L
Lia-Marie
Gast
Hallo ihr,
ich weiß, eigentlich dürfte es nicht sein, aber ich habe große Schuldgefühle! Ich bin nicht das Kind, das sich meine Eltern für sich gewünscht hätten. So gerne wäre ich ganz anders! 🙁
Mein Vater und vor allem meine Mutter haben mich ganz oft spüren lassen dass es ein Fehler war, mich zu zeugen.
Wobei ich sagen muss dass ich nicht geplant war. Mein Vater wünschte sich Kinder, aber meine Mutter wollte eigentlich keine. Schon mal gar nicht mit 20 Jahren.
Immer wenn ich Geburtstag habe, erzählt sie, wie schrecklich die Geburt war. Sie wäre dabei fast gestorben.
Auch muss ich mir dann jedes Mal anhören, wie geschockt sie war, als sie mich das erste Mal gesehen hat. Ich hatte ein ziemlich hohes Gewicht, einen großen Kopf und abstehende Ohren.
Damit hat sie sich dann abgefunden, weil das weniger deutlich war, als ich gewachsen bin und vor allem Haare hatte.
Doch als ich älter war, habe ich meine Eltern wohl mehr und mehr genervt. Ich war ruhig, aber in fremder Umgebung konnte ich mich nicht angemessen verhalten und wurde oft aggressiv. Zu viele Menschen und laute Geräusche haben mich schon immer überfordert.
Ich war in der Entwicklung verzögert, lernte spät laufen, stürzte ganz oft und hatte auch viele Probleme mit dem Fahrradfahren. Sprechen lernte ich nur ein bisschen später als andere Kinder, sprach aber lange mit Auffälligkeiten.
Noch heute lachen Bekannte von meinen Eltern darüber dass Nachtisch für mich "Nachtick" war und Tannenbaum nannte ich "Tananah". Ich brachte noch einige solcher Klöpse.
Ich brachte und bringe auch heute noch jeden mit meiner Langsamkeit auf die Palme. Ich kann einfach nichts schnell machen, bin sehr verträumt. Schon als Baby bin ich wohl während des Fütterns oft eingeschlafen.
In der Grundschule war ich gut bis mittelmäßig. Ich hatte meistens das halbe Zeugnis voller Dreien. Mein Vater sagte dann immer, die Dreien müssten weg. Was ich aber nie schaffte, obwohl ich mich sehr anstrengte.
Meine Eltern wollte auch dass ich unbedingt aufs Gymnasium ging, dabei war der Stoff für mich dort zu schwierig.
Ein Schuljahr schaffte ich nur mit einer Nachprüfung.
Ich glaube, ich war meinen Eltern oft peinlich. Mein Vater meinte auch oft dass ich irgendwie nicht für diese Welt gemacht bin. Ich fühle mich oft auch wie ein Alien.
Sie haben eigentlich fast nur schlechtes in mir gesehen. Meine Mutter hat mich oft angebrüllt und runtergemacht.
Einmal habe ich mit einer Tante darüber gesprochen. Sie meinte dass sie es gemein findet. Schließlich hätte ein Cousin von mir ein körperliches Handicap, aber seine Eltern würden hinter ihm stehen und ihn fördern. Mir hätte man nie eine Chance gegeben.
Ich habe Angst vor der Zukunft.
Als ich noch zur Schule ging, habe ich überlegt zu studieren. Ich war ziemlich gut in Englisch und Französisch. Doch gut konnte ich nur die Rechtschreibung und Grammatik. Ich konnte nicht Texte interpretieren und schrieb da oft großen Unsinn zusammen. Daher dachte ich dass ich ein Studium wohl nicht schaffen würde.
Im Moment mache ich ein freiwilliges soziales Jahr in einem Behindertenheim. Auch da stelle ich mich ziemlich ungeschickt und schusselig an, so dass ein paar vom Personal oft über mich lachen.
Ich möchte eine Ausbildung zur Bürokauffrau machen, habe aber noch keine Stelle.
Was meint ihr?
Ist es verständlich dass meine Eltern mich immer so behandelt haben, weil sie so enttäuscht von mir sind?
Liebe Grüße,
Lia
ich weiß, eigentlich dürfte es nicht sein, aber ich habe große Schuldgefühle! Ich bin nicht das Kind, das sich meine Eltern für sich gewünscht hätten. So gerne wäre ich ganz anders! 🙁
Mein Vater und vor allem meine Mutter haben mich ganz oft spüren lassen dass es ein Fehler war, mich zu zeugen.
Wobei ich sagen muss dass ich nicht geplant war. Mein Vater wünschte sich Kinder, aber meine Mutter wollte eigentlich keine. Schon mal gar nicht mit 20 Jahren.
Immer wenn ich Geburtstag habe, erzählt sie, wie schrecklich die Geburt war. Sie wäre dabei fast gestorben.
Auch muss ich mir dann jedes Mal anhören, wie geschockt sie war, als sie mich das erste Mal gesehen hat. Ich hatte ein ziemlich hohes Gewicht, einen großen Kopf und abstehende Ohren.
Damit hat sie sich dann abgefunden, weil das weniger deutlich war, als ich gewachsen bin und vor allem Haare hatte.
Doch als ich älter war, habe ich meine Eltern wohl mehr und mehr genervt. Ich war ruhig, aber in fremder Umgebung konnte ich mich nicht angemessen verhalten und wurde oft aggressiv. Zu viele Menschen und laute Geräusche haben mich schon immer überfordert.
Ich war in der Entwicklung verzögert, lernte spät laufen, stürzte ganz oft und hatte auch viele Probleme mit dem Fahrradfahren. Sprechen lernte ich nur ein bisschen später als andere Kinder, sprach aber lange mit Auffälligkeiten.
Noch heute lachen Bekannte von meinen Eltern darüber dass Nachtisch für mich "Nachtick" war und Tannenbaum nannte ich "Tananah". Ich brachte noch einige solcher Klöpse.
Ich brachte und bringe auch heute noch jeden mit meiner Langsamkeit auf die Palme. Ich kann einfach nichts schnell machen, bin sehr verträumt. Schon als Baby bin ich wohl während des Fütterns oft eingeschlafen.
In der Grundschule war ich gut bis mittelmäßig. Ich hatte meistens das halbe Zeugnis voller Dreien. Mein Vater sagte dann immer, die Dreien müssten weg. Was ich aber nie schaffte, obwohl ich mich sehr anstrengte.
Meine Eltern wollte auch dass ich unbedingt aufs Gymnasium ging, dabei war der Stoff für mich dort zu schwierig.
Ein Schuljahr schaffte ich nur mit einer Nachprüfung.
Ich glaube, ich war meinen Eltern oft peinlich. Mein Vater meinte auch oft dass ich irgendwie nicht für diese Welt gemacht bin. Ich fühle mich oft auch wie ein Alien.
Sie haben eigentlich fast nur schlechtes in mir gesehen. Meine Mutter hat mich oft angebrüllt und runtergemacht.
Einmal habe ich mit einer Tante darüber gesprochen. Sie meinte dass sie es gemein findet. Schließlich hätte ein Cousin von mir ein körperliches Handicap, aber seine Eltern würden hinter ihm stehen und ihn fördern. Mir hätte man nie eine Chance gegeben.
Ich habe Angst vor der Zukunft.
Als ich noch zur Schule ging, habe ich überlegt zu studieren. Ich war ziemlich gut in Englisch und Französisch. Doch gut konnte ich nur die Rechtschreibung und Grammatik. Ich konnte nicht Texte interpretieren und schrieb da oft großen Unsinn zusammen. Daher dachte ich dass ich ein Studium wohl nicht schaffen würde.
Im Moment mache ich ein freiwilliges soziales Jahr in einem Behindertenheim. Auch da stelle ich mich ziemlich ungeschickt und schusselig an, so dass ein paar vom Personal oft über mich lachen.
Ich möchte eine Ausbildung zur Bürokauffrau machen, habe aber noch keine Stelle.
Was meint ihr?
Ist es verständlich dass meine Eltern mich immer so behandelt haben, weil sie so enttäuscht von mir sind?
Liebe Grüße,
Lia