Ansonsten hab ich das gefühl, dass es grundsätzlich nicht schadet, etwas "altmodischer" zu denken.
Ja, da bin ich ganz bei dir. Aber vieles lässt sich auch nur schwer umsetzen.
Wir haben das wirklich große Glück hier, dass wir das umsetzen können. Eigenes Haus, großer Garten plus Streuobstwiese, ausreichend finanzielle Mittel... Außerdem habe ich mir schon in der Jugend angeeignet, wie es geht Vorräte anzulegen. Denn durch die ständige Verfügbarkeit von eigentlich allem was man braucht haben viele das mittlerweile verlernt.
Ich weiß noch genau, wie meine Frau vor vielen Jahren die Nase gerümpft hat, als wir unser Haus gekauft haben. Ihr war es wichtig, Ruhe zu haben, einen Ort wo sie tun und lassen kann was sie will. Ich habe mir als erstes einen Gemüsegarten angelegt, Einmachgläser gekauft etc.pp. Sie fragte mich, warum ich das mache, weil wir tatsächlich fußläufig keine 100 m von mehreren Lebensmittelgeschäften weg wohnen. Vorratshaltung, da hielt sie nicht viel von. Ich sagte ihr damals, dass es einfach besser schmeckt, wenn man es selber anbaut. Und dass man nie weiß, wie lange das noch so gehen kann. Mir war die Entwicklung damals schon suspekt, dass alles immer mehr, immer größer, immer schneller wird und es irgendwie kein Ende geben sollte... Ich glaube nicht an unendlichen Zuwachs und hatte schon vor vielen Jahren das Gefühl, irgendwann wird diese schöne Welt niccht mehr so sein.
Und ich kenne auch die andere Seite. Ich habe viele Jahre lang von Sozialhilfe, später Hartz4 gelebt. Ohne genügend Geld ist ein sinnvoller Umgang mit allem was lebensnotwendig ist wirklich schwer. Nur wenn man genügend Geld hatm ist es leicht zu sparen. Und wirtschaftlich zu denken. Es fängt schon bei der Kleidung an, geht weiter über die Lebensmittelversorgung und endet nicht bei Wohnen und Energie. Man ist darauf angewiesen was andere bereit sind zu geben, sei es die Wohnung oder die eingebaute Heizung, Klamotten oder die ganz normale Versorgung mit Lebensmitteln.
Ich bin damals schon täglich durch die Gegend gezogen und habe ''herrenlose'' Obstbäume und Beeren gesucht, bin Sperrmüll kucken gewesen und hab versucht, mit möglichst geringem finanziellen Einsatz möglichst viel einzulagern. Und habe dadurch für mich gelernt, dass das gar kein Hexenwerk ist sondern mir sogar spass macht.
Und das was ich damals gelernt habe, kommt mir heute zugute.
Wir versuchen hier mittlerweile diesen Gedanken ''back to the roots'' im großen zu leben. Und es funktioniert besser den je. Aber auch nur, weil wir die Möglichkeit hatten uns das finanziell zu leisten. Dazu muss man leider erst investieren. Und wirtschaftlich denken.
Es waren schon Entscheidungen notwendig, ob wir eine absolut intakte Gasheizung auf den Müll kippen und viel Geld für eine Wärmepumpe ausgeben. Ob wir uns vom der konventionellen Energieversorgung weitestgehend trennen und auf Wind und Sonne umsatteln. Auch mit Förderungen sind das ja im ersten Moment Ausgaben, die auch zu stemmen sein müssen. Aber ich kann sagen, dass wir heute mit den Krediten deutlich weniger finanzielle Belastungen haben als vor Hauskauf und Umstieg auf erneuerbare Energien. Dann zusätzlich noch Lebensmittel für fast das ganze Jahr für ein bisschen mehr an Arbeit.
Wir fahren heute an der Tankstelle vorbei, ohne dass unsere Haare noch grauer werden, auch wenn wir noch auf unser E-Auto warten. Wir brauchen den Gas- und Ölpreis nicht im Auge zu haben und uns keine Gedanken über die Teuerung der Lebensmittel zu machen. Das ist ein gutes Gefühl. Aber wir sehen, dass wir die Ausnahme sind, dass viele das so nucht können.
Aber wir erleben es auch, dass viele die es anders könnten, einfach erstarrt sind, in alten Mustern haften bleiben, sich in diesen Zeiten z.B. einen neuen Diesel bestellen anstatt aufs E-Auro umzusatteln... obwohl die eine 30000 Watt PV-Anlage auf dem Dach vom Schweinestall haben... aber gleichzeitig sagen, sie fahren nur noch mit geschlossenen Augen an der Tankstelle vorbei... Ohne scheiß... hat mir neulich erst eine Bekannte genau so gesagt... Das verstehe ich z.B. nicht.