Liebes Tagebuch,
kennst du das Gefühl, nicht gehört zu werden?
Ungesagtes stirbt nicht.
Nein, es tötet uns.
Es ist wie langsames, qualvolles Ersticken…
Und kennst du das Gefühl, dass dir niemand zuhört? Dir gar nicht richtig zuhören will?
Wie oft sitze ich bei meiner Therapeutin und wir reden ausschließlich über das, was gut läuft. Noch gut läuft – oder wieder gut.
Halt über das, was funktioniert und alles irgendwie zusammen hält. Weil ich das Positive betrachten soll.
Weil ich nach vorn und nicht zurück schauen soll. Weil ich stark bin.
Und noch immer stehe.
Aber niemals reden wir darüber, wie es mir wirklich geht…
Über meine schlaflosen Nächte, meine tiefe Verzweiflung, meine Trauer, die Wut und die Dunkelheit in meiner Seele. Und über meine Gedanken:
Lege dich für immer schlafen.
Ich kämpfe vor Gericht einen fürchterlichen Kampf. Einen Krieg, den ich längst schon vor Jahren verloren habe. Um Schuld und um Anerkennung. Um meine Würde.
Um jenen Tag, an dem aus dir ein Täter wurde.
So vieles hast du mir genommen.
Aber (leider) nicht den Mut, dich dafür anzuzeigen.
Wie oft kann ein Mensch durch die Hölle gehen? Wie oft kann er sterben? Weißt du das?
Und bitte sage mir:
Kennst du das Gefühl, eintausend Worte zu sagen und einfach nicht gehört zu werden?