Dann erkläre mir bitte mal, auf welche Weise Dir Dein Verstand sagt, dass Methusalem 969 Jahre alt geworden ist! Ich fürchte, Du wirst mir diese Antwort schuldig bleiben.
Keine Sorge...
Ganz kurze Antwort: Aus meiner Sicht ist die ganze Bibel äusserst glaubwürdig. Wenn Du einem Wesen begegnest, welches weder lügt noch aus Unwissenheit heraus Falsches behauptet, dann ist davon auszugehen, dass jede einzelne Aussage richtig ist, selbst wenn sie für uns nicht nachvollziehbar ist und selbst wenn sie unserer Erfahrung widerspricht.
Trifft der Mensch auf eine (biblische) Aussage, die er nicht nachvollziehen bzw. verstehen kann, dann sind aus meiner Sicht folgende Möglichkeiten denkbar:
1) Ich bin richtig - die Bibel ist (an dieser Stelle oder generell) falsch
2) Die Bibel ist richtig - ich bin (an dieser Stelle oder generell) falsch
Wenn Du das Wesen bist, dann gilt obiges für Dich: Du lügst nicht - noch behauptest Du aus Unwissenheit Falsches.
Ich kenne Dich nicht. Du wirst evt. eher beurteilen können, ob Dir Lüge und Irrtum fremd sind. Leider können wir Deine Glaubwürdigkeit nicht prüfen. Jedoch die Glaubwürdigkeit der Bibel ist prüfbar!
Ich frage mich, wie es mit einem Verstand stehen muss, der mir vorgaukelt, dass ein Mensch 969 Jahre alt geworden sein soll. Kann man da überhaupt noch von Verstand sprechen? Entschuldige, aber freundlicher kann ich mich hier nicht ausdrücken. Erkläre mir es bitte!
Du hast aus meiner Sicht nicht nur einen moralischen Anspruch auf Antwort, sondern auf die bestmögliche Antwort.
Wenn Gott das Wesen sein soll, wenn die Bibel Gottes Wort sein soll, dann ist die Glaubwürdigkeit der Bibel zu prüfen. Ist die Bibel Gottes Wort, dann
muß sie einer Glaubwürdigkeitsprüfung stand halten. Das ist meine Ausgangsposition.
Diese Glaubwürdigkeitsprüfung wurde durchgeführt z.B. in der Dissertation der Äbtissin Dr. Christiana Reemts.
Hierzu folgende Angaben:
Äbtissin Christiana Reemts wurde 1957 in Hamburg geboren und studierte in Bonn und Gießen Philosophie und Agrarwissenschaft. Durch ein landwirtschaftliches Praktikum lernte sie 1978 die Abtei Mariendonk kennen. 1980 trat sie in das Noviziat ein und legte 1986 die feierliche Profess ab. Von 1989 bis 1994 studierte sie von Mariendonk aus Theologie in Bonn und promovierte über die Theologie des Origenes. Ihre Dissertation, auf die ich mich jetzt stütze: Vernunftgemäßer Glaube. Die Begründung des Christentums in der Schrift des Origenes gegen Celsus (Bonn 1998)
Bitte bestelle Dir ein Exemplar der Dissertation in der Abtei Mariendonk bzw. lasse Dir von dort angeben, wo Du sie käuflich erwerben kannst. Evt. kannst Du die Dissertation auch in Deiner Stadtbücherei zur Leihgabe bestellen.
Den Inhalt dieser Dissertation - ein ganzes Buch - kann ich unmöglich hier komplett widergeben. Mir lag dieses Buch vor und ich bin von der wissenschaftlichen Vorgehensweise sowie von den Ergebnissen sehr angetan. Ich kann es nur sehr empfehlen!
Nur kurz:
Frau Dr. Reemts untersucht die Glaubwürdigkeitsprüfung des Origenes, einem bekannten ägyptischen Theologen.
Aus diesem Buch übernehme ich folgende Aussagen, mit denen ich verdeutlichen will, wie stark die Vernunft betont wird:
Die Vernunft ist das Organ, das dem Menschen den Zugang zu Gott vermittelt. Der Mensch ist Bild des göttlichen Logos und damit fähig, ihn in der umgebenden Welt zu erkennen, ihn aufzunehmen und sich ihm immer mehr anzugleichen.
Origenes ist der Meinung, daß alles, was wahrhaft vernünftig ist, vom Logos stammt und mit Gott verbindet. Aus dieser Überzeugung resultiert eine grundsätzlich positive Einstellung zu Bildung und Wissenschaft.
„Der Weg zur Tugend ist die Bildung“.
Es muß betont werden, daß der eigentliche Maßstab zur Beurteilung der Weisheit eines Menschen
nicht in Einzelkenntnissen liegt, sondern in einem der Wirklichkeit entsprechenden Denken und Handeln. Unter dieser Perspektive betrachtet, muß man sagen, daß die Philosophen durch ihren Götzendienst beweisen, daß sie und nicht die Christen es sind, denen die wahre Weisheit fehlt.
Die Weisheit hat ihren Ursprung in Gott und ist ein Hauch der Kraft Gottes, ein reiner Ausfluß der Herrlichkeit des Allherrschenden, ein Abglanz des ewigen Lichts, ein ungetrübter Spiegel des Wirkens Gottes und ein Bild seiner Güte (Weish. 7, 25 ff). Da sie Teil hat an Gottes Vollkommenheit, kann es im eigentlichen Sinn des Wortes keine Weisheit geben, die Böses tut oder in die Irre führt.
Das Böse ist immer, mag es auch noch so intelligent geplant sein, Zeichen mangelnder Einsicht und jede menschliche Weisheit, die sich von ihrer Bezogenheit löst und mit Sophismen in die Irre führt, ist eine Form von Unwissenheit.
Origines bezeichnet einen Menschen, der sein eigentliches Objekt (Gott als den Schöpfer dieser Welt) nicht mehr klar erkennt, als „im Geist geschädigt“ und verblendet und bezieht diesen Vorwurf auf alle, die völlig gottlos sind und die Vorsehung leugnen. Im eigentlichen Sinn gibt es also nur eine Weisheit und eine Wahrheit, die ihren Ursprung in Gott haben.
Diese Weisheit nicht anzunehmen führt zu einem letzten Nichtwissen, das durchaus mit hoher Intellektualität verbunden sein kann.
Mein Hinweis: Es geht also bei der Glaubwürdigkeitsprüfung nicht um die Diskussion einer Einzelbegebenheit, einer Einzelerkenntnis. Das ist ein Fehler, der immer wieder von Bibelkritikern begangen wird. Eine Glaubwürdigkeitsprüfung ist nur möglich, wenn alle Kriterien, die dafür oder dagegen sprechen, in Betracht gezogen werden.
In der Folge wird z.B. an folgenden Punkten die Glaubwürdigkeitsprüfung durchgeführt:
- Argument der Prophetie
- Argument der Wunder
- Argument der Einzigartigkeit von Jesus Christus
- Objektive Evidenz
- Subjektive Evidenz
- chronologische Argument
- moralisches Argument
Origenes unterscheidet Wahrheit von Wahrscheinlichkeit und definiert Wahrheit als den der menschlichen Verfügung entzogenen Bereich, zu dem nur Gott selbst in Freiheit Zugang gewähren kann. Damit schränkt Origenes den Wirkungsbereich der Vernunft ein. Der Mensch ist aus sich selbstheraus nur in der Lage, Wahrscheinlichkeiten zu erkennen, und das bedeutet, daß er die Möglichkeit des Irrtums unterliegt. Allerdings ist diese Sicht Origenes nicht mit einem grundsätzlichen Skeptizismus zu verwechseln. Origenes hält die Suche nach Wahrscheinlichkeit für die unserer Vernunft und der Struktur derWelt entsprechende Art der Wahrheitssuche.
Der Mensch befindet sich in der Situation, daß er Wahrheitsucht, aber nur Wahrscheinlichkeit findet, d.h. das für menschliche Vernunft wahr Erscheinende. Eine letzte Sicherheit, ob dieses wahr Erscheinende auch wahr ist, gibt es nicht. Die Suche nach Wahrscheinlichkeit ist somit die Form, wie sich der Logos im menschlichen Bereich zeigt. Daher muß von der Wahrheit Wahrscheinlichkeit verlangt werden denn nur so kann sie vom Menschen als Wahrheit erkannt werden. Eine vollkommen unwahrscheinliche Wahrheit ist unerkennbar.
Wie oben schon geschrieben, die komplette Glaubwürdigkeitsprüfung kann ich hier nicht widergeben. Jedoch wenn Du den Weg der Wahrheitssuche gehen willst, dann empfehle ich Dir das o.g. Buch bzw. die Dissertation zu lesen.
LG; Nordrheiner