AW: Freundin meldet sich nciht mehr
Ich kenne beides: Kontakte, in denen ich sehr verletzt, ausgenutzt oder im Stich gelassen wurde und Freundschaften, die auch solche sind.
Wenn jemand eine Freundschaft nur als Mittel zum Zweck sieht oder einen vermeintlichen Freund/in ausnutzt, dann war es streng genommen keine wirkliche Freundschaft. Auch wenn man jemanden ganz easy abschreiben kann, weil man die Person nun nicht mehr braucht oder irgendetwas nicht mehr passt.
Ich finde es also auch immer wichtig zu unterscheiden, warum jemand "Freundschaften" eingeht. Oder wie er das definiert. Ich kenne Leute, die haben nur Freunde als Lückenbüßer nach Trennungen von Beziehungen gebraucht und wenn jemand Neues am Start war, waren die Freunde wieder komplett abgeschrieben oder überhaupt nicht mehr so wichtig. Ich kannte auch Leute, die haben sich Freunde nur gesucht, um dann abzuchecken, ob da eine Partnerschaft und Verliebtheit möglich war und wenn dann eine Beziehung aus einer Freundschaft wurde, war vermutlich das Ziel erreicht und alle anderen Freunde auch wieder abgeschrieben. Es gibt auch Leute, für die sind Freundschaften irgendwas Nettes, was beiläufig immer nebenbei herläuft und ganz einfach abgeschrieben werden kann, ohne jegliches Gespräch oder Rückmeldung, wenn man keine Lust mehr hat. Oder wo man sich dann einfach mal ein halbes Jahr nicht mehr meldet und nicht reagiert. Das ist okay, solange die Leute glücklich damit sind. Nicht mehr okay ist es, wenn zwei verschiedene Ansichten über Freundschaft mit verschiedenen Erwartungshaltungen aufeinander treffen. Denn dann ist die Gefahr groß, dass man verletzt wird.
Und sorry, wenn jemand es nicht mal schafft, die Kragenweite zu besitzen jemanden zumindest schriftlich wissen zu lassen, dass man keinen Kontakt und keine Freundschaft mehr möchte - das ist so jemand doch nicht wert, dass man so jemanden hinterher trauert.
Ich fände es auch schade, als Schlussfolgerung aus manchen Verletzungen zu ziehen, dass man nie wieder Freundschaften aufbauen oder sich dahingehend öffnen will. Ich finde Freunde sehr wichtig. Und ich persönlich brauche im meinem Leben noch andere Beziehungen, außer eine Liebesbeziehung.
Wenn man sich komplett verschließt, dann ist das erstmal Selbstschutz. Aber gleichzeitig tut man sich nichts Gutes damit. Es ist aber völlig okay zu sagen, man möchte erstmal seine Wunden lecken und das Verarbeiten und will sich deswegen nicht neuen Kontakten zuwenden.
Die Kunst ist es denke ich, rechtzeitig zu merken, ob es eine Nutzfreundschaft ist, man nur Lückenbüßer oder sonstwas ist, oder nicht. Oder welchen Wert Freundschaft beigemessen wird vom anderen. Und ich finde, das geht ganz gut, wenn man zumindest am Anfang einer beginnenden Freundschaft nicht alles sofort von sich preisgibt oder ständig hilfsbereit ist. Liest sich vielleicht hart. Aber das ist so das, was ich im Laufe der Zeit gelernt habe. Und damit fahre ich ganz gut. Natürlich bin ich offen und hilfsbereit, aber wenn jemand ständig Hilfe braucht oder die einfordert, oder "nehmen" will, ohne irgendwie auch mal etwas zu geben, dann werde ich misstrauisch. Meistens war es nämlich in der Vergangenheit dann so, dass die Freundschaft nur Mittel zum Zweck war oder ich abgeschrieben wurde, wenn das Leben wieder besser lief oder die Probleme beseitigt waren.
Natürlich vertrete ich die Meinung, dass man nicht immer alles ganz genau aufrechnen sollte unter guten Freunden. Geht auch meistens gar nicht. Und Freundschaft ist ja auch kein Tauschgeschäft. Aber es sollte eine gewisse Ausgeglichenheit und Anerkennung herrschen.
Ich denke, so einfach ist das oft gar nicht mit der Freundschaft. Nicht alle Menschen passen für eine Liebesbeziehung zusammen und nicht alle tun es für eine gute Freundschaft. Und so wie mit einem Partner in einer Beziehung nicht alles sofort rund läuft oder ein großes Grundvertrauen da ist, so ist das auch bei beginnenden Freundschaften häufig so. Auch hier muss das irgendwie wachsen und man muss sich kennenlernen. Der Begriff "Freundschaft" ist gerade im Zeitalter der Konsumgesellschaft und des Internets mittlerweile etwas verschwommen. Ich kenne Leute, die sagen, sie haben einen Haufen "Freunde" - weil sie mit denen oft Party machen gehen oder man sich ab und zu locker sieht. Aber sonst spielen diese Freunde keine größere Rolle im Alltag und im Leben und der ganze Kontakt ist lose und locker. Manchmal sehen diese Freunde sich dann auch nur alle heilige Zeiten mal und haben auch sonst so kaum bis gar nicht Kontakt miteinander. Wo wir auch wieder dabei wären, dass viele Freundschaft verschieden definieren, denn für mich wäre sowas maximal eine nette Bekanntschaft, mehr nicht.