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Wie schaffe ich es, meine Gefühle für einen alten Mann abzustellen?

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A

Aljona

Gast
@ Schroti

Auf Distanz gehen kann und muss ich. Allerdings wird das nichts an meinen Gefühlen für ihn ändern.
Es ist aber wichtig, nach Außen hin den Schein zu wahren, professionell mit allen Bewohnern umzugehen.

Wobei ich sagen muss, dass ich mich schon seit einiger Zeit - genauer gesagt seit den versemmelten Arbeitsproben - frage, ob ich mich tatsächlich für diesen Beruf eigne.
Das sehr unprofessionelle Verhalten meiner Chefin vor über zwei Wochen hat bei mir zusätzlich eine Trotzreaktion ausgelöst. Ich frage mich, wofür ich mich die ganze Zeit so bemüht habe, allen Erwartungen gerecht zu werden. Denn anscheinend ist das überhaupt nicht gesehen worden, wenn sie sich allen Ernstes fragte, "ob ich in den letzten Monaten da gewesen bin".
In dem Moment hätte ich am liebsten alles hingeworfen und gesagt, dass wir uns besser auf der Stelle trennen, wenn meine Leistungen so wenig geschätzt werden. Doch ich darf ja leider nicht von mir aus kündigen, da ich sonst eine Sperre vom Arbeitsamt bekäme.

Ich denke inzwischen, dass es besser wäre, woanders einen Neuanfang zu machen.

Was finanzielle Interessen betrifft, so habe ich doch geschrieben, dass das für mich absolut unwichtig ist. Selbst wenn der alte Herr sein Testament ändern dürfte, würde ich niemals versuchen, mir da einen Vorteil zu verschaffen.
Ich bin Mitte 40 und habe nie irgendeinen Menschen ausgenutzt.

Der alte Herr wollte mir einmal 20 Euro zustecken, weil ich etwas für ihn erledigt hatte. Natürlich ist mir so etwas verboten und ich habe das bei der Einstellung unterschrieben. Jetzt könnte man sagen: Wo kein Kläger, da kein Richter. Doch selbstverständlich habe ich kein Geld von ihm angenommen. Ich habe ihm gesagt, dass ich nichts annehme und alles, was ich für ihn tue, gern mache.
 

Sweetuuuuu

Mitglied
Hallo meine liebe,

Ich rate dir dringend zu einen Berufswechsel.

Es gibt Menschen die können einen Job verrichten und diesen und alles was sie gesehen,getan,gefühlt haben ,hinter sich lassen, wenn sie Feierabend haben.
Und es gibt Menschen wie dich.
Menschen für die es keinen Feierabend, keinen Urlaub ,kein krank sein von der Arbeit gibt.
Menschen die nicht abschalten, nicht umschalten, nicht loslassen können.
Sei es aus Einsamkeit, zuviel Empathie oder Gedanken.

Du solltest wirklich überlegen ob ein Arbeitsfeld im Sozialen weiter das richtige für dich ist.

Die Gefühle die du für die älteren (bevorzugt Herrschaften)hegst sind nicht normal.

Das muss ich dir ganz klar und deutlich sagen.

Ich weiß nicht was du damit zu kompensieren versuchst,aber irgendetwas in deinen Leben muss der Grund sein.

Geh mal in dich.
Beschäftige dich mit deiner Vergangenheit / zur Not mit Therapeutischer Hilfe / und arbeite auf , was dich dazu bringt ,so zu denken...fühlen und zu handeln.

Distanzier dich erstmal von sozialen ,Menschennahen Jobs, bis du weißt was in dir eigentlich los ist und wie du lernen kannst damit umzugehen ohne wieder in das alte Muster zu verfallen.

Alles Liebe und viel Kraft
 
Zuletzt bearbeitet:
A

Aljona

Gast
Danke für euer Feedback!
Ich habe doch im Grunde niemanden, mit dem ich über all das sprechen kann und der mir Ratschläge gibt.

Ich habe durch euch eingesehen, dass meine Gefühle für den alten Herrn nicht normal sind.
Bisher habe ich mich nie auf einen Bewohner dermaßen fixiert, auch wenn ich einige von ihnen wirklich ins Herz geschlossen habe. Das hat übrigens nicht unbedingt etwas mit Männern zu tun, die mein Ego polieren, weil ich keinen Partner habe. Ich habe im Laufe der Zeit auch einige Bewohnerinnen sehr liebgewonnen.

Heute Morgen habe ich wieder sehr viel darüber nachgedacht, dass ich den Job wohl bald verlieren werde. Ich plante, meiner Chefin eine Nachricht zu schreiben mit der Bitte, sie unter vier Augen sprechen zu können. Meine Hoffnung war, durch ein Gespräch das Schlimmste abwenden zu können. Doch es kam anders.

Als ich am Nachmittag zum Dienst kam, brach schon Hektik aus, weil ich erst kurz vor Beginn des Gottesdienstes da war. Ich wusste nicht, dass Gottesdienst sein würde, da Freitag mein letzter Arbeitstag war und da der Plan für diese Woche noch nicht bekannt war.
Meine Chefin pampte mich sofort an, weil ich bisher nicht gewusst hatte, dass ich mich mehr nach dem Tischkalender einer Mitarbeiterin richten muss als nach dem Wochenplan. Ich entschuldigte mich sehr gereizt.

Nachdem ich die Bewohnerinnen zum Gottesdienst in die Kapelle gebracht hatte, kam meine Chefin sogar noch kontrollieren, ob auch die Abstände eingehalten und Masken getragen wurden! Anscheinend vertraut sie mir nicht mehr.

Später besuchte ich den alten Herrn, der total durch den Wind war. Er erzählte zuerst davon, von seiner verstorbenen Frau geträumt zu haben. Ich sagte ihm, dass wir diese Woche zusammen zum Friedhof gehen. Das verstand er überhaupt nicht. Er bestand darauf, dass er vorgestern noch zum Abendessen mit seiner Frau am Tisch gesessen habe, auch wenn er wisse, dass sie tot sei. Ich sagte ihm vorsichtig, dass seine Frau schon vor Monaten verstorben sei. Das wollte er aber nicht akzeptieren und wurde immer aufgeregter. Er frage sich, wo seine Frau schlafe und warum sie ihn nicht angerufen habe. Ich hatte keine Ahnung, wie ich reagieren sollte. Ich konnte ihm wohl schlecht sagen, dass es im Grab kein Telefon gibt. Er war so verzweifelt, dass er aus dem Zimmer ging und mit einer Pflegekraft herumdiskutierte.
Als er zurückkam, war er so aggressiv, dass er seinen Mitbewohner anschnauzte und beschimpfte. Ich habe versucht, ihn zu beruhigen, aber so richtig gelang es mir nicht.

Jedenfalls ist mir dann ein ganz übler Fehler unterlaufen.
Ich wollte die Dokumentation eintragen. Das Computerprogramm war geöffnet und ich schrieb die Einträge und speicherte sie ab. Als ich fertig war, fiel mir siedend heiß ein, dass ich das Programm hätte schließen und mich unter meinem Namen und meinem Passwort hätte anmelden müssen. Jetzt habe ich alle Einträge unter dem Namen einer Pflegekraft geschrieben!
Morgen muss ich meine Chefin darüber informieren und das wird garantiert auch wieder Ärger nach sich ziehen, weil nur der Pflegedienstleiter Änderungen vornehmen kann.

Ich habe mich bis zum Feierabend zusammengerissen, aber sobald ich das Gebäude verlassen hatte, flossen die Tränen. Ich habe während der ganzen Heimfahrt geweint.
Ich wollte mich doch zusammenreißen und nicht mehr negativ auffallen und sofort passiert mir so etwas! Als ich mich etwas beruhigt hatte, versuchte ich mir einzureden, dass jedem mal Fehler unterlaufen, aber bei mir haben sie sich in letzter Zeit einfach zu sehr gehäuft.

Jetzt brauche ich auch nicht mehr das Gespräch mit meiner Chefin suchen.
Den Job kann ich vergessen, dabei wollte ich so sehr an meiner Einstellung arbeiten und meine Leistungen verbessern!
 
B

beatrix333

Gast
Es wird Zeit, dass du das Gespräch mit deiner Chefin suchst.

Bis Januar ist es nicht mehr lange.

Willst du nicht bald mal erfahren, ob du entfristet wirst?
 

Berdine

Aktives Mitglied
Später besuchte ich den alten Herrn, der total durch den Wind war. Er erzählte zuerst davon, von seiner verstorbenen Frau geträumt zu haben. Ich sagte ihm, dass wir diese Woche zusammen zum Friedhof gehen. Das verstand er überhaupt nicht. Er bestand darauf, dass er vorgestern noch zum Abendessen mit seiner Frau am Tisch gesessen habe, auch wenn er wisse, dass sie tot sei. Ich sagte ihm vorsichtig, dass seine Frau schon vor Monaten verstorben sei. Das wollte er aber nicht akzeptieren und wurde immer aufgeregter. Er frage sich, wo seine Frau schlafe und warum sie ihn nicht angerufen habe. Ich hatte keine Ahnung, wie ich reagieren sollte. Ich konnte ihm wohl schlecht sagen, dass es im Grab kein Telefon gibt. Er war so verzweifelt, dass er aus dem Zimmer ging und mit einer Pflegekraft herumdiskutierte.
Als er zurückkam, war er so aggressiv, dass er seinen Mitbewohner anschnauzte und beschimpfte. Ich habe versucht, ihn zu beruhigen, aber so richtig gelang es mir nicht.

Jedenfalls ist mir dann ein ganz übler Fehler unterlaufen.
Ich wollte die Dokumentation eintragen. Das Computerprogramm war geöffnet und ich schrieb die Einträge und speicherte sie ab. Als ich fertig war, fiel mir siedend heiß ein, dass ich das Programm hätte schließen und mich unter meinem Namen und meinem Passwort hätte anmelden müssen. Jetzt habe ich alle Einträge unter dem Namen einer Pflegekraft geschrieben!
Morgen muss ich meine Chefin darüber informieren und das wird garantiert auch wieder Ärger nach sich ziehen, weil nur der Pflegedienstleiter Änderungen vornehmen kann.

Ich habe mich bis zum Feierabend zusammengerissen, aber sobald ich das Gebäude verlassen hatte, flossen die Tränen. Ich habe während der ganzen Heimfahrt geweint.
Ich wollte mich doch zusammenreißen und nicht mehr negativ auffallen und sofort passiert mir so etwas! Als ich mich etwas beruhigt hatte, versuchte ich mir einzureden, dass jedem mal Fehler unterlaufen, aber bei mir haben sie sich in letzter Zeit einfach zu sehr gehäuft.

Jetzt brauche ich auch nicht mehr das Gespräch mit meiner Chefin suchen.
Den Job kann ich vergessen, dabei wollte ich so sehr an meiner Einstellung arbeiten und meine Leistungen verbessern!

Ich glaube mittlerweile wirklich, du solltest dir einen anderen Job suchen, eventuell in einem anderen Bereich.

Das mit dem Dienstplan scheint sehr schlecht organisiert zu sein.

Du nimmst Dinge viel zu persönlich. Erst kürzlich hat euch deine Chefin darauf hingewiesen, dass die Corona-Maßnahmen verstärkt werden müssen. Dass sie die Abstände beim Gottesdienst kontrolliert, hat erst mal nichts mit dir zu tun. Es geht um die Sicherheit der Bewohner! Bezieh doch sowas nicht gleich auf dich. Natürlich kann sie jederzeit kontrollieren, ob das auch eingehalten wird.

Ich denke, du bist vollkommen überfordert mit den alten Menschen, wenn sie aufgrund Alters, Demenz ein auffälliges Verhalten zeigen. Da hättest du schon viel früher eine Pflegekraft dazu ziehen sollen, als der alte Herr so aufgeregt wurde.

Ja, du hast bei dem Computer einen Fehler gemacht. Ich kann aber auch nicht nachvollziehen, warum der offen für alle da steht und jeder da dran rumschreiben kann. Normalerweise hat jeder eine Kennung. Man loggt sich ein, schreibt und loggt sich aus. Der PC war an und du hast gleich losgelegt.

Jetzt ist die Dokumentation wohl falsch abgelegt. Man kann das im Nachhinein noch ändern? Ja, es ist jetzt ungünstig und ein weiterer Grund, dass deine Chefin sauer auf dich sein kann.

Du kannst trotzdem ein Gespräch mit der Chefin führen. Was wolltest du ihr genau sagen?

Ich denke, du wirst in dem Laden nicht glücklich. Du nimmst viel zu viel persönlich. Du bist mit den alten Menschen überfordert, wenn es hart auf hart kommt. Deine Chefin ist von dir gereizt. Es passieren dir Fehler, die jedem passieren können, in der Häufung aber sehr auffallen. Du kannst nach Feierabend nicht abschalten. Das einzig positive am Job scheint der zwischenmenschliche Umgang mit den alten Menschen zu sein, die deine Hilfe wertschätzen.
 

kasiopaja

Sehr aktives Mitglied
Später besuchte ich den alten Herrn, der total durch den Wind war. Er erzählte zuerst davon, von seiner verstorbenen Frau geträumt zu haben. Ich sagte ihm, dass wir diese Woche zusammen zum Friedhof gehen. Das verstand er überhaupt nicht. Er bestand darauf, dass er vorgestern noch zum Abendessen mit seiner Frau am Tisch gesessen habe, auch wenn er wisse, dass sie tot sei. Ich sagte ihm vorsichtig, dass seine Frau schon vor Monaten verstorben sei. Das wollte er aber nicht akzeptieren und wurde immer aufgeregter. Er frage sich, wo seine Frau schlafe und warum sie ihn nicht angerufen habe. Ich hatte keine Ahnung, wie ich reagieren sollte. Ich konnte ihm wohl schlecht sagen, dass es im Grab kein Telefon gibt. Er war so verzweifelt, dass er aus dem Zimmer ging und mit einer Pflegekraft herumdiskutierte.
Als er zurückkam, war er so aggressiv, dass er seinen Mitbewohner anschnauzte und beschimpfte. Ich habe versucht, ihn zu beruhigen, aber so richtig gelang es mir nicht.
Es tut mir leid Dir das zu sagen, aber das ist kein Job für Dich.
Klar weiß nicht jeder , wie man mit Demenz umgehen soll und mit Demenzkranken.
Aber wenn man in dem Beruf arbeitet und öfters mit welchen zu tun hat, wie Du, dann schon.
Man darf mit denen nicht groß diskutieren, weil sie dann aggressiv werden, wenn sie merken, dass etwas mit ihnen ganz und gar nicht stimmt.
Das solltest Du wissen, denn das ist mehr oder weniger Grundlagenwissen.
Vielleicht versuchst Du Dich woanders oder in anderen Einrichtungen.
Aber der Job scheint wirklich nicht der ideale für Dich zu sein.
 
A

Aljona

Gast
Danke für eure Meinungen.

Ich arbeite jetzt seit Anfang letzten Jahres in dem Job und hatte schon viel mit dementen Menschen zu tun.

Anfangs war es wirklich schwer, adäquat zu reagieren und mit bestimmten Situationen umzugehen.
In den ersten paar Monaten gab es einen Bewohner, der schon lange in seiner eigenen Welt lebte und sich wohl in seine Jugend zurückversetzt fühlte. Er hat mich jedes Mal umarmt und gedrückt, wenn ich ihn besucht habe und auch versucht, mich zu küssen. Ich habe mein Bestes gegeben, um ihn auf Abstand zu halten, aber das verstand er natürlich nicht und meinte, ich solle mich nicht so genieren. Ich habe vesucht, ihm klar zu machen, dass ich zum Personal gehöre, aber wie soll ein dementer Bewohner das auch verstehen?
Das wirklich Schlimme daran war, dass ich ausgerechnet bei ihm kurze Zeit später Sterbebegleitung machen musste. Auch wenn ich mich nicht zu ihm hingezogen fühlte wie jetzt bei dem alten Herrn, so habe ich ihn sehr gern gehabt und bin fast daran zerbrochen. An seinem Todestag habe ich den ganzen Abend geweint.

Es mag sich blöd anhören, aber ich befasse mich ja schon ständig mit dem Vertragsende im Januar. Es wird für mich ein Trost sein, nicht miterleben zu müssen, wenn der alte Herr sterben wird. Für mich wäre es unvorstellbar, an seinem Bett zu sitzen und seine Hand zu halten.
Der geistige Verfall, die beginnende Demenz bei ihm jetzt mitzuerleben ist schrecklich genug.

Ich habe für diesen Job eine Weiterbildung von zwei Monaten gemacht. Natürlich wurde im Unterricht auch die Validation, also das Reinversetzen in die Gefühlswelt des dementen Menschen und eine wertschätzende und wertfreie Haltung bezüglich seines Verhaltens behandelt.
Auch gab es in dem Job eine Fortbildung zum Thema "Herausforderndem Verhalten begegnen".

Ich würde es für mich so einschätzen, dass es mir meistens gelingt, adäquat mit den besonderen Verhaltensweisen von dementen Menschen und ihrer Gedankenwelt umzugehen. Vieles erreiche ich schon durch meine geduldige Art und meine beruhigende Stimme. Ich diskutiere auch nicht mit den Betroffenen, wenn sie nachhause wollen, weil die Kinder warten oder sie wissen wollen, wo sie ihren Führerschein und Ausweis für die Abreise abholen können.

Nur ist das jetzt mit dem alten Herrn eine besondere Situation. Wochenlang hat er geweint, wenn er angefangen hat, vom Tod seiner Frau und seines Sohnes zu sprechen. Erst vorletzte Woche sagte er, dass er ja mich habe, jetzt, wo er so allein sei.
Plötzlich aber glaubt er fest daran, dass seine Frau noch lebt.

Ich habe das Problem heute bei der Teambesprechung angesprochen. Meine Kollegin meinte, sie habe das auch schon bei ihm erlebt. Er sei aber noch in dem Stadium, indem man ihm durch zweimaligen Hinweis darauf, dass seine Frau verstorben ist, die Situation begreiflich machen kann.
Das müsste dann aber unter allen Beteiligten kommuniziert werden.
Heute saß der alte Herr ganz gelöst da und lächelte. Er sagte, er habe recht gehabt. Er habe die Präsenzkraft gefragt und die habe ihm bestätigt, dass seine Frau tatsächlich vor ein paar Tagen mit ihm zu Abend gegessen hat.
In dem Moment konnte ich ihm einfach nicht wehtun und habe gesagt, dass ich mich für ihn freue.

Gleichzeitig hat er mich gefragt, wann wir diese Woche zum Friedhof gehen. Ich habe ihm zugesagt, dass wir das am Wochenende machen. Wobei ich mich frage, wie er sich verhalten wird, wenn er dann realisieren muss, dass wir am Grab seiner Frau stehen. Im Moment denkt er vielleicht, dass "nur" sein Sohn dort beerdigt ist.
Was ist, wenn er dann weint und sich nicht beruhigen lässt?
Ehrlich gesagt graut mir davor!

Im Übrigen hat die Teambesprechung auch kein gutes Gefühl bei mir hinterlassen. Meine Kollegin begegnete mir ziemlich vorwurfsvoll, was die Betreuung von zwei bestimmten Bewohnern betrifft. Ihrer Meinung nach würde ich zum Teil zu viel erwarten und ich müsse mir auch mal anderes einfallen lassen, wenn ich sie mit bestimmten Aktivitäten nicht motivieren kann.

Dann noch die Panne am Computer... Klar, schlecht ist, dass jeder ihn benutzen kann und viele machen sich nicht die Mühe, sich auszuloggen bei Beendigung der Dokumentation. Ich melde mich sogar jedes Mal ab, wenn ich fertig bin. Ich hoffe, dass mir das nicht noch mal passiert. Meine Chefin war verständlicherweise nicht begeistert.

Vielleicht ist es wirklich so, dass ich manches zu persönlich nehme.
Ich bin ein Mensch, der jedes Wort, jedes Verhalten von vorn bis hinten durchanalysiert.

Heute habe ich den Dienstplan für Dezember gesehen und wieder kommt mir etwas seltsam vor.
Meine Chefin ist immer dankbar, wenn sich Mitarbeiter in die Feiertagsliste für Dienste eintragen, für die sie nicht vorgesehen waren.
Ich habe gesehen, dass ich Weihnachten an allen Tagen frei habe. Man könnte jetzt meinen, das müsste mich doch freuen. Mich aber macht das stutzig, weil gerade an Weihnachten möglichst viele Mitarbeiter gebraucht werden, auch wenn in diesem Jahr die große Weihnachtsfeier im Restaurant für alle Wohnbereiche ausfallen wird. Doch es wird ja sicherlich an Heiligabend und an einem der beiden Feiertage etwas im Wohnbereich stattfinden. Stattdessen werde ich nur an Silvester Dienst haben. Dafür hatte ich mich auch eingetragen.

Diese Tatsache gibt mir nun gleich das Gefühl, dass meine Chefin schon gar nicht mehr auf mich zählt.

Würdet ihr das auch so empfinden?

Ich bin total deprimiert und denke, die Dinge werden jetzt ihren Lauf nehmen. Ändern kann ich in der kurzen Zeit wohl nichts mehr daran.
 

-sofia-

Sehr aktives Mitglied
Warum fragst du deine Chefin nicht, ob dein Vertrag entfristet wird?
Das kann doch nicht so schwer sein.

So hast du wenigstens Klarheit und brauchst nicht mehr zu spekulieren, warum du an den Feiertagen nicht eingetragen bist.

Hast du schon einen Plan B, falls du nicht übernommen wirst?

Nach allem was du hier geschrieben hast, glaube ich kaum, dass du für den Job geeignet bist.

Demente alte Männer, können nicht deine Lücken im privaten Bereich füllen.
 

Berdine

Aktives Mitglied
Danke für eure Meinungen.

Ich arbeite jetzt seit Anfang letzten Jahres in dem Job und hatte schon viel mit dementen Menschen zu tun.

Anfangs war es wirklich schwer, adäquat zu reagieren und mit bestimmten Situationen umzugehen.
In den ersten paar Monaten gab es einen Bewohner, der schon lange in seiner eigenen Welt lebte und sich wohl in seine Jugend zurückversetzt fühlte. Er hat mich jedes Mal umarmt und gedrückt, wenn ich ihn besucht habe und auch versucht, mich zu küssen. Ich habe mein Bestes gegeben, um ihn auf Abstand zu halten, aber das verstand er natürlich nicht und meinte, ich solle mich nicht so genieren. Ich habe vesucht, ihm klar zu machen, dass ich zum Personal gehöre, aber wie soll ein dementer Bewohner das auch verstehen?
Das wirklich Schlimme daran war, dass ich ausgerechnet bei ihm kurze Zeit später Sterbebegleitung machen musste. Auch wenn ich mich nicht zu ihm hingezogen fühlte wie jetzt bei dem alten Herrn, so habe ich ihn sehr gern gehabt und bin fast daran zerbrochen. An seinem Todestag habe ich den ganzen Abend geweint.

Es mag sich blöd anhören, aber ich befasse mich ja schon ständig mit dem Vertragsende im Januar. Es wird für mich ein Trost sein, nicht miterleben zu müssen, wenn der alte Herr sterben wird. Für mich wäre es unvorstellbar, an seinem Bett zu sitzen und seine Hand zu halten.
Der geistige Verfall, die beginnende Demenz bei ihm jetzt mitzuerleben ist schrecklich genug.

Ich habe für diesen Job eine Weiterbildung von zwei Monaten gemacht. Natürlich wurde im Unterricht auch die Validation, also das Reinversetzen in die Gefühlswelt des dementen Menschen und eine wertschätzende und wertfreie Haltung bezüglich seines Verhaltens behandelt.
Auch gab es in dem Job eine Fortbildung zum Thema "Herausforderndem Verhalten begegnen".

Ich würde es für mich so einschätzen, dass es mir meistens gelingt, adäquat mit den besonderen Verhaltensweisen von dementen Menschen und ihrer Gedankenwelt umzugehen. Vieles erreiche ich schon durch meine geduldige Art und meine beruhigende Stimme. Ich diskutiere auch nicht mit den Betroffenen, wenn sie nachhause wollen, weil die Kinder warten oder sie wissen wollen, wo sie ihren Führerschein und Ausweis für die Abreise abholen können.

Nur ist das jetzt mit dem alten Herrn eine besondere Situation. Wochenlang hat er geweint, wenn er angefangen hat, vom Tod seiner Frau und seines Sohnes zu sprechen. Erst vorletzte Woche sagte er, dass er ja mich habe, jetzt, wo er so allein sei.
Plötzlich aber glaubt er fest daran, dass seine Frau noch lebt.

Ich habe das Problem heute bei der Teambesprechung angesprochen. Meine Kollegin meinte, sie habe das auch schon bei ihm erlebt. Er sei aber noch in dem Stadium, indem man ihm durch zweimaligen Hinweis darauf, dass seine Frau verstorben ist, die Situation begreiflich machen kann.
Das müsste dann aber unter allen Beteiligten kommuniziert werden.
Heute saß der alte Herr ganz gelöst da und lächelte. Er sagte, er habe recht gehabt. Er habe die Präsenzkraft gefragt und die habe ihm bestätigt, dass seine Frau tatsächlich vor ein paar Tagen mit ihm zu Abend gegessen hat.
In dem Moment konnte ich ihm einfach nicht wehtun und habe gesagt, dass ich mich für ihn freue.

Gleichzeitig hat er mich gefragt, wann wir diese Woche zum Friedhof gehen. Ich habe ihm zugesagt, dass wir das am Wochenende machen. Wobei ich mich frage, wie er sich verhalten wird, wenn er dann realisieren muss, dass wir am Grab seiner Frau stehen. Im Moment denkt er vielleicht, dass "nur" sein Sohn dort beerdigt ist.
Was ist, wenn er dann weint und sich nicht beruhigen lässt?
Ehrlich gesagt graut mir davor!

Im Übrigen hat die Teambesprechung auch kein gutes Gefühl bei mir hinterlassen. Meine Kollegin begegnete mir ziemlich vorwurfsvoll, was die Betreuung von zwei bestimmten Bewohnern betrifft. Ihrer Meinung nach würde ich zum Teil zu viel erwarten und ich müsse mir auch mal anderes einfallen lassen, wenn ich sie mit bestimmten Aktivitäten nicht motivieren kann.

Dann noch die Panne am Computer... Klar, schlecht ist, dass jeder ihn benutzen kann und viele machen sich nicht die Mühe, sich auszuloggen bei Beendigung der Dokumentation. Ich melde mich sogar jedes Mal ab, wenn ich fertig bin. Ich hoffe, dass mir das nicht noch mal passiert. Meine Chefin war verständlicherweise nicht begeistert.

Vielleicht ist es wirklich so, dass ich manches zu persönlich nehme.
Ich bin ein Mensch, der jedes Wort, jedes Verhalten von vorn bis hinten durchanalysiert.

Heute habe ich den Dienstplan für Dezember gesehen und wieder kommt mir etwas seltsam vor.
Meine Chefin ist immer dankbar, wenn sich Mitarbeiter in die Feiertagsliste für Dienste eintragen, für die sie nicht vorgesehen waren.
Ich habe gesehen, dass ich Weihnachten an allen Tagen frei habe. Man könnte jetzt meinen, das müsste mich doch freuen. Mich aber macht das stutzig, weil gerade an Weihnachten möglichst viele Mitarbeiter gebraucht werden, auch wenn in diesem Jahr die große Weihnachtsfeier im Restaurant für alle Wohnbereiche ausfallen wird. Doch es wird ja sicherlich an Heiligabend und an einem der beiden Feiertage etwas im Wohnbereich stattfinden. Stattdessen werde ich nur an Silvester Dienst haben. Dafür hatte ich mich auch eingetragen.

Diese Tatsache gibt mir nun gleich das Gefühl, dass meine Chefin schon gar nicht mehr auf mich zählt.

Würdet ihr das auch so empfinden?

Ich bin total deprimiert und denke, die Dinge werden jetzt ihren Lauf nehmen. Ändern kann ich in der kurzen Zeit wohl nichts mehr daran.

Es klingt vielleicht für dich hart, wenn wir das immer wieder schreiben, aber der Eindruck verfestigt sich bei mir zumindest: du bist für die Arbeit mit alten, dementen Menschen nicht geeignet.

Du kannst dich nicht von ihnen distanzieren, du bist überfordert, du nimmst vieles zu persönlich. Ich kann nachvollziehen, dass man manche Bewohner dort mehr mag, aber eine Bevorzugung an Zeit und Freundlichkeit, wie du das machst, geht gar nicht. Und dass du nicht abschalten kannst nach dem Dienst, das tut das übrige.

Natürlich kannst du traurig sein, wenn ein Bewohner stirbt. Aber ich sage mal so, es ist doch dort Alltag! Warum nimmt dich das so mit?

Ich denke, eine Arbeit mit Menschen liegt dir schon. Aber nicht mit kranken, dementen Menschen. Und dir tut Druck mit Arbeitsleistung, die zu bringen hast, überhaupt nicht gut.

Du bist überfordert mit dementen Menschen. Offensichtlich war deine Strategie, mit dem Mann zu diskutieren, total falsch. Warum holst du nicht eine Fachkraft dazu, sobald der sich zu sehr aufregt. Die Präsenzkraft hat es ganz anders gelöst als du. Warum?

Warum du alles persönlich nimmst, solltest du hinterfragen. Manche wären einfach froh, müssten sie wegen Dienstplan an Weihnachten nicht arbeiten. Du gehst davon aus, die Chefin plant nicht mehr mit dir.

Ich kann dir nur raten: überlege dir einen Bereich, in dem du zwar älteren Menschen helfen kannst, als Einkaufshilfe oder Haushaltshilfe. Gibt es irgendwas im Bereich Erwachsenenbildung, was du dir vorstellen kannst?

Für den Pflegebereich mit kranken, älteren Menschen bist du aus meiner Sicht ungeeignet.

Bitte deine Chefin um ein Gespräch. Bring dich nicht in unterwürfige Position. Frag ganz klar, du musst dich beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden, du hättest gerne eine konkrete Einschätzung, wie das mit dem Vertrag ist.
 

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