halt nicht so einfach, wenn man keine Ahnung hat, was man machen könnte. Dass du Angst vor einer Absage hast, kann ich verstehen, aber ohne es zu versuchen, wirst du nicht weiter kommen. Glaubst du wirklich, dass die Möglichkeit einer Absage so viel schlimmer ist, als dich ewig zu fragen, ob du vielleicht genommen worden wärst, während du wie eine Salzsäule in deinem jetzigen Job verharrst? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ausharren, nichts tun, abwarten viel quälender ist, als los zu gehen, was zu versuchen und vielleicht auch mal gegen die ein oder andere Wand zu rennen. Ist nicht einfach. Das weiß ich. Sonst wäre ich auch nicht mehr in meinem jetzigen Job. 🙄 Und was die Meinung der anderen betrifft, dass du also glücklich sein solltest: vergiss es. Niemand kann in deinen Kopf gucken, das fühlen, was du fühlst und wirklich entscheiden, ob du zufrieden sein müsstest. Ich habe einen Freund, eine schöne Wohnung, bin Beamtin auf Lebenszeit und habe viele Freiheiten in meinem Job. Und trotzdem bin ich totunglücklich, weil ich das Gefühl habe, bei meiner Arbeit zu verblöden. Dann kommt der Spruch, dass es anderen viel schlechter geht und dass ich mich glücklich schätzen sollte, weil ich ein sicheres Einkommen habe. Mag sein, dass ich undankbar bin, aber soll ich, nur weil es andere schwerer haben, mich mit allem abfinden und lächeln? Kann doch wohl irgendwie nicht sein. Außerdem ist es ja nicht so, dass ich es absichtlich machen würde. Wie gerne wäre ich mit meiner Arbeit zufrieden, denn dann hätte ich den ganzen Stress nicht. Aber Gefühle kann man nicht so einfach ausknipsen oder umpolen.

Ich kenne die Überlegung, ob es mir schlecht geht, weil der Job doof ist oder ob der Job doof ist, weil es mir schlecht geht. In deinem Fall tippe ich auf Ersteres, denn in so einer Situation, die du schilderst, wäre ich auch depressiv geworden. Ich habe mich das auch schon öfter gefragt. Es gibt nur einen Weg, das heraus zu finden: ausprobieren. Wenn du irgendeinen Weg siehst. Irgendwas, das dir gefallen könnte, dann geh los. Werde aktiv. Verharre nicht mehr. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es dir nach den ersten Schritten (Bewerbungen, konkrete Überlegungen zur Kündigung) bereits etwas besser geht. Einfach weil du aktiv geworden bist. Nicht mehr das Opfer spielst das sich von äußeren Einflüssen unterkriegen lässt.

Ich wünsche dir viel Glück und ganz viel Kraft.
Grüße
Solitudo
 
Falscher Job + Depressionen

Hallo Trauriglein,
von dem was du schon alles gemacht hast, denke ich das dir einfach noch "der richtige" Job fehlt. Aber nachdem du ja offensichtlich gut in deinem Job bist und auch echt nicht auf den Kopf gefallen, würd ich dir empfehlen nach nem anderen Job zu schauen. Junges Unternehmen mit einem jungen Team mit durchaus harten Ansprüchen, damit du auch ausgelastet bist. Die Situatuion mit Chef geht garnicht! Ja, da kann man schon depressiv werden.
Ich weiß, das mit anderem Job klingt wie blabla und leichter gesagt als getan - aber wer weiß, vielleicht findest du ja doch noch nen Job in dem Bereich der dich ausfüllt und "glücklich" macht.
Sozialpädagogik - schwierig. Überleg dir vorher noch einmal genau wie deine verschiedenen Arbeitsfelder damit ausschauen. Hab Sozpäd studiert und bin in ne Assistenten Stelle geflüchtet, weil mir in dem Beruf zuviel von den Kollegen mit der Tasse Kaffee in der Hand gejammert wurde was sie für nen Stress hätten. Und zu tun war echt VIEL ZU WENIG!! Hatte drei verschiedene Stellen in drei verschiedenen Bereichen und überall das gleiche. Jetzt der Job ist auch lachhaft. Denk mir oft das BWL Studium das beste gewesen wäre (hab viele Freunde die bwl´er sind und echt gute jobs haben) aber dafür is es bei mir schon zu spät.
Kurzum, ich denke eine Veränderung ist nötig bei dir!!! Aber nachdem du sowohl schlau wie jung bist - nehms in Angriff!!! Überleg dir gut was du tun willst und dann raff dich auf, auch wenn mit Depression echt schwer!!!
Alles Gute!!!!!!!!!!
 
Hallo Solitudo,

vielen Dank für einen tollen Artikel, der mir aus der Seele spricht. Auch ich habe viele Freiheiten im Job, eine tolle Wohnung und einen Freund, der gut zu mir ist. Und viele Leute um mich herum, die absolut kein Verständnis zeigen. Ich glaube wenn man diese Form der Traurigkeit und Verzweiflung nicht selbst erlebt, kann man es auch schlecht verstehen.

Nur wenn man gedanklich schon so fertig ist, extra verschiedene Berufswechsel eingeschlagen hat und immer wieder feststellt dass es einem nicht besser geht, ist es so so schwierig mutig weiterzumachen und Dinge positiv anzupacken! Ich habe mittlerweile das Gefühl so ein "Leeres" Leben zu haben. Man neigt dazu, einfach aufzugeben. Vor allen Dingen wenn man so Sprüche hört, wie: "Du wirst wohl nie zufrieden sein, egal was man die anbietet". Plötzlich steht man ganz alleine da, das kennst du sicherlich auch, oder?

Aber du hast recht damit, wenn man nichts probiert, hat man eigentlich schon verloren.

Den Job jetzt zu kündigen, wäre glaube ich des Geldes wegen recht unklug. Wenn ich noch vier Monate schaffe, habe ich Anspruch auf elternunabhängiges Bafög für ein STudium, was mir sehr entgegen kommen würde (ab 5 Jahre Berufstätigkeit). Und es würde nicht so ein großes Geldproblem auf mich zukommen. Noch dazu bin ich so unglaublich nervös, ich wüsste nicht was ich die ganze Zeit machen würde wenn ich gar keine Arbeit hätte. Ich weiß zur Zeit nicht was schlimmer ist: Arbeiten oder nicht arbeiten. Man fühlt sich wie in Ketten gelegt.....

Und um einen herum hat man das Gefühl, alle wären sehr glücklich mit ihrer Wahl und jeder führt sein Leben aber man selbst steht verloren mittendrin, auf der Suche nach irgendeinem passenden Weg. Herrje....diese Grübelei...

Für Bewerbungen im selben Berufszweig habe ich keine Kraft mehr, es hat schon etliche Bewerbungen gekostet, bis ich vor zwei Monaten den Absprung in den jetzigen Job geschafft habe. Das bin ich leid und ich möchte auch nicht in dieser Branche bleiben....möchte so gerne etwas machen das mich erfüllt...

Großes Danke für deine liebe Antwort,

Trauriglein
 

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