Gottes Wille ist in uns und wird uns über das Gewissen den Weg zeigen, sagen manche Menschen. Klingt auch gut, steht sogar irgendwo in der Bibel, aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Es gibt soviele Störquellen, das eine Eichung oder Ausrichtung nicht mehr gewährleistet ist.
Das Gewissen wird immer wo funktionieren, nach was es ausgerichtet ist, und das kann wiederum jeder Mensch beeinflussen.
Es gibt aber auch Methoden, mit denen man die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, dass
Gott und kein anderer über das Gewissen zu uns spricht. Zeiten der Stille und der Meditation sind dazu sehr hilfreich.
Mir persönlich haben die Tipps in den Büchern von Pater Anselm Grün sehr geholfen. Er betont, dass es in jedem Menschen einen innersten, unverletzlichen Kern gibt. Das ist der Raum, in dem Gott wohnt und aus dem, wie Grün es in etwa ausdrückt, eine unerschöpfliche Kraftquelle sprudelt. Diesen Raum in sich kann man erreichen, wenn man ganz still wird, jegliche Störungen von außen ausschaltet und
nichts denkt, nicht mal bewusst betet. Überhaupt finde ich die gesamten Lehren des hl. Benedikt von Nursia höchst interessant und hilfreich, auch für den heutigen modernen Menschen.
Dazu muss man sich nicht mal zu Einzelexerzitien in ein Kloster zurückziehen; denn da - so wirst du mir vorhalten - würde man ja nur wieder von dem Leiter oder der Leiterin der Exerzitien beeinflusst.
😉
Ich habe als Jugendliche kurz vor dem Abitur allerdings mal Exerzitien mitgemacht - dabei übrigens auch den schon in einem anderen Thread erwähnten heutigen katholischen Priester und Moraltheologen Peter Schallenberg (mein Jahrgang) kennengelernt - die ich unter dem Gesichtspunkt, eine besondere Nähe zu Gott zu finden, bis heute in bester Erinnerung habe. Sie wurden von Franziskanerpatres geleitet.
Sicher gibt es aber auch andere hilfreiche Methoden, die muss jeder Interessierte für sich selbst finden.