Bill Clinton
Erklärung von Präsident Clinton zu den Luftangriffen auf das Netz radikaler Gruppen im Umfeld von Osama bin Laden vom 20. August 1998.
Heute habe ich unsere Streitkräfte angewiesen, terroristische Einrichtungen in Afghanistan und Sudan aufgrund der direkten Bedrohung anzugreifen, die sie für unsere nationale Sicherheit darstellten. Ich möchte Ihnen das Ziel und den Grund dieser Aktion erläutern.
Unser Ziel war der Terrorismus. Unsere Mission war klar: Das Netz radikaler Gruppen anzugreifen, die Anhänger von Osama bin Laden sind und von ihm finanziert werden. Osama bin Laden ist der vielleicht größte Organisator und Geldgeber des internationalen Terrorismus in der heutigen Welt.
Die Gruppen in seinem Umfeld kommen aus unterschiedlichen Regionen, aber sie teilen den Haß auf Demokratie, eine fanatische Verherrlichung von Gewalt und eine schreckliche Verzerrung ihrer Religion, um die Ermordung Unschuldiger zu rechtfertigen. Sie haben die Vereinigten Staaten genau wegen dem zu ihrem Gegner erklärt, für das wir eintreten und wegen dem, was wir ablehnen.
Vor einigen Monaten und erneut in dieser Woche hat bin Laden öffentlich geschworen, einen Terrorkrieg gegen Amerika zu führen. Er sagte, ich zitiere: “Wir machen keinen Unterschied zwischen denen in militärischen Uniformen und Zivilisten. Sie alle sind Ziele.”
Ihre Mission ist Mord, und ihre Geschichte ist blutig. In den vergangenen Jahren haben sie amerikanische, belgische und pakistanische Angehörige der Friedenstruppen in Somalia getötet. Sie haben sich verschworen, um den ägyptischen Präsidenten und den Papst zu ermorden. Sie planten Bombenanschläge auf sechs 747-Flugzeuge der Vereinigten Staaten über dem Pazifik. Sie bombardierten die Ägyptische Botschaft in Pakistan. Sie schossen deutsche Touristen in Ägypten nieder.
Die jüngsten Terroranschläge sind uns noch frisch im Gedächtnis. Vor zwei Wochen verloren 12 Amerikaner und fast 300 Kenianer und Tansanier ihr Leben, und weitere 5.000 wurden verwundet, als unsere Botschaften in Nairobi und Daressalam bombardiert wurden. Es gibt überzeugende Informationen unserer Nachrichtendienste, daß das Terrornetz von bin Laden für diese Bombenanschläge verantwortlich war. Aufgrund dieser Informationen sind wir überzeugt, daß die Bombenanschläge von der Organisation geplant, finanziert und ausgeführt wurden, die bin Laden leitet.
Amerika bekämpft den Terrorismus seit vielen Jahren. Wenn möglich, nutzen wir bei unserem Kampf Strafverfolgungs- und diplomatische Instrumente. Der lange Arm des amerikanischen Gesetzes reicht um die ganze Welt und hat die vor Gericht gebracht, die für die Bombenanschläge in New York, Virginia und im Pazifik verantwortlich waren. Wir zerschlagen in aller Stille Terrorgruppen und vereiteln ihre Pläne. Wir isolieren Länder, die Terrorismus praktizieren. Wir arbeiten am Aufbau einer internationalen Koalition gegen den Terrorismus. Aber es gibt und wird Zeiten geben, in denen Strafverfolgung und diplomatische Instrumente einfach nicht genug sind, in denen unsere nationale Sicherheit auf dem Spiel steht und in denen wir außergewöhnliche Schritte zum Schutz der Sicherheit unserer Bürger unternehmen müssen.
Mit zwingenden Beweisen, daß bin Ladens Netz von Terrorgruppen weitere Anschläge gegen Amerikaner und andere freiheitsliebende Menschen plante, habe ich beschlossen, daß Amerika handeln muß. Und deswegen habe ich heute Morgen auf der Grundlage der einstimmigen Empfehlung meines nationalen Sicherheitsteams unsere Streitkräfte angewiesen, Maßnahmen zu ergreifen, um eine unmittelbare Bedrohung durch das Netz bin Ladens abzuschrecken.
Heute haben die Vereinigten Staaten gleichzeitig terroristische Einrichtungen und Infrastruktur in Afghanistan angegriffen. Unsere Streitkräfte hatten einen der aktivsten terroristischen Stützpunkte auf der Welt zum Ziel. Er enthielt die Schlüsselelemente der Infrastruktur von bin Ladens Netz und diente als Trainingslager für buchstäblich Tausende von Terroristen aus der ganzen Welt. Wir haben Grund zu der Annahme, daß heute dort ein Treffen der wichtigsten terroristischen Anführer stattfinden sollte, was die Dringlichkeit unserer Aktionen unterstrich. Unsere Streitkräfte griffen auch eine Fabrik im Sudan an, die mit bin Ladens Netz in Verbindung steht. Die Fabrik produzierte Material für chemische Waffen.
Die Vereinigten Staaten haben nicht leichthin gehandelt. Afghanistan und Sudan sind jahrelang gewarnt worden, diesen Terrorgruppen keine Zuflucht mehr zu gewähren und sie nicht mehr zu unterstützen. Aber Länder, die ständig Terroristen aufnehmen, haben kein Recht darauf, Zufluchtsort zu sein.
Ich möchte unseren Nachrichtendiensten und Strafverfolgungsbehörden für ihre harte, gute Arbeit danken. Und ich möchte meinen Stolz auf unsere Streitkräfte zum Ausdruck bringen, die diese Mission ausgeführt und gleichzeitig alle erdenklichen Anstrengungen unternommen haben, um den Verlust an unschuldigen Menschenleben so gering wie möglich zu halten.
Ich möchte, daß Sie verstehen, ich möchte, daß die Welt versteht, daß unsere heutigen Aktionen nicht gegen den Islam gerichtet waren, die Religion von Millionen guter, friedliebender Menschen auf der ganzen Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten. Keine Religion verzeiht den Mord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern. Unsere Aktionen zielten vielmehr auf Fanatiker und Mörder, die Mord unter dem Mantel der Gerechtigkeit begehen und dabei die großartige Religion verunglimpfen, in deren Namen zu handeln sie vorgeben.
Meine amerikanischen Mitbürger, unser Kampf gegen Terrorismus hat weder mit den Bombenanschlägen auf unsere Botschaften in Afrika begonnen, noch wird er mit dem heutigen Militärschlag enden. Er wird Stärke, Mut und Durchhaltevermögen erfordern. Wir werden dieser Bedrohung nicht nachgeben. Wir werden sie bewältigen, wie lange es auch dauern mag. Dies wird ein langer, anhaltender Kampf zwischen Freiheit und Fanatismus, zwischen Rechtsstaatlichkeit und Terrorismus. Wir müssen bereit sein, solange wir müssen, alles in unserer Macht Stehende zu tun. Amerika ist und bleibt das Ziel von Terroristen, eben weil wir die Führungsrolle übernommen haben; weil wir handeln, um Frieden, Demokratie und grundlegende Menschenrechte zu fördern; weil wir die offenste Gesellschaft auf der Welt sind, und weil wir wieder einmal gezeigt haben, daß wir eine unbeugsame Haltung gegenüber dem Terrorismus einnehmen.
Über eines bin ich mir jedoch auch sicher: Die Risiken für Amerika und die Welt aufgrund von Untätigkeit wären sehr viel höher als Aktionen, denn das würde unsere Feinde ermutigen und ihre Fähigkeit und Bereitschaft intakt halten, einen Schlag gegen uns zu führen. In diesem Fall wußten wir vor unserem Angriff, daß diese Gruppen bereits weitere Aktionen gegen uns und andere geplant hatten.
Ich möchte wiederholen: Die Vereinigten Staaten möchten Frieden, nicht Konflikt. Wir möchten das Leben auf dieser Welt schützen, nicht jemandem das Leben nehmen. Wir haben in Bosnien, Nordirland, Haiti, im Nahen Osten und andernorts auf den Frieden hingearbeitet, aber in dieser Zeit kann keine Friedenskampagne erfolgreich sein ohne die Entschlossenheit, den Terrorismus zu bekämpfen.
Unsere heutigen Aktionen sollen folgende Botschaft laut und klar übermitteln: Es gibt keine entbehrlichen amerikanischen Ziele. Es gibt keinen Zufluchtsort für Terroristen. Wir werden unser Volk, unsere Interessen und unsere Werte verteidigen. Wir werden den Menschen aller Glaubensrichtungen in allen Teilen der Welt helfen, die frei von Angst und Gewalt leben wollen. Wir werden hartnäckig bleiben und siegen.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie, und möge Gott unser Land schützen.
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