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Bin ich meinem Vater egal?

  • Starter*in Starter*in Victoria16
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V

Victoria16

Gast
Abend zusammen,
dies wird ein langer Text.

Meine Mutter ist vor zwei Wochen verstorben, sie hat sich unter Einfluss starker Depressionen das Leben genommen. Zudem haben meine Schulprobleme und mein schwieriger Charakter das Ganze noch verstärkt.

Meine Mutter war so ziemlich alles für mich, sie war immer für mich da, hat alles, was in ihrer Macht stand, für mich getan und ich habe all dies nicht geschätzt und wurde immer bockiger und lustloser (wie es in der Pubertät manchmal so ist) Als ich dann vom Gymnasium auf die Realschule musste, hat ihr das viel mehr Leid zubereitet als mir, weil sie wusste, dass ich es geschafft hätte.

Ab da fingen langsam ihre Depressionen verbunden mit Sorgen um mich an. Sie hat sich wahrscheinlich Vorwürfe gemacht, von wegen sie hätte mich falsch erzogen. Doch ich bemerkte nichts und ignorierte ihre ständigen Heulkrämpfe, die sie vor mir verschwieg. Ich wollte dann nach der Realschule auf eine gymnasiale Oberstufe gehen, um mein Abi nachzuholen, doch leider sind es 35km bis dorthin. Doch meine Mutter wollte immer das beste für mich, wollte mir eine gute Zukunft ermöglichen, damit ich nicht so wie sie einen schlecht bezahlten Job bekomme. Sie sagte, dass sie die Fahrtkosten bezahlt, auch wenn es teuer wird. Doch am Ende konnte sie nicht mehr. Sie sagte noch, als ich sie das letzte mal anrief: „Verzeih mir.“ Dabei hoffe ich, dass sie mir verzeiht und weiß, dass ich sie über alles liebe. Das hatte sie nicht verdient.

Nun, worauf ich hinaus will, ist, dass mir jetzt diese wichtige Person, die mich bei allem unterstützt und mich immer abgefangen hat, fehlt und natürlich auch unersetzbar ist. Ich bin es nicht gewohnt, alles mit mir selbst auszumachen. Das Verhältnis zu meinem Vater war nicht innig, aber es gab auch keine Probleme, nun hat es sich etwas gestärkt. Doch als mein Vater mit meinem Onkel telefoniert hat, fragte mein Onkel:„Und, wie läuft's in der Schule bei Victoria?” Da antwortete mein Vater: „Na ja, sie will ihr Abitur nachholen, die Schule ist aber 35km weit entfernt, das ist zu teuer, danach will sie studieren, keine Ahnung was. Soll sie machen, was sie will, ist mir auch egal.”

Das hat mich schon sehr verletzt. Er kümmert sich um den Haushalt und so weiter, aber nur selten um mich, weil ihm auch nicht viel Zeit bleibt. Aber vielleicht bin ich einfach nur zu sensibel und bin an der Umsorgung meiner Mutter gewöhnt. Von meinen alten Freunden habe ich mich auch distanziert, als es in der Schule stressig wurde und die Familie mir am wichtigsten war, also sprich Mutter u. Vater. Mein Zuhause gab mir immer das Gefühl von Geborgenheit und Rückhalt. Doch nun muss ich immer weinen, wenn ich irgendetwas sehe, was mich an meine Mutter erinnert. Ich will auch weg von hier, umziehen in ein anderes Bundesland, das würde vllt auch die Schulprobleme lösen, nur hat mein Vater momentan einen gutbezahlten Job als Beikoch. Er hat es nicht leicht bei der Arbeitssuche, weil er nur eine Ausbildung zum Maurer hat und ü50 ist.

Ich weiß auch nicht, was ich jetzt für Antworten erwarten soll, es hat so gut getan alles niederzuschreiben, was in mir vorgeht, weil ich mit niemanden bisher darüber reden konnte. Ich fühle mich halt nur sehr einsam, dazu traue ich mich fast gar nicht mehr auf die Strasse zu gehen, weil schon der ganze Ort (+Umkreis) von dem Selbstmord weiß und mich alle nur begaffen werden. und nein, mir ist es nicht egal, was andere über mich denken, ich kann nicht anders. Ein Umzug in ein anderes Bundsland mit einer gymnasialen Oberstufe wäre ideal, ein Traum, nur leider lässt es das Geld nicht zu (mit 2000euro kommt man nicht weit)und mein Vater will es auch nicht, weil er hier ein paar Bekannte hat im Gegensatz zu mir. Ach, ich bin einfach nur verzweifelt, höre die ganze Zeit Lana Del Rey, um wenigstens in eine melancholische Stimmung zu kommen.

Eure Victoria
 
Hallo Victoria,

mein allerherzlichstes Beileid für deinen schweren Verlust. Sei versichert, es war nicht deine Schuld, auch keine Teilschuld, auch wenn es dir jetzt so vorkommt. Dass dich der Ort und die ganzen Erinnerungen fertig machen ist verständlich.

Nimm die Worte deines Vaters nicht zu schwer. Auch er hat vor zwei Wochen einen geliebten Menschen verloren. Das muss erst verarbeitet werden, daher sind manche Aussagen evtl. nicht ganz nachvollziehbar. Vielleicht könntest du einen Antrag auf Bafög stellen, damit wenigstens die Fahrtkosten übernommen werden. Vielleicht existiert bei euch auch eine Fahrgemeinschaft oder Mitfahrzentrale für kleines Geld? An einer lausigen Strecke von 35km sollten deine Pläne nun wirklich nicht scheitern müssen!

Wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Kraft für deinen weiteren Weg. Halt' die Ohren steif.
 
Liebe Victoria,
ich glaube nicht, das du deinem Vater egal bist. Immerhin bis du seine Tochter und wie du schon sagst hat er einfach wenig Zeit und ihm geht es bestimmt auch nicht gut wegen deiner Mutter.. Deswegen auch mein herzliches Beileid! Er muss auch zusehen das er Geld verdient, da du das ja noch nicht kannst und es ist für ihn bestimmt sehr stressig da bleibt leider keine Zeit für dich auch wenn es sehr traurig ist! Am besten konzentrierst du dich auf die Schule damit du einen guten Abschluss schaffst und es kann auch nicht schaden wenn du deinem Vater vlt. ein bisschen bei der Hausarbeit hilfst, dann hat er etwas mehr Ruhe und Zeit für sich die er bestimmt auch braucht. Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen.
Viel Glück noch und Liebe Grüße 🙂
 
Hey, ein paar Dinge:

1. Du bist nicht verantwortlich für den Selbstmord Deiner Mutter, in keinster Weise!
2. Du bist Deinem Vater sicher nicht egal! Ich denke, er ist mit der Situation selbst schwer belastet. Habt ihr darüber gesprochen, das Ganze aufgearbeitet? Wenn nicht kann das auch mit professioneller Anleitung geschehen und wäre sehr wichtig. Trauerarbeit ist immer wichtig! Auch sollte sie Dir die Last der Schuldgefühle nehmen.
3. Es gibt Schüler-Bafög oder andere finanzielle Unterstützung.

Vielleicht kannst Du Dich einer Lehrerin anvertrauen. Ansonsten kannst Du Dich auch ans Jugendamt wenden, dort werden Dir weitere Stellen genannt.

Liebe Grüße und viel Kraft!
 
Das ist hart.

Mein Beileid zum Verlust deiner Mutter.

Wenn ein Mensch sich das Leben nimmt, dann sicher nicht, weil sein Kind das Gymnasium nicht geschafft hat. Deine Mutter war krank, diese Krankheit liegt nicht in deiner Verantwortung.

Dein Vater ist sicher nicht gleichgültig, aber du musst bedenken, dass er gerade seine Frau verloren hat. Da kann es nicht sein erster Gedanke sein, welche Schule du künftig besuchst oder nicht.

Es wäre nicht schlecht, wenn du zur Verarbeitung des Verlustes therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen würdest. Rede mit deinem Arzt darüber.

Und denke daran, dass deine Mama dich sieht und über dich wacht.
 
Liebe Victoria,

glaube mir, du bist nicht schuld an dem Suizid deiner Mutter. Selbst wenn du Schwierigkeiten gemacht hast, aber wegen so was bringt man sich nicht um. So schwer enttäuscht haben kannst du sie gar nicht. Es ist gut, dass du dich für deine Mutter verantwortlich fühlst - das zeigt, dass sie dir mitnichten egal ist. Aber wenn sich jemand dazu entscheidet, umzubringen, dann hat das viel tiefere Gründe als die Tatsache, dass du schulisch nicht so klar kommst. Klar, wird sie nicht begeistert sein, dass du das Gymn. erst mal nicht geschafft hast, aber DAS war nicht der Auslöser.
Wenn jemand suizidal gefährdet ist bzw. schwere Depressionen hat, kommen viel mehr Sachen zusammen als ein paar schlechte Schulnoten der Tochter. (ich banalisiere das jetzt mal ein wenig, um dir das aufzuzeigen).
Es tut mir sehr sehr leid, was du durchmachen musst und dass dein Vater dich nicht richtig stützt. Wahrscheinlich ist er selbst zu fertig darüber. Viele können einfach auch mit Trauer nicht gut umgehen. Hast du mal mit ihm darüber offen gesprochen? Hast du ihm das mit deinen Schuldgefühlen, die du definitiv nicht haben bräuchtest, gesagt? War es ihm klar, dass es deiner Ma wirklich sooooo schlecht geht?
Das ist wirklich sehr schlimm alles und es ist furchtbar, wenn so was jemand als Kind oder Jugendlicher mitmachen muss. Als Erwachsener ist das natürlich auch schlimm, aber da hat man bereits andere Verarbeitungsstrategien in der Regel entwickelt. Dass unsere Eltern irgendwann von uns gehen, ist klar - wegen Krankheit. Aber wegen Suizid - das ist unerträglich und ich kann wirklich immer nur weinen, wenn ich so was lese.
Es macht deutlich, dass deine Mutter psychisch wirklich sehr am Ende gewesen ist und diesen Zustand nicht mehr aushalten konnte. DAS hat nichts mit dir zu tun. Dein Vater und du hättet sie nicht davon abbringen können. Das Einzige, was man ihr hätte klar machen müssen, wäre der Gang zum Therapeuten bzw. dass sie medikamentös eingestellt wird (vielleicht war sie das sogar?).
Victoria, es muss definitiv sehr Schlimmes in dem Leben deiner Mutter passiert sein - das nehme ich zumindest mal an. Depressionen hat man nicht einfach so. Meistens sind sie ja endogen verursacht. Keine Ahnung, was sie an Traumata erlebt hat, aber es muss sehr schlimm gewesen sein für sie. Daran ist sie immer mehr zerbrochen. Langsam hat sich die Liane der Krankheit immer mehr um sie gewebt... das hat mit dir nichts zu tun. Eltern bringen sich nicht wegen ihrer Kinder um, wegen solcher Banalitäten. Okay, es mag sein, dass sie sich gescheitert gefühlt hat oder dass sie irgendwie ein bisschen wegen deiner Noten und Bockigkeit down war; aber das war höchstens ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Da hätten auch genauso gut andere Dinge passieren können und sie hätte aufgegeben. Sie war einfach schon zu tief unten. Das Leben konnte ihr nichts mehr geben, sie hatte keinen Halt mehr und es war dann letztlich ihre Entscheidung, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ob ich das moralisch gut finde, steht unter einem anderen Stern. Immerhin hat sie euch zurückgelassen; aber wenn jemand psychisch wirklich - um es plakativ auszudrücken - in der Gosse hängt, denkt er über so was auch nicht mehr nach. Er will nur die Erlösung. Für manche ist eine kaputte Psyche sehr schwer zu ertragen... aber es wäre eben auch an ihr gewesen, etwas dagegen zu unternehmen. Vielleicht hat sie das sogar getan - weiß ich jetzt nicht. Ich kann dir das nur mal aus einer anderen Sicht wiedergeben, denn ich war selbst kurz davor, mir das Leben zu nehmen. Vor einem Jahr, kurz nach meinem 26. Geburtstag. Es hat mich sehr viel Kraft gekostet, mich davon zu distanzieren. Ich kann die alten Gefühle noch "fühlen" bzw. sie in Erinnerung rufen, aber aus meinem aktiven Gefühlshaushalt sind sie verschwunden.

Es ist wichtig, dass du an dich denkst. Und natürlich auch schaust, dass es deinem Vater einigermaßen geht. Niemand steckt so eine furchtbare Erfahrung einfach so weg.
Vielleicht wäre es für dich das Beste, du suchst dir Hilfe. Jugendamt, Beratungslehrer, Therapeut...
Gib Acht auf dich. Lass dich nicht in den Sog von negativen Gefühlen ziehen - das passiert leider sehr schnell... *denk*

Glaub mir, es gibt ein Leben nach der Vergangenheit und du bist noch sehr jung. Da kann sich sehr vieles noch anders entwickeln. Aber es braucht alles Zeit. Du wirst das nicht innerhalb von 2-3 Wochen verarbeiten. Sie war ein wichtiger Teil von dir. Deshalb solltest du das mit jemandem aufarbeiten - auch weil du dich so schwach und unselbstständig fühlst.
Normalerweise würde ich nicht zu jemandem, dessen Angehörige gestorben sind, sofort sagen, mach ne Therapie; aber das ist bei dir ja nun mal was ganz Anderes. Deine Mutter war ja vorher schon eine ganze Weile sehr angeschlagen und du hast es live miterlebt!

Tue was für dich. Das solltest du dir Wert sein. Ich habe Angst, dass du sonst ähnliche Probleme entwickelst wie deine Ma, denn das kann nach solchen Erfahrungen sehr schnell passieren.

Versuche deine Ma nicht zu hassen dafür - dich selbst genausowenig. Es trifft dich keine Schuld. Sie auch nicht - wahrscheinlich hat sie irgendwas wirklich Schlimmes erlebt. Manchmal kann man im Leben einfach nicht mehr. Das soll jetzt keine Inschutznahme sein; aber niemand bringt sich einfach so aus einer Laune um.

Liebe sie trotzdem so, wie du es immer getan hast. :wein: :blume:

Du bist ein tolles Mädchen. Das kann man an deinen Zeilen erkennen. Diese Empfindsamkeit hat mich wirklich berührt.

LG
Löwi
 

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