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Wiederkehrendes Grübeln nach großem Fehler - praktische Tipps/Hilfe/Erfahrungen?

dell543

Neues Mitglied
Hallo zusammen!

Erstmal möchte ich mich bedanken, dass hier so viele aktive User sind, die anderen helfen! Ich finde das wirklich ein ehrenwertes und tolles Engagement, und ich möchte mir fest vornehmen, dass vor allem wenn es mir wieder besser geht und ich fester im Leben stehe, ich es ein Stück weit auch als meine Berufung ansehen will, anderen engagiert zu helfen.

Dann kurz schonmal, wie ich ins Gespräch mit euch kommen möchte: Habt ihr Erfahrungen mit groben Fehlern, die ihr gemacht habt, die euch quälen und völlig aus der Bahn werfen? Könnt ihr Hoffnung geben? Was habt ihr für Tipps gegen quälendes Grübeln? Teilt gern eure Erfahrungen, gern vor allem in der praktischen Richtung, für Therapien in Richtung Psychoanalyse bin ich momentan leider nicht so reif, siehe meine Geschichte.

Und noch kurz zu mir:
Momentan bin ich leider in einer Krise, in die ich sehr unnötig hineingestolpert bin. Ich bin angehender Lehrer, beginne bald mein Referendariat. An der Stelle könnte jetzt die unglaublich dumme Geschichte stehen, die ich erlebt habe und weswegen ich in die Krise gerutscht bin, ich hatte sie eben sogar nochmal ausformuliert, jetzt aber doch gelöscht. Denn ich will das eigentlich nicht nochmal durchkauen, habe das jetzt schon gefühlt drei Millionen Leuten erzählt, alle sagen das gleiche: Abhaken, weitermachen. War halt ein dummer und gravierender Fehler, den ich aus mangelnder Verantwortung und falschem Verständnis gemacht habe, aber ich habe schon so gut es geht versucht, das zu korrigieren und jetzt muss man es akzeptieren, dass es so ist und muss mit den Konsequenzen leben.

Und das ist das Problem, weswegen ich jetzt schreibe: Es fällt mir so verdammt schwer! Ich versuche Tagesstruktur aufzubauen, Sport am Morgen, wenn man sich etwas zwingt, tut es gut. Sport am Abend tut auch immer gut. Dazwischen nur ständig diese dummen Grübel-Anfälle. Es schleicht sich oft so ein. Und dann ist es so ein harter Kampf dem ganzen abzusagen. Hätte ich doch nur... Hätte ich hier und da und blablablaa... Es lenkt mich dauernd ab, in meinem Nebenjob, im Alltag, bei Freunden - eigentlich überall. Ich will innerlich nicht akzeptieren, dass das jetzt so die Realität ist – vor allem wenn ich es doch auch so leicht hätte vermeiden können.

Auf Medikamente hab ich keine Lust, hatte vor 9 Jahren mal eine Krise gehabt (seitdem stabil, auch deswegen ärgert es mich so), und da alles mögliche ausprobiert, das hatte mir nicht besonders geholfen damals.

Aus der Krise damals weiß ich allerdings, dass ich mir nur selbst helfen kann und muss. Hatte damals alle möglichen Psychologen, Medikamente, Psychiater – manches war besser, manches schlechter. Geholfen hat dann vor allem Ablenkung, soziales Miteinander und eine neue berufliche Perspektive, womit ich dann Schritt für Schritt Akzeptanz finden konnte.

Ich bräuchte so etwas wieder, eine neue Perspektive, diesmal nicht beruflicher Art sondern, dass ich selbst über mich hinauswachse und lerne mit groben Fehlern gut umzugehen. Eine innere Selbstwertschätzung aufzubauen. Hat das jemand von euch schaffen können? Das in der Praxis versuchen umzusetzen ist so hart! Ich hoffe, dass ich hier etwas Hoffnung finden kann, dass ich etwas mitnehmen kann und es doch noch schaffen kann, mich aufzuraffen und in 3 Monaten noch ins Referendariat gehen zu können mit Mut und Selbstvertrauen. Dass ich nicht voller Scham und Selbstzweifel wie ein Klops vor den Schülern stehe, sondern wieder mit Selbstachtung und ihnen etwas mitgeben kann. Letztlich muss ich es schaffen, mein Leben wieder Stück für Stück mehr selbst in die Hand zu nehmen.

Wenn euch etwas einfällt, ihr Tipps habt oder auch nur etwas Mut machen könnt – ich freue mich und möchte nochmal bedanken – bleibt weiter aktiv und helft, ich möchte das auch! :)

Liebe Grüße!
 

Northern Light

Sehr aktives Mitglied
Hallo und herzlich willkommen, Dell. So ganz ohne Hintergrund finde ich deine Frage ehrlich gesagt schwer zu beantworten. Für mich würde z.B. eine Rolle spielen, ob Dritte in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Ansonsten finde ich es immer hilfreich, sich vorzustellen, was ich empfinden würde, wenn jemand anders mir sein Herz über den betreffenden Vorfall ausschütten würde. Meist neigt man ja dazu, mit sich selbst viel strenger zu sein als mit anderen. Versuche, dir selbst mit der gleichen Nachsicht zu begegnen, die du auch bei einem guten Freund walten lassen würdest. Wo sollte der Unterschied sein?
 

unschubladisierbar

Aktives Mitglied
Um dir helfen zu können dich aufzuraffen, muss man erstmal wissen was dich nieder gerafft hat.
Wenn du es schon "3 Millionen" anderen erzählt hast, machen die paar Leute hier auch nichts mehr aus.

Für welches Fach, Schulform und Stufe wirst du unterrichten?
 

flower55

Aktives Mitglied
Hallo,
es loslassen, was immer auch damit verbunden ist.
Es akzeptieren.
Dich ablenken.

Jeden Gedanken, der Dich dahinführt, sofort "unterbrechen" und Dich
gedanklich mehr und mehr auf den Alltag konzentrieren.

Vergangenes ist vergangen. Du kannst das selbstverständlich immer wieder
mit Deinen eigenen Gedanken "füttern" und damit am Leben erhalten; doch
wem nützt es?
Lass es hinter Dir; bleibe gedanklich in der Gegenwart und schau
voller Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft.

Es sind Lebensprozesse, zu lernen, das Vergangenes auch vergangen ist und
irgendwann seinen Abschluss innerlich finden "muß"; sonst kann es sein, dass
es einen innerlich "zerstört" oder immer wieder nagend an die Oberfläche tritt.

Sich selber verzeihen für das, was passiert ist. Auch das eigene Verzeihen ist
ein Prozess. Vergangenes kann viel Kraft binden, die in der Gegenwart fehlt.

Setz Dich mit diesen Prozessen auseinander für Dich einen Weg zu finden, es
gut hinter Dir lassen zu können. Entwickle eigene Strategien. Möglich ist es.
Man muß es nur wollen und sich bewußt dafür entscheiden und danach
diszipliniert umsetzen.

alle Liebe
flower55
 

dell543

Neues Mitglied
Danke euch! :)

Zur Geschichte: Da muss ich zugeben, hab eben ich nochmal eine Stunde fast verbracht, die nochmal aufzuschreiben. Und habe sie jetzt trotzdem wieder gelöscht. Ich bitte euch, dass wir nicht darüber reden. Denn das Problem ist: Es wühlt immer wieder auf, ich gehe gedanklich dann immer wieder zurück. Ihr werdet dann wieder das gleiche sagen, was alles sagen: Es ist niemanden Leid angetan worden, außer vielleicht mir selbst.
Ich glaube, so komme ich nicht weiter. Denn das haben mir alle schon gesagt, ich kann es abhaken, es ist jetzt okay. Und das ist ein Muster, was ich immer wieder habe. Egal ob das jetzt gescheiterte Beziehungen sind, falsche Entscheidungen in Studium/Beruf/Alltag, Gesundheitsprobleme etc. etc. Das ist nur eine Hülle, für ein wiederkehrendes Problem, was mal mehr und mal weniger stark ist.

Ich kann mir so schlecht verzeihen und gehe so hart mit mir ins Gericht. Das ist das schwierige. Und das ist bei diesem etwas dümmeren Fehler jetzt so gewaltig schwierig. Ich verzeihe mir nicht. Es kommt immer wieder hoch. Mir fehlt die nötige Selbstliebe. Dass ich mir sagen kann: Junge, wir machen alle Fehler. Mach dich nicht selbst kaputt.

Vielleicht hat aber jemand von euch schon geschafft, sich so anzunehmen? Vielleicht auch nach einem schwereren Fehler? Dass ist vielleicht auch ein Stück dieser Mut den ich suche, dieser Glaube der Hoffnung machen kann. Dass es alles gut werden wird und man sich selbst verändern kann. Diese Erfahrungen fehlen mir etwas.

@flower55 Danke für die lieben Worte! Das ist das auf was es ankommt. Es wollen. Da bin ich gerade auf der Suche, dieses Wollen zu verstärken.

@unschubladisierbar Ich hoffe du kannst das etwas verstehen, warum ich die Story nicht nochmal aufrollen will. Ansonsten: Ich werde im Gymnasium unterrichten, 5-13. Klasse - also viele Altersstufen dabei :)

@Northern Light: Danke, genau so ist es. Ich versuche es auf jeden Fall! Beim nächsten Grübeln probier ich das mal mir vorzustellen, dass das ein Freund sagen würde.
 

unschubladisierbar

Aktives Mitglied
Es wühlt immer wieder auf, ich gehe gedanklich dann immer wieder zurück. Ihr werdet dann wieder das gleiche sagen, was alles sagen: Es ist niemanden Leid angetan worden, außer vielleicht mir selbst.
Ich glaube, so komme ich nicht weiter. Denn das haben mir alle schon gesagt, ich kann es abhaken, es ist jetzt okay. Und das ist ein Muster, was ich immer wieder habe.
Etwas zu verdrängen das bestimmte Verhaltensmuster verursacht ist nicht die Lösung des Problems sondern die Wurzeln des ganzen Übel.
 

dreampudelchen

Aktives Mitglied
Ich kann mir so schlecht verzeihen und gehe so hart mit mir ins Gericht. Das ist das schwierige. Und das ist bei diesem etwas dümmeren Fehler jetzt so gewaltig schwierig. Ich verzeihe mir nicht.
Ich denke, das ist der Grund, warum du immer wieder ins Grübeln gerätst und es nicht abhaken kannst.
Dir selbst zu verzeihen wäre ein wichtiger Schritt um den Fehler irgendwann loslassen zu können.

Wenn jemand anderes den Fehler gemacht hätte, nicht du selbst, was würdest du demjenigen raten?
 

flower55

Aktives Mitglied
Ich kann mir so schlecht verzeihen und gehe so hart mit mir ins Gericht. Das ist das schwierige. Und das ist bei diesem etwas dümmeren Fehler jetzt so gewaltig schwierig. Ich verzeihe mir nicht. Es kommt immer wieder hoch. Mir fehlt die nötige Selbstliebe. Dass ich mir sagen kann: Junge, wir machen alle Fehler. Mach dich nicht selbst kaputt.
Dass ist vielleicht auch ein Stück dieser Mut den ich suche, dieser Glaube der Hoffnung machen kann. Dass es alles gut werden wird und man sich selbst verändern kann. Diese Erfahrungen fehlen mir etwas.
Hallo,
wunderbar zusammengefaßt und es auf den Punkt gebracht. Den Kern, der vieles, vieles
umfaßt.
Sich selber verzeihen können. Nicht so hart mit sich selber ins Gericht gehen. Die fehlende
nötige Selbstliebe.
Wandle es: Verzeihe Dir. Sei liebevoll, gütig, sanft, geduldig mit Dir selber. Lass es nicht
mangeln an Selbstliebe.

Der Glaube, der Hoffnung wecken kann, dass alles gut werden wird, ist berechtigt und es
gibt ihn. Er ist in uns verankert. Wir tragen ihn in uns. Eigentlich ganz einfach.
Und doch bleibt der Mensch so gerne dem verhaftet, was so innerlich an ihm klebt und
was ihn selber kaputt macht.

Loslassen. Loslassen. Loslassen.
Lass das Alte los, damit das Neue Einzug nehmen kann in Deinem inneren zu Hause und
Du Dich mit Dir selber wohler und friedlicher, friedvoller fühlst.
Das sind Lebensprozesse, die mit zum Leben dazugehören.
Und es liegt an Dir, wann Du beginnst, Dich ihnen zu öffnen; wann Du Dir ganz bewußt
für Dich selber im Alltag Zeit dafür nimmst.
Du hast soviel Zeit für anderes. Soviel Zeit damit verbracht, Dich immer wieder selber zu
quälen. Entschuldigung für diese harte Formulierung. Ich gehe davon aus, daß Du das
für Dich selber auch weißt. Es macht Dich kaputt.
Und Du entscheidest, wann Du Dein Lebensruder für Dich in Deine eigenen liebevollen
und fürsorglichen Hände nimmst und es beginnst, aus Deinem Fahrwasser herauszu-
fahren. Dein Lebensboot, in dem Du sitzt. Du bestimmst die seelische Richtung, in die
Du fährst. Gegen die Lebensstürme läßt sich nichts ausrichten, die von außen auf einen
wirken und Vergangenes, was nicht so gut war, läßt sich nicht mehr verhindern.
Aber innerlich kannst Du vieles, vieles wandeln.
Mit jeder noch so kleinen winzigen seelischen Erfahrung in Richtung Selbstliebe
wirst Du neuen Mut gewinnen, wird Vertrauen und Hoffnung wachsen.

Wir Menschen sind jederzeit wandelbar in liebevollere eigene seelische Richtungen.

Die Entscheidung liegt einzig und alleine bei Dir; niemand kann Dir das abnehmen.
Niemand kann Dir die Zweifel oder die Befürchtungen nehmen, ob das überhaupt möglich
ist. Probier es einfach; habe den Mut dazu.

Letztendlich bleiben Dir nur zwei Möglichkeiten. Entweder Du "geiselst" Dich selber weiter
oder Du betrittst den liebevollen und fürsorglichen Pfad der Wandlung.

Sie Dir selber der allerliebste, fürsorglichste Freund auf Erden. Du bist immerhin 24 Stunden
mit Dir zusammen. Überseh das nicht. Sich nach innen wenden, dem zuwenden, was da
innerlich so tobt, wütet und brütet. Sich damit auseinandersetzen und Frieden finden.
Es ist ein Prozeß, der nicht von heute auf morgen geht; der seine Zeit braucht. Alles hat seine
Zeit. Alles ist gut.

alles Liebe
flower55
 

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