L
Levyah
Gast
Es ist schon traurig - ich bin 23, und hatte eine harte Pubertät - und trotzdem kann ich mich nicht in meine 15-jährige Schwester hineindenken, ja, kann mich kaum noch an mein Fühlen in dieser Zeit erinnern. Ich komme einfach nicht mehr an sie ran, kein Stück.
Das wird jetzt eine lange Story, deswegen vorneweg: ich freue mich über jede Antwort/ jede Anregung, gerade auch von jungen Menschen in diesem Alter. Alles, bis auf Religiöses 😉
---------------------------------------------
Meine Schwester, J., ist 15 Jahre. Sie hat einen Zwillingsbruder, G., und natürlich mich, die viel ältere Schwester.
Ich bin mit 16 ausgezogen (da war sie 8), unter recht schwierigen Bedingungen, und hatte dann vier Jahre kaum Kontakt zu ihr und meinen Eltern. Dann hatten wir losen Kontakt und seit ca. einem Jahr sehen wir uns mehrmals die Woche, weil wir im selben Verein trainieren.
Manchmal geht es super, wir verstehen uns toll und können über alles reden, dann wieder ist sie scheinbar ohne Grund stinksauer, sieht mich nicht an, redet nicht mit mir oder sagt nur "Jaja" und dergleichen oder versucht im Training, mich absichtlich zu verletzen (wir machen Vollkontaktkampfsport) dh. sie schlägt mich ins Gesicht oder so.
Sie ist in diesen Phasen abweisend, zurückgezogen und absolut gefühlskalt. Man bekommt keine Regung aus ihr heraus, sie behandelt einen wie den letzten A****. Mich macht das traurig, und reagieren tu ich dann sauer 🙁 oder eben gar nicht mehr, weil ich eh nicht wüßte, wie.
Ein weiteres Problem ist unsere Familie an sich. Ich bin irgendwie so der Teil, der sensibel und gefühlsbetont ist. Der Rest ist kalt und zynisch (klingt komisch, ist so. In unserer Familie sind Gefühle irgendwie tabu...), und nur schwer kommt man durch den harten Panzer auf das, was zählt. Mein Bruder hat ADHS (Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom), und ist eine kaum auszuhaltende, penetrante, egoistische, altkluge Nervernsäge, noch dazu aggressiv (hat seit er klein war meine Schwester oft geschlagen, ihr einmal den Zehen gebrochen etc). Meine Eltern hatten selber eine verdammt schwierige Kindheit. Meine Mutter wurde von ihrem alkoholkranken Vater geschlagen, hat mich mit 18 bekommen und meinen Vater geheiratet. Die beiden lieben sich immer noch, sehen sich aber nur Wochenends, weil er in einer anderen Stadt arbeitet. Meine Mutter ist gefühlskalt und schwer zu handlen, man kommt nicht an sie ran. Sie ist oft berechnend und hinterlistig. Mein Vater ist einerseits der lustigste und netteste Mensch den es gibt, andererseits kann er dein größter Feind werden. Er ist streng, hat enge Prinzipien und Vorstellungen und kann hinterlistig und berechnend sein. Er kann nicht über seinen Schatten springen. Und beide halte ich für intelligente Menschen.
Ein weiterer schwieriger Punkt ist, dass ich eine schwierige Schwester bin, weil ich einerseits das schwarze Schaf der Familie bin, aber andererseits auch hochgelobt werde. Schwarzes Schaf weil ich angeblich immer nur Probleme gemacht habe, mit 16 in wildem Streit ausgezogen bin, lange keinen Kontakt mit der Familie hatte etc. Andererseits hatte ich in der Schule immer sehr gute Noten, studiere jetzt mit (hoffentlich) Erfolg, arbeite nebenher, habe ne eigene Wohnung, eine tolle Beziehung und so weiter. Insofern kann ich verstehen, dass meine Schwester Aggressionen gegen mich hat, weil ich halt so rebelliert habe, dass ihr kaum noch Raum für Rebellion bleibt (mit was kann sie mehr schocken, als ich meine Eltern damals geschockt habe? Ich glaube, ich habe so ziemlich viel ausgereizt...). Und es ist schwer, wenn man selber nicht so gut in der Schule ist, und jeder immer sagt... "Deine Schwester ist so begabt, und so gescheit..."
Jetzt laufen da so ganz komische Geschichten, die ich nur am Rand mitbekomme, so z.B. dass meine Schwester meiner Großmutter erzählt hat, dass sie schon einmal gekifft hat (oder öfter sogar?), mir hat sie erzählt dass sie ab und zu was trinkt. Sie chattet gerne, oft mit wildfremden Leuten, einmal hat sie einen Jungen aus einem Chat getroffen. Ich finde das ziemlich bedenklich, und ziemlich gefährlich. Wie seht ihr das?
Aber was mir Angst macht, ist das Abweisende, dieses absolut nicht an sie rankommen können, obwohl ich ihr doch nie was Böses wollen würde?! Das legt sie auch der restlichen Familie gegenüber an den Tag, und einigen unserer Bekannten.
Freunde hat sie viele, davon auch einige in schwierigen Situationen, von denen ich nicht beurteilen kann, inwieweit das nicht auch gefährlich ist (in Bezug auf Alkohol und Kiffen).
Wie ihr merkt, ist das ganze irgendwie konfus und ich kann's auf einen Punkt bringen: Ich mach mir verdammte Sorgen, und kann ihr nicht helfen, weil sie sich nicht helfen lässt. <ironie>Dabei weiß ich doch alles viel besser als sie, weil ich da schon durch bin...</ironie>
Nun ja, ich habe in meiner Jugend oft zu viel getrunken, zu viel zeug geraucht, mich mit "gefährlichen" Leuten getroffen, mich in Gefahr begeben, ich war depressiv, hab mich geschn***en, wollt' mich umbringen, .... also, ich war alles andere als ein Engerl.
...und trotzdem: nur weil ich das "gut überlebt" hab (ich muß auf Holz klopfen!) - wer gibt mir die Garantie, dass sie es gut überlebt??
Danke im Vorhinein an alle die antworten!
Das wird jetzt eine lange Story, deswegen vorneweg: ich freue mich über jede Antwort/ jede Anregung, gerade auch von jungen Menschen in diesem Alter. Alles, bis auf Religiöses 😉
---------------------------------------------
Meine Schwester, J., ist 15 Jahre. Sie hat einen Zwillingsbruder, G., und natürlich mich, die viel ältere Schwester.
Ich bin mit 16 ausgezogen (da war sie 8), unter recht schwierigen Bedingungen, und hatte dann vier Jahre kaum Kontakt zu ihr und meinen Eltern. Dann hatten wir losen Kontakt und seit ca. einem Jahr sehen wir uns mehrmals die Woche, weil wir im selben Verein trainieren.
Manchmal geht es super, wir verstehen uns toll und können über alles reden, dann wieder ist sie scheinbar ohne Grund stinksauer, sieht mich nicht an, redet nicht mit mir oder sagt nur "Jaja" und dergleichen oder versucht im Training, mich absichtlich zu verletzen (wir machen Vollkontaktkampfsport) dh. sie schlägt mich ins Gesicht oder so.
Sie ist in diesen Phasen abweisend, zurückgezogen und absolut gefühlskalt. Man bekommt keine Regung aus ihr heraus, sie behandelt einen wie den letzten A****. Mich macht das traurig, und reagieren tu ich dann sauer 🙁 oder eben gar nicht mehr, weil ich eh nicht wüßte, wie.
Ein weiteres Problem ist unsere Familie an sich. Ich bin irgendwie so der Teil, der sensibel und gefühlsbetont ist. Der Rest ist kalt und zynisch (klingt komisch, ist so. In unserer Familie sind Gefühle irgendwie tabu...), und nur schwer kommt man durch den harten Panzer auf das, was zählt. Mein Bruder hat ADHS (Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom), und ist eine kaum auszuhaltende, penetrante, egoistische, altkluge Nervernsäge, noch dazu aggressiv (hat seit er klein war meine Schwester oft geschlagen, ihr einmal den Zehen gebrochen etc). Meine Eltern hatten selber eine verdammt schwierige Kindheit. Meine Mutter wurde von ihrem alkoholkranken Vater geschlagen, hat mich mit 18 bekommen und meinen Vater geheiratet. Die beiden lieben sich immer noch, sehen sich aber nur Wochenends, weil er in einer anderen Stadt arbeitet. Meine Mutter ist gefühlskalt und schwer zu handlen, man kommt nicht an sie ran. Sie ist oft berechnend und hinterlistig. Mein Vater ist einerseits der lustigste und netteste Mensch den es gibt, andererseits kann er dein größter Feind werden. Er ist streng, hat enge Prinzipien und Vorstellungen und kann hinterlistig und berechnend sein. Er kann nicht über seinen Schatten springen. Und beide halte ich für intelligente Menschen.
Ein weiterer schwieriger Punkt ist, dass ich eine schwierige Schwester bin, weil ich einerseits das schwarze Schaf der Familie bin, aber andererseits auch hochgelobt werde. Schwarzes Schaf weil ich angeblich immer nur Probleme gemacht habe, mit 16 in wildem Streit ausgezogen bin, lange keinen Kontakt mit der Familie hatte etc. Andererseits hatte ich in der Schule immer sehr gute Noten, studiere jetzt mit (hoffentlich) Erfolg, arbeite nebenher, habe ne eigene Wohnung, eine tolle Beziehung und so weiter. Insofern kann ich verstehen, dass meine Schwester Aggressionen gegen mich hat, weil ich halt so rebelliert habe, dass ihr kaum noch Raum für Rebellion bleibt (mit was kann sie mehr schocken, als ich meine Eltern damals geschockt habe? Ich glaube, ich habe so ziemlich viel ausgereizt...). Und es ist schwer, wenn man selber nicht so gut in der Schule ist, und jeder immer sagt... "Deine Schwester ist so begabt, und so gescheit..."
Jetzt laufen da so ganz komische Geschichten, die ich nur am Rand mitbekomme, so z.B. dass meine Schwester meiner Großmutter erzählt hat, dass sie schon einmal gekifft hat (oder öfter sogar?), mir hat sie erzählt dass sie ab und zu was trinkt. Sie chattet gerne, oft mit wildfremden Leuten, einmal hat sie einen Jungen aus einem Chat getroffen. Ich finde das ziemlich bedenklich, und ziemlich gefährlich. Wie seht ihr das?
Aber was mir Angst macht, ist das Abweisende, dieses absolut nicht an sie rankommen können, obwohl ich ihr doch nie was Böses wollen würde?! Das legt sie auch der restlichen Familie gegenüber an den Tag, und einigen unserer Bekannten.
Freunde hat sie viele, davon auch einige in schwierigen Situationen, von denen ich nicht beurteilen kann, inwieweit das nicht auch gefährlich ist (in Bezug auf Alkohol und Kiffen).
Wie ihr merkt, ist das ganze irgendwie konfus und ich kann's auf einen Punkt bringen: Ich mach mir verdammte Sorgen, und kann ihr nicht helfen, weil sie sich nicht helfen lässt. <ironie>Dabei weiß ich doch alles viel besser als sie, weil ich da schon durch bin...</ironie>
Nun ja, ich habe in meiner Jugend oft zu viel getrunken, zu viel zeug geraucht, mich mit "gefährlichen" Leuten getroffen, mich in Gefahr begeben, ich war depressiv, hab mich geschn***en, wollt' mich umbringen, .... also, ich war alles andere als ein Engerl.
...und trotzdem: nur weil ich das "gut überlebt" hab (ich muß auf Holz klopfen!) - wer gibt mir die Garantie, dass sie es gut überlebt??
Danke im Vorhinein an alle die antworten!