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Zu dumm für die einfachsten Arbeitsabläufe

J

Jasmin_30

Gast
Guten Abend zusammen.

Ich bin 30 und weiblich und habe das große Problem, dass ich früher oder später aus jedem Job rausfliege, weil ich schlicht und ergreifend zu dumm zu sein scheine. Jedenfalls kann ich mir das nicht anders erklären.

Gelernt habe ich Bürokauffrau, habe bereits im Sekretariat, am Empfang und in der Datenerfassung gearbeitet und eigentlich machen mir diese Tätigkeiten auch Spaß. Jedoch vergesse ich so oft die simpelsten Arbeitsabläufe, dass ich mir damit schon häufig Ärger eingehandelt habe. Ich verschicke z.B. häufig Briefe, ohne vorher eine Kopie zu machen, obwohl das ausdrücklich gewünscht war und ich diese Abläufe schon 100x gemacht habe. Ich vergesse, Kunden zurückzurufen, obwohl die Notiz dazu dick und fett an meinen PC-Bildschirm geheftet ist.
Selbst wenn ich mir, bevor ich eine routinierte Aufgabe erledige, noch lang und gründlich überlege, ob etwas fehlt und ob ich alles richtig gemacht habe, vergesse ich wichtige Zwischenschritte, die mir in dem Moment einfach nicht einfallen.

Klar schreibe ich mir diverse Arbeitsschritte auf, aber es kann ja auch nicht angehen, dass ich für wirklich ALLES ständig irgendwelche Notizen mit mir rumschleife, als wäre ich der letzte Vollidiot. Einmal stand ich vor dem Kopierer und habe allen Ernstes vergessen, wie dieser funktioniert, einfach so. Dabei ist kopieren ja nun bei Weitem alles andere als ein Hexenwerk.
Und ich stand davor, als hätte ich so ein Gerät noch nie im Leben gesehen und konnte mich einfach an nichts erinnern.

Da ich in den meisten Büros schon in der Probezeit gekündigt werde, habe ich mir überlegt, einer einfacheren Tätigkeit nachzugehen, wo ich nicht mehr so viel Unheil anrichten kann, weil es vielleicht nicht so viel falsch zu machen gibt.
Ich habe dann angefangen, mich auf alle möglichen Helfertätigkeiten zu bewerben und landete in der Seifenproduktion.
Da ging das Dilemma dann von vorne los.

Ich stand am Fließband und musste jeweils 6 Seifen in einen Karton packen und einen Aufkleber auf diesem anbringen. Ihr wisst sicher, was jetzt kommt. Irgendwann habe ich schlicht und ergreifend die Aufkleber vergessen, oder ich habe plötzlich vergessen, wieviele Seifen nun in den Karton müssen und habe dann mehrere Stunden lang nur 5 statt 6 eingepackt und war mir 100%ig sicher, dass das so richtig ist. Zudem habe ich an massenweise Kartons die Aufkleber vergessen.

Das Ganze war ein Auftrag von einem langjährigen Großkunden und fiel erst auf, als die unvollständige Ware bei ihm ankam und es gab dann natürlich ein riesen Theater und ich bekam riesen Ärger.

Ich bin sowas von ratlos und verzweifelt, weil ich mir wirklich Mühe gebe, aber ich VERGESSE einfach alles und das Schlimme ist, ich weiß ja nichtmal, dass ich es vergessen habe, wie z.B. mit den Seifen. Irgendwann fing ich einfach an, nur noch 5 in den Karton zu stecken statt 6 und war mir sicher, dass ich es nie anders gemacht habe.

Was ist mit mir los? Kennt jemand von euch diese Symptome?
 

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Silent Heaven

Mitglied
Liebe Jasmin,

manchmal fühle ich mich annähernd wie du. Zwar nicht in dem Ausmaße, aber es geht schon in die Richtung. Auch ich vergesse manchmal die einfachsten Dinge, Dinge, die ich schon hundertmal gemacht habe. Ich bin generell vergesslich und mache mir immer extra Notizen, versuche stets, alles im Überblick zu behalten, da ich weiß, dass ich so schusselig bin. Ich komme mir ebenfalls manchmal einfach zu dumm für diese Welt vor, auch, wenn diese Sicht auf mich selbst vielleicht gar nicht so realistisch sein mag. Ich bin ein chaotischer, verpeilter, vergesslicher Charakter.

Deine Schilderungen klingen nach einem großen Leidensdruck für dich. Es ist verständlich, dass du nun zweifelst. Aber weißt du was? Diese Zweifel an dir selbst werden dir nicht helfen, deine Situation zu verbessern. Vielmehr sehe darin die Gefahr eines Selbstläufers. Hast du schon einmal etwas von selbsterfüllender Prophezeihung gehört? Die Macht des Unterbewusstseins und die Sicht auf sich selbst, auch bewusst, haben viel mehr Einfluss auf uns, als wir glauben. So schnell kann das eigene Selbstbild alle Potentiale, die man hat, verbauen, alle Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zunichte machen. Du fühlst dich deswegen sicher oft mut- und kraftlos. Und verständlicherweise bauen sich Ängste auf, jedes Mal, wenn du eine neue Arbeitsstelle antritts, immer dann, wenn du dich neuen Aufgaben gegenüber siehst.

Als kurzfristige Handlung würde ich dir raten, einmal mit deinem Hausarzt darüber zu sprechen. Vielleicht kann der dich an einen Facharzt überweisen. Möglicherweise sind deine Probleme Symptome eines Zustandes, der noch nicht erkannt wurde? Dies bedeutet, dass ein Arzt dir womöglich helfen könnte. Es könnten körperliche oder auch psychische Erkrankungen wie Depressionen hinter diesen Dingen stehen. Ich möchte hier nichts pathologisieren! Allerdings sollte man solche Punkte auch erst einmal ausschließen, bevor man weiter nach Ursachen forscht.

Wie lang geht dir das schon so? Seit deiner ersten Arbeitsstelle?

Wie lief es in der Schule? Hattest du Probleme? Welcher Art waren diese? Wurdest du bei diesen Dingen unterstützt? Wenn ja von wem und wie?

Hast du auch Konzentrations- und Merkschwierigkeiten, wenn du dich im privaten Umfeld bewegst? Wo nimmst du diese Dinge auch außerhalb deiner Arbeit wahr?

Gab es Momente in deinem Leben, in denen du dich sehr gut konzentrieren konntest, du "in deinem Element" warst, dich wohlgefühlt hast? Was waren das für Momente, wann hast du sie erlebt?

Gibt es derzeit Probleme, die dich belasten- außer dieser Sache? Gab es belastende Ereignisse, als diese Symptome zum ersten Mal auftraten? Oder war es womöglich tatsächlich so ein Teufelskreis: Manche Menschen sind einfach von Natur aus schusseliger. Dazu gehöre auch ich. Leider. Nun sollte man aber lernen, gelassen und nicht abwertend mit sich selbst umzugehen, gerade in solchen Situationen. Womöglich hast du dich von Anfang an in diese Sache hineingesteigert und so wurde es immer schlimmer?

Ich kann dir nur sagen, du hast mein tiefes Mitgefühl. Das ist sicher sehr belastend für dich. Aber verzweifle nicht an deiner Situation. Ich denke, ein wichtiger Schritt ist auf jeden Fall die Selbstakzeptanz. Mache dir klar, dass du deine Stärken hast, mache dich nicht nur nieder. Sonst wirst du nicht vorankommen. Niemand kann sein Potential entfalten, wenn er nicht mit sich selbst im Reinen ist. Und solche Dinge machen es einem ja mitunter schwer, sich selbst zu vertrauen. Hast du auch Probleme damit?

Ich hoffe, es können noch ein paar weitere User hilfreiche Kommentare geben.

Einen schönen Abend.

S.
 

Invvo88

Aktives Mitglied
Hi TE,

ich hab früher ehrlich gesagt ähnlich viel vergessen. Mit einem Unterschied - ich für meinen Teil hab festgemacht, dass manche Tätigkeiten mich schlicht so arg unterfordern, dass ich mir vorkomme wie im Wachkoma.

Irgendwann schaltet sich da oben etwas ab - das ist der richtige Zeitpunkt um:
a) eine Pause zu machen
b) irgendwas tun um den Puls hochzukriegen
c) sich einer anderen Aufgabe zuzuwenden

Und ganz nebenbei - ich hab mir auf der Basis auch einen abwechslungsreicheren Mix an Tätigkeiten geben lassen. Ist ja nicht nicht Sinn und Zweck der Sache, dass dir sogar das Gehirn bei der Arbeit einschläft. Und wenn ich bei meiner Einschätzung richtig liege wärst du an anderer Position auch ein echter Gewinn auf der Arbeit...

Ich finde jedenfalls dein Selbsturteil echt übel - denn auf Basis deines Textes hier kann das schlicht nicht stimmen.

Probier es mit einem Arzt - finde Sachen, die dafür sorgen, dass du wach bleibst - aber mach dich nicht selbst so fertig - sonst endest du ganz genau so, wie du über dich denkst. Und das wäre echt schade.

LG
 

Adria78

Aktives Mitglied
Mir geht es wie Dir oder Invvo: Wachkoma beschreibt das Ganze sehr gut. Wenn ich zu viele, zu lange Routinearbeiten machen muss, werde ich irgendwie schlonzig. Ohne böse Absicht. Ich fange einfach an nachlässig zu werden. Vergesse dann das offensichtliche. Ich denke, das ist mehr Unter- als Überforderung. Vielleicht brauchst Du wirklich einen anderen Job. Einen, wo Du unter Strom stehst, viel reagieren muss und gefordert wirst. Wie ist es privat? "Blühst" Du unter Streß auf?
 

Kolya

Aktives Mitglied
dass manche Tätigkeiten mich schlicht so arg unterfordern, dass ich mir vorkomme wie im Wachkoma.
Spätestens als ich gelesen habe, daß Du Dir einen Job mit einer einfacheren Tätigkeit suchst, dachte ich, daß Deine Unterforderung nicht gerecht wird.

Mir passiert genau das gleiche. Nach meinem Abitur habe ich übrigens auch aus der Not heraus Bürokauffrau gelernt. Irgendwie zu spät beworben, gut ich konnte im 2. Lehrjahr anfangen und habe auch noch die Prüfungen vorgezogen. Alle saßen da den ganzen Vormittag an den Abschlußprüfungen, ich war meistens nach 1 Stunde fertig und habe mir einen schönen Vormittag gemacht und trotzdem mit einer 2 abgeschlossen.

Als Azubi habe ich NUR Fehler gemacht. Ich habe die ganze Ablage durcheinander gebracht. Buchhaltung war dann okay, ein bißchen Niveau.

Warum hast Du Dich nie fortgebildet.

Suche Dir eine anspruchsvolle Tätigkeit und Du wirst sehen, wie Dein Arbeitsleben flutscht.

Liebe Grüße

Kolya
 

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