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Zukunftsängste, Selbsthass, Selbstzerstörung

F

Frau Reich

Gast
Hallo,
ich habe momentan eine mittelschwere Lebenskrise und weiß nicht mehr weiter.
Ich habe im Juni mein Abitur gemacht, und da ich extreme Versagensängste habe und mich wegen der Prüfungen derart gestresst habe, hatte ich drei Wochen vor den Schriftlichen einen psychischen Kollaps, der schließlich und endlich in einem impulsiven und völlig unbedachten Suizidversuch endete. Ich bin danach in einer Psychiatrie wieder aufgewacht und musste von dort aus und bis oben hin voll mit Angstlösern und Sedativa meine Prüfungen nachschreiben. Ist trotzdem ganz ordentlich geworden, aber danach wusste ich immer noch nicht, was "jetzt nach der Schule noch groß kommen soll". Eigentlich wollte ich Journalistin werden, aber da ich ja nachgewiesenermaßen mit Stress nicht sonderlich gut umgehen kann, zumindest nicht über längeren Zeitraum, habe ich mich auf Drängen meiner Familie und Ärzte für einen Studienplatz in Pharmazie beworben und bin auch angenommen worden.
Dafür musste ich aber von Köln nach Hamburg ziehen und ich schaffe es einfach nicht, mich hier richtig einzuleben, im Gegenteil - ich fühle mich hier eingesperrt und gebunden und ich mag die Stadt nicht und habe Heimweh. Hinzu kommt, dass meine Eltern, zu denen ich ohnehin ein sehr schlechtes Verhältnis habe und die damals darauf bestanden haben, dass ich studieren soll, von heute auf morgen beschlossen haben, mich nicht weiter zu finanzieren. Bafög ist aufgrund der finanziellen Situation meiner Familie nicht drin und ein Stipendium würde ich, wenn überhaupt, erst im nächsten Jahr bekommen. Ein Kredit ist mir zu riskant. Entsprechend muss ich mich jetzt auch noch mit juristischen Maßnahmen gegen meine Eltern herumschlagen, kann die Studiengebühren nicht bezahlen und sitze allein in einer völlig fremden Stadt fest. Mein Freund unterstützt mich nach Kräften, soweit das von Köln aus eben möglich ist, aber zu allem Überfluss kommt er jetzt auch noch auf die Idee, mich heiraten zu wollen und ich bin mit der ganzen Situation überfordert. Nicht, dass ich das nicht in Betracht ziehen würde, aber ich finde, er hat jemanden verdient, der nicht so feige ist, vor jeder Prüfung sterben zu wollen und der nicht in seinem Leben nur versagt hat...
Nächste Woche habe ich eine Vorprüfung in anorganischer Chemie, für die ich bis jetzt doppelt so viel gelernt habe wie für mein Abitur und so langsam stoße ich hier psychisch und körperlich an meine Grenzen. Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll, und gerate immer mehr in eine alte Gedankenspirale: Ich kann nichts, ich bin zu müde, um hier um irgendwas zu kämpfen, ich bin dumm, ich bekomme keine Anerkennung, das hat alles keinen Sinn und selbst wenn ich jetzt nicht versage, werde ich es trotzdem nie zu etwas bringen.
Jetzt steht die Option im Raum, das Studium abzubrechen und entweder eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin zu machen oder, da ich mich bereits ehrenamtlich im Sanitätsdienst engagiere, meinen Sanitäter zu machen und dann in dem Job alt zu werden, ohne jemals irgendwas mit diesem beschissenen Abitur angefangen zu haben. Ich kann auch weitermachen, aber ich weiß nicht, wie lange ich das jetzt noch durchhalte und ob ich nicht spätestens beim Staatsexamen völlig zusammenbreche und vor allem habe ich völlig vergessen, was ich mal vom Leben wollte.
Ich brauche ganz dringend Hilfe.
 

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L

Lenja

Gast
Was mir bei dir auffällt, liebe Frau Reich, dass ist deine extreme Ausrichtung auf die Zukunft.
Du opferst dich ihr beinah völlig auf und auch dein Hier und Jetzt scheint kaum eine Bedeutung für dich zu haben. Daher rühren wahrscheinlich auch deine Versagensängste, wenn du eine Leistung im Bezug auf die Zukunft erbringen sollst, und der emotionale Druck, der dich dabei überfordert.

Beginne bewusst zu leben - in jeder gegenwärtigen Minute und Stunde, gebe auch deinem Hier und Jetzt ihre Wichtigkeit und Bedeutung, gestalte und genieße sie. So wird das Gewicht der Zukunft leichter und du kannst sie entspannter planen und dich darauf vorbereiten. Verliere nicht so viel Leben an die Zukunft. :)

Alles Gute,
Lenja
 

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