Hallo Sonnenblume,
ich weiß nicht, was für Verhältnisse das waren, in denen du aufgewachsen bist, aber anscheinend haben die dazu geführt, dass du mit 19 emotional noch sehr unreif warst. Denn eine Schwangerschaft so lange zu verdrängen, und dann so überhaupt nicht dazu in der Lage zu sein, eine Entscheidung zu treffen bezüglich deines Kindes, also sei es, das Kind zur Adoption frei zu geben, oder es dem Vater des Kindes zu überlassen, das ist schon außergewöhnlich. Bzw. du hast entschieden, einfach aus dem Krankenhaus wegzulaufen und so zu verschwinden, dass du unauffindbar warst.
Hattest du denn gar keine Beratung in Anspruch genommen irgendwie? Dass man überfordert sein kann mit einer Mutterschaft, und Probleme hat, sich zu entscheiden, ist ja sehr menschlich. Aber es gibt ja die Möglichkeit, professionelle Beratung in Ansspruch zu nehmen.
Ich stelle nochmal die Frage: Was hat dich denn daran gehindert, das Kind dem Vater zu übergeben?
Der Brief deiner Tochter ist verständlich. Das ist natürlich hart für dich, aber das musst du erstmal akzeptieren.
Ich würde dir auch raten, als Antwort zu schreiben, dass du ihre Gefühle verstehen kannst, und dass sie, falls sie es irgendwann doch wollen würde, sich bei dir melden kann.
Und dann würde ich sie völlig in Ruhe lassen.
Menschen machen Fehler, manchmal auch sehr große Fehler. Und wir alle müssen mit unseren gemachten Fehlern und deren Folgen leben.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass deine Tochter vielleicht doch irgendwann das Bedürfnis hat, dich mal zu sehen, vielleicht aber auch nicht. Selbst wenn sie das Bedürfnis hat, kann es sein, dass dann auch noch sehr viele weitere Vorwürfe kommen. Damit müsstest du dann auch leben.