Ich habe im Laufe meines über 30jährigen Berufslebens viele Azubis kennengelernt, die nicht ihren Wunschberuf erlernen, sondern den, der für sie erreichbar war. Das sind Menschen, mit Selbstdisziplin, Vernunft und Selbstmotivation. Menschen, die eine Arbeit erlernen wollen, durch die sie selbst ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Die ein Einkommen oberhalb von Hartz IV erzielen möchten. Die vielleicht eine Familie gründen möchten. Die einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen möchten und nicht ewig dem unerreichbaren Wunsch nach ihrer absolut favorisierten Ausbildung nachhängen wollen.
Viele von denen sind mit ihrem erlernten Beruf heute zufrieden. Sie wissen, daß es letztlich darauf ankommt, eine sinnvolle Arbeit zu machen, die ihnen gelingt und sie nicht übermäßig über- oder unterfordert, für die sie so entlohnt werden, daß Ihr Lebensunterhalt gesichert ist, bei dem Arbeitsschutz eingehalten wird und das soziale Umfeld ok ist.
Wenn Du danach schaust, kommen sicher mehr als 2 Ausbildungsberufe in Betracht.
Natürlich ist es eine Möglichkeit weiter zu hoffen und deine Enttäuschung und Wut auf das Leben, daß Dir einen Einstieg verwehrt zu züchten und provokant aufzutreten. Und vermutlich die nächsten Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte in der aktuellen Lage zu verharren. Du bist ein erwachsener Mensch. Das ist Deine Entscheidung. Du kannst Dein Leben so führen, daß Du Vorstellungen entwickelst und wartest, bis aus Deiner Sicht alles paßt und genau der richtige Arbeitgeber Dich in einem Deiner 2 Wunschberufe ausbildet. Du mußt allerdings realistisch anerkennen, daß die Wahrscheinlichkeit, daß Du bei Deinem Lebenslauf und Deinem Auftreten eine Ausbildung bekommst, in der es viele andere Bewerber gibt, sehr gering ist. Aber es ist ok, so zu leben, wenn Du das möchtest und weiter an deinen Vorstellungen und Deinem Verhalten festzuhalten.und auch an Deinem Lebensende zu beklagen, daß niemand Dir das geboten hat, was du vom (Berufs-)Leben erwartet hast und deshalb die anderen Schuld sind, daß Dir so vieles im Leben verwehrt wurde.
Du könntest auch anders handeln und heute Veränderungen vornehmen, an Deiner Erwartungshaltung, an Deinem Auftreten, an Deiner Kompromißfähigkeit etc. Es ist Dein Leben. Du mußt so nicht bis an Dein Lebensende weiterleben.