Also ich habe in den vielen vielen Jahren, die ich mich vegan ernähre, sehr verschiedene Erfahrungen gemacht. Es gibt Menschen, die sind neugierig ("was isst du überhaupt noch?") oder wollen wissen, warum ich das so mache ("Aha, es gibt Unverträglichkeit gegen tierisches Eiweiß und davon kann man krank werden?").
Vielen fällt plötzlich ein, dass ihre Kinder auch kein Fleisch mehr essen und sie selbst nur noch viel seltener wie früher. Da scheint was am Kippen zu sein – im Sinne von: Es ist okay, sich hauptsächlich von pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren. Das war vor 20 oder 30 Jahren nicht so, da war man als Veganer ein echter Exot.
Spannend finde ich, wenn sich jemand wirklich offen auf das Thema einlässt und ich z. B. frage, ob er für seinen Fleischgenuss ein Tier töten würde (viele lehnen das ab), oder für Milch/Käse eine Kuh mit Gewalt schwängern, ihr das Kind wegnehmen, sie dann füttern, beschützen, melken etc. (auch da steigen viele aus und würden lieber verzichten).
Was auch interessante Reaktionen hervorruft ist die Frage, ob jemand es als Fleischesser okay findet, dass für sein Leben permanent andere Lebewesen getötet werden. Das ist vielen irgendwie nicht klar, die sehen nur das schön verpackte Fleisch und das Leid dahinter wird ausgeblendet. Aas essen ist für viele tabu, dass das, was da in der Metzgerei liegt, auch Aas ist, wird abgewimmelt oder umgedeutet.
Wenn ich dann frage, ob es nicht angenehmer wäre, wenn man z. B. ein paar Schweine, Kühe oder Hühner als Mitbewohner hätte und wenn die dann eines natürlichen Todes sterben, sie zu Lebensmitteln verarbeiten würde – also Fleischessen ohne zu töten – das wird als interessante Alternative in Betracht gezogen. Denn "uns Veganern" geht es ja nicht primär darum, dass Fleischkonsum an sich schlecht ist, sondern dass dafür eingesperrt, gequält und getötet wird. Darüber rede ich aufrichtig gerne, weil ich es beschämend, traurig und unmenschlich finde, was da milliardenfach passiert. Wir können es besser, denke ich. Dazu würde ich gerne motivieren und deshalb nehme ich gerne mal einen schiefen Blick oder ein Stirnrunzeln in kauf. Missionieren tu' ich aber nicht, nur halt klar Stellung beziehen, wenn das Thema aufkommt.