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„An den meisten Menschen zieht das Leben vorbei, …

  • Starter*in Starter*in Mike92
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M

Mike92

Gast
… während sie damit beschäftigt sind, grandiose Pläne zu schmieden.“ Dies ist ein Zitat aus meinem absoluten Lieblingsfilm (Blow).

Ich bin nun 19 Jahre alt und mein Leben ist bisher auch an mir vorbeigezogen, jedoch leider nicht im positiven Sinne.

Bis ich 15 war, hatte ich ein wirklich tolles Leben, was ich zu jeder Zeit genossen und geliebt habe. Ich war ein aufgeschlossener und lebensfroher Typ und hatte einen stabilen Freundeskreis, welcher zwar nicht unendlich groß war, aber die Freunde, die ich hatte, waren sehr gute Freunde – dachte ich zumindest. Wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen und hatten immer viel Spaß. Zudem war ich immer ein sehr guter Schüler. Ich hatte also alles, was ich brauchte und war rundum glücklich.

Ein paar Monate nach meinem 15. Geburtstag kam dann der Schlag ins Gesicht: Ein paar von meinen Freunden fingen von einen auf den anderen Tag an, mich aufs übelste zu mobben und fertig zu machen und das ohne – für mich ersichtlichen – Grund. Mir ging es zu dieser Zeit richtig schlecht und ich fragte mich, was der Grund für ihr Verhalten sein könnte. Ich fand keinen. Aber ich unternahm dann öfter etwas mit meinen anderen verbliebenen Freunden, bis sich meine schlimmste Befürchtung bewahrheitete: Da in meinem Freundeskreis auch alle anderen untereinander befreundet waren, fingen die anderen Freunde ziemlich schnell an, mich auch zu mobben und psychisch fertig zu machen. Sie wurden von den anderen mit Erfolg gegen mich aufgehetzt. Waren alles wohl doch nicht so tolle Freunde, wie ich gedacht hatte, oder? Hatte ich mich denn so in ihnen getäuscht? Mit der Zeit wurden es immer mehr Mobber – sogar Leute, mit denen ich überhaupt nichts zu tun hatte. Fast alles, was ich zuvor an meinem Leben geschätzt hatte, habe ich zu der Zeit mit einem Schlag verloren. Ich war am Tiefpunkt meines Lebens angelangt. An jedem einzelnen Tag hatte ich Angst, in die Schule zu gehen und zählte nachmittags die Stunden, bis der Terror erneut anfangen würde. Ich suchte verzweifelt nach dem Grund meiner Situation – ohne Erfolg.

Da ich nun keinen einzigen Freund mehr hatte, musste ich irgendwie die Langeweile in meiner Freizeit überwinden. Also fing ich mit einem Online-Spiel an, welches bei vielen als „Sucht-Spiel“ bekannt ist. Richtig Spaß machte mir dieses Spiel nie, aber es half mir dem Alltag zu entfliehen und zumindest für die Zeit meine Probleme zu vergessen. Aber was fast genauso wichtig war: Ich wurde wieder von Menschen, die zwar auch alle hinter ihren Bildschirmen saßen und die ich nie persönlich zu Gesicht bekommen habe, akzeptiert. So waren die Nachmittage zumindest einigermaßen erträglich. Nunja, irgendwann bekamen auch meine ehemaligen „Freunde“ mit, dass ich dieses Spiel spiele und fingen auch damit an. Sie schrieben zunächst Nachrichten, in denen sie mich beschimpften und beleidigten. Aber zum Glück gab es die „Ignorieren“-Funktion. Also alles halb so schlimm. Die Versuche, andere Mitspieler gegen mich aufzuhetzen, scheiterten wohl daran, dass ich mich in dem Spiel zu einem recht angesehenen Spieler hochgearbeitet hatte. Das Mobbing breitete sich aber im Internet immer mehr aus. Die Menschen, die ich früher mal als Freunde bezeichnet hätte, gründeten in sozialen Netzwerken Hassgruppen gegen mich, in deren Titel schon diverse Beschimpfungen gegen mich zu finden waren. Sie luden andere in diese Gruppen ein und einige traten auch bei.

Diese Zeit war die Hölle für mich. Das Internet-Mobbing war eine Sache und das Mobbing während der Schulzeit eine andere. Das Mobbing im Internet konnte ich leicht ignorieren, was ich vom Mobbing in der Schule nicht behaupten kann. Jeden Tag wurde ich psychisch von ihnen fertig gemacht. Wer hat in dieser Zeit zu mir gehalten? Leider nicht all zu viele. Meine Eltern haben versucht, mich in dieser Zeit so gut es geht zu unterstützen. Eine Vertrauenslehrerin hat mir – außerhalb der Unterrichtszeit – seelischen Beistand gegeben. So wirklich geholfen hat mir dies zwar nicht, aber alleine dafür, dass sie sich außerhalb der Unterrichtszeit Zeit für mich genommen hat, bewundere ich sie noch heute. Die meisten anderen Mitschüler haben einfach so wie immer weiter gemacht und zusammen etwas mit den Mobbern unternommen, ohne sie auch nur ein einziges Mal darauf hinzuweisen, was sie mir da antun. Der Kontakt zwischen mir und den anderen Klassenkameraden brach mehr und mehr ab und das, obwohl ich vorher bei allen recht beliebt war. Zum Schluss sagten mir die meisten nicht viel mehr, außer wieso ich so still geworden sei. Penner. Was würden die denn in meiner Situation machen? Weiterhin fröhlich sein und sich nichts anmerken lassen? Wie sollte das denn bitte funktionieren.? Nur mit ein paar wenigen meiner Klassenkameraden konnte ich mich normal unterhalten. Die Mobber konnten also – trotz Mitwissen der Lehrer, die mit der Situation völlig überfordert waren und deswegen lieber gar nichts unternahmen – fröhlich weitermachen. Immer mal wieder traten bei mir auch Selbstmordgedanken auf. Doch ich und Selbstmord? Niemals. Ich würde mich doch nicht von meinem eigenen Leben unterkriegen lassen. Ich würde kämpfen, bis mir die letzte Kraft entweicht, so viel war klar.
So quälte ich mich 1,5 Jahre durch psychische Folter und 2 Krankenhausaufenthalte, die durch physische Gewalt verursacht wurden, bis ich endlich meinen Realschulabschluss in der Tasche hatte, der trotz dieser grauenvollen Zeit sehr gut ausgefallen war. Vorher spielte ich auch mit dem Gedanken, die Schule zu wechseln, was aber durch den Schulleiter direkt abgelehnt wurde. Wahrscheinlich aus Angst vor einem Imageschaden, oder so etwas. Lächerlich. Aber nun konnte ich endlich die Zeit einigermaßen hinter mir lassen.

Ich wusste jedoch noch nicht, was für einen Beruf ich erlernen wollte und hatte ehrlich gesagt auch gar keine Kraft dafür übrig gehabt, mich darum zu kümmern. Ich musste erstmal mit den Problemen der Gegenwart fertig werden, anstatt über die Zukunft nachzudenken und damit hatte ich mehr als genug zu tun. Also ging ich nach den Sommerferien auf eine berufsvorbereitende Schule in der Hoffnung, ein paar neue Bekanntschaften kennen zu lernen. Nachdem ich mich eingelebt hatte, verstand ich mich auch gut mit meinen Mitschülern und die Schulzeit hat mir insgesamt viel Spaß gemacht. Es gab zwar zwischendurch hin und wieder kleinere Neckereien, aber die wahren wohl eher aus Spaß gemeint, auch wenn ich dies nicht so empfunden habe. Aber meine Mitschüler kannten meine Situation ja nicht. Auf Fragen, was ich denn am Wochenende gemacht habe oder vor habe, gelang es mir glücklicherweise schnell, plausible Geschichten zu erfinden, um meine Situation geheim zu halten. Was sollte ich schon sagen? Dass ich keinen einzigen Freund habe und die Nachmittage nur mit Videospielen verbringe? Das wäre doch sofort das Aus für mich gewesen. Das war auch meine „Stärke“, mir nichts über meine Situation anmerken zu lassen. Mittlerweile hatte ich mit dem Online-Spiel aufgehört und mir eine Xbox360 gekauft, mit der ich nun die Nachmittage verbrachte. Ca. 1 Jahr versuchten die Mobber noch, mich über diverse Chatplattformen fertig zu machen und zu beschimpfen, was ihnen aber nicht gelang. Ich konnte dies einfach ignorieren. Es sind zwar nie neue Freundschaften oder private Unternehmungen mit den anderen Mitschülern entstanden, was wohl vor allem an der zu weiten Entfernung untereinander gelegen hat. Ich wohne nämlich recht abseits in einem Dorf mit 2000 Einwohnern.

Langsam wusste ich auch, was ich nach der Schule machen wollte: Ich wollte eine Ausbildung zum Industriekaufmann machen. Also fing ich an Bewerbungen zu schreiben und nach ein paar Absagen erhielt ich eine Zusage von einem großen Industrieunternehmen, was in seinem Bereich den Weltmarkt anführt. Ich konnte es kaum glauben und war überglücklich. Nach all der Qual, die ich in der zurückliegenden Zeit erlebt hatte, wusste ich endlich wieder, was es heißt glücklich zu sein und wie es sich anfühlt zu lachen. Das hätte ich beinahe schon fast verlernt.

Die Ausbildung in diesem Unternehmen macht mir sehr viel Spaß. Ich leiste gute Arbeit und bekomme dafür viel Lob und auch gute Bewertungen. Mit den anderen 6 Azubis habe ich zu Anfang jedoch kaum geredet, weil ich aufgrund meiner zurückliegenden Erlebnisse sehr verschlossen geworden bin und leider lange brauche, bis ich mich gegenüber anderen Menschen öffnen und Vertrauen zu ihnen aufbauen kann. Erschwerend war dazu auch, dass wir alle in unterschiedlichen Abteilungen eingesetzt waren und wir uns alle nicht so oft persönlich begegneten. Da die anderen wahrscheinlich nicht so eine schwere Zeit durchgemacht haben, ist ihnen der Kontakt untereinander deutlich leichter gefallen als mir. Ich war zwar nicht der Außenseiter, aber eher der „stille Zuhörer“. Mit meinen Mitschülern in der Berufsschule verstehe ich mich gut. Ich bin zwar auch in der Berufsschule recht still, aber ich merke, dass sich dies langsam bessert – auch gegenüber den anderen Auszubildenden. Dies wird wohl daran liegen, dass wir uns während der Berufsschulzeit regelmäßig sehen und ich mich deshalb besser an die anderen „gewöhnen“ kann. Das, was ich besonders schätze: Jeder wird von jedem akzeptiert und es gibt auch keine Sprüche oder Witze auf Kosten anderer, zumindest nicht, ohne dass man die Ironie deutlich heraushören könnte. ;-)

Meine Nachmittage bestehen leider immer noch daraus, Videospiele zu spielen und Filme zu gucken. Im Moment habe ich aber eine Phase, in der ich auf beides keine wirkliche Lust habe. Dies hält schon seit ca. 2,5 Wochen an. Vor ziemlich genau 2 Wochen habe ich dann aus Langeweile Chatroulette besucht (für alle, die nicht wissen, was Chatroulette ist: es handelt sich dabei um eine Videochatplattform, bei der man per Zufall mit Menschen auf der ganzen Welt chatten kann.). Zwischen einigen Leuten, die meinten, unbedingt ihren Penis vor die Kamera halten zu müssen und vielen Leuten, die direkt weiter klickten, habe ich dann mit ein paar echt coolen Menschen gequatscht. Einige Zeit später hatte ich dann ein Mädchen (17) aus Frankfurt (ca 400 km von mir entfernt) vor der Kamera. Wir haben noch am selben Abend stundenlang gechattet und später auch Skype-IDs ausgetauscht. Seitdem chatte ich alle 1-2 Tage (bzw. immer, wenn sie online ist) mit ihr. Auch wenn ich sie noch nicht so lange kenne, habe ich sie mittlerweile schon in mein Herz geschlossen. Ich hatte noch nie eine Freundin oder irgendwelchen tiefer gehenden Kontakt mit Mädchen und nun interessiert sich jemand für mich, die gleich alle meine Vorstellungen von einer Freundin übertrifft? Das gibt mir ein gutes Gefühl. Sie ist wirklich super nett, intelligent und einfach wunderhübsch, kurz gesagt: sie wäre meine absolute Traumfrau. Nach ein paar Tagen haben wir sogar schon unsere Handynummern ausgetauscht. Wir flirten oft und sie sagt auch, dass ich sie doch mal besuchen solle. Jetzt habe ich mir überlegt, dass ich das in meinem nächsten Urlaub gerne mal tun würde. Ich weiß natürlich nicht, was daraus wird, aber falls ich die Chance, sie mal persönlich kennen zu lernen nicht nutzen würde, würde ich mir das wahrscheinlich mein ganzes Leben nicht verzeihen.

Kann mir einer von euch sagen was das ist? Immer nachdem ich mit ihr per Videochat geredet habe, werde ich zunächst ziemlich traurig und freue mich dann schon auf den nächsten Chat mit ihr. Sie ist über die Feiertage im Urlaub. Ich hoffe schon, dass die Zeit bis Sonntag schnell vorüber geht und freue mich schon darauf wieder mit ihr zu chatten.

Was haltet ihr außerdem von meiner Idee, nach Frankfurt zu fahren, um das Mädchen mal privat kennen zu lernen? Kann so etwas überhaupt Zukunft haben?

Beim Schreiben dieses Textes stehen mir die Tränen in den Augen, da ich nun merke, dass ich viel eher hätte anfangen sollen, etwas zu ändern. Wenn ich mal mit anderen Menschen, mit denen ich mich gut verstehe (z.B. mein gleichaltriger Cousin, der leider auch sehr weit weg wohnt), zusammen bin und mit ihnen lachen kann, merke ich immer mehr, wie sehr mir das alles fehlt.

Ich möchte in meinem Leben wieder eine 180°-Wende machen und es wieder in positive Bahnen lenken. Was kann ich dafür tun? Als kleiner Anfang möchte ich demnächst ins Fitnessstudio gehen und habe mich auch schon nach einem Probetraining erkundigt. Aber was kann ich noch tun? Allein ins Kino? Allein in die Disko? Oder würde ich da nicht gleich als „der Einsame“ rüber kommen? Ich möchte einfach raus und neue Leute kennen lernen, was allein leider nicht so leicht ist. Erschwerend kommt noch hinzu, dass natürlich viele in meinem Umkreis über meine Situation mehr oder weniger Bescheid wissen und dementsprechend teilweise gewisse Vorurteile gegen mich haben. Aber ich möchte nicht in 10 Jahren dar stehen und auf einen Scherbenhaufen zurückblicken, den ich immer noch nicht beseitigt habe.

Könnt ihr mir einfach Tipps geben, die mir dabei helfen, diesem Kreislauf zu entfliehen und mein Leben wieder in die richtige Richtung zu lenken?

Bitte sagt mir aber nicht, dass ich doch mal zum Psychologen gehen sollte, oder so ähnlich. Das ist zwar nett gemeint, aber das möchte ich eigentlich nicht und zudem glaube ich auch nicht, dass mir das wirklich helfen würde.

Zum Schluss möchte ich mich für das Lesen dieses unendlich langen Textes und natürlich auch für (hoffentlich zahlreiche) Antworten bedanken und mit einem Zitat abschließen, dass meine emotionale Situation meiner Meinung nach ziemlich gut beschreibt.

„Es ist immer der letzte Tag des Sommers und ich steh' draußen in der Kälte und keiner öffnet mir die Tür.“ (Blow).
 
Lieber Mensch,

ich hatte gerade nichts zu tun und bei der Überlegung ob es Notrufe übers Internet gibt, gab ich bei google "hilfe" ein und kam auf diese Seite.
Es interessierte mich, dass hier Menschen mit ihren Problemen um Hilfe bitten und als ich deinen Post gelesen hab war ich beeindruckt und dachte mir: "Ich hoffe, dem kann jemand helfen.".
Als ich gerade wieder wegklicken wollte, sah ich, dass es gerade mal eine Stunde her ist, dass du das geschrieben hast und dass noch keiner etwas geschrieben hatte. Da erst hatte ich eine direkte emotionale Verbindung zu deinem Schicksal, da ich mir einen Menschen vorstellte, der vor einem PC sitzt und darauf wartet, dass ihm jemand hilft.
Das animierte mich dir selbst zu antworten.

Deine Geschichte ist grässlich und ich kann kaum glauben, dass es Menschen gibt, die in Deutschland so etwas durchmachen müssen. Ich bin ein Jahr jünger als du (männlich), gehe aber noch zur Schule. Ohne so schlimme Erfahrungen gemacht zu haben wie du, gibt es einige Parallelen zwischen dem was du geschrieben hast und meinem Leben. Ich habe mich auch mal längere Zeit in ein Onlinespiel geflüchtet und Selbstmord würde für mich (auch in Depriphasen) aus den selben Gründen nicht in Frage kommen.
Zudem habe ich ungefähr die gleiche Erfahrung mit Mädchen wie du, aber noch keine Traumfrau, die mich mag, kennen gelernt. =)
Besuch sie auf jeden Fall! Ihr scheint euch beide zu mögen und was soll schon passieren? Es wird dich sicher glücklicher machen, auch wenn sich daraus keine lange Beziehung entwickelt oder so. Über 400 km ist das wahrscheinlich relativ schwierig.
Nun zu deinen restlichen Fragen: Um Leute kennen zu lernen würde ich nicht alleine ins Kino gehen, weil die meisten Menschen dort relativ geschlossen mit Freunden hingehen. In die Disko ist meiner Meinung nach eine gute Idee, da viele Leute ja dort hinkommen um Menschen kennen zu lernen und die meisten außerdem unter Alkoholeinfluss eher bereit sind sich auf fremde Menschen einzulassen.
Ich weiß nicht, ob du gerne Sport treibst, aber Sportvereine (am besten Mannschaftssport) eignen sich meiner Meinung nach gut um Freunde zu finden, da man sich dort regelmäßig trifft und zusammenarbeiten muss. Ich spiele zum Beispiel Handball in einem Verein. Die Idee mit dem Fitnessstudio finde ich gut. Da trifft man bestimmt auch ein paar Leute und tut gleichzeitig noch was für seinen Körper.
Das mit dem Psychologen finde ich ganz lustig, weil du scheinbar dein eigener Psychologe bist und daher keinen brauchst. Nicht jeder kann so gut sein Herz ausschütten und seine Probleme analysieren.
Und zu dieser Frage: "Kann mir einer von euch sagen was das ist? Immer nachdem ich mit ihr per Videochat geredet habe, werde ich zunächst ziemlich traurig und freue mich dann schon auf den nächsten Chat mit ihr. Sie ist über die Feiertage im Urlaub. Ich hoffe schon, dass die Zeit bis Sonntag schnell vorüber geht und freue mich schon darauf wieder mit ihr zu chatten." , kann ich dir nur sagen, dass ich davon ausgehe, dass du traurig wirst, weil deine glückliche Chatzeit mit ihr unterbrochen ist und du an den Rest deines Lebens erinnert wirst, der dich im Moment wahrscheinlich eher runterzieht. Und dass du dich auf den nächsten Chat mit ihr freust, liegt wohl daran, dass du sie total toll findest. =D
Mir fällt gerade ein, wenn bei dir zu Hause genug Platz ist, könntest du ja mal deine Berufsschulleute zu einem beliebigen Anlass (z.B. Fußball-EM gucken) oder auch ohne Anlass einladen um bei dir zu grillen oder so... Holste nen Kasten Bier und was Fleisch und schmeißt halt ne kleine Feier. 🙂 So lernen die dich auch mal was besser kennen und machen vielleicht mal öfter was mit dir. Außerdem hast du mal Leute da und zumindest diesen Abend lang gute Gesellschaft.
Und ansonsten... vielleicht fragst du einfach mal ein paar Leute die ganz nett sind ob sie dich mal mitnehmen, wenn sie was machen. Sag den Menschen ruhig, dass du nicht so viele Leute kennst und dir ein bisschen Gesellschaft gut tuen würde.

Ich hoffe, dass ich nicht der Einzige bleibe, der dir antwortet, meine Ratschläge dir ein bisschen geholfen haben und ich denke es gibt viele Punkte, an denen du anknüpfen kannst (Berufsschulleute, Skype-Mädchen, Fitnessstudio). Der absolute Tiefpunkt deines Lebens liegt ganz sicher hinter dir, denn so eine schlimme Zeit wirst du nie wieder erleben müssen. Es geht jetzt aufwärts würd ich mal sagen! 🙂
Zu deinem Charakter kann ich nicht viel sagen, da ich nur durch deinen Post urteilen kann, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dein Wesen "doof" ist... Du schreibst so, dass ich dich mag ohne dich zu kennen und deine Ausdrucksweise lässt auch auf eine intelligente Person schließen.
Wenn du mal hin und wieder mit jemandem schreiben möchtest, der dir zur Seite steht, wenn du ein Problem hast oder sich einfach das anhört, was du zu sagen hast, kannst du mir gerne ne Mail mit deiner Skype-ID an handchris@web.de schicken. Ich hab keine Kamera, aber man kann ja über Skype auch chatten.

So nach ziemlich genau einer Stunde des Schreibens höre ich jetzt auch mal auf und wünsche dir alles Gute und dass dein Lebenswert sich in diesem Sommer verzwanzigfacht. 🙂
Gib nicht auf (tust du nicht) und trau dich auf nette Leute zuzugehen.
Du bist nicht weniger wert als jeder andere Mensch.
Also schließe ich auch mit einem Zitat: "Was hast du denn, du bist doch nicht alleine. Du hast doch auch nicht mehr, als zwei Arme und zwei Beine." und schenke dir den Link zum dazugehörigen Lied, was in Teilen sehr gut auf deine Situation passt: Massenkompatibel - YouTube
 
Danke für deine ausführliche Antwort!

Es freut mich, dass du so offen über das Thema sprichst, was leider nicht gerade selbstverständlich ist. Oft wird man von Gleichaltrigen nur belächelt oder gleich als „Opfer“ oder ähnliches beschimpft. Aber zum Glück gibt es ja auch gute Menschen. 🙂

Ja, du hast Recht. Ich habe mich nun entschieden, das Skype-Mädchen zu besuchen. Ob ich dabei etwas gewinnen werde, bleibt die Frage, aber zu verlieren habe ich dabei ja eigentlich wirklich nichts. Meine Sorge ist nur, dass ich bei einem Treffen Gefühle für sie entwickeln könnte, die sie dann möglicherweise nicht erwidert und mich das ganze dann noch mehr runter zieht, da ich erneut auf „Ablehnung“ stoßen würde. Aber das wird sich zeigen. Ein Versuch ist es allemal Wert.

Bei den Aktivitäten, die ich vorhabe, geht es mir zunächst erstmal gar nicht unbedingt darum, zwanghaft neue Leute oder gar Freunde kennen zu lernen. Ich denke, ich muss da ziemlich kleinschrittig anfangen. Einfach mal raus und unter Leute kommen, um sich wieder an das „normale“ Leben gewöhnen zu können. Wenn ich das schaffe und regelmäßig etwas unternehme, wird das Kennenlernen neuer Menschen mit der Zeit schon kommen. Natürlich nur, wenn ich dann selbst Initiative ergreife, das ist klar. Das werde ich mir dann erstmal als Ziel setzen - einfach mich selbst zu überwinden und rauszugehen. Ob in die Disko, ins Kino, ins Fitnessstudio oder sonst wohin. Hauptsache, ich habe wieder Spaß und lerne wieder, am Leben teilzunehmen.

Auf die Frage, ob ich gerne Sport treibe, kann ich gar keine richtige Antwort geben. Der Sportlichste war ich nie – obwohl man mir das nicht ansieht. Aber ich habe ja schon eine halbe Ewigkeit keinen Sport mehr gemacht. Ich weiß zwar nicht, wie das in einem Sportverein ablaufen würde, aber wäre ich dafür nicht sowieso schon etwas zu alt? Die Mitglieder in meinem Alter würden das doch schon bestimmt Jahre lang machen und ich dann als komplett untrainierter und unerfahrener dazwischen? Ich weiß nicht. Aber ich werd's auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten. Ich denke, für so etwas müsste ich mir auch erstmal eine Basis aufbauen, um überhaupt einigermaßen mithalten zu können. Hier habe ich gestern übrigens schon den ersten kleinen Schritt gemacht. Ich bin einfach mal eine Runde joggen gegangen. Fast 2 Kilometer. Und ich hätte nicht gedacht, dass mir – ich nenn es mal so – stumpfes hin und her laufen und dabei Musik hören so viel Spaß macht. Das werde ich wohl jetzt regelmäßig machen. Morgen werde ich das wieder tun. Ist ja an sich auch eine gute Ergänzung zum Fitnessstudio, was ich aber leider erst besuchen kann, wenn ich beruflich wieder etwas mehr entlastet bin.

Und zu meiner Chatbekanntschaft: Da hast du Recht. Wenn ich gründlich drüber nachdenke, denke ich oft, nachdem ich mit ihr gechattet habe, über meine Baustellen im Leben nach und wie schön es doch wäre, wenn ich auch im echten Leben so viel Spaß hätte, wie mit ihr. Und das ich mich dann schon sehr auf den nächsten Chat mit ihr freue, ist dann natürlich logisch.

Beim Einladen meiner Berufsschulleute, gäbe es allerdings ein paar Probleme. Zum einen fehlt mir der Platz, so viele Menschen (22) vor dem heimischen TV versammeln zu können und zum anderen steht da wieder die Entfernung im Weg. Die Leute aus der Berufsschule wohnen alle in kleinen Wohnungen, die sie nur in der Woche bewohnen. An Wochenenden fahren sie dann direkt nach Hause. Die Entfernungen zu mir sind recht weit. 50 Kilometer, teilweise noch mehr. Ich glaube nicht, dass sie sich die Mühe machen würden, einen so langen Weg zurück zu legen, nur um mit mir ein wenig Zeit zu verbringen, obwohl sie den gleichen Spaß ja auch zu Hause mit ihren Freunden haben könnten. Kann ich aber auch verstehen. Deswegen ist das auch schon ein K.O.-Kriterium dafür, dass sich daraus mal gemeinsame Unternehmungen entwickeln könnten.

Aber durch das Stichwort „EM“, bin ich auf eine ganz andere Idee gekommen. In der Stadt ist während dieser Zeit eine riesige Leinwand aufgebaut und die Menschen kommen in Massen zum Public Viewing hin. Das wäre doch was. Und durch die Freude über ein geschossenes Tor können sich doch auch nette Gespräche und Kontakte entwickeln. Die Chance werde ich wohl mal ergreifen.

Wenn ich Menschen kennen lernen möchte und dann direkt sagen würde, dass ich nicht so viele Leute kenne, würde das wohl ziemlich befremdlich und verzweifelt wirken. Wenn ich mich mal in mein früheres Ich hineinversetze und mir vorstelle, dass jemand angekommen wäre und gesagt hätte, ob ich mit ihm mal was unternehmen möchte, da er nicht so viele Leute kennt, weiß ich, dass das nicht gut ankommen würde. Dass bei neuen Bekanntschaften früher oder später raus kommt, dass man nicht so viele Leute kennt bzw. gar keine Freunde hat, ist ja unvermeidbar, aber das jedem gleich unter die Nase reiben zu müssen, halte ich eigentlich nicht für notwendig.

Seit ein paar Tagen spiele ich außerdem mit dem Gedanken, in eine WG zu ziehen. Also nicht wirklich, aber ich habe mich zumindest darüber informiert. Und in der Stadt in meiner Nähe würde es mehr als genug Angebote geben. Das wäre doch praktisch ein Freifahrtschein für neue Bekanntschaften, vor allem wenn ich Sachen lese, wie z.B. „Wir sind keine Zweck-WG, sondern unternehmen gerne etwas zusammen – egal ob gemeinsames Kochen oder Diskobesuche“. Ich denke, es wird auch früher oder später notwendig sein, in die Stadt zu ziehen. Zum einen hat man es da einfacher, neue Leute kennen zu lernen, da man dort direkt im Zentrum des Geschehens wohnt und zum anderen hängen durch das Mobbing einfach zu viele schlechte Erinnerungen an meinem Dorf. Hinzu kommt noch, dass meine Eltern mittlerweile sehr anfangen, zu nerven. Los, geh doch mal raus. Frag doch mal wen, ob er mit dir was unternehmen will. Du kannst doch hier nicht immer so einsam rum hocken. Das darf ich mir in letzter Zeit immer und immer wieder anhören. Ich weiß, dass sie es nur gut meinen. Aber dadurch, dass sie mir so die eiskalte Realität vor die Augen führen, verschaffen mir solche Formulierungen nicht gerade positive Gefühle.
Aber der Gedanke ans gemeinsame WG-Leben macht mich schon neugierig und fasziniert mich auch in einer Weise.

Schade nur, dass du bisher der einzige geblieben bist, der in diesem Thread geantwortet hat. Wird wohl einfach an dem unendlich langen Text liegen, den ich geschrieben habe. Aber ich finde, wenn man Hilfe möchte, muss man auch möglichst detailliert über seine Situation berichten, oder? Hätte ich einfach geschrieben „Habe keine Freunde, hocke nur vorm PC, bitte um Hilfe!“ wären wohl nur so Antworten gekommen, wie zum Beispiel „Dann schalt den PC aus und geh raus.“ Nunja. Wie auch immer. Vielleicht kommt ja doch noch die ein oder andere Antwort.

Aber danke auch nochmal, dass du dir so viel Mühe für deinen Beitrag gegeben hast. Der hat mir echt sehr weitergeholfen und mir schon mal ein kleines bisschen Mut und Zuversicht für die Zukunft gegeben. Du scheinst echt ein sehr sozialer und fairer Mensch zu sein – sonst hättest du dir nicht so viel Mühe gegeben.
Da ich mit meinem Beitrag möglichst anonym bleiben möchte, kann ich dir über Skype leider nicht schreiben. Aber bei Bedarf kann ich dir ja auch einfach direkt eine E-Mail schreiben. Danke auch für dieses Angebot.
 
Also was die Sportvereine angeht, kann ich dir nur sagen, dass wir momentan beim Handball Hände ringend Leute in der Altersstufe suchen und über jeden unerfahrenen Neuling begeistert sind. Das wird aber wohl nicht überall so sein.
Joggen gehen finde ich ne gute Idee. Das entspannt und hält fit.
Auch die Idee mit dem Public Viewing und besonders die mit der WG finde ich gut.
Wenn du umziehen würdest, hätte das auch mehr von einem neuen Lebensabschnitt und wäre für dich wahrscheinlich motivierender.
Dass du möglichst anonym bleiben möchtest, kann ich gut verstehen und dein Einwand, dass du mir auch ne Mail schreiben kannst ist völlig berechtigt. 🙂

Ich hoffe hier schreiben dir noch ein paar Leute.
Viel Glück noch beim "Leben anpacken" und alles Gute für die Zukunft.
Peace! 🙂
 
Ich habe zu dem, was du geschrieben hast (im Moment) nichts mehr hinzu zu fügen, aber wollte mich wenigstens noch für die guten Wünsche bedanken. 🙂
 

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