Muecke
Aktives Mitglied
Hallo Ihr,
heute bei Frontal 21 kam ein Bericht, der mich immernoch fassungslos macht. Ich gehe wohl davon aus, dass es bei diesem Thema nicht viel zu diskutieren gibt, aber ich hab das Bedürfnis, es weiter zu tragen:
Es ging in diesem Bericht um Rentenansprüche, zunächst um die Arbeitszeiten der SS-Offiziere in den Ghettos. Ihnen werden diese Zeiten voll anerkannt und sie beziehen dafür Rente. Verstarb so ein Offizier durch Gewalteinwirkung, so stand/steht den Witwen neben der Witwenrente natürlich auch noch Opferrente zu (Mann ist ja schließlich Opfer einer Gewalttat geworden). Über diese Tatsachen mag man verschiedener Ansicht sein - zu Recht, aber das ist ein Fliegenfurz im Vergleich zu den Juden.
Mit den betroffenen Juden, die es überlebt haben, verhielt es sich bis 2002 so, dass ihnen die Zeit im Ghetto prinzipiell nicht auf die Rente angerechnet wurde. Seit 2002 gibt es das "Ghetto-Renten-Gesetz", das besagt: Hat die Person im Ghetto freiwillig gearbeitet und dafür Entgeld erhalten, so ist ihm dies entsprechend als Arbeitszeit anzurechnen und in die Rentenansprüche mit einzubeziehen. Ne is klar.
Praktisch ist es nun also so, dass Arbeiter, die sich mit ihrem Arbeiten das Überleben im Ghetto gesichert haben (damit sie eben nicht als "nutzlos" liquidiert wurden), heute nachweisen müssen, dass sie dies FREIWILLIG und gegen ENTGELD getan haben (na, da fragen wir doch mal Krupp und Co., die diese Arbeiter entliehen, wie viel so ein Jude denn brutto verdient hat...). Gelingt ihnen das nicht, werden diese Zeiten nach wie vor nicht angerechnet. Von den 70.000 eingegangenen Anträgen auf Anerkennung der Arbeiterzeit im Ghetto bei der Rente sind bis heute 5.000 bewilligt worden.
Und jetzt erinnern wir uns nochmal an die Offiziere...
Unglaublich.
Ich find das so unglaublich, dass ich den Haken in der Berichterstattung suche. Leider fehlt mir dafür Hintergrundwissen. Vielleicht hat ja einer von Euch den Ansatzpunkt, an dem die Journalisten wissentlich geschlampt haben könnten, damit es dramatischer aussieht als es ist. ... Obwohl, so naiv bin ich auch nicht, dass ich es nicht für möglich hielte... *grübel*
Mücke
heute bei Frontal 21 kam ein Bericht, der mich immernoch fassungslos macht. Ich gehe wohl davon aus, dass es bei diesem Thema nicht viel zu diskutieren gibt, aber ich hab das Bedürfnis, es weiter zu tragen:
Es ging in diesem Bericht um Rentenansprüche, zunächst um die Arbeitszeiten der SS-Offiziere in den Ghettos. Ihnen werden diese Zeiten voll anerkannt und sie beziehen dafür Rente. Verstarb so ein Offizier durch Gewalteinwirkung, so stand/steht den Witwen neben der Witwenrente natürlich auch noch Opferrente zu (Mann ist ja schließlich Opfer einer Gewalttat geworden). Über diese Tatsachen mag man verschiedener Ansicht sein - zu Recht, aber das ist ein Fliegenfurz im Vergleich zu den Juden.
Mit den betroffenen Juden, die es überlebt haben, verhielt es sich bis 2002 so, dass ihnen die Zeit im Ghetto prinzipiell nicht auf die Rente angerechnet wurde. Seit 2002 gibt es das "Ghetto-Renten-Gesetz", das besagt: Hat die Person im Ghetto freiwillig gearbeitet und dafür Entgeld erhalten, so ist ihm dies entsprechend als Arbeitszeit anzurechnen und in die Rentenansprüche mit einzubeziehen. Ne is klar.
Praktisch ist es nun also so, dass Arbeiter, die sich mit ihrem Arbeiten das Überleben im Ghetto gesichert haben (damit sie eben nicht als "nutzlos" liquidiert wurden), heute nachweisen müssen, dass sie dies FREIWILLIG und gegen ENTGELD getan haben (na, da fragen wir doch mal Krupp und Co., die diese Arbeiter entliehen, wie viel so ein Jude denn brutto verdient hat...). Gelingt ihnen das nicht, werden diese Zeiten nach wie vor nicht angerechnet. Von den 70.000 eingegangenen Anträgen auf Anerkennung der Arbeiterzeit im Ghetto bei der Rente sind bis heute 5.000 bewilligt worden.
Und jetzt erinnern wir uns nochmal an die Offiziere...
Unglaublich.
Ich find das so unglaublich, dass ich den Haken in der Berichterstattung suche. Leider fehlt mir dafür Hintergrundwissen. Vielleicht hat ja einer von Euch den Ansatzpunkt, an dem die Journalisten wissentlich geschlampt haben könnten, damit es dramatischer aussieht als es ist. ... Obwohl, so naiv bin ich auch nicht, dass ich es nicht für möglich hielte... *grübel*
Mücke
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