Wie Du ja in einschlägigen Beiträgen von mir lesen kannst, bin ich der Auffassung, dass Sex vor der Ehe aus biblischer, theologischer Sicht nicht verboten ist. Das schließe ich nicht zuletzt aus dem Umstand, dass das Institut der Ehe, so wie wir sie heute kennen, geschichtlich ja erst Jahrhunderte später einen rechtlichen Rahmen erhielt.
Ich denke, wir sollten uns nicht an dem Begriff "Ehe" aufhalten, denn Ehe ist formal heute anders als im AT. Für hilfreicher halte ich die Vorstellung, dass es in der Bibel um eine verbindliche Lebensgemeinschaft geht, die lediglich heute bei uns Ehe heißt. Und eine verbindliche Lebensgemeinschaft konnte nicht ohne Kenntnisnahme, ja Zustimmung des sozialen Umfeldes eingegangen bzw. gelebt werden.
Und woraus Du erkennen willst, dass Sex vor Beginn der verbindlichen Lebensgemeinschaften im AT in Ordnung war, kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht könntest Du die Bibelstellen benennen, auf die sich Deine Meinung stützt?
Mir ist das Beispiel von Jakob vor Augen, der für die "Heirat" erst 7 Jahre für seinen Onkel Laban arbeiten mußte, bevor er von seinem Onkel die Genehmigung bekam, Rahel zu heiraten.
Weil er aber - ohne es zu wissen - in der Hochzeitsnacht mit ihrer Schwester Lea schlief, galt diese Hochzeitsnacht bzw. der Sex als Beginn seiner Ehe mit Lea. Eine Woche später durfte er auch Rahel heiraten, jedoch mußte er nochmal 7 Jahre für Laban arbeiten.
Sex war eben die Begründung für die verbindliche Lebensgemeinschaft. Insofern ist in meinen Augen die Trennung "Sex von verbindlicher Lebensgemeinschaft" unbiblisch.
Sehen wir dann noch ins Alte Testament, lesen wir ja, dass die Menschen überwiegend polygam lebten. Ein Mann hatte mehrere Frauen. Das können wir Geschichten im AT entnehmen.
Ob die Menschen im AT
überwiegen polygam lebten, weiß ich nicht. Ist aber auch egal. Polygamie gab es zur Zeit Jesu bzw. in den ersten Gemeinden bei Christen n.m.K. nicht mehr und liefert uns auch bestenfalls nur Hinweis, dass es mehrere verbindliche Lebensgemeinschaften gab und nicht, welches Verhalten vor dem Eingehen der verbindlichen Lebensgemeinschaft als richtig angesehen wurde.
Und Du hast mit Deiner Vermutung sicher nicht Unrecht, dass es in der Geschichte des Christentums immer wieder puritanische/leibfeindliche Bewegungen gab, denen die Sexualität als Gipfel der Zuchtlosigkeit galt.
Burbacher
Ja, da magst Du Recht haben. Innerhalb dessen, was als christliche Gesellschaft genannt wird, ist so ziemlich jede Meinung vertreten, sei sie im Sinne Jesu oder nicht.