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Angst (fr)essen Seele auf

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A

all_I_know

Gast
Seit einiger Zeit leider ich an massiven Problemen, bei denen mir niemand in meinem Umkreis wirklich helfen kann.

Ich bin extrem perfektionistisch und habe Versagensängste.

Aber erstmal etwas zu mir:
Ich bin vor etwa drei Monaten ausgezogen und mache derzeit eine Ausbildung.

Bis zu meinem Auszug waren meine Ängste und mein Perfektionismus zwar ein Problem, aber nichts, was sich nicht bewältigen ließe. ... Von Anfang an hatte ich Angst vor dem Auszug, hab mir stundenlang darüber den Kopf zerbrochen, ob es denn klappen wird, ob ich mit dem allein leben klar komme und so weiter.
Da fing die Angst zum ersten Mal an, problematisch zu werden.

Zwar ging alles gut und ich bin froh, dass ich ausgezogen bin, aber trotzdem lassen mich die Ängste mich nicht los.

Es fäng damit an, dass ich sowohl in meinem Privatleben, als auch in meinem Berufsleben alles richtig machen möchte.

Ich möchte, dass Andere mich mögen,
dass ich akzeptiert werde,
dass ich in dem, was ich mache, gut bin,
dass ich die Ausbildung so gut wie möglich schaffe,
dass ich sie verkürze (ich möchte hinterher noch studieren)

usw. usw.

Auf der einen Seite dieser übertriebene Perfektionismus, der mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Ständig ist da dieser kleine Teufel in meinem Kopf, der mir sagt: "Los, das schaffst du!" oder "Mach weiter, du musst besser sein/werden!"
Diese Seite in mir lässt keine Fehler zu und beschimpft mich, wenn ich auch nur einen klitzekleinen Fehler mache.

Dann ist dort noch meine ängstliche Seite. Man kann sie sich wie ein kleines, verängstigtes Kind vorstellen, das zusammengekauert in einer Ecke sitzt und weint. Dieses "Kind" hat Angst, dass man ihm weh tut und hofft, übersehen zu werden. Es will sich nicht anstrengen, nicht kämpfen, sondern einfach nur vor allem fliehen.
"Lasst mich doch in Ruhe! Ich will nicht!", sagt es. 🙁

Mittlerweile ist dieser innere Konflikt so schlimm, dass ich seit Wochen nicht mehr richtig glücklich bin. Ich sehe ständig Andere, die scheinbar besser sind als ich. Ich möchte dann ebenfalls so sein,
werte mich selbst ab usw.

Ich habe (logischerweise?) ein geringes Selbstwertgefühl; denke, ich kann und bin nichts. Ich möchte gut sein, perfekt, habe aber gleichzeitig extreme Angst davor und möchte vor allem davon laufen.

Mehrmals in der Woche bin ich den Tränen nah, die Berufsschule, die Arbeit- alles kotzt mich an und ich will einfach nur noch weg, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll.
Mit meinen Mitschülern gibt es auch Probleme; ich kann mich ihnen gegenüber kaum öffnen, obwohl ich will.
Noch dazu versinke ich in mein eigenes Selbstmitleid, bin aggressiv und öfters kurz vorm Ausrasten. 🙁

.................... Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. ...... Es ist schlimm, tagtäglich damit leben zu müssen und sich dadurch das eigene Leben und die Lebensqualität zu versauen. 🙁

Zwar versuche ich auch, mir professionelle Hilfe zu suchen, doch warte ich derzeit noch auf einen Rückruf von der Psychologin und inwiefern das dann was wird, weiß ich auch noch nicht.

Meine Freunde und meine Eltern verstehen die Tragweite des Problems nicht und ich will sie auch nicht unnötig damit belasten.

Die Frage ist, was kann ich tun, was könnt ihr mir in meiner jetztigen Situation raten? 😕
 
Hallo all_I_know,

Angst essen Seele auf - kennst du etwa diesen wunderbaren Film?🙂

Du schreibst:

Auf der einen Seite dieser übertriebene Perfektionismus, der mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Ständig ist da dieser kleine Teufel in meinem Kopf, der mir sagt: "Los, das schaffst du!" oder "Mach weiter, du musst besser sein/werden!"
Diese Seite in mir lässt keine Fehler zu und beschimpft mich, wenn ich auch nur einen klitzekleinen Fehler mache.

Dann ist dort noch meine ängstliche Seite. Man kann sie sich wie ein kleines, verängstigtes Kind vorstellen, das zusammengekauert in einer Ecke sitzt und weint. Dieses "Kind" hat Angst, dass man ihm weh tut und hofft, übersehen zu werden. Es will sich nicht anstrengen, nicht kämpfen, sondern einfach nur vor allem fliehen.
"Lasst mich doch in Ruhe! Ich will nicht!", sagt es. 🙁

Hier beschreibst du ja zwei "Pole" innerhalb deiner Persönlichkeit, die Gegensätzlicher nicht sein können.
Da gibt es manchmal eine ängstlichen Persönlichkeitsanteil und ein anderes mal einen sehr fordernden Persönlichkeitsanteil.
Das Schwanken zwischen den Extremen ist anstrengend und macht müde - das schreibst du ja auch. Ausserdem verunsichert uns das, weil wir dann manchmal nicht mehr so recht wissen, wer wir "eigentlich" sind.

Extreme schlauchen einen! Deshalb ist es gut, wenn man beginnt, etwas weniger Aufmerksamkeit auf die Extreme zu geben und etwas mehr Aufmerksamkeit auf die "gemäßigten" Zustände in der Persönlichkeit.

Wir Menschen bestehen ja nicht nur aus dem "Extremwerten", sondern wir verfügen auch noch über unbegrenzt viele Nuancen und Facetten "dazwischen".
Kennst du das wieder? Gibt es in deiner Persönlichkeit auch noch andere Anteile, die weniger einseitig sind?
Vielleicht einen Zustand, in dem du dich zwar ein wenig ängstlich fühlst, aber dennoch Zuversicht bewahrst, eine Aufgabe auch erfüllen zu können?
Oder einen Zustand, in dem du zwar ziemlich darauf aus bist, etwas richtig gut hinzukriegen, und dennoch weißt, dass dein Wert als Mensch nicht davon abhängt?
Kannst du noch manchmal über dich lächeln - gibt es einen Anteil in dir, der auch Humor hat?
Oder einen anderen Zustand mit dem du dich wohler fühlst?


LG,

cc
 
Hallo all-I-know!

In mir steckt auch ein Kind. Es sitzt auf einer Kiste und weint. Ganz krampfhaft versucht es, die Kiste zuzuhalten. Meistens schafft es das.
Wenn nicht kommt ein Ungeheuer namens Vergangenheit heraus.
So viel zu meinem kleinen Kind in mir.

Jahrelang habe ich es gehasst. Es saß da und ich konnte es nicht leiden. Es war dreckig und weinte. Die Nase lief und die Tränen erzeugten Spuren im schmutzigen Gesicht. Ich fand auch, dass es immer eine Spur trotzig war.
Egal, ich konnte es nicht leiden.
Irgendwann habe ich meinen Frieden mit ihm gemacht. Ich habe es in den Arm genommen und getröstet. Habe sein Elend anerkannt. Die Einsamkeit, die Hilflosigkeit, wenn das Ungeheuer stärker war. Ich habe ihm die Schuld daran genommen.

Das hat mir geholfen. Es ist noch immer in mir. Es sitzt noch immer auf dieser Kiste. Aber es weint nicht mehr so arg. Es ist weniger einsam und das Ungeheuer nicht mehr so stark. Und wenn es doch wieder aus der Kiste kommt, dann weiß dieser kleine Junge, dass es nicht seine Schuld ist.

Mir hat dieses bewusste Frieden schließen, dass Anerkennen des Elends des Jungens, geholfen.

Vielleicht solltest Du mit Deinen beiden Mitbewohnern Frieden schließen. Sprich mit diesem kleinen Teufel, der Dich immer anfeuert und Dich kritisiert über das Elend des kleinen Kindes auf der anderen Seite.

Ich hoffe, es hilft, Susi Sorglos

PS: Ich habe das noch nie jemandem erzählt und bin jetzt völlig sprachlos darüber.
 
Erstmal Sorry, dass ich solange nicht geantwortet habe, aber ich hatte in der letzten Zeit einfach so viel zu tun, dass ich gar nicht dazu gekommen bin. 🙁 ...

@corpus_callosum: Ich habe von dem Film gehört, ihn aber selber nie gesehen. Durch Zufall bin ich mal auf den Titel gestoßen und fand ihn so ansprechend, dass er mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist.😀

Kennst du das wieder? Gibt es in deiner Persönlichkeit auch noch andere Anteile, die weniger einseitig sind?
Vielleicht einen Zustand, in dem du dich zwar ein wenig ängstlich fühlst, aber dennoch Zuversicht bewahrst, eine Aufgabe auch erfüllen zu können?
Oder einen Zustand, in dem du zwar ziemlich darauf aus bist, etwas richtig gut hinzukriegen, und dennoch weißt, dass dein Wert als Mensch nicht davon abhängt?
Kannst du noch manchmal über dich lächeln - gibt es einen Anteil in dir, der auch Humor hat?
Oder einen anderen Zustand mit dem du dich wohler fühlst?
Ja, ich glaube du hast Recht! Ich konzentriere mich zu sehr auf diesen inneren Konflikt und steigere mich dadurch auch zu sehr da rein... Sicher, ich bestehe nicht nur aus den beiden Extremen.... ich muss jetzt mal richtig überlegen, was denn die weniger extremen Seiten sind...😕
Naja, ich habe Angst, mich im Unterricht melden zu können und wenn ich in der entsprechenden Situation bin, weiß ich, trotz meiner Angst und meinem Perfektionismus, dass ich es schaffen kann und es dann auch in den meisten Fällen schaffe...
Oh ja, der Anteil in mir, der Humor hat, ist sehr groß! Ich bin ein Mensch der gerne und viel lacht. Meistens bin ich selbstironisch.

Danke auf jeden Fall für deine Antwort! Ich werd mich mal in den nächsten TAgen beobachten und versuchen, mich nicht zu sehr auf meine inneren Gegensätze zu konzentrieren.🙂

@Susi Sorglos: DAnke auch für deine Antwort.🙂
Hm, ich versuche öfter, mit diesen beiden Teilen von mir zu "sprechen". Dabei stelle ich sie mir als Personen vor, die vor mir stehen und mit diesen "Personen" diskutiere ich dann und frage sie, warum sie sich so verhalten.
Der perfektionistische Teil in will leider nicht "einsehen", dass er sein Verhalten ändern sollte. Er ist stur und teilt die Welt in "stark und schwach" ein.
"Warum sollte ich mich ändern?", meinte er? Mit "ihm" kann man nicht vernünftig argumentieren.:mad:
Mit meinem "inneren Kind" dagegen, ist es viel einfacher. Ich stelle es mir immer vor, dass es in einer sicheren "Festung" sitzt, aus der es nicht herauskann. Ich beuge mich zu diesem Kind herunter, nehme es in den Arm, ermutige es und führe es dann an der Hand aus seiner "Festung" heraus. Meistens klappt es und ich fühle mich hinterher besser. 🙂
Doch dann kommt der perfektionistische Teil und fängt das Kind wieder ein....und der ganze Ärger geht von vorne los.... 🙁 *seufz*
Es muss doch irgendeine Möglichkeit geben, diesen inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen.....😕
 

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