Oh, Mann, zuerst habe ich den Thread von Dauni gelesen, der mir sehr nahe gegangen ist und nun ähnliches Schicksal von Dir, lieber Gast.
Ich muß Dr. Rock wirklich Recht geben, egal wie Du reagiert hättest, ich bin davon überzeugt, daß es zum gleichen Ergebnis gekommen wäre.
Es gibt einfach Konsequenzen im Leben, die man sehr wohl "in die Zukunft" hinauszögern kann, aber letztendlich nicht verhindern kann. Wir Menschen können viel bewirken, sind aber auch in vielerlei Hinsicht ohnmächtig.
Mein Freund, früher Beziehung - heute Freund, war Junkie. Ich konnte machen was ich wollte, es hat sich an seiner Situation nix geändert...ich wollte immer verhindern, daß er wieder in den Knast muß, aber ich konnte es sicherlich aufschieben, aber eben nicht verhindern.
Ja, es ist immer so einfach zu sagen, sie war Drogen- oder Alkoholabhängig und das war ihre Entscheidung. Das ist auch möglicherweise richtig. Trotzdem habe ich auch ein tiefes Mitgefühl für die Alkoholabh. oder Drogenkonsumenten. Ich selbst bin essüchtig und weiß wie schwer es ist, davon loszukommen. Ich bin selbst mit Einsamkeit konfrontiert und meine Versuche, dies zu ändern, endet meistens frustran. Ich schreibe es nicht, um auf mich zu lenken, sondern einfach zu schreiben: ja, es ist verdammt schwer, von einer Sucht wegzukommen...Hinzu kommen auch noch Redewendungen, wie: Deine Entscheidung und Falle doch nicht in die Opferrolle...gerade diese Anstupser, die gutgemeinten führen oft auch zu einem Überangepaßten, aber verlogenen Verhalten.
Ich denke, ja, man kann auch mitfühlen und auch, als Angehöriger abtrauern, wie "Scheiße" es sich anfühlt, ohnmächtig zu sein...Ja, lieber Gast oder Dauni, manchmal können wir nix tun, selbst dann nicht, wenn das Leben für unsere Liebsten furchtbar war...Das ist traurig...Es ist aber auf gar keinem Fall Eure Schuld. Das Leben ist wirklich hart...ihr seid die Kinder und habt auch Eure Geschichte, Eure Belastungen und Erfahrungen mit Euren Eltern gemacht, selbst wenn ihr heute Erwachsene seid und daß ihr den Kontakt abgebrochen habt, dafür habt ihr gute Gründe gehabt. Ich habe mal eine Mutter (!!!!) kennengelernt, die ihren drogenabh. Sohn verloren hat...sie sagte mir, es war für sie eine Entlastung...so stark war sie unter Druck all die jahre und ich denke, ihr ward da für Eure Mütter, aber irgendwo sind auch Kraftgrenzen...
Eure Wut kann ich gut nachvollziehen, es ist verrückt, wieviele Paletten an Gefühlen man durchmacht...
Ich wünsche allen Drogenabhängigen und Angehörigen alles Gute und Euch auch, lieber Gast und liebe Dauni und liebe Winnie, ich glaube, Du warst auch betroffen, soweit ich das mitbekommen habt...
🙁 w.