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Wie erkläre ich meinen Eltern, was mit mir nicht stimmt?

ecten23

Mitglied
Hallo Forum.

Bevor ich anfange, erst einmal ein paar Hintergrundinformationen über mich und meine derzeitige Situation: Ich bin 28 Jahre alt und wohne inzwischen (nach mehreren Umzügen und wegen meines Studiums) gut 300 km von meinem Geburtsort entfernt. Seit mindestens 12 Jahren habe ich wiederkehrende depressive Episoden, anscheinend als Begleiterscheinung einer Borderline-Störung.

Etwa gegen Ende März habe ich in einem Telefonat zu meinen Eltern gesagt, dass ich im April noch mal zu ihnen kommen wollte. Das habe ich nie getan und stattdessen ohne einen für mich heute nachvollziehbaren Grund den Kontakt abgebrochen. Sie haben noch etliche male versucht, mich zu erreichen, auf den unterschiedlichsten Kanälen (auf meinem Handy, über Arbeitskollegen, bei meiner (Ex-?)Freundin, per E-Mail oder Post), aber ich bin immer ausgewichen. Bei jedem weiteren dieser Versuche kamen für mich (natürlich!) immer stärker werdende Gewissensbisse auf. Ich glaube, das ist völlig normal...

Seitdem ging es mit mir auch rapide bergab und ich war in diesem Jahr zweimal in der Psychiatrie, wo die Ärzte bei mir schließlich auch zuerst eine (nicht näher definierte) Depression und später (was ich nach meiner eigenen Einschätzung eher glaube) eine Borderline-Störung diagnostiziert haben. Da ich beim ersten Aufenthalt mit polizeilichem Beschluss untergebracht war, wurden meine Eltern darüber informiert (ist das eigentlich normal?) und haben daraufhin wieder verstärkt versucht, mich zu erreichen. Allerdings wieder erfolglos. Nach und nach habe ich mich da in eine Situation hinein gesteigert, in der ich nicht das Gefühl habe, dass ich sie selbst lösen kann. Einerseits möchte ich natürlich, dass das Verhältnis zu meinen Eltern wieder in Ordnung kommt. Andererseits habe ich aber den Eindruck, dass mein Verhalten durch nichts zu entschuldigen ist und meine Eltern einen besseren Sohn als mich verdient hätten... (Beispiel: Vor ein paar Jahren habe ich meine Mutter an Weihnachten in einem Restaurant ordentlich zusammen gefaltet, weil sie mir irgendwelche Ratschläge gegeben hat, die ich nicht hören wollte. Da habe ich einfach die Nerven verloren.)

Ich habe es zwar inzwischen geschafft, wenigstens über Weihnachten zu meinen Eltern zu fahren. Während der fünf Stunden im Zug nicht die Nerven zu verlieren, hat mich aber schon immens viel Energie gekostet; was immer anstrengender wurde, je näher ich kam. Zum Schluss habe ich noch etwa eine Stunde vor der Haustür gestanden, bevor ich mich schließlich überwinden konnte, zu klingeln. Und als ich endlich oben war, bin ich fast zusammen gebrochen, obwohl das alles am Ende gar nicht so schlimm war, wie ich befürchtet hatte.

Mein Problem jetzt ist, dass ich nicht weiß, wie ich mit meinen Eltern umgehen soll. Aus offensichtlichen Gründen wollen sie natürlich wissen, warum ich mich die ganze Zeit nicht gemeldet habe. Darauf weiß ich keine Antwort. Und dass sie sich Sorgen machen, wenn sie von der Polizei erfahren, dass ich in die Psychiatrie eingeliefert wurde, ist gleichermaßen verständlich, aber ich habe keine Ahnung, was ich ihnen sagen soll, wenn sie mich fragen, was mit mir los ist. Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass ich mich schon immer schwer getan habe, mit meinen Eltern über meine Probleme zu reden. Ich würde das gerne irgendwie bereinigen, aber jedes Mal, wenn so eine Situation entsteht, suche ich nach Ausflüchten oder mir schnürt sich alles zusammen und ich schaffe mir selbst ein unüberwindbares Hindernis. Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass wir am Montag oder Dienstag mal offen über alles reden und ich ihnen erkläre, was mit mir nicht stimmt. Ich weiß nur wirklich nicht, wie ich das alles anstellen soll, ohne mich selbst wieder in einen instabilen Zustand zu manövrieren... :(

(Mit Skills dagegen anzutreten würde zwar kurzfristig vermutlich helfen. Aber das ist ebenfalls eine Sache, für die ich mich gerne zurück ziehen würde und wegen der ich mich meinen Eltern gegenüber "schäme". Oder bei der ich das Gefühl habe, dass sie das nicht verstehen.)

Mal ganz davon abgesehen, möchte ich darauf verzichten, während der Weihnachtsfeiertage irgendjemandem die Laune zu vermiesen. Was für mich als Ausrede, ein Gespräch weiter aufzuschieben, sehr gelegen kommt...

Ich weiß nicht, ob ein Forum der geeignetste Ort ist, um Lösungsvorschläge für eine (normalerweise) derart triviale Aufgabe zu suchen. Aber wenn ihr irgendwelche Tipps habt, würdet ihr mir (und vor allem natürlich meinen Eltern) sehr viel weiter helfen. :)

Viele Grüße (und noch ein paar schöne Feiertage)
D.

P.S.: Sorry für den ausschweifenden Text...
 

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111kleinbuchstabe

Aktives Mitglied
Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass ich mich schon immer schwer getan habe, mit meinen Eltern über meine Probleme zu reden.
Müssen/Wollen Eltern alles wissen?

Du weisst doch von ihnen uch nicht alles und die Grosseltern wussten von den Eltern auch nicht alles. Denk ich mal.

Irgendwie fühlt man sich in der heutigen Welt ohne irgendwelche "Probleme" :cool: gar nicht mehr normal...
 
M

Monarose

Gast
Hi,

vielleicht reagierst du so extrem auf deine Eltern, weil sie Teil deines Problems sind. Das wirst du erkennen, wenn du eine analytische Gesprächstherapie angehst.
Du kannst ganz einfach die Wahrheit sagen - dass du selber nicht ganz genau weißt, was los ist. Aber dir Hilfe suchst.

Du musst nichts erklären.

Alles Gute!
 

ecten23

Mitglied
Hi.

Danke erstmal für eure Antworten. :)

Ich denke schon, dass meine Eltern es verdient haben, dass ich mit ihnen darüber rede, und sei es auch nur, damit sie Klarheit haben und wissen, was los ist, wenn ich wieder mal wegbreche. Dass das irgendwann wieder einmal so weit kommen wird, ist wohl offensichtlich.

Eine Gesprächstherapie, in der jemand zwischen meinen Eltern und mir vermittelt, wäre wegen der räumlichen Distanz wohl auch schwer umzusetzen. :(

Ja über das reden, was einen beschäftigt fällt sehr schwer. Hm kannst Du Deinen Eltern nicht einen Brief schreiben, in dem Du versuchst zu erklären was mit Dir los war/ist. Also, das Du darin auch erwähnst, das Du nicht weist warum Du Dich nicht gemeldet hast und das bei Dir Borderlin festgestellt wurde. (dann können sich Deine Eltern über diese Krankheit informieren und ihnen wird einiges klar) Diesen Brief kannst Du ja beim Abschied Deinen Eltern geben oder falls Du das nicht schaffst, ihn irgendwo hinlegst, wo sie ihn auf alle Fälle finden werden und so die Chance haben, ihn zu lesen und Dich etwas zu verstehen. Hab Mut und schreib diesen Brief. :daumen:
Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Meine Schwierigkeit liegt aber gar nicht so sehr in der Form, glaube ich. Es ist auch nicht, dass ich eine bestimmte Reaktion befürchten würde, sondern eher die Situation an sich. Wie gesagt, eine Entschuldigung für mein Verhalten gibt es nicht, und wenn ich anfange, mich zu erklären oder zu rechtfertigen, neige ich dazu, schnell wieder instabil zu werden und das möchte ich natürlich gerne vermeiden. Vor allem natürlich meinen Eltern zuliebe. Am liebsten würde ich das alles verdrängen. Dass ich damit nichts besser machen würde, ist mir dabei aber auch durchaus bewusst...

Ein anderer Punkt ist, dass ich in manchen Situationen eh das Gefühl habe, dass sie mich für "bekloppt" halten, nur weil ich bestimmte Aufgaben "anders" angehe. Manchmal sagen sie mir das auch tatsächlich so. Und jetzt war ihre erste Annahme, dass ich ein Asperger-Syndrom hätte. :rolleyes:

Du bist aber nun mal ihr Sohn, den sie lieben, den sie großgezogen haben und den sie bestimmt nicht gegen einen anderen eintauschen wollten. Elternliebe ist was ganz großes und wertvolles, sie verzeiht/vergibt vieles. ;)
Umso schlimmer, dass ich mich ihnen gegenüber oft so distanziert und undankbar verhalte... Als meine Mutter krank war, hätte ich auch mehr für sie da sein müssen.

Liebe Grüße
D.
 
Zuletzt bearbeitet:

rosenträne

Mitglied
hallo ecten,

als erstes ist es normal, wenn man mit polizeilichem beschluss in eine klinik eingewiesen wird, dass die angehörigen verständigt werden.

du brauchst keine schuldgefühle haben. wichtig ist, dass du für dich selber die lösung findest, mit der DU am besten klarkommst. es ist DEIN leben, DU musst es leben. schuldgefühle und das gefühl jemanden gegenüber verpflichtet zu sein, können einem das leben zur hölle machen. eltern "verdienen" keine "guten" kinder. sie haben dich großgezogen. dir versucht die richtigen werte zu vermitteln. zum glück haben sie keinen einfluss auf den charakter, auf das eigentliche wesen des kindes. du bist einzigartig. und so sollte man dich auch akzeptieren. wenn du glauben könntest, dass man dich so akzeptiert, wie du bist, mit allen deinen kleinen und großen macken, so wie jeder mensch sie hat, dann glaube ich, würde es dir besser gehen. denke nicht nur an deine eltern..... es gehört eine gehörige portion egoismus dazu, aber denke hauptsächlich an dich....

auch ich wurde zwangsweise eingewiesen...ich habe vieles lernen müssen....und ich habe es geschafft...noch nicht ganz, aber ich bin auf dem besten wege...

ich wünsche dir viel kraft, eine gehörige portion egoismus und mut!
 

ecten23

Mitglied
Hallo rosenträne.

Danke für die aufbauenden Worte. Natürlich muss ich eine Lösung finden, mit der ich am besten klar komme. Solange ich über die Situation gar nicht nachdenke, ist das auch alles gar kein großes Problem. Leider (?!?) ist es aber nun mal nicht so einfach, sich von allen familiären Verflechtungen zu lösen und nie wieder darüber nachzudenken. Oder eben einfach einen Schalter umlegen und wieder "normal" ticken, aber auch das ist wohl nicht so einfach machbar.

Für den Umgang mit meinen anderen Baustellen (freut euch auf andere Threads von mir :p) habe ich mich in den letzten Jahren hinter meiner Arbeit versteckt. Besser geworden ist es dadurch nicht, eher im Gegenteil. Aber für all die vielen Augenblicke, in denen ich keinen Gedanken daran verschwendet habe, war es einfach in Ordnung.

Und Egoismus... naja, natürlich muss man auch manches mal was für sich selbst tun. Aber wenn du mich persönlich kennen würdest, würdest du sicher nicht von mir wollen, dass ich mich egoistischer verhalte. Das tue ich (krankheitsbedingt?) ja durchaus und dann übertreibe ich auch meistens maßlos. ;)

@Tränenarm:
Das man ein Bordi wird, dafür gibt es ja Auslöser und meist stammen die aus der Kindheit. Weist Du Deinen Auslöser schon oder bist Du noch nicht so weit.
So weit bin ich noch nicht, aber ich habe so ein paar Annahmen...

Nur zur Erklärung, ich verstehe Dich besser als Du glaubst, ich bin auch ein Bordi, welche sich zurückzieht und niemand mehr an sich ranlässt.

Von daher auch der Vorschlag mit dem Brief. Ich habe gelernt bzw. ich konnte dies schon immer, bei sowas die Gefühle/Emotionen abspalten, so das es nicht so sehr wehtut, ich schreibe dann immer neutral, so als würde ich für jemand anderen schreiben. Na ja jedenfalls so in der Art.
Das wollte ich auch nie abstreiten.
"Neutral" darüber schreiben ist auch nicht so sehr das Problem. Hier schaffe ich das ja auch, mehr oder weniger zumindest. Aber trotzdem hätte ich ja noch im Hinterkopf, dass ich es für meine Eltern schreibe. Und dass ich vor allem meinen Eltern erklären müsste, was Borderline überhaupt ist. Bis jetzt hab ich ihnen nur gesagt, dass Depressionen "auch" dazu gehören.

Liebe Grüße
D.
 

ecten23

Mitglied
Danke, ich werd's mal probieren. :)

Wobei ich es dann auch wiederum irgendwie schwierig fände, ihnen einfach nur einen Begriff vorzuwerfen und zu erwarten, dass sie sich selbst informieren. Ich würde mir wirklich wünschen, dass ich zu einem Dialog in der Lage wäre, aber dieser Situation kann/will ich mich nicht stellen.

Ich hab mal eine Frage, spielen bei diesen Annahmen Deine Eltern auch eine Rolle?
Zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil schon, denke ich. Wobei das alles noch sehr diffus ist und ich mich an viele Dinge nicht mehr so genau erinnern kann.
 

ecten23

Mitglied
Ich schaffe es nicht. Sie wollen unbedingt mit mir reden, bevor ich wieder fahre, also noch heute Abend. Weil sie Angst haben, dass ich danach wieder ein Jahr lang nichts mehr von mir hören lasse.
 

111kleinbuchstabe

Aktives Mitglied
Ich schaffe es nicht. Sie wollen unbedingt mit mir reden
DAnn ist die Interessenlage doch klar. Dann brauchst Du doch keine Panik haben, die wollen doch was von Dir.

Ich denke, Du machst Dir den Druck selber. Immerhin hast Du Dir schon Druck vor dem Besuch gemacht (und ist doch nicht dermassen schlimm gewesen), dann wird es auch mit dem - wichtiggemachten - Gespräch auch nicht viel anders sein.
 

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