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Wie soll ich Aussenstehenden erzählen, das ich in Gewaltbeziehung war?

L

Lathi

Gast
Guten Abend an die Community,


Ich bin eine junge Frau und habe die letzten Jahre Beziehungsgewalt erlebt.
Viele Jahre.
In diesen Jahren hat dieser Mann, mein Selbstwertgefühl, mein Licht und einen großen Teil meines Wesens irreparabel verändert.
Ich habe das ganze Paket erlebt. Drohungen, angedrohte Gewalt gegen mich und meine Familie, Erpressung, Streit, Demütigung, ausnutzendes egozentrisches Verhalten, krankhafte Eifersucht in den ersten Jahren der Beziehung, Kontrolle, Dominanz und körperliche Gewalt.


Hinter mir klafft eine größere berufliche Lücke.
Ich frage mich, wie ich das alten Freunden oder Bekannten kommunizieren soll, wenn ich eines Tages wieder Kontakt mit ihnen aufnehme?
Oder dem nächsten Arbeitgeber ...
Man wird mich sicher fragen, wie es mir die letzten Jahre so ergangen ist und was ich erreicht habe.
Die haben alle mehr oder weniger ihre Berufslaufbahn ordentlich absolviert.
Ich weiss nicht, ob irgendein Mensch nachvollziehen kann was mir passiert ist, und welche Folgen das ganze für das eigene Leben hat.
Ich schäme mich für meine Geschichte, obwohl ich das wahrscheinlich nicht sollte.
Absolut niemand würde denken, das ich ein Opfer von Beziehungsgewalt geworden bin.


Ich war eine sehr fröhliche, feminine und gesprächige Frau die von allen gemocht wurde, bevor ER in mein Leben kam, wir uns verliebten, und es Stück für Stück manipulierte.
Auch während der Beziehung habe ich versucht stets auf mich zu achten, auf meine Kleidung, meine tägl. Pflichten, Sauberkeit, mein Aussehen und habe immer ein paar Worte mit Leuten gewechselt und hatte ein Lächeln über, obwohl mir nach sterben zumute war, und mein Tag von Angst überschattet wurde.
Durch die Fassade ist alles vertuscht worden, und das ging auch nur weil ich nicht massiv krankenhausreif geschlagen wurde.


Erst jetzt kann ich mich stückweise öffnen und einige Dinge erzählen.
Und versuchen mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.

Bin ich deshalb stigmatisiert? Werden Menschen deshalb auf mich herab schauen?



Liebe Grüße und Danke fürs Lesen,

Lathi
 

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J

Jun

Gast
Hallo Lathi,

es wird immer Menschen geben, die andere vermessen und in Schubladen schieben. Halte Dich an jene, welche dich verstehen :). Meistens haben sie selbst viel erlebt und durchgemacht. Bei allem, was Du geschrieben hast, wirst du Zeit brauchen sehr viel Zeit.

Möchtest Du reden :) ?
 

Querdenker

Aktives Mitglied
Hallo Lathi,

das hört sich echt übel an, was du erlebt hast. Ich kann mir kaum vorstellen, dass du das alleine aufarbeiten/bewältigen kannst. Daher würde ich dir empfehlen, Hilfe zu holen.

So oder so wirst du wohl erstmal viel Zeit für dich selbst brauchen und deshalb solltest du vielleicht die Meinungen anderer ignorieren bzw. keine Gedanken machen, was andere wohl über dich denken. Und vor allem das tun, was dir gut tut. Es werden wohl nicht viele Menschen damit klar kommen, aber genau das sind dann die Richtigen.

Pass bitte auf dich auf.

LG
 
L

Lathi

Gast
Hallo,

danke für eure Antworten.

Ich habe mir bereits Hilfe geholt, in Form von Beratungsstellen und Frauenberatungsstelle.

Wenn ich das so lese, ziehe ich den Schluß das es immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema ist auf das viele verständnislos reagieren, obwohl Frauenrechte doch in aller Munde sind, und das nicht erst seit Köln.

Das Problem ist, das man darauf schliessen könnte ich wäre schwach. Genau das Gegenteil ist aber auf einer Seite der Fall, deshalb habe ich den Horror auch immer wieder ertragen können. Ich musste mich (wie einige andere Menschen) im Leben durch schwierige Prüfungen beissen, was nicht funktioniert wenn die Energie fehlt. Meine Kraft wurde leider in der Gewaltbeziehung verschwendet.

Jetzt fühle ich mich soweit vom Leben entfernt, so entsetzlich gedemütigt und ausgenutzt.

Und ich frage mich, ob ich je wieder ein bisschen wie früher sein kann.
Ich spüre, wie mir die Menschen gegenüber treten, es ist nicht mehr wie damals.
Ich glaube, das man eine andere Aura hat, wenn man missbraucht wurde.

ER wird wieder ein williges Opfer finden und weiter machen.
Karriere, Familie gründen etc.
Er ist ein Meister im Manipulieren und die Frauen sind ohnehin von ihm angetan.

Ich habe Probleme, mit dem Wissen zu leben das es ungestraft für ihn weitergeht und ich sehen muss, das ich die Scherben meiner Würde wieder zusammen setze.

Nach aussen sieht man nicht unbedingt, das er ein Täter ist.
Wenn ich sehe wie andere Menschen mit ihm befreundet sein wollen und ihn respektieren, wird mir schlecht.
Er ist monströs.

Liebe Grüße,

Lathi
 

Querdenker

Aktives Mitglied
Hallo Lathi,

es schön zu lesen, dass du nicht aufgibst und dir sogar schon Hilfe geholt hast. Als Tabuthema würde ich es nicht bezeichnen, eher so: Die meisten Menschen sind damit überfordert und damit macht es nur begrenzt Sinn, sehr offen darüber zu reden. Und ja, prägende Erlebnisse verändern das Auftreten. Soweit ich verstanden habe, geht das großenteils vom Unterbewusstsein aus und lässt sich kaum "optimieren". Von daher ist es eben wichtig, die Erlebnisse aufzuarbeiten und somit auch loszuwerden. Dann normalisiert sich das Ganze etwas oder etwas mehr oder vielleicht sogar komplett.

Männer wie dein Ex machen mich wütend, ich kann das hier sicher nicht schreiben, wie ich über die denke. Leider habe ich keine Ahnung, was man da machen kann. Vielleicht kannst du das bei den Beratungsstellen in Erfahrung bringen.

Liebe Grüße
 
L

Lathi

Gast
Hallo,

die Beratungsstellen sind mit dem Thema unheimlich erfahren und sensibel.
Ich habe dazu einen Psychologen konsultiert.
Das ich an einen Gewalttäter geraten bin, ist sicher.
Sein Führungszeugnis zeigt nichts davon, obwohl er schon in ein paar Konflikte geraten ist.
Man hat mir alle rechtlichen Möglichkeiten aufgezeigt, die ich noch hätte.
Er ist ein rachsüchtiger Mensch und bereut nichts was er tut, es ist leider so, das ich ihn nicht anzeigen kann, wenn ich weiterhin meinen Frieden will.

Da er aus dem arabischen Kulturkreis stammt (was man ihm nicht ganz ansieht, er kann somit hervorragend untertauchen), kommt i.d. Fall eine spezielle Haltung ggü. Frauen und Menschenrechten noch dazu, was nicht minder explosiv ist.
Es wurde schon genug über solcherlei orientalische Familienstrukturen oder Blutrache berichtet, das Thema erübrigt sich.
Ich würde die Büchse der Pandora öffnen.
Ihn für immer los zu sein, ihn nie mehr zu sehen und in Frieden zu leben, ist alles was ich mir wünsche und noch bekommen kann.


Ich verstehe auch, das andere Menschen mit solchen Geschichten etwas erschlagen sind, da prallen zwei Realitäten aufeinander die sich nicht in den anderen hinein versetzen können.

Was für andere "normal" ist, sieht man im Laufe einer Gewaltbeziehung durch eine trübe Linse.


Liebe Grüße,
Lathi
 
G

Gast

Gast
Hallo,

warum möchtest du es denn Außenstehenden erzählen?
Also ich verstehe das schon. Wenn amn auf andere Menschen trifft, redet man ja auch über sich und die Erfahrungen im Leben. Man erwähnt, was man so trieb im Leben und redet über sein Leben. Ist doch agnz normal.
Wenn man aber eine heftige Vergangenhet hatte und garnicht richig gelebt hat, was soll amn erzählen? Worüber reden?
Man will ja auch Menschen kennen lernen.
Ich selbst bringe mich mal ein:
habe viele Jahre leider damitt verbringen müssen,meine Vergangenhiet zu bearbeiten und meine Vergangenheit brachte auch ein berufliches Loch.
Was soll man darüber erzählen ? Wenn andere darüber reden,ich war da und da im Urlaub. Allein schon solch Thema. Man selbst war nie im Urlaub. Nur ein Beispiel.

Irgendwie muss man ja die Vergangenheit ins Leben integrieren. Und wie soll man so leicht eine eher allgemeine Formulierung dazu finden?
Ich habe eine Alkoholkarriere hinter mir. Anfangs redete ich mich raus. Flüchtete aus Situationen wo es alkohol gab.
Den Umgang damit, wie ich das Thema integriere, lernt man erst. Manchmal dauert das. Heute kann ich auch einfach sagen, du ich trinke kein Alkohol. Oft kommen Fragen,warum nicht und auch wirklich Unverständnis von einigen. Dementsprechende Blicke und Sprüche. Da fühlt man sich schon oft mies.
Manchen erzähle ich von der Vergangenhiet,manchen kann man so etwas nich sagen,weil man ausgegrent wird.

Redet man nicht über die Vergangenhei, ist da ja sozusagen ein Loch.Wo man nichts drüber erzählen kann.

Naja, ich fühle mit der Te. Ich habe z.b. auch ein beruflichen Lebenslauf,der Lücken hat, und da eben etwas zu erklären,ist nicht so leicht.
Ich weiss aber, das es mit der Zeit immer einfacher wird, wenn man selbst mehr Abstand hat und sich sozusagen selbst anders ausrichtet und mehr andere Dinge im Leben leben kann, als die Vergangenheit bisher zuliess.

Die Vergangenheit ist ja Teil enes Selbst,die kann man ja nicht auslöschen und man möchte schon authentisch mit sich umgehen.
 

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