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Ausbildung nach einem Jahr abbrechen und Abitur in Eigenregie nachholen

Polstersessel

Neues Mitglied
Hallo,

ich mache seit einem Jahr eine Ausbildung, deren Branche mich sehr interessiert und ich mir auch vorstellen könnte in diesem Beruf zu arbeiten, obwohl die Tätigkeiten manchmal etwas unterfordernd sind, aber das Hauptproblem ist die Berufsschule .. Ich kann einfach nicht mehr .. ich kann es nicht mehr ertragen 8h in einem vollgestopften Raum von Leuten "ausgebildet" (wirkliche Bildung ist was anderes) zu werden, die schon lange kein Interesse mehr an dem haben, was sie lehren. Dazu kommt es dann auch noch Stunden lange Wege zwischen Schule und Wohnort ertragen zu müssen. Ich merke langsam wie immer mehr die Leidenschaft, Kreativität und Interessen, selbst an Dingen die nichts damit zu tun haben, nachlassen und ich nur noch funktioniere. Dieses Funktionieren macht mich kaputt, ich fühle mich gefangen in meinem Leben, weil ich bis auf die paar Stunden die bleiben keine Freiheit mehr habe.
Ich habe seit ein paar Wochen zusätzlich Kreislaufattacken, die wahrscheiniich auf psychischen Stress zurückzuführen sind, mir den Besuch der Berufsschule unmöglich machen und so denke ich mir immer mehr, dass es so nicht weitergehen kann.

Vor einer Weile bin ich auf die Möglichkeit gestoßen, das Abitur per Fernschule bzw sogar komplett autodidaktisch zu absolvieren. Was natürlich für einen Introvertieren mit möglicher Sozialphobie der Himmel auf Erden ist. Allerdings kommen mir bei dem Gedanken natürlich auch Zweifel, was wenn ich den Abschluss doch nicht schaffen würde .. immerhin gibt es nur 2 Versuche .. und könnte ich dann die alte Ausbildung wieder aufnehmen? Ist es möglich die erforderliche zweite Fremdsprache ohne Vorkenntnisse in den zwei Jahren so gut zu lernen, dass man in der Prüfung keine Probleme hat?

Mein Realschulabschluss war eher mittelmäßig und bestand hauptsächlich aus dreien und vieren, allerdings habe ich bis auf die Prüfungen nie für Arbeiten gelernt, weil ich schlichtweg der Meinung war, der Unterricht hätte mir das benötigte Wissen zu vermitteln. Ich wollte nicht akzeptieren, dass das Schulsystem nun mal nicht auf Bildung im eigentlichen Sinne ausgelegt ist.

Ich würde mich sehr über Antworten und vor allem Erfahrungsberichte freuen.

 
Hallo Polstersessel!

Also erst mal denke ich, dein Körper gibt dir da schon sehr eindeutige Signale... und du fühlst es ja auch. Es ist zu viel. Und ich kann das gut verstehen.

Ich kann dir leider nicht auf alle deine Fragen antworten, aber zwei Sachen habe ich zu sagen:

1. Ich finde es gut, dass du merkst, dass das hier gerade nicht mehr geht und nach Alternativen suchst. Und ich würde das an deiner Stelle auch weiter verfolgen. Wenn du dich weiter informierst, findest du vielleicht einen Weg, der funktioniert!

2. Mein Bruder hat sein Abi bei einem der großen Anbieter (ILS oder so...) im Fernstudium nachgeholt. Neben einem 40 Stunden Job. Er war in der Schule nie besonders gut, hat eine Lese-Rechtschreibschwäche und es trotzdem geschafft. Es ist schaffbar. Vor allem, wenn du weißt, wofür du es machst.

Lass mal hören, wie es weitergeht bei dir!
 
Hochgradisch idiotisch heute noch das Abitur zu machen, da man auch mit einer Ausbildung problemlos studieren kann. Für Menschen ohne Abitur gibt es die Möglichkeit nach Berufserfahrung entweder sofort in ein feldverwandtes Studium einzutreten oder ein sogenanntes "Probestudium" zu absolvieren, bei dem man sich meist so beweisen muss, dass man zwei Semester durchhält. Auch gibt es Brückenkurse, die dann fehlendes Wissen z.B. in Mathematik ergänzen.

Abitur würde ich heutzutage wirklich keinem mehr empfehlen.

Wenn man nicht gerade Fremdsprachen studieren will ist eine zweite Fremdsprache ebenfalls nicht mehr nötig. Nicht mal mehr für Mediziner, die ja damals noch einen Schein in Latein erwerben mussten. Wichtiger ist es sich auf Englisch zu konzentrieren.

Und allgemein mal folgendes: Akademiker verdienen nicht in jedem Fall unbedingt mehr, als jemand mit einer Ausbildung. Wer glaubt, dass ein Studium ein Portal zu Macht und Reichtum ist... da sind schon sehr viele auf die Nase gefallen. Besser erst mal gucken: Was will ich machen, wo sehe ich mich? Bringt das finanziell überhaupt einen Vorteil?

Bei einem Studium bist Du mindestens mal 3 Jahre vom Arbeitsmarkt (um den Bachelor zu machen). Und es ist nicht gesagt, dass Du Dein Studium auch beendest. Hat Dir das Lernen schon auf der Realschule keinen Spass gemacht und Du hast eher mittelmässig abgeschnitten, dann wird es im Studium garantiert nicht anders sein. Der Aufwand eines Studiums ist gigantisch, das Wissen, das man in den Prüfungen aufweisen muss unglaublich hoch angesetzt. Wer den Realschulabschluss schon nur mit Ach und Krach geschafft hat, der muss sich entweder innerlich wirklich ändern. Oder man lässt es gleich ganz bleiben.

Bei Dir ist es so: Du hattest schon keine Lust auf Realschule. In der Ausbildung läuft es nun ähnlich, dass Du demotiviert bist. Wie stellst Du Dir das denn im Studium vor? Meinst Du etwa im Studium muss man mit keinem reden und kann chillig vor seinen Büchern sitzen? Nene... das glaub mal nicht.

Ich würde Dir dringend empfehlen Deine Ausbildung abzuschliessen, um Dir selbst zu beweisen, dass Du überhaupt etwas durchhältst. DANN und nur dann würde ich ein Studium ins Auge fassen. Alles andere ist Fantasie, dass das Gras scheinbar auf der anderen Seite grüner wäre. Ist es nämlich nicht.
 
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