G
Gast
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Hallo,
ich bin eine frisch gebackene Abiturientin, die jetzt um ihr lang ersehntes Medizinstudium kämpft und es höchstwahrscheinlich erst nächstes Jahr bekommt. Vor kurzem habe ich eine alte Klassenkameradin, mit der ich damals in der Grundschule oft konkurriert habe, wieder getroffen. Ich war überrascht als sie erzählte, dass sie auch Medizin studieren will und (genau so wie ich) die Voraussetzungen dafür hat.
Sie gehört zu den Menschen, denen alles in den Schoß fällt. Ihre Eltern sind gebildete, studierte Akademiker mit Doktortitel. Sie ist sehr behütet in einem großen Haus aufgewachsen und wurde immer gefördert. Das Familienleben ist harmonisch. Finanzielle Probleme hat sie nie gekannt. Ihre Eltern brachten ihr das Spielen von Musikinstrumenten bei. Alles scheint perfekt zu sein. Mit ihren Eltern spricht sie so, als hätte sie sich noch nie mit ihnen gestritten. Als hätte es noch nie eine Meinungsverschiedenheit gegeben. Ihre Eltern sind sichtlich stolz auf sie.
Ich habe hingegen einen Migrationshintergrund und musste mich ganz alleine durch die Schule schlagen. Meine Eltern konnten mir nie helfen. Talente wurden nie gefördert. Mein Vater ist Alkoholiker und meine Mutter eine verweichlichte "Fahne-in-den-Wind-Hängerin". Mit meinen Geschwistern kam ich nie zurecht. Gewalt und schlechte Behandlung waren an der Tagesordnung. Harmonie kannte ich nie. Ich wuchs in einer viel zu kleinen Wohnung auf. Ich habe das Weltbild meiner Eltern immer hinterfragt. Es gab viel Streit. Ich ging meinen eigenen Weg. Ich brachte mir selbst vieles bei. Mein Wissen und mein Ehrgeiz wuchs. Ebenso mein Wunsch nach Veränderung, Bewusstseinsschaffung, Identitätsfindung. Ich fing an, mich für die Gesellschaft zu engagieren.
Wenn ich uns beide betrachte, dann kommt mir unweigerlich eine Metapher in den Sinn. Ich denke an zwei Kinder im Kinderwagen. Das erste Kind fällt früh heraus und muss lernen, alleine zu laufen. Das andere Kind bleibt gemütlich im Wagen sitzen und wird liebevoll umsorgt, bis es groß wird. Welches von den beiden Kindern hat am Ende genug Kraft und Erfahrungen gesammelt, um weiter zu kommen?
Es mag sonderbar klingen, aber würde nie mit meiner Rivalin tauschen wollen. Ich bin froh, dass ich ich bin. Ich zweifle keine Sekunde daran, dass meine vermeintlich schlechten Erfahrungen aufgrund der charakterformenden Folgen einen unfassbar großen Wert haben. Ich bin nicht in einem warmen Nest groß geworden und gehe daher mit offenen Augen durch die Welt. Ich verstehe Menschen mit Problemen nicht nur, sondern kann mich in sie hineinversetzen. Das ist wertvoller als ein dickes Haus oder eine unbeschwerte Kindheit.
Das musste ich jetzt einfach mal loswerden.
ich bin eine frisch gebackene Abiturientin, die jetzt um ihr lang ersehntes Medizinstudium kämpft und es höchstwahrscheinlich erst nächstes Jahr bekommt. Vor kurzem habe ich eine alte Klassenkameradin, mit der ich damals in der Grundschule oft konkurriert habe, wieder getroffen. Ich war überrascht als sie erzählte, dass sie auch Medizin studieren will und (genau so wie ich) die Voraussetzungen dafür hat.
Sie gehört zu den Menschen, denen alles in den Schoß fällt. Ihre Eltern sind gebildete, studierte Akademiker mit Doktortitel. Sie ist sehr behütet in einem großen Haus aufgewachsen und wurde immer gefördert. Das Familienleben ist harmonisch. Finanzielle Probleme hat sie nie gekannt. Ihre Eltern brachten ihr das Spielen von Musikinstrumenten bei. Alles scheint perfekt zu sein. Mit ihren Eltern spricht sie so, als hätte sie sich noch nie mit ihnen gestritten. Als hätte es noch nie eine Meinungsverschiedenheit gegeben. Ihre Eltern sind sichtlich stolz auf sie.
Ich habe hingegen einen Migrationshintergrund und musste mich ganz alleine durch die Schule schlagen. Meine Eltern konnten mir nie helfen. Talente wurden nie gefördert. Mein Vater ist Alkoholiker und meine Mutter eine verweichlichte "Fahne-in-den-Wind-Hängerin". Mit meinen Geschwistern kam ich nie zurecht. Gewalt und schlechte Behandlung waren an der Tagesordnung. Harmonie kannte ich nie. Ich wuchs in einer viel zu kleinen Wohnung auf. Ich habe das Weltbild meiner Eltern immer hinterfragt. Es gab viel Streit. Ich ging meinen eigenen Weg. Ich brachte mir selbst vieles bei. Mein Wissen und mein Ehrgeiz wuchs. Ebenso mein Wunsch nach Veränderung, Bewusstseinsschaffung, Identitätsfindung. Ich fing an, mich für die Gesellschaft zu engagieren.
Wenn ich uns beide betrachte, dann kommt mir unweigerlich eine Metapher in den Sinn. Ich denke an zwei Kinder im Kinderwagen. Das erste Kind fällt früh heraus und muss lernen, alleine zu laufen. Das andere Kind bleibt gemütlich im Wagen sitzen und wird liebevoll umsorgt, bis es groß wird. Welches von den beiden Kindern hat am Ende genug Kraft und Erfahrungen gesammelt, um weiter zu kommen?
Es mag sonderbar klingen, aber würde nie mit meiner Rivalin tauschen wollen. Ich bin froh, dass ich ich bin. Ich zweifle keine Sekunde daran, dass meine vermeintlich schlechten Erfahrungen aufgrund der charakterformenden Folgen einen unfassbar großen Wert haben. Ich bin nicht in einem warmen Nest groß geworden und gehe daher mit offenen Augen durch die Welt. Ich verstehe Menschen mit Problemen nicht nur, sondern kann mich in sie hineinversetzen. Das ist wertvoller als ein dickes Haus oder eine unbeschwerte Kindheit.
Das musste ich jetzt einfach mal loswerden.