Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

wollt' mir nur was von der Seele schreiben..

Singvogel

Mitglied
Ich habe nicht mal eine bestimmte Frage, kein Anliegen, kein Problem, das sich irgendwie lösen ließe. Ich möchte mir einfach etwas von der Seele schreiben.


Mir ist das gerade alles zu viel. Es ist, als würde ich jetzt merken, dass ich seit Jahren einen Rucksack trage, der eigentlich zu schwer für mich ist. Ich hasse es, meine Mutter zu pflegen. Es tut mir weh und es geht mir schlecht dabei. Dabei bin ich nicht mal die Hauptpflegeperson. Zum Glück. Und jetzt, wo bald wieder ein paar Tage 24 Std. Pflege auf mich zu kommen, bin ich am Boden zerstört. Ich habe Ängste, fühle mich hilflos und allein gelassen. Außerdem mache ich mir Sorgen um meinen Vater, der zu XY fährt und ihn mit seinen Taten konfrontieren möchte. Nein, eigentlich habe ich sogar eine Scheißangst davor. Wie wird er reagieren? Wird er meinen Vater angreifen? Ich würde es diesem Scheißkerl, der so viel von meinem Leben zerstört hat, zutrauen. Während mein Vater also dort ist, werde ich wieder meine Mutter pflegen. Ich habe so Angst davor. Ich möchte lieber andere Dinge tun, möchte diese Sorgen nicht mehr haben. Und dass mein Partner mich nicht versteht, verletzt mich auch irgendwie. Ich fühle mich gerade sehr, sehr allein. Es ist so tragisch, zu wissen, dass meine belastende Situation mit dem Tod meiner Mutter – zumindest was die Pflege, die Sorge um sie, das ständige Zur-Verfügung-Sein-Müssen, die ständige Belastung und Anspannung – zu ende wäre. Es streiten sich die Gefühle. Meine Urangst, dass meine Mutter stirbt, gegen die Angst, dass ich an der Situation zugrunde gehe. Zur Zeit fehlt mir irgendwie der Halt. Ich bin nicht so stark, wie ich vorher war. Ich bin ständig nervös, fahre bei kleinsten Geräuschen erschrocken zusammen, habe oft Kopfschmerzen und bin total hibbelig. Die Menschen, denen ich mich bisher anvertraut habe, verstehen mich nicht – kein Wunder, kennen sie diese Situation ja auch nur vom Hörensagen. Ich weiß nicht, wohin es mir mir geht, keine Ahnung, wie ich das alles schaffen soll. Ich bin müde.
 

Anzeige(7)

K

kasiopaja

Gast
Zumindest was die Pflege der Mutter angeht, könntet ihr Euch alle mit der Einstellung einer 24-Stunden-Kraft, beispielsweise aus Osteuropa extrem entlasten.

Es besteht auch die Möglichkeit einer Kurzzeitpflege, wenn alles zu viel wird.

Einige Aufgaben, zum Beispiel das Einteilen der Medikamente , muss man nicht selbst übernehmen. Das kann man extern, gegen die Vorlage eines entsprechenden Rezepts für die Krankenkasse, von anderen erledigen lassen.

Was hat die Mutter denn und welchen Pflegegrad hat sie?
 

Wiarka

Mitglied
Es klingt nach einer sehr grossen seelischen Not, liebe Singvogel...

Ich habe versucht mich in sie einzufühlen und mir scheint, es sind wahrscheinlich nicht nur die konkreten äusseren Umstände, die deinen Rucksack so unerträglich schwer machen, sondern auch ein Übermass an Sorgen, und Verantwortung, die sie in dir auslösen.

Wenn du dich dabei so alleine fühlst, könnte es bedeuten, dass die anderen nicht bereit sind, genauso viel Sorgen und Verantwortung zu tragen und diese mit dir nicht ganz teilen.

Auch deine Angst könnte etwas persönliches sein, - deine eigene starke Reaktion auf die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit menschliches Daseins, die du besonders intensiv bei Krankheit deiner Mutter erleben musst und auch auf die Hilflosigkeit gegenüber mächtigen Kräften, die diese bewirken.

Aber vielleicht gerade die Erkennung und Anerkennung dieser Hilflosigkeit könnte dir die ersehnte Erleichterung bringen? So könntest du etwas von diesem Gewicht loslassen und die Situation mehr ihrem natürlichen Lauf überlassen, den die Kräfte, die starker sind als du bestimmen.

Ich wünsche dir vom Herzen diese Erleichterung.
 
K

kasiopaja

Gast
Ich habe versucht mich in sie einzufühlen und mir scheint, es sind wahrscheinlich nicht nur die konkreten äusseren Umstände, die deinen Rucksack so unerträglich schwer machen, sondern auch ein Übermass an Sorgen, und Verantwortung, die sie in dir auslösen.

Man kann es sich aber tatsächlich durch externe Hilfe leichter machen. Dann ist schon mal ein Teil der Last abgenommen.

So eine Pflege kann einen erdrücken. Da muss man zusehen, dass man sich Luft verschafft. Sonst geht man unter.
 

1Blume

Mitglied
Hallo lieber Singvögel,
erstmal spreche ich dir mein Respekt aus,Das du deine Mutter zu Hause pflegst. Es zeigt aber auch,das du ein Herz hast.
ich weiß wie schwer so was ist. Es gehört Wahnsinnig viel Kraft und Ausdauer dazu, und ich ziehe immer wieder denn Hut, vor solchen Menschen. Ich kann dir auch nur denn Tipp geben, dir Hilfe zu holen. Es gibt viele Organisationen, die dich beraten, und unterstützen. Werfe Ballast ab, bevor er dich ganz runterzieht. Du musst zwischen durch mal wieder Kraft tanken, und was für dich tun. Sonst ist irgendwann die Batterie.
Grus und viel Kraft
Wünsche ich dir.
 

Singvogel

Mitglied
Hallo alle,

vielen Dank erstmal für eure Antworten.

Vorweg einmal an "powerflower": leider kann ich Dir keine PN schreiben. Wenn dieses Problem beseitigt ist, können wir gerne schreiben.

Meine Mutter hat Pflegegrad 5, kann gar nichts mehr selber machen. Also wirklich nichts. Nada. Das ist schon viele Jahre so, ich bin quasi damit groß geworden. Ihr Zustand wird in den letzten Jahren schleichend immer schlechter und schlechter.

Leider möchten meine Eltern keine zusätzliche Pflegekraft, erst recht keine 24-Stunden-Kraft. Sie haben so ihren Alltag und möchten nicht, dass da jemand "Außenstehendes" rein"pfuscht". Letztendlich können und wollen die beiden einfach keine Hilfe annehmen. Wenn ich allein für meine Mutter zuständig bin, bestehe ich immer darauf, dass ein Pflegedienst morgens und abends zur Körperpflege und zum Transfer kommt. Den Rest der Zeit, Tag und Nacht, sind dann entweder mein Vater oder ich da. Sie könnte jederzeit krampfen. Daran ist sie letztes Jahr fast gestorben. Das ist unfassbar belastend. Jede Kleinigkeit muss ihr abgenommen werden. Es ist einfach die Hölle, es zerfrisst uns alle irgendwie. Ich als Tochter muss mehrmals täglich meine Schamgrenze überschreiten, wenn ich bei meiner Mutter Einlagen wechsel.

Was mir außerdem so schmerzt, ist, dass ich meiner Mutter, die ich sehr liebe, dabei zusehen muss, wie sie leidet. Ich kann ihr nicht wirklich helfen. Sie hat chronische Schmerzen. Sie kann nichts mehr selbstständig tun. Sie kann nicht sprechen. Sie hat furchtbare Angst vor dem Sterben - da mein Vater darüber nicht sprechen möchte, "muss" ich dann mit meiner Mutter darüber sprechen. Über ihre Wünsche (Notartzt / Wiederbelebung ja / nein?) und Ängste (Schmerzen beim Sterben etc.). Das sind nicht die Gespräche, die ich gerne mit meiner Mutter führen würde. Ich war noch NIE unbeschwert mit ihr Eis essen, in der Stadt unterwegs oder irgendwo anders. Ging einfach nicht. Geht nicht. In mir drin ist immer noch der kleine Singvogel, die das alles gerne hätte und die darum trauert, dass sie es nie wird haben können.

Durch die Krankheit wurde uns so viel genommen. Meine Mutter lebt und ist da, sie konnte jedoch nie ihren "Aufgaben" als Mutter nachgehen. Vielmehr fand ein Rollentausch statt. Als kleines Mädchen habe ich sie getröstet wenn sie weinte. Sie weinte viel, da sie um die Folgen ihrer Krankheit bescheid wusste (wobei niemand gedacht hat, dass die Krankheit bei ihr so unfassbar gnadenlos zuschlagen würde). Die kleinen Aufgaben, die es Anfangs waren, wurden mit den Jahren immer größer, ohne dass wir es wirklich bewusst wahrnahmen.

Es ist irgendwie ein echtes Trauerspiel, wie wir alle versuchen, vor ihr stark zu sein und innerlich langsam zerbrechen.

Mein Vater will mir Vollmachten ausstellen für ihn und für sie. Falls ihm mal was passiert. Das ist ein so furchtbarer Gedanke.

Ich bin 28, möchte eigene Kinder, habe eine Stieftochter. Wie soll ich das denn alles unter einen Hut bekommen???
 

Miss-Verständnis

Aktives Mitglied
Hallo Singvogel,

Da trägst du ein sehr großes Päckchen auf deinen Schultern.

Manchmal gibt es in den regionalen gemeinden und Kirche Angebote für Angehörige, ggf auch Selbsthilfegruppe.
Der Vorteil, die sind vor Ort.
Auch halte ich eine Seelsorge- begleitung für sinnvoll.

Im übrigen,sende ich einfach mal eine mitfühlende Umarmung !

Liebe Grüße
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
J Was stimmt nicht mit mir. Ich 3
Schneesturm keiner will etwas mit mir zu tun haben Ich 16
U Therapeutin ist überfordert mit mir Ich 13

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Gastraum
Regeln Hilfe Benutzer
  • Im Moment ist niemand im Chat.
  • Chat Bot:
    Raumnachrichten wurden entfernt!

    Anzeige (2)

    Oben