Es geht jetzt wie in den meisten Diskussionen, bei denen es um Soziales oder Geld geht, in die Richtung, dass ein System bedingungslos für die ein Seite (hier kranke gemeldete Arbeitnehmer) bedingungslos und immer gut sein muss und die andere Seite (Gesunde + Arbeitgeber) vollkommen egal zu sein scheint.
75% Lohn im Krankheitsfall geht nicht, weil es da Menschen gibt, die mit 75% nicht auskommen? Jegliche Einschnitte gehen nicht, weil es chronisch kranke gibt? Ja klar, es geht garnichts weil man immer Fälle findet, die damit Probleme haben.
Dann könntet ihr genauso gut auch fordern, dass nicht 6 Wochen sondern 100 Jahre Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geben soll, weil sonst hat der Arbeitnehmer auch weniger Geld nach 6 Wochen. Und Arbeitslosengeld (ALG I) könnte man dauerhaft zahlen und bitte in Höhe von 100% des vorherigen Gehaltes, weil ist ja auch nicht jeder Schuld an seiner Arbeitslosigkeit.
Umgekehrt ist euch aber vollkommen egal, wie die Gegenseite (gesunde Arbeitnehmer und die Arbeitgeber) mit so einem System klar kommen.
Ich werde jetzt vermutlich falsch verstanden. Ich bin nicht gegen Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Ich bin nur verwundert mit welcher Selbstverständlichkeit das alles erwartet wird. Du kannst in Deutschland so oft und so lange krank sein, wie du willst, dein Arbeitgeber muss dir immer 100% Lohn zahlen. (Einzige Ausnahme: Eine einzelne Erkrankung überschreitet 6 Wochen und selbst dann zahlt zumindest noch die Versicherung.)
In der Mehrheit der Länder gibt es das nicht. Warum auch? Warum soll für das Krankheitsrisiko immer nur die eine Seite (=Arbeitgeber) bluten? Stellt euch ein kleines Unternehmen mit 2 Mitarbeitern vor, in dem jetzt einer krank wird. Der Arbeitgeber muss jetzt den Ausfall kompensieren und oben drauf noch den Lohn weiter zahlen. Dabei ist der Arbeitgeber doch meist genauso wenig Schuld an der Krankheit wie der Arbeitnehmer. Und was ist dem dem gesunden verbliebenem Mitarbeiter, der jetzt vielleicht sogar eine Doppelbelastung hat?
Für mich ist das typisches linkes Geschwätz bei dem ein Bild gemalt wird von gesunden Menschen und reichen, ausbeuterischen Arbeitgebern auf der einen und armen, kranken Arbeitnehmern auf der anderen Seite.
Für mich gehört wesentlich mit in die Diskussion wie ein System auch jenen gegenüber fair ist, die sich nicht krank melden oder Arbeitgeber sind. Und wer diese Personengruppen völlig ignoriert, verhält sich in meinem Augen unsozial.