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Bindungsprobleme überwinden

Sonnenblume 12

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich wollte mal fragen, ob jemand ähnliche Erfahrungen mit Bindungsangst bzw. einem starken Nähe-Distanz-Muster gemacht hat und vielleicht ein paar Tipps oder Erfahrungen mit mir teilen kann.

Ich bin 27 und seit etwas mehr als zwei Jahren mit meinem Partner (30) zusammen. Seit einem Jahr wohnen wir zusammen.

Bei mir gibt es ein Muster, das sich bisher durch alle meine Beziehungen gezogen hat. Meine Beziehungen gingen nie länger als ungefähr zwei Jahre. Meistens fing es nach ca. 1,5–2 Jahren an: Meine Gefühle wurden plötzlich weniger, mein Nervensystem war gefühlt ständig auf Hochtouren, Kleinigkeiten am Partner haben mich extrem genervt und ich hatte immer mehr das Bedürfnis nach Abstand.

Bei meinen früheren Beziehungen muss ich allerdings rückblickend sagen, dass die Partner rational gesehen wahrscheinlich tatsächlich nicht richtig zu mir gepasst haben. Bei meinem jetzigen Partner empfinde ich das anders. Wenn ich versuche, die Situation unabhängig von meinen momentanen Gefühlen zu betrachten, denke ich wirklich, dass er der Richtige für mich sein könnte und wir sehr gut zusammenpassen. Genau deshalb möchte ich diesmal nicht einfach wieder gehen, wenn dieses alte Muster auftaucht.

Nähe war für mich schon immer schwierig. Ich bin sehr freiheitsliebend, introvertiert und brauche viel Zeit und Raum für mich. Meine früheren Partner habe ich meistens nur einmal unter der Woche und einmal am Wochenende gesehen. Mehr ging von meiner Seite aus kaum.

Bei meinem jetzigen Partner war es am Anfang genauso. Auch beim Thema Zusammenziehen habe ich sehr lange alle möglichen Ausreden und Gründe gefunden, warum es nicht gehen könnte. Gleichzeitig hat er es irgendwie geschafft, dass ich ganz langsam immer mehr Nähe zulassen konnte.

Erst konnten wir uns häufiger sehen, irgendwann dann jeden Tag, wobei ich selbst da die gemeinsame Zeit teilweise noch begrenzen musste. Und schließlich habe ich mich sogar darauf eingelassen, mit ihm zusammenzuziehen. Mittlerweile wohnen wir seit einem Jahr zusammen und grundsätzlich funktioniert das auch.

Jetzt ist allerdings genau das passiert, wovor ich irgendwie Angst hatte: Nach etwas mehr als zwei Jahren scheint mein altes Muster wieder voll da zu sein.

Ich fühle momentan sehr wenig, mein Nervensystem ist gefühlt ständig angespannt und ich kann seine Nähe teilweise kaum zulassen. Kleinigkeiten nerven mich plötzlich, ich möchte Abstand und auch meine sexuelle Lust hat deutlich abgenommen. Ich kenne auch von mir, dass ich manchmal Streit anfange oder unbewusst Distanz zwischen uns schaffe. Gleichzeitig weiß ich, dass ich in anderen Phasen sehr liebevoll sein und seine Nähe auch genießen kann.

Das Schwierige ist, dass sich der Gefühlsverlust in dem Moment natürlich total real anfühlt. Gleichzeitig sehe ich dieses offensichtliche Muster: Wieder passiert es ungefähr nach derselben Beziehungsdauer wie bei meinen vorherigen Beziehungen. Nur möchte ich diesmal nicht wieder alles beenden, einen neuen Partner kennenlernen und dann nach 1,5–2 Jahren möglicherweise wieder genau am selben Punkt stehen.

Ich möchte dieses Muster wirklich durchbrechen und herausfinden, was dahintersteckt. Ich habe zum Glück bald einen Therapieplatz und in ein paar Wochen geht es los. Bis dahin würde mich aber sehr interessieren, ob jemand von euch etwas Ähnliches erlebt hat.

Kennt jemand dieses Gefühl, dass nach zunehmender Nähe bzw. nach längerer Beziehungsdauer plötzlich die Gefühle wie abgeschaltet sind und der Partner einen auf einmal extrem schnell nervt? Vielleicht auch verbunden mit innerer Unruhe, Rückzug und weniger sexueller Lust?

Hat jemand es geschafft, so ein Muster zu durchbrechen und wieder mehr Nähe und Gefühle zuzulassen, ohne direkt die Beziehung zu beenden? Was hat euch dabei geholfen?

Ich könnte dazu noch viel mehr schreiben, aber das ist erstmal die grobe Zusammenfassung.
:)


Natürlich weiß ich, dass es von meiner Kindheit kommt
:)


Zu meinem jetzigen Partner: ich empfinde ihn als sicher gebunden mit ein paar Neigungen zu ängstlichen Bindung aber sehr sehr im Rahmen.
Er ist der Mann den ich mir immer gewünscht habe: optisch sehr attraktiv und charakterlich auch mein Geschmack.
 
Ich kann dir die Bücher, Videos, Podcaste von Stefanie Stahl empfehlen. Sie beschäftigt sich ständig mit dem Thema Beziehungsangst. Sie hat sich viel mit dem Thema beschäftigt, weil sie an beziehungsängstliche Männer geraten ist und sie wollte wissen, was da los ist.
Ich selber habe Bindungsangst und bin kurioserweise immer an bindungsängliche Männer geraten. Das war natürlich nichts.
Zwei Bücher kann ich dir empfehlen: Das Kind in dir mus Heimat finden und zu dem Buch gibt es noch ein Arbeitsbuch. Mir hat das sehr geholfen. Die Bücher sind von Stefanie Stahl. Es hilft, wenn du dir ständig bewusst machst, wenn du wieder in die gleiche Situation kommst. Rede mit deinem Partner darüber.
Schon mal gut, dass du einen Therapieplatz bekommen hast.
 
Hier ist zwei Videos von vielen:

 
Meine Beziehungen gingen nie länger als ungefähr zwei Jahre. Meistens fing es nach ca. 1,5–2 Jahren an: Meine Gefühle wurden plötzlich weniger, mein Nervensystem war gefühlt ständig auf Hochtouren, Kleinigkeiten am Partner haben mich extrem genervt und ich hatte immer mehr das Bedürfnis nach Abstand.

Mir fällt der Zeitrahmen auf. Sicher, dass es sich um ein Nähe-Distanz-Thema handelt?
Könnte dies eine Rolle spielen:


 
Noch ein Link dazu, der Abläufe sehr klar dargestellt, wie ich finde:


Zitate:

"
Die Verliebtheit ist wichtig, weil sie die Grundlage für eine tiefere Bindung schafft. Gleichzeitig ist sie jedoch keine dauerhafte Gefühlslage. Nach einigen Monaten oder Jahren lässt die hormonelle Intensität nach und die Beziehung tritt in eine neue Entwicklungsstufe ein.

Viele Menschen interpretieren diesen Übergang fälschlicherweise als Verlust der Liebe. Tatsächlich beginnt jetzt häufig erst die eigentliche Partnerschaft, in der sich zeigt, ob aus Verliebtheit eine stabile Beziehung entstehen kann.

Phase 2 und 3: Die Realität und die Machtkämpfe​

Nach der anfänglichen Euphorie folgt die Phase der Realität. Die Partner lernen einander nun umfassender kennen. Gewohnheiten, Eigenheiten und unterschiedliche Vorstellungen treten deutlicher hervor.
Plötzlich werden Eigenschaften sichtbar, die zuvor kaum aufgefallen sind. Vielleicht zeigt sich, dass der Partner unordentlicher ist als gedacht oder andere Vorstellungen von Freizeit, Geld oder Familienleben hat. Diese Erkenntnisse sind völlig normal und gehören zur Entwicklung jeder Beziehung."



"

Viele Konflikte entstehen genau in dieser Phase. Einige Paare erleben diese Zeit als besonders herausfordernd.

Dabei sind Meinungsverschiedenheiten keineswegs ein Zeichen für das Scheitern der Beziehung. Im Gegenteil: Sie bieten die Chance, einander besser zu verstehen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Entscheidend ist der Umgang mit den Konflikten."
 
Du hast Dich an Deinen Partner gewöhnt, der Alltag ist eingekehrt.
Positives wird nicht mehr als solches empfunden, es ist "normal", Alltag.
Negatives fällt dadurch stärker ins Gewicht.
Du musst Dir klar werden, was Du möchtest.
Möchtest Du eine langjährige Beziehung, eine Lebenspartnerschaft?
Wenn ja, dann sprich mit Deinem Partner über Deine Probleme.
Nur gemeinsam könnt ihr einen Weg finden.

Es wird nie einen Menschen an Deiner Seite geben, mit dem es nur positive, glückliche Momente gibt.
Ärger, Streit, Missverständnisse gehören zu einer Partnerschaft.
Mit dem richtigen Partner kann man diese überwinden, wenn man den festen Willen dazu hat.

Ich habe große Probleme, wirkliche Nähe zu anderen Menschen aufzubauen.
Ich bin ADHSler, mit möglicherweise leichten autistischen Tendenzen.
Mit meiner Partnerin bin ich mehr als 5 Jahrzehnte verbunden.
Dazu waren sehr viel Toleranz, Entgegenkommen und Wille auf beiden Seiten nötig.
Ich empfinde es als das größte Glück meines Lebens, dass wir alle Krisen gemeinsam überwunden haben.
 
Hallo @Sonnenblume 12, so ist es bei mir nicht, aber das Zusammenleben mit früheren Partnern wurde mir auch nach ein paar Jahren zu langweilig. Zu viel Alltag.
Meine früheren Partner habe ich meistens nur einmal unter der Woche und einmal am Wochenende gesehen.
So machen mein Freund und ich das auch und unsere Beziehung hält schon über 20 Jahre. Zusammen ziehen war für uns beide kein Thema. Finden viele ungewöhnlich, aber für uns passt es gut.

Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, dass du mit deiner Problematik überhaupt mit deinem Freund zusammen gezogen bist. Das potenziert doch natürlich deine Angst, weil es keinen einfachen Fluchtweg gibt. Jetzt kannst du nicht mehr sagen: "ich brauche mal Abstand, treffen wir uns diese Woche nicht". Denn er ist ja immer da.

Ich habe zum Glück bald einen Therapieplatz und in ein paar Wochen geht es los.

Das hättest du aber schon vorher bearbeiten müssen.
Denn jetzt ist natürlich dasselbe passiert wie immer:

Jetzt ist allerdings genau das passiert, wovor ich irgendwie Angst hatte: Nach etwas mehr als zwei Jahren scheint mein altes Muster wieder voll da zu sein.

Logisch, das verschwindet ja nicht einfach.

Nähe war für mich schon immer schwierig. Ich bin sehr freiheitsliebend, introvertiert und brauche viel Zeit und Raum für mich.
Ich fühle momentan sehr wenig, mein Nervensystem ist gefühlt ständig angespannt und ich kann seine Nähe teilweise kaum zulassen. Kleinigkeiten nerven mich plötzlich, ich möchte Abstand und auch meine sexuelle Lust hat deutlich abgenommen. Ich kenne auch von mir, dass ich manchmal Streit anfange oder unbewusst Distanz zwischen uns schaffe.

Weiß dein Freund das alles?
 
Worin liegt das Problem? Dann schmeißt du ihn halt nach zwei Jahren auf den Müll wie eine alte Puppe. Machen Typen doch auch so, wenn sie sich die Hörner abgestoßen haben. Einfach ghosten. Nicht schade drum. Aber zuvor unbedingt noch erwähnen wie viel er dir bedeutet.
Bei Tinder, Facebook oder Hilferuf findet sich sicher schnell Nachschub und schon ist die bzw. deine Welt auch wieder rosa. 🙂
 
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