Würden wir unsere Partner nach objektiven, nachvollziehbaren und vor allem uns allen bewussten und ersichtlichen Faktoren wählen, dann wäre ein solcher Prozess wohl eher noch "schmerzhafter", als er es ohnehin schon ist. Charakter und finanzieller Status sind sicher nicht nur entscheidend. Schlussendlich spielen gentechnische Kompatibilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Gesundheit, geistiges und körperliches Potential und eine positiv beurteilte Überlebensfähigkeit eine sicher nicht ganz unwichtige Rolle. Wer warum wie viel wovon in ein Paket schnürt und entsprechend nach Mrs. und Mr. Right sucht, bleibt doch oft gerade vor uns selbst am meisten verborgen. Und dann kommt noch die eigene "Denke" hinzu, das eigene Wiederholen "gewohnter" Strukturen, das Aufarbeiten eigener Verletzungen am Gegenüber, und, und, und. Ja, Dating-Apps erhöhen wohl die "Umschlagshäufigkeit" etwas, denn die "Verfügbarkeit" potentieller Partner scheint durch sie enorm gesteigert, aber andererseits sind die meisten Menschen damit nur noch mehr überfordert, gerade angesichts der so oft unbewusst ablaufenden Entscheidungsprozesse und Faktoren. Eine der Gründe für die weltweite Verbreitung des Menschen ist seine Anpassungsfähigkeit. Wie war dieser Satz aus der Serie "Raumschiff Orion": "Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein." Das kann sehr wohl negativ, als auch positiv angesehen werden. Wenn mein "Partnerschafts-Auswahl-Findungs-Beuteschema" selbstzerstörerisch, realitätsfern und wenig lebensfähig ist, dann hilft vielleicht wirklich nur die Erfahrung und die Wiederholung, daran etwas zu ändern. Wenn meine Selbsteinschätzung so völlig "daneben" ist, dass jeder gut gemeinte Rat scheitert, dann bleibt doch nur die Konfrontation mit der Wirklichkeit, um dazu zu lernen und mich zu entwickeln. Also anstatt äußere Umstände zu beklagen, wäre es da nicht sinnvoller, sich den eigenen Standpunkt und die eigenen Möglichkeiten bewusster zu machen, damit man diese variieren und optimieren kann? Was nützen die eigenen Bemühungen, wenn mir die nächsten 10 Jahre keine potentielle Partnerin "vor die Flinte läuft", weil ich meine Wege nicht verändere? Ist es nicht immer und immer wieder entscheidend, WAS ich aus einer Situation mache, anstatt mich zu beschweren, WIE die Situation mir gerade erscheint? Es ist wichtig und richtig darüber zu sprechen, was uns bedrückt und uns schwer fällt. Das ist kein "Jammern". Aber es kann zu einem "Jammern" werden, wenn ich den eigenen Anteil an den Umständen zu sehr auf andere "abwälze" und die eigene Verantwortung zu sehr von mir schiebe. Ja, zuerst muss eine Situation richtig und umfassend beurteilt werden können, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber ohne eigene Visionen, ohne Hoffnungen und ohne Willensstärke wächst auf dem besten Acker nur, was der Wind herbei und wieder weg weht. Dating-Apps sind nur der Wind. Für den fruchtbaren Boden bin ich zu einem großen Teil verantwortlich. Manchmal vergesse ich das "Pflügen und Bewässern", stelle mich dämlich an, jage Hirngespinsten und Irrtümern hinterher oder suche mir einfach nur das falsche Stück "Land" für meine Bemühungen aus. Wessen Verantwortung ist das? Ich muss jeden Tag dazu lernen und etwas Glück schadet auch nicht.