Oh weh, das erinnert mich an meine eigene Kindheit, in der mich meine Eltern auch über Sanktionen zum Lernen zwingen wollten. Nur dass es damals den Endgegner Handy/Internet noch nicht gab, der alles noch einmal zusätzlich erschwert hätte. Darin steckt nämlich Suchtpotenzial und man weiß ja, wie Süchte einen dominieren können. Trotz und Dummheit gab es allerdings auch damals schon, und so hab ich leider nicht erkannt, dass ich mir selber am meisten geschadet habe. 🙄 😖
Ich sehe daher 2 Probleme.
Zum Einen: Druck durch Verbote erzeugt Gegendruck in Form von Trotz und einer "Jetzt erst recht nicht-Haltung". Hab zwar mein Abi durchgezogen, aber nach dem ökonomischen Prinzip "Bestehen mit dem geringstmöglichen Aufwand". Dass Noten nicht ganz unwichtig waren - vor allem in der damaligen Zeit Mitte der 80er -, hab ich leider erst später gemerkt. Da war es dann schon zu spät und ich hatte ein echt schlechtes Abi. Zumindest da sind die Zeiten heute andere, und du kommst mit einem schlechten Abschluss allein schon wegen der demografischen Entwicklung trotzdem immer noch so ziemlich überall und auch gut unter. Den Abschluss überhaupt zu schaffen halte ich hingegen schon für wichtig und würde das daher auch als Minimalziel ausrufen.
Das nächste Problem ist, dass sie schon daran gewöhnt sein wird, schlechte Noten zu schreiben und sich vermutlich eine gewisse resignative Haltung zugelegt hat. Für gute Noten müsste sie sich anstrengen und richtig lernen. Dafür fehlt ihr die Motivation, denn sie müsste viel aufholen. Allerdings bekommt sie auch Motivation nur sehr bedingt durch Strafe. Ihre Motivation wäre, ihr Handy wiederzukriegen, nicht die, sich schulisch dauerhaft zu verbessern.
Sie bräuchte ein echtes eigenes Ziel ganz ohne Druck von außen. Hat sie schon eine Idee, was sie später mal werden möchte? Ihr könntet schauen, was man dafür braucht und daraus dann ableiten, was sie dafür tun muss. Lass sie doch in den Ferien mal ein Praktikum in ihrem Traumberuf machen.
Und sie muss begreifen, dass sie letztlich für sich lernt. Mit diesem Prinzip waren wir bei unserer Tochter erfolgreich, denn ich hab mir damals geschworen, den Kampf, den ich mit meiner Mutter ausgefochten habe, mit meinem Kind nicht auszutragen. Das waren völlig egoistische Motive, nicht so viel Kraft und Ärger investieren zu wollen, vor allem war mir aber auch ein gutes Verhältnis zu meinem Kind wichtig. Ich selber hab als Kind sogar noch Prügel bezogen bei schlechten Noten, weil die Nerven meiner Mutter einfach blank lagen. Unser Verhältnis ist bis heute nicht wirklich innig.
Tatsächlich hat das bei unserer Tochter funktioniert und sie sagt selber von sich, wirklich supergerne zur Schule gegangen zu sein. Ihr Abschluss war dann auch richtig gut, und sie hat sogar eine Klasse überspringen dürfen. Ihr Erfolg war dann auch ihr Antreiber. Ein paar wenige Phasen gab es, bei denen ich dann doch mehr reden musste (Vokabelnlernen und Chemie waren ihre Stolpersteine). "Phase 6" wurde daraufhin ihr Freund und Chemie konnte sie dann später abwählen.
Was aber tun mit deinem Kind? Mit 14 bist du leider schon sehr spät dran, um sie noch einzufangen. Versuchen würde ich es trotzdem, mir ihre Wünsche und Vorstellungen anhören und dann gemeinsam überlegen, wie sie dahin kommen kann und wie du sie unterstützen kannst. Lass sie doch in den Ferien mal ein Praktikum in ihrem Traumjob machen. Macht sie Sport? Falls nicht, lass sie doch mal etwas ausprobieren. Sie lernt so, mit Niederlagen unzugehen, aber vor allem, für ein Ziel zu arbeiten. Und sie kommt - zumindest zeitweise - vom Handy weg, dem größten Endgegner der heutigen Zeit. Übrigens mittlerweile auch für mein Kind.
Komm mit deiner Tochter ins Gespräch und erarbeite mit ihr gemeinsam einen Weg, damit sie wenigstens den Abschluss schafft. Ich glaube, dass das deine Nerven schonen und ihr ein wenig Orientierung und Antrieb geben könnte.