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Wie sage ich es ihr?

Corona

Mitglied
Hallo an euch!
Ich weiß nicht, vielleicht mache ich die Dinge komplizierter, als sie sind, aber dieses Thema schwirrt mir nun schon lange im Kopf herum.

Seit inzwischen 6 Jahren habe ich eine Schulfreundin, seit genau dieser Zeit haben wir täglich miteinander zu tun. Zwar treffen wir uns selten privat, aber in der Schule gibt es keine Minute ohne sie.
Genau da liegt das Problem - sagen wir, sie ist ein etwas spezieller Charakter. Ich hab sie sehr gern, aber sie ist ein recht lauter Mensch, ist schnell eingeschnappt, ist ein bisschen arrogant, diskutiert sehr gerne, wobei sie eine feste Meinung hat, von der sie nicht abweicht.
Früher war ich genau wie sie, wir wurden in der Schule teilweise schon verwechselt. Unsere Namen gabs nur im Doppelpack. In den letzten Monaten habe ich mich sehr verändert. Es ist einiges passiert und ich habe gemerkt, dass ich so, wie ich lebe, nicht glücklich werden kann - ich hab inzwischen zu vielen Dingen eine andere Einstellung, vor allem suche ich den Kontakt zu Menschen, anstatt auf sie herabzusehen ..

Ich fühle mich richtig schlecht, wenn ich jetzt so über sie schreibe, weil sie das eigentlich nicht verdient hat, aber: Dadurch, dass sie so an mir hängt und leider auch die Angewohnheit hat, sich in Dinge einzumischen und schnell neidisch zu sein, halte ich es teilweise fast nicht mehr aus in der Schule, besonders, wenn wir bis zu 11 Stunden haben.
Mein Problem ist, ich kann nicht mit ihr über irgendetwas Tiefgründiges, Emotionales reden, ich konnte es noch nie wirklich. Wie erwähnt hat sie eine feste Meinung, die nach zwei Minuten feststeht; Alternativen gibt es nicht. Scherzen, Spaß haben, Lachen, diskutieren kann ich mit ihr.. Aber mehr nicht. Ich habs versucht, aber es endet in Streit oder Frustration.

Reden kann ich dagegen mit einer anderen Freundin, die ebenfalls in unserer Klasse ist und zu allem Überfluss auch noch bei besagter Freundin wohnt (komplizierte Geschichte). Besonders, wenns mir - oder auch ihr - schlecht geht, hänge ich mich demnach an sie, rede viel mit ihr, und habe daraufhin böse Blicke im Nacken..

Mein Problem ist - ich merke selbst, dass ich sie verletze, wenn ich mehr mit anderen Leuten unternehme oder rede usw, und ich hasse mich dafür, aber was soll ich tun? Ich weiß, dass es ihr nicht gut geht, dass sie ziemlich einsam ist und in der Schule eigentlich niemanden mehr hätte, wenn ich wegfalle. Ich möchte die Freundschaft ja auch nicht beenden, ich möchte nur ein bisschen mehr Freiheit, auch einmal allein zu sein. Wir hängen 50% der Zeit nur aus Pflichtbewusstsein und Gewohnheit miteinander herum, und irgendwie ist das.. nicht der Sinn einer Freundschaft. Aber ich weiß, wenn ich versuche, es ihr zu erklären, wird es sie sehr verletzen und ob sie verständnis dafür haben wird, bezweifle ich.

Tut mir Leid wegen dem langen Text. Meine Bewunderung an jeden, der sich das alles durchgelesen hat, und vielen Dank für jede Antwort. ;)
 

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M

Mahdia

Gast
Hallo Corona!

So wie Du schreibst: Pflichtbewusstsein und Gewohnheit bedeutet nicht gleich Freundschaft.

Ich finde, Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, weil Du hier über sie schreibst *kopfschüttel*

Deine Freundin wird sicher selber merken, dass sie mit ihrer Art zeitweise (oder oft?) aneckt. Das ist aber grob gesagt nicht Dein Problem. Da muss sie schon an sich selber arbeiten!

Ihr seid zwar noch jünger (als ich ;) :D), aber Du bist ja nicht für sie verantwortlich!

Man hat eben oft im Freundeskreis Leute, mit denen man belangloses bequatschen kann und dann wiederum welche, an welche man sich mit ernsteren Problemen oder Sorgen wendet. Da braucht man meiner Meinung nach nicht eifersüchtig sein :confused:

Ich würde Dir schon raten, mal unter vier Augen mit ihr zu sprechen. Dass Du ihr sagst, was Du an ihr gut leiden kannst, aber auch, was Dich vielleicht stört oder wo Du das Gefühl hast, da könnte sie über sich nachdenken? Und dass Du eben mit ihr über andere Dinge plaudern kannst, als mit der anderen Freundin. Und sie deshalb nicht böse sein braucht...

Erfreut wird sie nicht darüber sein, das kann ich mir schon vorstellen. Aber vielleicht ist es ihr einfach gar nicht richtig bewusst, was sie mit ihrem Verhalten anrichtet?

Vielleicht ist sie einfach so unsicher, dass sie das mit ihrem Verhalten zu überspielen versucht?

Ich hoffe, dass ihr eine Lösung findet, mit der ihr alle drei zufrieden seid :)

Lg
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Ich möchte die Freundschaft ja auch nicht beenden, ich möchte nur ein bisschen mehr Freiheit, auch einmal allein zu sein.
Hallo Corona,
wieviel mehr Freiheit genau möchtest du denn? Kannst du daraus ein klares Ziel machen, bei dem du dann auch kontrollieren kannst, ob du es erreicht hast. Ich glaube, wenn sie deine Freundin ist, wird sie verstehen, dass du das brauchst. Dieses Risiko solltest du eingehen - dir zuliebe und eurer Beziehung.
Gruß, Werner
 

Corona

Mitglied
Hallo Mahdia, hallo Werner, danke für eure Antworten!

Ob sie mit ihrem Verhalten versucht, ihre Unsicherheit zu überspielen, kann ich gar nicht genau sagen. Ich denke schon, weil sie schon immer Probleme mit anderen Menschen hatte - wir wären beide in der Schule ziemliche Außenseiter gewesen, wenn wir uns nicht zusammengeschlossen hätten. Ich denke oft, dass ihre sarkastische Art nur Selbstschutz ist, aber andererseits ist sie inzwischen stolz auf das, was sie ist, und könnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als in der Masse zu versinken.
Ich hab leider einfach keinen Draht zu ihr; es fällt mir schwer, sie zu verstehen. Sie gibt mir gegenüber auch nie irgendeine Art von Traurigkeit, Unsicherheit oder so etwas zu; wenn sie von sich redet, scheint es immer, als wäre ihr Leben perfekt.

wieviel mehr Freiheit genau möchtest du denn? Kannst du daraus ein klares Ziel machen, bei dem du dann auch kontrollieren kannst, ob du es erreicht hast.
Hm, reichen würden mir ganz banale Dinge - mal in den Pausen allein sein, mal SMS schreiben dürfen, ohne dass sie mir über die Schulter sieht und Kommentare gibt, mal mit anderen Kumpels reden zu dürfen, ohne, dass sie danach mir gegenüber patzig wird und tut, als hätte ich sie verraten.

Ich danke euch; denke, ich muss tatsächlich einmal unter vier Augen mit ihr reden. Ich fürchte nur, dass wenn sie uneinsichtig ist und ich ihr im schlimmsten Falle sagen müsste, dass eine Freundschaft so keinen Sinn machen würde, ihre Mitbewohnerin sehr viel Stress und Kommentare und auch Anschuldigungen abbekommen würde. Wie gesagt, mit ihr bin ich sehr gut befreundet, und dieses Mädchen hatte und hat in ihrem Leben so viele Probleme (familiäre Probleme, Suizidversuche, Therapien), dass ich das um jeden Preis vermeiden möchte.. :confused:

Liebe Grüße
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Hm, reichen würden mir ganz banale Dinge - mal in den Pausen allein sein, mal SMS schreiben dürfen, ohne dass sie mir über die Schulter sieht und Kommentare gibt, mal mit anderen Kumpels reden zu dürfen, ohne, dass sie danach mir gegenüber patzig wird und tut, als hätte ich sie verraten.
Hallo Corona,
diese Ziele sind aus meiner Sicht zu unklar - denn du kannst nicht über deine Freundin verfügen oder bestimmen, wie sie sich verhält.

Aber du kannst bestimmen, wie DU dich verhältst - und es ignorieren, wenn sie dann patzig ist oder was auch immer. Mir scheint, du hast dich da ein bisschen verrannt und deine Eigenständigkeit aufgegeben. Hol dir davon mal eine Portion zurück - ihr seid ja keine siamesischen Zwillinge.

Und bitte: dich nicht auch noch wegen Dritten verbiegen, egal was für ein Leben oder welche Probleme die haben - das ist nicht deine Verantwortung und du musst nicht deine Zufriedenheit opfern, nur damit es anderen VIELLEICHT ein bisschen besser geht. Das macht keinen Sinn: dir geht es 20% schlechter und der anderen vielleicht 2% besser - macht zusammen 18% Minus ;)

Üb' mal ein bisschen das Nein sagen und Abgrenzen!

Gruß, Werner
 

Corona

Mitglied
Hallo Werner,
vermutlich hast du Recht.
Auch wenn ichs nicht gut finde, neige ich irgendwie ganz extrem dazu, zu klammern. Ich weiß nicht, ich hab ein paar Leute gefunden, die mir wichtig sind und denen ich wichtig bin und irgendwie hab ich unglaublich Angst davor, sie zu verlieren.
Ich glaube, irgendwo fürchte ich auch, besagte etwas aufdringliche Freundin zu verlieren, wenn ich ihr zu deutlich die Meinung sage.
Argh, ich weiß nicht. Irgendwie ist mir das in den letzten Stunden erst wirklich bewusst geworden. Siebzehn Jahre vor mich hin gelebt und jetzt erst irgendwo angefangen zu begreifen, was los ist. Muss auch daran denken, was für ne Angst ich hatte und was für ne Welt für mich zusammengebrochen ist, als meine beste Freundin ihren ersten Freund gefunden hatte.
Meine Familie gibt mir keinen Halt; zu meinen Geschwistern hab ich keinen Kontakt, meine Eltern sind mir eher fremd.. zwar freundlich zu mir, aber sie kennen mich nicht wirklich, wissen nichts von mir und interessieren sich auch nicht dafür. Nen festen Freund hab ich nicht (vllt ganz gut so?). Ich glaube, ich suche mir so ne kleine Ersatzfamilie zusammen.. Ich finde nicht leicht Freunde und die Vorstellung, ganz alleine zu sein - was schlimmeres gibts für mich nicht.. was hätte ich dann noch?
"Verrannt" ist, glaube ich, ganz genau das richtige Wort. Verrannt, verbissen, und ein bisschen verirrt.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
"Verrannt" ist, glaube ich, ganz genau das richtige Wort. Verrannt, verbissen, und ein bisschen verirrt.
Guten Morgen, Corona,
auch wenn du "alles" um dich herum verlierst hast du noch das Wertvollste übrig: Dich selbst! :)
Aber wenn du die nächsten 17 Jahre so weitermachst wie bisher, bist du in Gefahr, auch das noch zu verlieren und nur noch ein Spiegelbild anderer zu sein vor lauter ängstlicher Anpassung.
Deine Selbsterkenntnis - auch wenn sie bitter ausfällt - ist der erste Schritt an den Start in ein Leben, bei dem du selbst wieder die Hauptrolle spielst und klare Ansagen triffst (zuerst mal gegenüber dir selbst), was du nicht mehr willst und was stattdessen. Und wo du dir attraktive Ziele setzt und verfolgst (z.B. selbst einen Freund zu haben, eine Familie zu gründen etc.).
Und wer dann mit dir mitgeht, dich begleitet, unterstützt und beachtet - der hat es auch verdient, dein Freund und deine Freundin zu sein; der hat auch verstanden, wer du bist und liebt dich deshalb - und nicht aus Langeweile oder mangelnden Alternativen ;)

Viel Power und Mut!
Werner
 

Corona

Mitglied
Hallo Werner,

selbst die Hauptrolle spielen.. es klingt so logisch, und trotzdem hab ich so einen Gedanken lange Zeit als zu egoistisch abgetan. Ich danke dir wirklich sehr für deine Hilfe - es ist komisch, was so ein "paar Sätze" von einem Fremden bei mir für eine Gedankenflut ausgelöst haben. Ich hab letzte Nacht und heute morgen sehr viel nachgedacht, auch über viele andere Dinge, die ich hier nicht angesprochen habe, und ich denke, es wird sich noch eine Weile hinziehen, bis ich zu einem Ergebnis komme.. aber der Anstoß ist getan.
Irgendwo tut es gut, eine neutrale Meinung über das eigene Verhalten zu hören; das fehlt mir im realen Leben vollkommen. Es hat mir den Anstoß gegeben, mich selbst ein Stückchen von außen zu betrachten. Wenn ich beispielsweise daran denke, wie schwer es mir häufig fällt, zuzugeben, dass mir irgendetwas gefällt (angefangen beim Musikgeschmack bis hin zu Wertvorstellungen), wenn eine Person, an der mir etwas liegt, es anders sieht, wird mir einiges klar. Und das, obwohl ich mich sonst immer als halbwegs selbstbewusste Person gesehen und dargestellt habe.
Und dann beschwere ich mich noch darüber, ich würde schwer Freunde/Bekannte finden.. wie soll ich die auch finden, wenn ich quasi nichts von mir selbst preisgebe.
Ich denke, irgendwo war es mir klar, aber ich wollte es nicht wahrhaben.

Vielen lieben Dank.
 

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